Abstimmung

Fischer rät Opposition zu Abgang

6. Dezember 2011, 18:10
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    foto: dapd/punz

    Bundespräsident Heinz Fischer beobachtet das Parlament.

Der Bundespräsident appelliert an die Opposition, die Schuldenbremse in der Verfassung doch noch zu ermöglichen - Die Abgeordneten könnten bei der Abstimmung den Saal verlassen, lautete der Ratschlag

Bundespräsident Heinz Fischer hat sich am Dienstag mit einem ungewöhnlichen Appell an die Oppositionsparteien gewandt, die Verankerung der Schuldenbremse in der Verfassung doch noch zu ermöglichen - und hat sich gleich eine ordentliche Abfuhr geholt.

Fischer hatte am Vortag der Abstimmung im Nationalrat "Verantwortungsbewusstsein von allen Parteien" eingefordert. Angesichts des Warnschusses der Ratingagentur Standard & Poor's wäre eine Schuldenbremse im Verfassungsrang ein "wichtiges und richtiges Signal zum richtigen Zeitpunkt". Fischers ungewöhnlicher Vorschlag an die Abgeordneten der Oppositionsparteien: Sie mögen doch während der Abstimmung im Parlament den Plenarsaal verlassen oder sich der Stimme enthalten, um der Regierung eine Beschlussfassung mit einer Zweidrittelmehrheit zu ermöglichen.

Abfuhr für den Präsidenten

Konkret müssten Oppositionsabgeordnete, anstatt im Plenum gegen die Verfassungsregelung zu stimmen, den Sitzungssaal verlassen. Funktionieren würde das nur, wenn entweder die FPÖ oder sowohl die Grünen als auch das BZÖ mitmachen. Für den Beschluss eines Verfassungsgesetzes muss im Sitzungssaal zumindest die Hälfte der Abgeordneten anwesend sein, zwei Drittel der Anwesenden müssen zustimmen.

Die Oppositionsparteien erteilten Fischer allerdings umgehend eine Abfuhr. Sowohl FPÖ als auch Grüne und BZÖ erklärten, während der Abstimmung sehr wohl im Saal zu bleiben und auch gegen die Schuldenbremse zu stimmen. FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache forderte Fischer auf, einen Runden Tisch der Parteichefs einzuberufen, wenn ihm die Schuldenbremse im Verfassungsrang so wichtig sei. Mit der FPÖ hätten nämlich weder Kanzler noch Vizekanzler das Gespräch gesucht, wofür Fischer aber keine mahnenden Worte finde, kritisierte Strache. Den von Fischer in den Raum gestellten Auszug der Opposition hält Strache für "demokratiepolitisch bedenklich". Offenbar wolle man sich vonseiten der Regierung der lästigen Opposition entledigen.

Fischer hatte seinen Vorstoß mit der Ankündigung der Ratingagentur, fast alle Euroländer, darunter auch Österreich, unter Beobachtung zu stellen und möglicherweise herabzustufen, begründet. Das sei "ein markanter Punkt in der aktuellen Diskussion über die wirtschaftliche Entwicklung Europas". Österreich brauche mehr denn je gemeinsame Anstrengungen in Richtung einer stabilen und rationalen Entwicklung.

Auch Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) appellierten noch einmal an die Opposition, der Schuldenbremse zuzustimmen. Diese sei ein "wichtiges Signal, dass man vorhat, mit den verfügbaren Mitteln auszukommen", erklärte der Kanzler. Die Opposition habe "offenbar nicht den Ernst der Lage erkannt". Faymann: "Wir Österreicher sollten beweisen, dass wir nicht die allerletzten sind, die eine Schuldenbremse in die Verfassung bekommen."

Hinter den Kulissen wird bereits an einem Plan B gearbeitet. Dieser sieht vor, die Bundesländer über eine 15a-Vereinbarung vertraglich auf die Einhaltung des Sparkurses zu verpflichten. Die Verhandlungen führt das Finanzministerium, die Mehrheit der Bundesländer hat bereits zugesagt. Die "schwarzen" Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich und Niederösterreich waren schnell überzeugt, auch Salzburg signalisierte seine Bereitschaft. Mit den anderen Ländern laufen noch Gespräche. (Peter Mayr, Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.12.2011)

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Freigeist
12
8.12.2011, 11:53
wohin geht dieses land unter rot/schwarz?

gewählte Volksvertreter sollen den Plenarsaal verlassen, damit rot/schwarz machen können was sie wollen?!

was kommt als nächstes? sollen Staatsbürger, die mit dieser Politik nicht einverstanden sind, das land verlassen anstatt etwas gegen diese/n Regierung/regierungsstil zu unternehmen?

ein Bundespräsident der aufruft seine Meinung NICHT zu äusssern, wenn sie nicht jener der Regierung entspricht?

eine sehr sonderbare, wenn nicht schon bedenkliche Entwicklung in diesem land. man könnte den Eindruck gewinnen, die Demokratie wird abgeschafft und alle haben sich dem willen der Koalition zu beugen.

