An die Leine

Die schwierige Disziplinierung der Ratingagenturen

6. Dezember 2011, 19:11

EU-Kommission versucht seit 2009, die Branche an die Kandare zu nehmen

Wenn EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sein Archiv durchstöbert, könnte es passieren, dass er angesichts einer Entscheidung vom 6. Jänner 2006 in Wehklagen verfällt. An jenem Tag hat Barniers Vorgänger Charlie McCreevy einen Antrag des EU-Parlaments auf strengere Regulierung der Ratingagenturen abgelehnt. Die Kommission vertraute auf "Selbstregulierung" der Branche und sah keinen Bedarf für Eingriffe.

Das hat sich geändert. Seit 2009 versucht die EU die Arbeit der Rater in Bahnen zu lenken. Zwei Verordnungen wurden bisher erlassen, eine dritte vorgelegt, eine vierte ist in Diskussion. Trotzdem fordern zahllose Experten eine strengere Regulierung der Branche. Die Kritik rührt nicht zuletzt daher, dass die EU den Ratingagenturen bisher fast ausschließlich leicht zu erfüllende formale Vorschriften gemacht hat.

So müssen sich S&P, Moody's und Co seit 2010 in der EU registrieren lassen und dafür bestimmte Informationen (Eigentümer, Methoden) vorlegen. 28 Unternehmen haben sich bisher bei der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA angemeldet.

Ratingagenturen wurden zudem verpflichtet, einige Auflagen, etwa über die Zusammensetzung der Aufsichtsorgane, zu erfüllen. Sie müssen Staaten zwölf Stunden vor einem Downgrade vorwarnen. Inhaltliche Auflagen gibt es dagegen für die Rater kaum. "Die EUhat bürokratische Abläufe geschaffen und wenig reguliert" , kritisiert der Grüne EU-Parlamentarier Sven Giegold.

Das sehen inzwischen auch Aufseher so. Als eines der zentralen Probleme gilt, dass sich Länder zu sehr auf Ratings verlassen und sie in zahlreichen Gesetzen als Maßstab heranziehen. Der Europäische Rat für Finanzstabilität (FSB) hat daher im Oktober 2010 empfohlen solche Rückgriffe künftig einzuschränken. Doch die FSB kann nur Ratschläge abgeben.

Kurswechsel

Ein erster Kurswechsel der Kommission in der Sache deutete sich im November an, als Barnier eine neue Verordnung über die Regulierung der Branche vorlegte. Das zentrale Anliegen des Kommissars ist es den Wettbewerb im Markt mit einem Rotationsystem zu beleben. Unternehmen sollen künftig alle drei Jahre (große Akteure an den Finanzmärkten sogar jedes Jahr) die Ratingagentur wechseln müssen. Die ESMA soll zudem die Methoden der Agenturen inhaltlich überprüfen. Wenn ein Ratingunternehmen seine Bewertungskriterien ändert, müsste es die neuen Richtlinien der ESMA zur Genehmigung vorlegen.

Gegen die Barnier-Vorschläge kommt erstmals scharfe Kritik von den Ratern selbst: "Das Prüfungsrecht der ESMA wäre ein klarer Eingriff in unsere analytische Unabhängigkeit" , meint Torsten Hinrichs von Standard & Poor's. Hinrichs warnt davor, dass die ESMA alle Agenturen zu einer einheitlichen Arbeitsweise drängen könnte, "wodurch die Eigenständigkeit der Unternehmen verloren ginge." Das Rotationsystem hält er für nicht praktikabel, weil dadurch eine kontinuierliche Arbeit der Agenturen unmöglich werde.

Von anderer Seite heißt es, die Vorschläge Barniers gehen nicht weit genug. "Das große Problem ist, dass sich drei Ratingfirmen 90 Prozent des Marktes aufteilen. Da hilft das Rotationsystem allein wenig. Nur die Schaffung einer europäischen Ratingagentur könnte denWettbewerb stärken." Genau das lehnt die Kommission aber bisher ab. Offiziell heißt es, eine solche, mit staatlichen Geldern geförderte Agentur, würde wenig Glaubwürdigkeit am Markt genießen. (szi, DER STANDARD, Printausgabe, 7.12.2011)

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Posting 1 bis 25 von 76
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österix
00
7.12.2011, 18:42
Wenn die Ratingagenturen Schaden anríchten,

sollten sie auch zur Verantwortung gezogen werden. Wie wär's, wenn betroffene Staaten die Ratingagenturen auf Schadenersatz, zB für die höheren Anleihezinsen klagten?

flotter denker
00
7.12.2011, 16:56
Das Ganze wird nicht viel bringen.

