"China will Ostasien ohne Krieg dominieren"

Interview | 6. Dezember 2011, 18:40
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    foto: prantner

    Lin Chong-Pin in einem Hörsaal der Tamkang-Universität in Taipei: "Innenpolitisch ist der Tiger Volksbefreiungsarmee zahnlos." Foto: pra

Politologe Lin Chong-Pin: Peking setzt auf seinem Weg zur Supermacht auf außermilitärische Mittel

Der Politologe Lin Chong-Pin schätzt die Gefahr eines Konflikts im pazifischen Raum als gering ein. Peking setze auf seinem Weg zur Supermacht auf außermilitärische Mittel, sagte er zu Christoph Prantner in Taipei.

***

STANDARD: Wie schätzen Sie die jüngsten Spannungen zwischen den USA und China im pazifischen Raum ein? Hat das Substanz oder ist das nur Säbelrasseln?

Lin: Man muss in diesem Fall vier Punkte berücksichtigen. Erstens: Außenpolitische Härte ist sehr oft an ein innenpolitisches Publikum adressiert. Präsident Barack Obama will im nächsten Jahr wiedergewählt werden, gleichzeitig wird die chinesische Führung ausgewechselt. Der zweite Faktor ist: All die Nachbarstaaten Chinas im südpazifischen Raum - Vietnam, die Philippinen, Malaysia oder Singapur - sind ja nicht freiwillig Alliierte der USA. Im Gegenteil. Diese Länder sichern sich einfach ab. Drittens haben die Vereinigten Staaten nicht nur ökonomische Probleme, sondern leiden unter politischem Stillstand. Dazu werden die US-Militärausgaben drastisch gekürzt. All das bedeutet für den pazifischen Raum, dass die harte Position der USA womöglich nicht haltbar ist. Viertens wird oft übersehen, dass Peking eine ausgefeilte Generalstrategie hat. Ein Teil davon geht auf Deng Xiaoping zurück. Er sagte: "Wir werden mit den Amerikanern sehr hart verhandeln, aber niemals die Beziehungen abbrechen." Genau das tut Peking nun. Der Rest ihrer Strategie zielt darauf ab, ganz Ostasien ohne Krieg zu dominieren. Vorerst hat China keine Ambitionen, darüber hinauszugehen.

STANDARD: Wie erklären Sie sich dann die substanzielle Aufrüstung der Volksbefreiungsarmee?

Lin: Peking versucht sein Ziel mit außermilitärischen Instrumenten zu erreichen: mit wirtschaftlichen, diplomatischen, psychologischen, kulturellen und medialen Mitteln. Das Militär ist das Rückgrat dieser Strategie. Die Maxime der Volksbefreiungsarmee lautet: "Bereit sein, aber möglichst nie eingesetzt werden." Die Idee dahinter ist ähnlich der, die Teddy Roosevelt vor 100 Jahren so formuliert hat: "Sprich sanft und trage einen großen Knüppel bei dir, dann wirst du weit kommen." Weil Pekings militärische Fähigkeiten zunehmen, kann es seine außermilitärischen Instrumente deutlich effektiver einsetzen. Das darf man nie vergessen, wenn man auf die angeblichen Spannungen zwischen den USA und China in Asien sieht. Und das gilt auch für das Verhältnis der südasiatischen Staaten zu Peking.

STANDARD: Kann die US-Strategie, China einzudämmen - oder einzukreisen, wie Peking es formulieren würde - Erfolg haben?

Lin: Ich glaube nicht, dass das auf lange Sicht erfolgreich sein wird. Aber es ist ein Mittel zum Zweck, weil es die chinesischen Spitzen in zukünftigen Verhandlungen stumpfer macht. Außerdem darf mach nicht den Fehler machen, die USA vorzeitig abzuschreiben. Der Unterschied zwischen diesem Imperium und früheren ist, dass es die Fähigkeit hat, sich zu reflektieren und zu kritisieren. Das wird die USA retten. Vielleicht werden sie nicht mehr die Nummer eins sein, aber sie werden dennoch eine glaubwürdige außenpolitische Macht für eine lange, lange Zeit bleiben.

STANDARD: Es gibt viele Experten, die sich nicht so sehr vor der chinesischen Führung fürchten, sondern eher von zweitrangigen Generälen, die ihre neue Macht unbedingt ausprobieren wollen. Was denken Sie?

