Euro schwächt die starken Glieder

Kommentar | Andreas Schnauder , 6. Dezember 2011, 17:57

S&P hat in einem recht: AAA-Länder werden mit den Eurohilfen überstrapaziert

Betrübnis bis Empörung: So lassen sich die Reaktionen auf die drohende Herabstufung der Euroländer zusammenfassen. Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny verstieg sich sogar zu der Behauptung, der Warnschuss von Standard & Poor's sei politisch motiviert. Das geht in Richtung jener Verschwörungstheorie, wonach Ratingagenturen Handlanger Amerikas seien. Klingt gut. Doch es war Standard & Poor's, die den USA die Top-Bonitätsstufe AAA entzogen hat. Vielleicht erklärt der OeNB-Gouverneur ja noch, welche andere dunkle Macht dahintersteckt.

Die Einschätzungen der Ratingagenturen sind in Tat hinterfragenswert, in den Olymp haben sie aber Regulatoren und Zentralbanken gehoben. Es wird kein Wertpapier zu Besicherung von Notenbankkrediten angenommen, das nicht mit einem Stempel einer der drei Risiko-Schätzer versehen ist. Über die Investmentbranche wird diese Vorgabe potenziert, schließlich will kaum eine Pensionskasse oder Lebensversicherung in ihrer Veranlagungspolitik von der Methodik der Notenbanker abweichen.

So richtig traut sich die Union das Thema nicht anzupacken. Offenbar gefällt sich die Politik besser in der Rolle, bei Sonntagsreden auf die Agenturen einzudreschen. Bezeichnend dabei sind die Reaktionszeiten. Die EU-Kommission benötigte nach dem Zusammenbruch der Top-bewerteten Investmentbank Lehman Brothers exakt drei Jahre und einen Monat, um einen Regulierungsvorschlag für die Branche zu unterbreiten. Der bringt übrigens einige Verbesserungen bei Aufsicht und Qualität der Ratingagenturen, am beschriebenen Kernproblem wird er aber nicht viel ändern.

Trotz aller Fehlurteile, die Standard & Poor's, Moody's und Fitch in den letzten Jahren gesprochen haben, sollten die Grundüberlegungen hinter den erwogenen Down- grades nicht beiseitegewischt werden. Die politischen Antworten auf die Probleme der Währungsunion erfolgten ebenso zögerlich wie dürftig, wodurch die Eurokrise erheblich beschleunigt wurde und die Realwirtschaft belastet wird. Die einsetzende Rezession erschwert den notwendigen Schuldenabbau erheblich, worunter auch die Qualität der Staatsanleihen leidet.

Und: Wer Gläubiger durch die Finger schauen lässt, wie im Falle Griechenlands praktiziert, darf sich nicht wundern, dass der Tabubruch auch andere Eurostaaten belastet. Das ändert freilich nichts daran, dass der Schuldenschnitt allein schon aus prinzipiellen Erwägungen richtig ist.

Und noch eine Lehre ist aus dem "Creditwatch" zu ziehen: Die Finanzen der solideren Staaten wie Deutschland werden durch den Einsatz für die schwächeren Glieder immer stärker strapaziert. Das gibt auch einen Vorgeschmack auf die immer populärer werdende "Fiskalunion" der Eurozone. Die damit verbundenen Transfers von - vereinfacht gesagt - Norden nach Süden, werden schwer auf den Staaten mit gesunder Haushaltspolitik lasten, den Anpassungsdruck der schwächeren Länder reduzieren und somit die gesamte Währungsunion nach unten ziehen.

Mit dem Timing von S&P - der Warnschuss erfolgte knapp vor dem am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel - kann man es halten, wie man will. Die Union sollte es als Anstoß für mutige Entscheidungen nehmen. Und Österreichs Regierung wäre gut beraten, endlich Taten zu setzen, anstatt der Opposition die Schuld am eigenen Reformstau zuzuschieben. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.12.2011)

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www.kirchenaustritt.at
00
8.12.2011, 17:38
Antiviagra sozusagen...

Erwin Wolfram
00
8.12.2011, 12:58
...

go carrytrade go

1116er
10
8.12.2011, 12:27
Euro schwächt die starken Glieder

nachdem er sie zuvor auf superman-format aufgeblasen hat.

nie und nimmer hätte schröder in d seine hartz-pakete verschicken können, wenn d nicht mitglied der eu gewesen wäre und den euro als handelserleichterung gehabt hätte.

