Völlig verschätzt: Prozess um teuersten Teppich der Welt

6. Dezember 2011, 18:08
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Für 19.000 Euro bei Versteigerung verkauft - Tatsächlicher Wert bei Christies: 7,2 Millionen Euro - Vergleich gescheitert

Augsburg - Im Prozess um den angeblich teuersten Teppich der Welt ist am Mittwoch vor dem Landgericht Augsburg eine gütliche Einigung gescheitert. Weder die Klägerin noch der beklagte Augsburger Auktionator wollten einem Vorschlag des Gerichts zustimmen, wonach die ältere Dame aus dem Raum Starnberg zusammen mit dem Versteigerungserlös eine Summe von insgesamt 100.000 Euro für den wertvollen Teppich erhalten hätte. Das Auktionshaus wäre nach der Zahlung des Betrages bankrott, sagte der Anwalt des Auktionators, Peter Raue.

Schadensersatz verlangt

Die Klägerin hatte den geerbten Perserteppich aus dem 17. Jahrhundert dem Augsburger Auktionator zur Versteigerung überlassen - dieser schätzte ihn auf 900 Euro. Bei der Auktion in der Fuggerstadt brachte er dann 19.700 Euro ein. Über Umwege gelangte der sogenannte Vasenteppich, der sich durch ein spezielles Muster auszeichnet, anschließend zum renommierten Auktionshaus Christie's in London und wurde im Frühjahr 2010 für die Rekordsumme von umgerechnet 7,2 Millionen Euro versteigert. Die ehemalige Besitzerin sah sich deshalb um eine hohe Summe gebracht und verklagte das Augsburger Auktionshaus Rehm auf Schadensersatz.

330.000 Euro will sie vom Auktionshaus Rehm haben. "Das ist die Summe, auf die der Teppich bei Christie's geschätzt wurde, abzüglich des bei der Auktion in Augsburg erzielten Betrages", erläuterte ihr Anwalt Hannes Hartung vor dem Prozess.

Warum der Teppich so wertvoll ist, hat mehrere Gründe: Sein hohes Alter, die Herkunft aus der persischen Provinz Kerman, die hohe Zahl der Knoten und die Tatsache, dass er sich einst im Besitz der Comtesse de Behague (1870-1939) befunden haben soll, die eine große Sammlung iranischer Kunst besaß. Der 338 mal 153 Zentimeter große Teppich ist auch im Standardwerk "Survey of Persian Art" abgebildet. Der extrem hohe Preis entstand in London durch eine wahre Bieterschlacht.

"Verramschung"

Vor Gericht in Augsburg schilderten die Klägerin und der Auktionator nun die Vorgänge vor der ersten Auktion sehr unterschiedlich. Die ältere Dame berichtete, dass der Experte verschiedene Stücke, die sie ihm für die Versteigerung geben wollte, "im Sekundentakt" angeschaut und bewertet hätte. "Das war eine Verramschung, das gibt es gar nicht", sagte sie. Die Tochter der Klägerin berichtete davon, dass der Auktionator den Rekordteppich als "unscheinbar" bezeichnet und bemängelt habe, dass er "eh schon kaputt" war.

Der Inhaber des Auktionshauses widersprach dieser Darstellung. Er habe den Perserteppich bei der Besichtigung als "sehr, sehr gutes Stück" gelobt. Er betonte aber auch, dass er als Universalversteigerer kein Experte für Teppiche sei. Im Fall des Perserteppichs habe er deswegen mehrere Experten hinzugezogen. Da sie aber die exakte Herkunft des Teppichs nicht bestimmen konnten, habe er ihn schlicht als "Persische Galerie" in den Auktionskatalog aufgenommen und zur Versteigerung angeboten. Ein Urteil wurde am Mittwoch nicht mehr erwartet. (APA)

  • Der iranische Vasenteppich hätte seiner früheren Besitzerin 7,2 Millionen Euro eingebracht.
    foto: christies london

    Der iranische Vasenteppich hätte seiner früheren Besitzerin 7,2 Millionen Euro eingebracht.

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