Lin: Unsere Freunde in Amerika sehen China als einen riesige, dicke Nebelwand und missinterpretieren die Dinge oft. Das Säbelrasseln der chinesischen Militärs hört sofort auf, wenn sie vom Ein-Stern- zum Zwei-Sterne-General befördert werden. Es geht um Arbeitsteilung. Manche Generäle sind fürs Drohen, andere für die Planung zuständig. Aber dem Tiger Volksarmee sind schon lange die Zähne gezogen worden. Deng Xiaoping hat nur 17 Generälen drei Sterne verliehen, bei Jiang Zemin waren es 79. Durch Beförderungen ist der Tiger im Inneren zahnlos, er kann seine Krallen nur noch außenpolitisch zeigen.

STANDARD: Und deswegen fährt die chinesischen Kriegsmarine zunehmend im Pazifik Manöver?

Lin: Ja. Aber Achtung, in der chinesischen strategischen Tradition ist Verschleierung der Schlüssel, nicht das Konzept der Abschreckung. Im Westen muss man dafür seine Kapazitäten möglichst oft herzeigen. In China ist das nicht notwendig. Laotse sagte: "Der Schatz einer Nation soll nicht einem Fremden gezeigt werden." (DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.12.2011)

Lin Chong-Pin (69) ist Professor am Institut für Internationale Beziehungen der Tamkang-Universität in Taipei. Der Kissinger-Schüler war Taiwans Vize-Verteidigungsminister, hat lange in den USA gearbeitet und gilt als einer der renommiertesten Chinakenner weltweit. Sprich sanft und trage einen großen Knüppel bei dir, dann wirst du weit kommen.

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Posting 1 bis 25 von 100
1 2 3
Träume sind Schäume.....
00
8.12.2011, 13:55
So leicht kommt die Dominanz dann auch nicht

Ironischerweise suchen gerade alte Feinde wie das kommunistische Vietnam eine Annäherung an die USA.
Flugzeugträger der US Navy werden sogar in Hanoi betankt und amerikanische Firmen haben seit Jaqhren große Filialnetze im Land.

Ein Umstand der vieleicht ein paar alternden Antiimps das Entsetzen ins Gesicht schlägt.

Aber realpolitisch will kein Land unter den totalen Einfluß des chinesischen Riesen fallen ;)

living reef
21
8.12.2011, 09:59
china dominiert im geheimen auch schon westliche staaten

zumindest in österreich liegen alle auf dem bauch wenn der chinesische präsident kommt. da darf es keinen hauch von demonstration geben um nicht das "politische einvernehmen" zu gefährden. österreich muss eine heile chinafreundliche welt für diesen typen sein...rückgratlose politiker haben in österreich hochsaison!

mistvieh666
 
01
8.12.2011, 13:01

und jetzt stellen sie sich mal vor, jedesmal wenn ein oesterreichischer politiker irgendwohin kommt, gibts dann demonstrationen gegen die kaerntner minderheitenpolitik und gegen die politische meinung vom strache.
leute die keine ahnung haben wovon sie reden, von lokalen medien aufgehetzt, machen sich wichtig. genau das passiert betreffend china. und das fallt nicht auf die paar idioten auf der strasse zurueck, sondern auf die medienlandschaft und politische kultur eben jenes landes.

GG22
13
8.12.2011, 08:19
Jedes Land versucht seine Interessen zur Geltung zu bringen

und seine Interessen zu stärken.

Solange dies nicht mit unlauteren Mitteln (Gewalt= Militär) erfolgt, ist dies nicht unlauteres.

Bedenklich wird es, wenn unter vorgeschobenen Gründen ("Demokratie", "Menschenrechte") Länder überfallen werden um sich Vorteile zu schaffen und diese überfallenen Länder mit Diktaturen abgesichert werden, damit man diese Länder ausrauben kann.

Letzteres ist Strategie der USA, im Verbund mit der EU.

Daruma-San
63
7.12.2011, 18:25

Hier sind aber ordentlich die chinesischen Kampfposter unterwegs.
Na servas...