Vera Rschung
 
02
8.12.2011, 11:49
OECD hält Griechenland für völlig reformunfähig

http://www.spiegel.de/politik/a... 92,00.html

D.h., die Schulden, welche die AAA-Staaten für Griechenland aufnehmen, werden garantiert nicht von Griechenland zurückbezahlt. Über den Rettungsschirm verschulden sich die AAA-Staaten in rasantem Tempo. Eine Milchmädchenrechnung, dass das in kurz oder lang auch die AAA-Staaten ins Wanken bringt.

Die chinesische Ratingagentur Dagong hat auch Österreich und Deutschland deswegen schon auf AA herabgestuft.

Reich sein muss sich lohnen!
02
8.12.2011, 14:45
Natürlich wird Griechenland seine Staatsschulden nicht zurückzahlen

Kein Staat wird jemals seine Staatsschulden zurückzahlen.

Staatsschulden werden nicht zurückbezahlt sondern umgeschuldet.
Ein simples Pyramidenspiel.

Wehrmann
03
8.12.2011, 11:27
Bei 27 Mrd Schuldenaufnahme

und 50 Mrd Staatseinnahmen für 2012 ist ein AAA Rating Betrug- es sollte DDD sein.
Und da wir erst einmal seit 1945 wegen Red Bull eine positive Handelsbilanz zusammengebracht haben, sind auch Geschenkbürgschaften für fremde Länder als tödliche Arroganz anzusehen.

Utrillitn
00
8.12.2011, 01:47
Das Wort "Exportüberschüsse" hätte Herr Schnauder ruhig in den Mund nehmen können

Ohne Einbeziehung der Handelsbilanz bleiben seine Überlegungen Stückwerk.

sensortimecom
02
8.12.2011, 10:55
Export und Scheinexport

Man muss - wenn man von "Exportüberschüssen" spricht - eigentlich drei verschiedene Arten unterscheiden:

- Exporte in Nicht-EU-Staaten: das sind klassische Exporte, die auch tatsächlich die Handelsbilanz verbessern. Sie werden und wurden unter großen Anstrengungen erzielt
- Exporte in Nicht-Euroländer der EU. Keine Exporte der klassischen Art, da politische Union.
- (Schein)Exporte in Euroländer, die überhaupt keine Exporte darstellen. Das sind Binnengeschäfte im Binnenland, ihre Deklarierung als "Exporte" ist Selbstbetrug. Sie tragen in Wahrheit nichts zur Verbesserung einer Handelsbilanz bei, da ja Euro als gemeinsame Währung. Ihre intensive Förderung dient nur den Interessen der Banken und Großkonzerne.

1116er
00
8.12.2011, 12:23
ihre unterscheidung wäre dann angebracht,

wenn auch das rating sich auf "die" eu oder auf "die" euroländer beziehen würde.

da das rating aber nationalstaaten betrifft, gilt mE der 'klassische' begriff von export.

sensortimecom
01
8.12.2011, 13:33
Das ist alles weder Fisch noch Fleisch

Man überlege mal (ich habs unlängst gepostet!..):
Wiener Firmen würden um Milliarden Produkte nach Vorarlberg liefern... sowohl "Export" (der keiner ist) und "Import" (der auch keiner ist) würden großzügig gefördert und von den Banken finanziert.... am Ende stellt sich heraus, dass Vorarlberg nix zahlen kann weil zuwenig eigene Wertschöpfung -> Banken pleite, Staat Vorarlberg pleite (muss mit Billionen "gerettet" werden) usw. usf...

GENAU SO schauts in Euroland aus...

Hauptgewinner: Banken, Großkonzerne etc. die ihr Geld nach Übersee retten, dazu noch die Importeure von Rohstoffen, karo, denn wo viel produziert wird, braucht man auch Rohstoffe...

Und wo es Hauptgewinner gibt, gibts auch Hauptverlierer: ALE ÜBRIGEN....

Anchel Kingsman
00
23.1.2012, 21:12

endlich einer der 's kapiert hat.

vielen dank fuer ihren kommentar!

sensortimecom
00
8.12.2011, 13:41
-> Nachtrag, zur Klarstellung:

Ich hab das "Land" Vorarlberg in der Metapher als "Staat" bezeichnet, um den Vergleich mit der ggw. Situation in der Eurozone bringen zu können...