Monika Himsl
00
8.12.2011, 11:18
Frage:

Wer bewertet eigentlich die Rating-Agenturen?
Pfeifen wir doch kollektiv auf das "Triple-A" und spannen selber den Rating-Rettungsschirm für Österreich auf!

mml1
01
8.12.2011, 09:46
Unglaublich, das ein Bundespräsident so etwas tut. Punktum.

Zynami
00
8.12.2011, 08:52
Fischer rät Opposition zu Abgang

Umgekehrt wär's lebendiger!

eknaDNovember
01
7.12.2011, 20:51

In gewisser Weise kann man fast dankbar sein, dass dies passiert ist.
Was hier passiert, passiert LAUFEND. Nur wenn es im etwas kleineren Rahmen ist (auf Österreich konkret bezogen), dann kriegt man es eher mit.
Es werden laufend Gesetze und Verträge gebrochen, und es wird durch Wirtschaftsgesetze oder wie immer man das nennen soll, eine Situation geschaffen in der die Menschen nicht mehr bestimmen welche Gesetze gemacht werden.
Man muss sich nur den ESF-Vertrag durchlesen (wirklich durchlesen, ist im Internet zu finden),
dann kann man sich nur erschrecken.
Es ist durchaus möglich, dass es zum Teil an Nicht-Wissen von Politikern liegt und somit an einer scheinbaren (!) Alternativlosigkeit.

ysengrimus
00
7.12.2011, 19:33

Ich habe Fischer mit meiner Stimme 2x zum Sieg verholfen, weil alle Alternativen nur schlechter gewesen wären.

BP-Fischer hat aber alle Arbeit geleistet, um die Österreicher davon zu überzeugen, dass die Stimme für das kleinere Übel eine verlorene ist und dass ein BP für Österreich so unnötig ist, wie ein Kropf.

Es ist traurig, dass ein BP, der eigentlich die Interessen aller Menschen vertreten soll, die in Österreich leben, nichts anderes ist, als eine Sprechpuppe der Rating-Agenturen.

Zynami
01
8.12.2011, 08:57
Fischer,

der Mann im, äh, ohne Schatten hat wieder mal gesprochen - hugh!

Der g'hört endlich selber aus der Verfassung gestrichen!

jacques05
03
7.12.2011, 18:48
herr bundespräsident, schleichens ihnen...

Wolfgang Ullram
01
7.12.2011, 17:48
deja vu

naja....selbstausschaltung des parlamentes....

gabs 1934

spannend dass der uhbp das nun selbst vorschlägt.

verfassungsbruch

der bp will, dass gewählte volksvertreter ihre parlamentarischen pflichten gegenüber dem öst. volk
"vergessen" sollen, weil die regierung keinen brauchbaren vorschlag zusammenbringt.

was kommt als nächstes?

http://de.wikipedia.org/wiki/Selb... Parlaments

damit die regierenden ohne blöder opposition endlich staatstragend agieren können?

bp als verfassungsverbieger?
spannend...

wehret den anfängen und der geisteshaltung die hinter diesem appell steht...

brrrrrrr

f_ad
00
7.12.2011, 17:13
Schuldenbremse=Maastricht Kriterien

Die Regierung soll einmal schauen, dass die Maastrichtkriterien in den nächsten Jahren erfüllt werden, bevor so etwas diskutiert wird.

Cuchullain
06
7.12.2011, 16:33
"Fischer rät Opposition zu Abgang"

Ich rate Fischer zu Abgang!

koala5
01
7.12.2011, 16:30
Das Einzige was jetzt in die Verfassung gehört sind die sozialen Menschenrechte!

byron sully
04
7.12.2011, 16:18

es war wohl fischer größter fauxpas in seinen bisher sieben jahren amtszeit.

Zynami
01
8.12.2011, 08:54
nicht größter, sondern üblicher (Fauxpas)

würd ich meinen.

Der Kluge
00
7.12.2011, 16:16

Zuerst verteilt die SPÖ Geschenke (Verlängerung Hacklerregelung, Abschaffung Studiengebühren, Reduktion der MWSt), jetzt will sie per Verfassungsmehrheit eine Schuldenbremse?

Na da wird sich die Basis aber freuen, wenn sie das erklären darf.

