Neue Studie

Studenten stehen Autoritäten kritischer gegenüber als Rest der Bevölkerung

6. Dezember 2011, 16:25

Studenten der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften "weiter rechts" als Studenten anderer Fächer

Wien - Studenten haben ein kritischeres Verhältnis zu Autoritäten als der Rest der Bevölkerung. Das hat eine am Dienstag präsentierte, nicht-repräsentative Onlinebefragung des Zeitgeschichte-Instituts der Uni Wien zu den Themen Autoritarismus, Demokratiebewusstsein und nationalem Selbstverständnis österreichischer Studenten ergeben (14.549 Befragte). Außerdem haben Studenten grundsätzlich eine positive Einstellung gegenüber Einwanderern und sehen die historische Mitverantwortung Österreichs an den Gräuel des Nationalsozialismus stärker als die Gesamtbevölkerung.

Dafür wurden die Angaben der aktuellen Erhebung mit einer Studie des Zeitgeschichteinstituts und SORA aus dem Jahr 2007 verglichen, bei der die Gesamtbevölkerung, und zwar auch in Ungarn, Polen und Tschechien befragt wurde. Es sollen weitere Umfragen unter Studenten in den übrigen Ländern folgen und mit den Ergebnissen der Gesamtbevölkerung in diesen Ländern verglichen werden.

Zehn Prozent stimmen Opferthese zu

So weisen österreichische Studenten in punkto nationaler Geschichtsverarbeitung durchschnittlich deutlich geringere Werte auf als die Gesamtbevölkerung. Nur zehn Prozent stimmen eher zu, dass Österreich das erste Opfer des Nationalsozialismus war, in der Gesamtbevölkerung waren es 36 Prozent. 82 Prozent der Studenten sehen eine Mitverantwortung der Österreicher an der Judenverfolgung (versus 56 Prozent in der Gesamtbevölkerung). Allerdings stehen Studenten der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften laut der Studie in fast allen erfassten Bereichen "weiter rechts" als Studenten anderer Fächer, strich Heinz Mayer, Dekan der juridischen Fakultät der Uni Wien, bei der Präsentation heraus. Er führt das darauf zurück, dass diese eher am "Bewahren von Bestehendem" interessiert seien.

Für Oliver Rathkolb, Leiter des Zeitgeschichteinstituts, sind die Ergebnisse der Studenten ein Zeichen dafür, dass "Investitionen in Bildung nicht nur nützliche Arbeitskräfte, sondern auch eine solide Basis für Demokratie" schaffen. Angelika Gruber vom Vorsitzteam der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) sieht das Ergebnis dennoch als gesellschaftspolitischen Auftrag an die Hochschulen. Dass zehn Prozent der Studenten der Opferthese zustimmen, sei ein Beweis dafür, dass Geschichtsaufarbeitung an den Unis nicht verdrängt werden dürfe. Wegen schlechter Rahmenbedingungen sei kritische Lehre immer seltener möglich, wegen der verschulten und überladenen Studienpläne immer weniger Platz für Studenten, sich kritisches Wissen anzueignen. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 53
1 2
Count Saurüssel
01

Wenn von der "historischen Mitverantwortung Österreichs" die Rede ist, welche Entität ist dann eigentlich gemeint?

Der österreicheischische Staat, der durch den Anschluss abgeschafft wurde, kann es ja wohl nicht sein.

Und einem Volk in seiner Gesamtheit eine Verantwortung umzuhängen, läuft doch ziemlich eindeutig auf das Kollektivschuld-Prinzip hinaus.

120 Jahre Karl Schranz
11
9.12.2011, 00:43
nicht repräsentative online-umfrage?

gegen sie an, ob sie eher kritisch oder unmündig sind.

a) kritisch

b) urkritisch

c) urmegakritisch

aber jetzt mal ganz ehrlich: wtf? kritische haltungen korrelieren eben ganz mit dem bildungsgrad.

Plus Lucis
60
9.12.2011, 17:49

Kritische Haltungen korrelieren auch damit, ob man sie sich in seiner Lebenssituation leisten kann. Dem System kann man als Student, der von den Eltern Geld bekommt, leichter kritisch gegenüberstehen, als später, wenn man Kinder hat, und das Geld durch eigene Arbeit innerhalb des Systems erwerben muss.

annanuss
38
10.12.2011, 20:46
es ärgert mich...