Wachsender Widerstand
10
7.12.2011, 16:51
Wir befinden uns schon lange im Krieg..., denn

Krieg bedeutet nicht nur ein Agriff mit Schiffen oder sonstigen militärischen Mitteln.
Krieg per definition:
Krieg ist ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflik.

Waffe:
Werden Gegenstände bezeichnet, die dazu bestimmt und geeignet sind, Lebewesen in ihrer Handlungsfähigkeit zu beeinträchtigen oder handlungsunfähig zu machen, physisch oder psychisch zu verletzen oder zu töten.

Alles kein Problem mit dem heutigen Finanzsystem, und es wurden auch schon einige Länder attackiert.
Asien in den 90ern, genauso wie Russland. Jetzt ist eben die EU dran.

Wir müssen weg von Gedanken, dass Länder Menschen angreifen. Es sind Menschen mit Geld, die die anderen (ALLE Menschen) angreifen

BK W. Shoyssel
61
7.12.2011, 15:45
China will Ostasien ohne Krieg dominieren

Das wollte Japan früher auch einmal.
Aber diese bösen, dummen Ostasiaten haben sich gewehrt. Obwohl doch klar war, dass damals die Japaner am weitesten entwickelt und am fortschrittlichsten und deswegen berufen wären, die anderen zu erleuchten, kulturell und moralisch zu vervollkommnen und vor allem zu führen.

mistvieh666
 
00
8.12.2011, 13:09

dass stimmt so nicht.
der japanische hegemonialanspruch war anfang des jahrhunderts territorial und imperialistisch.
und 1950 bis 1990 war er wirtschaftlich. und das hat in ostasien niemanden gestoert, ganz im gegenteil.
es sind die spielregeln, nicht der gewinner, die ein spiel gut oder schlecht machen.

msim
00
8.12.2011, 03:01
das

wollte doch hitler mit dem rest der welt auch?

warum wollte es bloss niemand??

koooomisch, nicht?

docw
30
7.12.2011, 13:12

die chinesen brauchen keine flotten auf den weltmeeren, keine militärstützpunkte. sie haben alle länder afrikas unter ihre fittiche genommen, die die amis nicht wollten-und jetzt haben sie ein monopol auf "rear earth" und silizium. sie betreiben intelligenten lobbyismus-sie finanzieren jährlich tausenden jugendlichen aus der ganzen welt aufenthalte in der vr, damit diese die sprache erlernen bzw. perfektionieren, lehren sie geschichte und kalligraphie und hofieren die jugendlichen wie staatsgäste. und einige dieser jetzt jungen menschen werden meinungsbildner werden in ihren ländern - und sinophil bleiben. darin liegt die stärke der chinesen-nicht auf den schnellen erfolg aus, sondern denken in jahrzehnten. sie sind intellektuell überlegen.

h 90
02
7.12.2011, 15:30

Sie schicken auch jede Menge Chinesen nach Europa auf die Unis.....die sollen die Sprachen und Methoden lernen.

docw
11
7.12.2011, 16:25

dafür können die chinesen nichts, dass europäer lieben im bequemen hotel mama bleiben und an der örtl. uni studieren wollen-dadurch bleiben sie weiterhin provinzionell. schauen sie sich doch die unflexibilität der österr. zivildiener an: es gibt die möglichkeit eines ersatzdienstes im ausland (156 versch. destinationen weltweit, von europa über amerika bis bhutan, china, japan und afrika) und ganze 40 haben es im letzten jahr in anspruch genommen - das nenne ich dürftig.

h 90
10
8.12.2011, 04:34

stimmt natuerlich, aber wir hacken momentan eh die Unis kurz und klein. Da kommts auf das schon fast nicht mehr.
Ich glaub Faymanns (+Spindeleggers) Ziel ist sowieso der Bauern und Arbeiterstaat. In 50 Jahren koennen wir dann Gastarbeiter nach China schicken.

ceterum censeo faymanem esse d...
10
7.12.2011, 10:41
ich bin da nicht so sicher....