F. T.
00
7.12.2011, 16:13
Auch die immensen Pleite- bzw. Verlustabschreibungen...

...unserer oder ausländischer Macher mit folgenden horrenden Mindereinnahmen für die Staatskassen werden damit garantiert nicht gebremst.

Gebremst wird garantiert höchstens das Wohlbefinden der Normalbürger bzw. des Mittelstandes, den man dann mit wuchtigen Belastungsschlägen dazu zwingen wird, das so entstandene Loch in der Staatskasse wieder zu schließen. Denn wer sollte das sonst machen? Die Erfinder der Schuldenbremse vielleicht?

Na ja, ein kleiner Scherz muß sein!

F. T.
00
7.12.2011, 16:12
Was soll eine Schuldenbremse für einen Sinn haben?

Eine AUSGABENBREMSE, bei der ganz genau Punkt für Punkt(!) angeführt wird, wie viel(!) und wofür(!!!) ausgegeben werden darf, wäre viel zielführender.

Denn eine Schuldenbremse, wo nur die Schuldenhöhe verfassungsmäßig festgelegt wird, hindert ja keinen Finanzminister bzw. auch keine Regierung daran (übrigens egal, in welcher politischen Zusammensetzung), auch weiterhin Milliarden und Abermilliarden für Großpleitiers und Großversager im In- und Ausland oder für Länder mit unverbesserlichen Pleite-Politikern in- und außerhalb der EU oder für andere Fässer ohne Boden in der EU auf Nimmerwiedersehen zu verbraten.

goldschmied van halen
02
7.12.2011, 15:48
genau wegen dieser rückgratlosigkeit...

...war der Fischer von Anfang an eine fehlbesetzung. jetzt will er andere dazu motivieren es ihm nachzumachen.

In einer rückgratlosen Gesellschaft mit Angst vor der eigenen meinung spült es letztendlich sowas an die spitze...

Luky Pozzo
01
7.12.2011, 15:40
Ein Rat an den Überdrüssigen

Lieber Herr Bundespräsident, wenn Ihnen das Recht zu schwerfällig, Diplomatie zu sperrig und die Demokratie zu unsalopp erscheint, dann probieren Sie doch einmal einen Trendwandel in Ihren eigenen Gemäuern:

Beim nächsten Besuch aus einem Schurkenstaat schenken Sie z. B. billigsten Wein aus, lassen ein paar stiltragende Knöpfe offen, begrüßen mit Klaps auf den Hintern, bequemen sich nicht vom Fernseher weg etc. etc. etc. - alles lässt sich an der eigenen Haustür machen und ausmalen.

melli91
62
7.12.2011, 14:02
Die Schuldenbremse ist unabdingbar

Sonst kommt die SPÖ bei den nächsten Wahlen wieder mit Versprechungen daher die dann der Steuerzahler begleichen muß.
Nach meinen Erinnerungen hat die SPÖ die letzten fünf Wahlen mit Lügen gewonnen.

Freigeist
00
8.12.2011, 11:59
eine "schuldenbremse" die ohne Konsequenzen

gebrochen werden kann, ist sinnlos

nichts hindert verantwortungsvolle Politiker zu sparen. es gibt kein gesetzt, welches die Regierung zur ständigen Neuverschuldung zwingt (ausser ihr Überlebenstrieb auch die nächsten wählen wieder zu gewinnen).

F. T.
10
7.12.2011, 14:22
Die "Sanierer" Schüssel und Grasser schenken wir Ihnen gerne!

Auch deren Budgetmanipulationen bzw. -schönungen!

Und die machten diese beiden - bitte - in besten Konjunkturzeiten! Man kann nur mit Schrecken ahnen, was diese beiden in der größten Finanz- und Wirtschaftskrise mit den Österreichern gemacht hätten.

Und die Schuldenbremsenplauscherin-Fekter, die im gleichen Atemzug krachende Neuschulden macht, dürfen Sie sich auch zu Hause zum Anbeten aufstellen.

adaschauher
08
7.12.2011, 13:56
fischer war und ist ein apparatschik:

der wahltaktische, bewusste verfassungsbruch beim des letzten budgets war ihm keinen kommentar wert.

prorogat
00
7.12.2011, 13:39
bin dagegen

dann ist ja für gott kein platz mehr in der verfassung

Stefano Rosetti1
06
7.12.2011, 13:34
Krachen lassen

Mir ist es langsam lieber, wir lassen es ordentlich krachen. Deutlich besser, als von den Ratingagenturen auf Dauer in Geiselhaft genommen zu werden. Die grenzenlose Inkompetenz der österr. Politik findet beim HBP seinen krönenden Abschluss. Mir sind Demokratie und Werte wichtiger als Ratings. Danke an die Opposition.

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