... dass das studentleben immer als unbeschwerliche zeit hingestellt wird. studenten sind sowieso die ganze zeit faul, das bissl lernen, hauptsächlich wird sowieso gefeiert, oder?

ein großteil der studentinnen arbeitet neben dem studium, um sich selbst zu erhalten; auch ohne Kinder hat man finanzielle verpflichtungen, und bei diesem beihilfensystem fallen genug leute durch, deren eltern sie nicht genügend unterstützen können

der anteil der arbeitenden studentinnen steigt und steigt, und weiß aus eigener erfahrung, dass es nicht deshalb ist, weil genug zeit da ist.

ich würde der theorie, dass studentinnen auf grund ihrer bildung kritischer sind, durchaus eine chance geben

beos
52
11.12.2011, 19:55

"ein großteil der studentinnen arbeitet neben dem studium, um sich selbst zu erhalten"

bullshit! Außer du rechnest Praktika im Sommer und ab und zu mal Nachhilfe geben usw. dazu.

"der anteil der arbeitenden studentinnen steigt und steigt, und weiß aus eigener erfahrung, dass es nicht deshalb ist, weil genug zeit da ist."

Na wenn du es aus eigener Erfahrung weißt..

Provinzlerin
01
12.12.2011, 09:00

Wenn Sie's der Vorposterin schon nicht glauben, glauben Sie's dem Uni-Bericht.

http://www.bmwf.gv.at/uploads/t... t_2008.pdf

Und als kleines Beispiel: Ich persönlich studiere ein technisches und ein geisteswissenschaftliches Studium, arbeite 16h/Woche und kenne einige Kollegen die in einer ähnlichen Situation sind. Von einer 40h Woche kann ich meistens nur träumen, trotz vorlesungsfreier Zeiten.

Dr. Ewald Hinterfotzig
11
11.12.2011, 19:09

Und was ist mit den Studenten?

beos
11
11.12.2011, 19:57

Die arbeiten nicht so häufig. Das führt dann dazu das der Großteil der StudentInnen! nicht arbeitet um sich selbst zu erhalten..... *G*

Top spin
00
9.12.2011, 10:25

die wissenschaft beruht auf dem fundament der falsifizierbarkeit und nicht der verifizierbarkeit...

Got Your Nose!
12
8.12.2011, 22:44

also machen unsere unis zumindest einen teil ihrer ursprünglichen aufgaben gut. na, aber das werden die verantwortlichen schon noch abdrehen...

sonne-licht
 
02
8.12.2011, 15:58
ich bin sehr kritisch!

bin ich jetzt ein universitätsprofessor und gebildet?
oder nur ein denunziant und irrläufer?

Top spin
00
9.12.2011, 10:06

suchen sie nicht immer das extreme. ein mittelweg ist oft vernünftiger.

täglich ALLES1
00
8.12.2011, 08:29

Hoffentlich!!!
Es geht einfach darum die Dinge zu hinterfragen und nicht alles 1:1 zu übernehmen, was uns so serviert und präsentiert wird.
Daher sind kritisch denkende Menschen äußerst unpopulär (in den Firmen und auch in der Politik), da sie sich mit billigen Argumenten nicht abservieren lassen.
Wahrscheinlich einer der wichtigsten Gründe die GEGEN Akademiker sprechen
Mit Studiengebühren und anderen "Sparmaßnahmen" wird sowieso dafür gesorgt, dass sich die Anzahl dieser in (erträglich niedrigen) Grenzen hält.

The Chaos Path
15
7.12.2011, 12:59

nächstes jahr wird das unibudget gekürzt. selbständig denkende, kritische menschen - nein danke!

eure regierung

xes
22
7.12.2011, 12:39
Letzter Absatz:

Nein danke, ich will nicht auch auf der Uni ständig vor Augen geführt bekommen, wie schuld wir doch nicht alle sind. Wir sind es nämlich nicht und ich persönlich bin schon mal an gar nichts schuld!