Denn Vertrauen kann man nicht befehlen.

er leuchtet
01
7.12.2011, 13:21

die ratingagentur Fitch gehört zu 60% der Hearst Corp = eines der altersten u. größten Medienunternehmen der USA. In Kooperation mit ein paar US-Politikern kann ich da schon einiges bewegen - weltweit.
Ausweg: Aufklärung über wer die shareholder der Agenturen sind, welche Umsätze/Gewinne sie mit welchen Geschäften machen, etc.. Dann wird ihre Bedeutung rasant abnehmen.

Roter Baron
00
7.12.2011, 12:52
>Inhaltliche Auflagen gibt es dagegen für die Rater kaum<

danke
damit steh mal wenigstens hier
dass das kaffee-sud-lesen ist
was die betreiben.

was ich immer gsagt hab,
das sind private unternehmen
die nur eins sehen
ihren eigenen gewinn.
und mit fallenden kursen
lässt sich bekanntlich genauso absahnen
wie mit steigenden.

roter baron

goldman sucks
00
7.12.2011, 13:30
Wenn du der Meinung bist, dass die Ratingagenturen unrecht haben

und Griechenland, Italien, Spanien und Portugal super kreditwürdig sind, dann schlag ich vor, du kaufst gleich haufenweise Staatsanleihen. Die freuen sich.

Nein? Na, vielleicht haben sie ja dann doch nicht so unrecht...

Karl Joda
00
9.12.2011, 12:51

Da gehts um die Abkoppelung der Finanzzocker von der Realwirtschaft. Es wird mit den Rating Agenturen versucht gegen den Euro zu spekulieren und die Eurozone zu destabilisieren. Also: Schluss mit den
Steueroasen, her mit einer Finanztransaktionssteuer, einer eigenen EU Ratingagentur und ein Verbot von Finanzalchemie-"Produkten".

politisch verfolgt
72
7.12.2011, 11:59
was?

es gibt firmen, die es wagen, überschuldeten staaten mit unfähigen regierungen ein schlechtes zeugnis auszustellen? frechheit. #
da hilft nur eines: verbieten und durch eine staatlich gelenkte bude ersetzen. dieses konzept hat in der sowjetunion auch immer funktioniert, dort waren die wirtschaftsdaten stets traumhaft und die regierung wurde niemals kritisiert.

Roter Baron
12
7.12.2011, 12:53

das, was dích verfolgt,
dafür gibts ärzte, glaub mir.

roter baron

zeitfuchs
11
7.12.2011, 12:33
was?

es gibt Firmen die schweigen, wenn im Grunde genommen bankrotte Staaten unter Vortäuschung falscher Zahlen und eigehaltener Konvergenzkriterien sich in die Eurozone einschleichen?

zeitfuchs
01
7.12.2011, 18:27
zur Klarstellung für den Rotstrichler:

Es ist inzwischen hinlänglich bewiesen, (u.a. auch aufgrund des Berichtes der New York Times vom Februar 2010) daß US-Banken wie Goldman Sachs und JP Morgan Griechenland geholfen haben, das Ausmaß seiner Staatsverschuldung zu verschleiern. Es stellte sich im Nachhinein heraus, dass der Beitritt Griechenlands zur Eurozone 2001 auf der Basis geschönter Angaben der Regierung, insbesondere unter Verschleierung des hohen Staatsdefizits erfolgt war.

In diesem Zusammenhang überrascht nicht, daß die Ratingagentur Standard & Poor's Griechenland bis zum Oktober 2009 noch mit der relativ guten Note „A-„ bewertete, und zu den Machenschaften schwieg, obwohl sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon Kenntnis haben mußte.

Werner Faygmann
11
7.12.2011, 12:04
Wenn Sie unter "funktionieren"...

..."viel absahnen" verstehen, dann mag vielleicht auch Ihre liebliche neoliberale Welt funktionieren... fragt sich nur wie lange noch...

Der große Mann
71
7.12.2011, 11:42

Brutal wie schnell Linke das Recht auf freie Meinungsäußerung (nichts anderes sind Ratings) einschränken wollen wenn ihnen die Meinung nicht passt!
Lasst uns die Linken ganz genau beobachten und ihnen im Fall des Falles auf die Finger klopfen!

Archi
00
9.12.2011, 16:14
großer mann

mit kleinem hirn offensichtlich...

Karl Joda
00
9.12.2011, 12:57

Klopft lieber den gesteuerten Ratingagenturen auf die Finger. Die verfolgen die Interessen der Finanzlobby
und wollen den Euro destabilisieren. Das ist Manipulation und hat mit freier Meinungsäusserung nichts zu tun. Ihr Wirschaftsrechten beruft gerne die freie Meinungsäusserung wenn es euren Zielen und der Manipulation dient. (sowas hatten wir leider schon einmal...)