ManfredZsak - occupied the Wirtshaus
01
7.12.2011, 22:19
wer is schuld-

- die anderen

Count Saurüssel
02
8.12.2011, 00:34
"wer is schuld"

Das Gesamtsystem der Währungsunion. Sie ist schlicht und ergreifend eine Fehlkonstruktion, und nun fliegt sie eben auseinander.

ManfredZsak - occupied the Wirtshaus
00
12.12.2011, 09:17
ja

und, das war ein Fehler, aber dass damals Fehler gemacht wurden können wir jetzt im nachhinein nicht mehr beeinflussen, und mit schuldzuweisungen kommen wir auch nicht wirklich weiter - sinnvoller wäre die Fehlkonstruktion, was jetz auch teilweise gemacht wird, zu korrigieren

her wig
01
7.12.2011, 20:58
Was mich so fasziniert

ist diese Verhaltensweise der Politik bzw. Bankenaufsicht: zuerst festschreiben dass die Ratingagenturen einen Einfluss haben, und sich dann darüber beschweren dass sie so einen Einfluss haben. Bitte was soll man dazu sagen? Da gibt's ja garkeinen politisch korrekten Ausdruck dafür, oder?

MME
00
7.12.2011, 20:13

Tja da bräuchten die starken Glieder nur eine andere Politik verfolgen. Aufs Gas steigen und nicht auf die Bremse.

Dann klappst auch mit dem Rating.

Moralapostel
 
24
7.12.2011, 15:21
Merkels Würgegriff schadet, statt zu nützen

Erst Konjunkturprogramme auflegen, dann sparen. Im eigenen Land hat die deutsche Kanzlerin zweimal gute Erfahrungen mit dieser Reihenfolge gemacht. In Europa verdonnert sie andere Staaten trotzdem zum Gegenteil - und richtet ein Desaster an.
http://www.ftd.de/politik/i... 39141.html

Schnapphahn
00
8.12.2011, 07:20
In Deutschland ist es halt so

wie überall. Sparen sollen die anderen.
Atomkraft Nein Danke, aber bittschön kein Windrad im Umkreis von 10Km von meiner Haustür. Bitte stellts die Dinger wo anders auf.

Ggg14
15
7.12.2011, 14:51

"die stärkeren Glieder" - abgesehen von der Wortwahl auch inhaltlicher Schwachsinn.
Die Staatsfinanzen der sogenannten AAA-Länder sind nur unwesentlich besser beinander als die der Südländer. S&P hat mit seiner Einschätzung so gesehen Recht und alle, die glauben Reformen seien bei uns nicht notwendig Unrecht.

SRV
11
7.12.2011, 11:55

Ich wusste gar nicht, dass sich Sebastian Vettel für Wirtschaftspolitik interessiert ;-)

Steverd
01
7.12.2011, 11:06
Krise ist mit den eingesetzten Mitteln nicht zu lösen

"...,den Anpassungsdruck der schwächeren Länder reduzieren und somit die gesamte Währungsunion nach unten ziehen."

Das Problem ist, dass der (Anpassungs)druck in die falsche Richtung geht und die Probleme mittelfristig wohl verschlimmern wird. Eine Verringerung des Drucks könnte die Situation daher auch entschärfen.

A. Sieberer
35
7.12.2011, 11:04

Allerdings wird in dieser Betrachtung der Situation völlig vergessen, dass die derzeitige wirtschaftliche Stärke insbesondere Deutschlands ohne den durch die südlichen Länder niedrig gehaltenen Euro gar nicht möglich gewesen wäre. Die zu erwartende Schwächung der starken Länder ist deshalb eher als eine Angleichung an normale Verhältnisse zu sehen. Probleme bereitet eher, dass diese starken Länder in guten wirtschaftlichen Zeiten ihren Anteil ebenfalls nicht erfüllen konnten, wie ausgeglichene Budget, Schuldenabbau und vor allem eine Lohnpolitik, die die Binnennachfrage stärkt, die Konkurrenzfähigkeit der südlichen Länder erhält und gleichzeitig Raum ließe für jetzt notwendige Belastungen.

Anchel Kingsman
03
7.12.2011, 10:40

BBB is the new AAA

dont worry!

Igor Gassner
01
7.12.2011, 10:26
Die AAA Stufe wurde dem Land USA entzogen

dasw ar ein Warnschuss in Richtung Politik hat keine Konsequenzen und sieht gut aus.

Amerika ist schon richtig alles was sich um die FED versammelt regiert

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