Der Mann in Orange
14
7.12.2011, 17:51

die frage war ja nicht, ob sie schuld sind. lesen!

xes
41
7.12.2011, 19:03

Ich brauche keine möchtegern und ideologisierte Vergangenheitsbewältigung. Punkt. Ich bin und war weder Opfer noch Täter noch sonst was.

Onkel Gans
20
13.12.2011, 23:02
Studierst wohl auch am Juridicum oder?

xes
01
14.12.2011, 15:15

Fühlt man sich als prinzipiell vorteilbehafteter Mensch auch noch intellektuell überlegen? Ideologie, danke nein. Und dagegen wehren wo es nur geht.

täglich ALLES1
01
8.12.2011, 08:40

Denke sie haben das Wort Vergangenheitsbewältigung nicht RICHTIG verstanden.
Es geht nich um IHRE Schuld und schon gar nicht darum jemandem die Schuldgefühle aufzuzwingen die in der Zeit wo alles geschah, nicht einmal geboren wurden.
Es geht (wie auch im Leben) darum kritisch zu hinterfaragen und auch eine kritische Einstellung zu diesen Ereignissen einzunehmen und zu vertreten, damit so etwas eben NIEMALS mehr passieren kann.

xes
00
8.12.2011, 11:50

Das habe ich sowieso. "Das so etwas niemals mehr passieren kann" - ziemlich unrealistisch. Ich würde mich auch freuen, wenn die Menschen besser miteinander auskommen würden und gemeinsam an Fortschritt und einer besseren Welt für alle arbeiten würden. Stattdessen macht man sich das Leben schwer und schafft so große Ungleichgewichte, dass wieder ein Crash verbunden mit einer schrecklicher Zeit kommen wird, nur vielleicht in anderer Gestalt. Also pfeiff ich auf ideologisierte Vergangenheitsbewältigung (Faktum, denn es wird nur gerne die Nazikeule überall dort geschwungen, wo man keine Argumente mehr hat!) und schaue lieber darauf, dass ich ein umgänglicher und rücksichtsvoller Mensch bin, im Sinne von win-win für alle.

bhikkhu
02
9.12.2011, 23:40

Warum erleben Sie die Vergangenheitsbewältigung grundsätzlich als ideologisiert? Vergangenheitsbewältigung bedeutet schlicht anzuerkennen, dass die Nazis auch in Österreich geherrscht und ihre Verbrechen begangen haben und das, so will ich Anmerken, nicht ohne Österreichische Unterstützung. Vergangenheitsbewältigung und Kollektivschuld sind nicht dasselbe. Und, ohne mich auf Sie im Besonderen zu beziehen, muss man Menschen, die übertriebenen Patriotismus an den Tag legen ganz klar sagen, dass das Wahrnehmen der Verfehlungen der Vergangenheit nichts mit "Nestbeschmutzertum" zu tun hat. Oder um es so zu formulieren, wer sein Land nur lieben kann indem er das Negative verleugnet, ist ein Heuchler.

Herzerzog Johann
01
7.12.2011, 12:25
Solange es risikolos möglich ist.

Das gibt sich mit der Beendigung des Studiums weitgehend.

Tommy1971
00
14.12.2011, 00:07
warum sollte sich das mit dem Ende des Studiums geben?

mal im ernst: wenn sie darauf hinauswollen, dass man sich im job "anpassen" im sinne von "goschn halten" muss, dann ist das erstens nicht richtig - ich mache es ja auch nicht, und hab noch keinerlei probleme deshalb bekommen - und zweitens träfe das dann ja wohl auf jeden erwerbstätigen zu. dann wären wir also alle irgendwie zum "buckeln" verdammt. nur sind mir dann ehrlich gesagt leute lieber, die noch ein wenig länger die zeit die muße hatten, zu hinterfragen. damit festigt sich diese so wichtige grundeinstellung nämliche ein wenig mehr.

nur am rande: "hinterfragen" ist selten angenehm - für alle beteiligten - aber gerade im erwerbsleben wichtig. und manchmal kann man auch das scheinbar unmögliche schaffen (selten, aber eben doch).

Seria
00
7.12.2011, 10:31

das war doch schon bekannt

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