...
ist wirklich sehens- bzw. auch hörenswert:

http://www.youtube.com/watch?v=3TR_swxR2UE

1116er
00
7.12.2011, 09:51
ohne krieg und ohne gewalt?

na dann viel glück.

wer jemals in asien war, weiss:
auch dieser gegend ist pauschal-rassismus nicht fremd. und wenn es jemand gibt, den niemand mag, den jeder hasst und der nur aus (wirtschaftlichen) abhängigkeitsgründen missmutig toleriert wird, dann sind das die niedergelassenen chinesen in all diesen ländern.

docw
10
7.12.2011, 12:51

wie lange waren sie in asien oder wie lange haben sie dort gelebt? denn so einen blödsinn und so ein unwissen habe ich in meinem leben noch nie gelesen. wenn asiaten jemanden nicht mögen, dann sind das japaner. und bevor sie irgendetwas antworten, dann geben sie mir antwort auf meine frage, denn ich habe mehrere jahre in so-asien gelebt.

Daruma-San
11
7.12.2011, 18:44

Halt! Hab da was missverstanden :-(
Stimmt schon, dass die Japaner eher unbeliebt dort sind.
Ihre Waren aber nicht.

Daruma-San
12
7.12.2011, 18:23

Seit za 15 Jahren bin ich durchschnittlich 2 Monate pro Jahr in Japan, Korea und China durch meinen Beruf.
Ich würde dringend empfehlen, die rosarote China Brille einmal abzusetzen und nicht so einen (Verzeihung) Stumpfsinn zu behaupten.
Was ich nicht meine ist, dass es schon gewisse Spannungen in der Bevölkerung zwischen diesen Ländern gibt.

Christoph Karl Steininger
02
7.12.2011, 13:19
Dann fahren Sie doch mal nach Malaysien!

Dort war lang der Import von Büchern auf Chinesisch verboten, obschon ein Bundesstaat von Chinesen dominiert wird!
In Indonesien ist es auch nicht viel anders!

docw
10
7.12.2011, 16:31

habe soeben mit meinem schwiegervater telefoniert und der hat gesagt, dass das verbot von chin. büchern nur ganz kurz bestand, eben in der zeit der kommunist. unruhen in den 60er jahren. dazu wissen die males sehr genau, dass 90% des BIP von den chinesen kommt und nicht von ihren males, die zwar nicht die hellsten sind, aber hell genug, es sich nicht ganz mit den chinesen zu verscherzen.

Christoph Karl Steininger
11
8.12.2011, 02:52
Pribumi heißt das!

Und nicht males! Es soll auch noch Leute geben, obschon ohne Schwiegervater die auch ein bissl bescheid wissen über das was in andren Ländern vorgeht!

docw
01
8.12.2011, 14:14

bumiputera heisst's in malaysien, pribumi ist eher in indonesien in verwendung. wenn sie mich schon aufklären wollen, dann bitte richtig.

docw
11
7.12.2011, 13:28

nur in penang gibt es einen chin. prime minister, die restl. provinzen werden von males regiert, auch wenn in sarawak mehr chinesen und bumis leben als males. und dass zum teil keine chin. bücher verkauft werden durften mag daran liegen, dass es in den 60-er jahren kommunistische unruhen gab und in malaysien mc carthy-ähnliche hysterie herrschte. aber geschätzt wurden und werden die chinesen sowohl in malaysien als auch in indonesien. und zur zeit will die indones. regierung sogar, dass die emigrierten chinesen wieder zurückkommen.
ps: ich weiss, wovon ich rede, habe ich doch jahre in malaysien verbracht.

h 90
01
7.12.2011, 15:32

und duerfen ethnische Chinesen Land in Malaysia kaufen?
thailand is extrem rassistisch (aber nicht gegen Chinesen und Europaer).
Rassismus ist in Asien viel staerker als in Europa

docw
11
7.12.2011, 16:21

chinesen duften immer grund und immobilien kaufen, sogar unter den engländern. sogar ich als österreicher durfte mir immobilien kaufen, solange es eine finanzielle mindestgrösse überschreitet. ob es so ruhig bleibt, wage ich zu bezweifeln, denn es herrscht eine immer grösser werdende islamisierung in dem schönen land und die politiker sind korrupt bis in die zehenspitzen. ausserdem werden die chinesen und inder seit badawi, jetzt unter najib wirtschaftlich immer mehr benachteiligt. das problem aber ist, dass die opposition nicht geeint und dadurch geschwächt ist. was chinesen nicht durften-an einer staatl. uni studieren. hat sich für meine frau als vorteil herausgestellt, denn der abschluss an einer bekannten amerik. uni zählt einfach mehr.

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