Gefäßbypass fürs Gehirn hilft Schlaganfallpatienten nicht

6. Dezember 2011, 18:08

Forscher: Alleinige medikamentöse Therapie schütze genauso gut vor einem erneuten Hirninfarkt wie der chirurgische Eingriff

Schlaganfallpatienten profitieren nicht von einer Bypass-Operation an den Blutgefäßen, die das Gehirn versorgen. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Neurologen in einer kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA veröffentlichten Studie mit 200 Schlaganfallpatienten. Die alleinige medikamentöse Therapie schütze demnach innerhalb von zwei Jahren genauso gut vor einem erneuten Hirninfarkt wie der chirurgische Eingriff kombiniert mit einer optimierten konservativen Therapie, schreiben die Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) in einer Aussendung.  "Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass sich die medikamentöse Therapie von Patienten mit Schlaganfall in den letzten Jahren wesentlich weiterentwickelt hat", erklärt Joachim Röther, Präsident der DSG. "Dies ist bereits die zweite randomisierte Studie, die keine Überlegenheit der Bypass-Operation gegenüber einer aggressiven konservativen Therapie gezeigt hat. Sie belegt erneut, wie wirksam eine konsequent durchgeführte medikamentöse Schlaganfallprävention ist", so Hans-Christoph Diener, Sprecher der DGN.

Gleich viele Re-Infarkte nach Hirn-Bypass

Um den Stellenwert dieser Bypass-Operation zu bewerten, führten Neurologen um Studienleiter William Powers aus Chapel Hill eine randomisierte Studie mit 195 Schlaganfallpatienten durch. Diese hatten in den vergangenen vier Monaten eine Halbseitensymptomatik erlitten, die die Ärzte auf einen arteriosklerotisch-bedingten Verschluss der Arteria carotis interna mit folgender Hirnischämie zurückführen konnten. Ungefähr die Hälfte der Patienten erhielt zusätzlich zur medikamentösen Standardtherapie eine Bypass-Operation. Dabei verbanden die behandelnden Neurochirurgen einen oberflächlichen Ast der Schläfenarterie mit Ästen der mittleren Hirnarterie. Den anderen Teil der Patienten behandelten die Mediziner nach "best medical treatment", das heißt neben der Gabe von Thrombozytenfunktionshemmern wie Aspirin wurden auch der Blutdruck und Blutfette entsprechend der Leitlinien behandelt. Bereits nach zwei Jahren beendeten die Wissenschaftler die Studie vorzeitig, da sich zwischen den beiden Gruppen kein Unterschied zeigte: Egal ob mit oder ohne Bypass-Operation, etwa 20 Prozent der Patienten hatten auf der betroffenen Seite erneut einen Schlaganfall erlitten.

Hohes Risiko direkt nach Bypass-Operation

Über einen längeren Zeitraum gesehen ergibt sich also kein entscheidender Vorteil, wenn Neurochirurgen die Hirndurchblutung der Patienten mittels Bypass-Operation verbessern. Eine mögliche Erklärung hierfür bietet das Zwischenergebnisse der Studie nach 30 Tagen: Denn zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 14 Prozent der operierten Patienten einen erneuten Schlaganfall erlitten, in der Gruppe ohne Operation waren es nur zwei Prozent. So ist vor allem das perioperative Risiko dafür verantwortlich, dass Patienten mit Schlaganfall nicht von einem Hirn-Bypass profitieren. Joachim Röther nennt einen weitere mögliche Erklärung für das Studienresultat: "Zum Zeitpunkt der Operation war der Hirninfarkt ja bereits eingetreten und lag bis zu 4 Monate zurück - genügend Zeit also für die Ausbildung von Kollateralen, die den Bereich des Verschlusses auch ohne Operation überbrücken können. Das durch die Operation zusätzlich herangeführte Blut konnte so also keine zusätzliche positive Wirkung entfalten." (red, derStandard.at)

Markus -
00
7.12.2011, 17:20

Wenn man die unmittelbare postoperative Morbidität als Ursache für den Unterschied vermutet, ist es ein Unsinn, die Studie nach 2 Jahren abzubrechen, wenn zu diesem Zeitpunkt beide Methoden wieder gleichauf waren.
Wer ist denn dieser Joachim Röther?? Hemodynamichal cerebral ischemia heist nicht Schlaganfall, sondern ist mit TIA zu übersetzen; wenn man eh schon einen Infarkt gehabt hätte, bräuchte man gar nicht mehr Revaskularisieren! Carotisendarteriektomien macht man dann schließlich auch nicht mehr.

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