Belgrader Geschichtsprofessor beansprucht walachischen Fürst Vlad III. für Serben
Warschau - Rumänien fühlt sich von einem serbischen
Historikers geschichtlich auf den Schlips getreten: Der emeritierte Belgrader Geschichtsprofessor Jovan Deretic vertrat nämlich unlängst die Theorie, der walachische Fürst Vlad III., auch bekannt als Vlad Tepes, sei nicht rumänischer, sondern serbischer
Herkunft. Der Wissenschafter hatte nach
einem Bericht des Nachrichtenportals punkto.ro unter anderem auf die
Grabinschrift des Fürsten verwiesen, die auf Serbisch verfasst sei.
In Rumänien, dessen Bürger stolz auf
"ihren" blutsaugenden Grafen sind, riefen Deretic' Thesen ein breites Medienecho
hervor. Die Bukarester Tageszeitung "Adevarul" rief ein Mitglied der rumänischen
Akademie der Wissenschaften in den Zeugenstand. Fazit: "Vlad Tepes und sein
Vater, Vlad Dracul, sind direkte Nachfahren des Herrscherhauses Basarab, und die
ersten Basarab waren unwiderlegbar Rumänen."
Vom "Pfähler" zum Blutsauger
Der historische Vlad III. ließ der Überlieferung nach während
seiner Regierungszeit in der Walachai zwischen 1456 und 1462 tausende von Menschen foltern und töten. Der Mann, der in Transsylvanien eine Terrorherrschaft ausgeübt haben soll, wuchs als Geisel am Hof eines türkischen Sultans
auf und schwebte ständiger Bedrängnis.
In der Walachai lebte er als Herrscher
zwischen Türken, die nach Westeuropa drängten und Ungarn, die die Walachai als
Prellbock gegen die Türkengefahr verwendeten. Tepes ging schließlich als "Pfähler" in die Geschichte ein. Bei dieser Tötungsart wird dem Opfer ein
Pfahl in den After getrieben, so dass es unter fürchterlichen Qualen stirbt.
Weltweit bekannt wurde der Graf 1897 durch den Dracula-Roman Bram Stokers. Darin
wurde der blutrünstige Woiwode mit den in Rumänien grassierenden Vampir-Legenden
in Verbindung gebracht. (APA, red)