Wien/Rom - "Ich bin vor allem erst einmal froh, dass Silvio Berlusconi weg ist" - der italienische Abgeordnete Leoluca Orlando macht in einem Standard-Gespräch kein Hehl daraus, dass er an den Erfolg eines "anderen Italien" glaubt. "Mario Monti weiß, was zu tun ist, und wir von Italia dei Valori (Italien der Werte) werden ihn unterstützen, wo wir können."
Natürlich nur mit Einschränkungen: Montis 25-Milliarden-Sparpaket sei zu einnahmenlastig. "Wir müssen mehr sparen", sagte Orlando, der am Dienstag für einen Vortrag beim Liberalen Forum nach Wien gekommen war. "Wir brauchen auch eine entschlossenere Bekämpfung der Korruption, Italien muss mehr gegen Steuerhinterziehung unternehmen." Allein hier gebe es Expertenschätzungen zufolge 50 Milliarden Euro jährlich zu holen - bei fast 2000 Milliarden Euro Staatsverschuldung ein attraktiver Posten.
Einsparungspotenzial sieht Orlando auch in der Verwaltung. "Wir können alles auf staatlicher und kommunaler Ebene erledigen, die Provinzen sind überflüssig. Und überhaupt: Wozu brauchen wir 630 Abgeordnete und 315 Senatoren? Streichen wir doch die Hälfte ersatzlos!"
Monti stellt Vertrauensfrage
Der neue Premier gibt unterdessen Gas: Um zu verhindern, dass die Parteien, die Montis Technokratenkabinett bisher unterstützen, noch Änderungswünsche anmelden können, will er das Sparpaket bis spätestens Weihnachten verabschieden, und zwar per Vertrauensvotum - eine gängige Praxis: Berlusconi griff 50 Mal auf dieses Instrument zurück. Italien habe die Wahl zwischen den nötigen Opfern oder einem "Bankrott und einem zerstörten Euro". (Gianluca Wallisch, DER STANDARD-Printausgabe, 07.12.2011)