Studenten der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften "weiter rechts" als Studenten anderer Fächer
Wien - Studenten haben ein kritischeres Verhältnis zu
Autoritäten als der Rest der Bevölkerung. Das hat eine am Dienstag
präsentierte, nicht-repräsentative Onlinebefragung des
Zeitgeschichte-Instituts der Uni Wien zu den Themen Autoritarismus,
Demokratiebewusstsein und nationalem Selbstverständnis
österreichischer Studenten ergeben (14.549 Befragte). Außerdem haben
Studenten grundsätzlich eine positive Einstellung gegenüber
Einwanderern und sehen die historische Mitverantwortung Österreichs
an den Gräuel des Nationalsozialismus stärker als die
Gesamtbevölkerung.
Dafür wurden die Angaben der aktuellen Erhebung mit einer Studie
des Zeitgeschichteinstituts und SORA aus dem Jahr 2007 verglichen,
bei der die Gesamtbevölkerung, und zwar auch in Ungarn, Polen und
Tschechien befragt wurde. Es sollen weitere Umfragen unter Studenten
in den übrigen Ländern folgen und mit den Ergebnissen der
Gesamtbevölkerung in diesen Ländern verglichen werden.
Zehn Prozent stimmen Opferthese zu
So weisen österreichische Studenten in punkto nationaler
Geschichtsverarbeitung durchschnittlich deutlich geringere Werte auf
als die Gesamtbevölkerung. Nur zehn Prozent stimmen eher zu, dass
Österreich das erste Opfer des Nationalsozialismus war, in der
Gesamtbevölkerung waren es 36 Prozent. 82 Prozent der Studenten sehen
eine Mitverantwortung der Österreicher an der Judenverfolgung (versus
56 Prozent in der Gesamtbevölkerung). Allerdings stehen Studenten der
Wirtschafts- und Rechtswissenschaften laut der Studie in fast allen
erfassten Bereichen "weiter rechts" als Studenten anderer Fächer,
strich Heinz Mayer, Dekan der juridischen Fakultät der Uni Wien, bei
der Präsentation heraus. Er führt das darauf zurück, dass diese eher
am "Bewahren von Bestehendem" interessiert seien.
Für Oliver Rathkolb, Leiter des Zeitgeschichteinstituts, sind die
Ergebnisse der Studenten ein Zeichen dafür, dass "Investitionen in
Bildung nicht nur nützliche Arbeitskräfte, sondern auch eine solide
Basis für Demokratie" schaffen. Angelika Gruber vom Vorsitzteam der
Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) sieht das Ergebnis
dennoch als gesellschaftspolitischen Auftrag an die Hochschulen. Dass
zehn Prozent der Studenten der Opferthese zustimmen, sei ein Beweis
dafür, dass Geschichtsaufarbeitung an den Unis nicht verdrängt werden
dürfe. Wegen schlechter Rahmenbedingungen sei kritische Lehre immer
seltener möglich, wegen der verschulten und überladenen Studienpläne
immer weniger Platz für Studenten, sich kritisches Wissen anzueignen. (APA)