Mike Freeman
01
7.12.2011, 15:47
Brutal wie die Kapitalisen aus reiner Raffgier ...

... Kinder für sich arbeiten lassen.
... Hungersnöte auslösen weil sie in den so genannten Hungergebieten das ganze Ackerland aufgekauft haben um Kraftfutter für die Fleischproduktion zu produzieren.
... Kriege um Öl und Gas führen oder führen lassen.
... Afrika die Lizenz für die Porduktion von Aids Medikamenten verweigern weil Sie dann nicht so viel Geld mit diesen Medikamenten verdienen würden.

Wird Zeit das wir den Kapitalisten auf die Finger klopfen - beobachtet habe wir das lange genug.

Roter Baron
00
7.12.2011, 12:54

ist er nicht niedlich unser kleiner.....

Werner Faygmann
01
7.12.2011, 12:02
Und Sie garantieren...

...für die " F R E I E Meinung" der Rating-Agenturen? Wie niedlich...

Der große Mann
00
7.12.2011, 12:14

Wie? Stellen Sie in Frage dass unser AAA nicht die freie Meinungsäußerung der Ratingagenturen ist? Ist unser Triple A getürkt??

Hanns Ch.1
01
7.12.2011, 11:40
..absurd,..

denn die bewertungen sind reine makulatur, helfen nur insidern, die sich vorab krumm und blöd verdienen,...

korrupt, kriminell und auch keinerlei transparenz, haftung-null.

genauso gut kann man eine ratingagentur für die lotterien und casinos einführen,..
wer mit geld spekuliert, der hat eben risiko,..dem ist auch nicht zu helfen,w enn er lles verliert
und dass ganze staaten da mitspielen, ist ja auch ein grund der krise,..
denn absahnen tun andere im hintergrund,..
geld verschwindet nicht.

Dodelbert Engfuss
01
7.12.2011, 11:05
Demokratie a la EU

Das EU Parlament will etwas ändern und muss dazu einen Antrag beim zuständigen Kommissar stellen??? So steht es wenigstens im Artikel, und niemandem fällt das auf.

Werner Faygmann
25
7.12.2011, 10:36
Seltsamerweise...

...scheint man keine Zusatz-"AAA" zu bekommen, wenn die soziale Sicherheit ausgebaut wird - was sich wiederum über Wohlstand und Zufriedenheit positiv auf die Wirtschaft auswirkt... wess' Geistes Kind somit Ratings sind, ist damit klar erkennbar: da will wer über Zwangsabbau bei der sozialen Seite unserer Gesellschaft die Löhne senken und die Gewinne nochmal kräftig maximieren... ein kräftiges und herzliches "Fuck you!" den neoliberalen Nachbetern!

Totaler Durchblicksstrudel
00
7.12.2011, 11:50

Soziale Sicherheit bedeutet Stabilität bedeutet politische Handlungsfähigkeit und geht daher in das Rating ein.
Nur, wie fragil soziale Sicherheit sein kann, wenn sie nicht (mehr) (gesamt)gesellschaftlich getragen wird, zeigt sich z.B. in Österreich. Hier nehmen die Spannungen permanent zu, die Entsolidarisierung beginnt sich auf das politisch Handel durch zuschlagen und die Konflikte beginnen aufzubrechen.
Damit zeigt sich, dass die - auch von dir - oft häufig beschworene soziale Sicherheit nur eine verordnete ist. Gefühlt, gelebt und danach gehandelt wird schon lange nicht mehr!
Und diesen Zustand nehmen vielleicht Ratingagenturen besser wahr. als die Medien. Das beste Beispiel dafür ist die Pensionsdebatte.

Roter Baron
00
7.12.2011, 13:01

das ist schüssels erbe.
seine ich-AGs hatten nur ein ziel jeder gegen jeden
und die oberen 10% sahnen dabei still und heimlich
(eigentlich unheimlich) ab.

glaubst du wirklich, dass die agenturen seriös anal-
ysieren ?
glaubst du dass zb. S&P mit 5000 arbeitsklaven an 21 verschiedenen standorten täglich seriöse ratings veröffentlichen kann ?

roter baron

Totaler Durchblicksstrudel
00
7.12.2011, 23:25

Du, weißt woher das Begriff Ich-AG kommt? Beschwer' dich diesbezüglich besser bei den Sozialisten!

Werner Faygmann
00
7.12.2011, 12:29
Wir?

So pessimistisch sehe ich das nicht... was du beschreibst, ist das verordnete Wunschdenken bzw. Schlechtsprech mancher Feinde der europäischen, demokratischen Staaten... und man wird sicher nicht etwaige Entsolidarisierungen einer Gesellschaft stoppen, indem man die Ratingagenturen werkeln lässt...

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