Vlad III., "der Pfähler"

Skurriler Streit um "Graf Dracula"

6. Dezember 2011, 16:13
  • Artikelbild
    foto: apa

    Fürst Vlad III. auf einem kolorierten Holzschnitt aus dem 15. Jahrhundert.

Belgrader Geschichtsprofessor beansprucht walachischen Fürst Vlad III. für Serben

Warschau - Rumänien fühlt sich von einem serbischen Historikers geschichtlich auf den Schlips getreten: Der emeritierte Belgrader Geschichtsprofessor Jovan Deretic vertrat nämlich unlängst die Theorie, der walachische Fürst Vlad III., auch bekannt als Vlad Tepes, sei nicht rumänischer, sondern serbischer Herkunft. Der Wissenschafter hatte nach einem Bericht des Nachrichtenportals punkto.ro unter anderem auf die Grabinschrift des Fürsten verwiesen, die auf Serbisch verfasst sei.

In Rumänien, dessen Bürger stolz auf "ihren" blutsaugenden Grafen sind, riefen Deretic' Thesen ein breites Medienecho hervor. Die Bukarester Tageszeitung "Adevarul" rief ein Mitglied der rumänischen Akademie der Wissenschaften in den Zeugenstand. Fazit: "Vlad Tepes und sein Vater, Vlad Dracul, sind direkte Nachfahren des Herrscherhauses Basarab, und die ersten Basarab waren unwiderlegbar Rumänen." 

Vom "Pfähler" zum Blutsauger

Der historische Vlad III. ließ der Überlieferung nach während seiner Regierungszeit in der Walachai zwischen 1456 und 1462 tausende von Menschen foltern und töten. Der Mann, der in Transsylvanien eine Terrorherrschaft ausgeübt haben soll, wuchs als Geisel am Hof eines türkischen Sultans auf und schwebte ständiger Bedrängnis.

In der Walachai lebte er als Herrscher zwischen Türken, die nach Westeuropa drängten und Ungarn, die die Walachai als Prellbock gegen die Türkengefahr verwendeten. Tepes ging schließlich als "Pfähler" in die Geschichte ein. Bei dieser Tötungsart wird dem Opfer ein Pfahl in den After getrieben, so dass es unter fürchterlichen Qualen stirbt. Weltweit bekannt wurde der Graf 1897 durch den Dracula-Roman Bram Stokers. Darin wurde der blutrünstige Woiwode mit den in Rumänien grassierenden Vampir-Legenden in Verbindung gebracht. (APA, red)

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pox vobiscum
00
9.12.2011, 19:18

Wie wäre es, wenn man die Rechte auf ihn versteigert?
Hollywood oder Disneyland wäre das sicher einiges wert.

Drago+
03
7.12.2011, 21:18
Aber bitte, Leute..

Der genannte Herr Deretic ist Maschinenbauingenieur und überhaupt kein gelernter Historiker, er hat mit Geschichtswissenschaft nichts am Hut, gehört vielmehr einer selbsternannten Alternativszene an. Und anders als bei den Nachbarstaaten Serbiens ist dieser Deretic in Serbien kein anerkannter Historiker, noch Akademiker, noch sonst irgend etwas. Die Rumänen müssen schon dumm sein, wenn die sich bei diesem Lulatsch aufregen. Und einen Artikel etwa bei Standard hier ist dieser Mensch überhaupt nicht wert. Da muss ich schon fragen, liebe Standard-Redaktion: Wollt ihr jemanden fozeln? Ich meine, in Serbien wird über diesen Typen gelacht, das ist ein Spinner...

Drago+
04
7.12.2011, 21:32

Und das am Grabe Vlads eine Innschrift vielleicht (ich weiß es nicht) auf serbisch (eigentlich kirchenslawisch serb. Redaktion) verfasst ist, wäre auch kein Widerspruch, da die Schrift der Wallachen und Moldawier bis ins 16. Jh. das Kirchenslawische war, zuerst die der bulgarischen und ab dem 14. Jh. die der serbischen Redaktion. Ab dem 16. Jh. wurde dann Latein übernommen, und diese ist bis heute geblieben. Ganz einfach. Die Rumänen sind orthodoxe Christen, und in den früheren Jahrhunderten ihrer mittelalterlichen Geschichte standen sie unter kulturellem Einfluss zuerst des bulgarischen und später des serbischen Reiches, diese wiederum von Byzanz usw.

Mormoloc
03
9.12.2011, 11:17
Die Grabplatte hat gar keine Inschrift...

Und sowohl Kirche als auch Grabplatte sind nach dem Tode Vlad Draculeas erst entstanden.

Außerdem soll die Inschrift lautet "Hier ruht Vlad Tepes, ein Diener des Herrn". Tepes aber war ein Schimpfname.

Drago+
10
9.12.2011, 16:31

Wie dem auch, wenn jemand nach serbischen Vampiren sucht, der wird in Arnold Paole und Petar Blagojevic (dt. Peter Plogojowitz) fündig. Die Geschichte von Arnold Paole finde ich sowieso romantischer als jene von Bram Stoker. Jure Grando ist ein istrischer (kroatisch, slowenisch?) Vampir aus dem 16. Jh., und dann ist diese geistesgestörte ungarisch-slowakische Blutgäfin auch noch da.. Vlad war bei den Rumänen selbst niemals ein Vampir, das ist eine Erfindung Bram Stokers.

Mormoloc
00
9.12.2011, 19:08
Naja, der Arnold Paole war aber nach den Quellen ein "Arnont Pavle".

So steht es beim Flückinger im Visum Et Repertum. gekommen ist er aus "Cossova" aus dem "Türckischen Servien". Das ergäbe summa summaris einen Arnauten namens Pavle aus der Kosovo.

Mormoloc
00
10.12.2011, 12:07
Nein. Das ist die Kopie des Frombaldschen Berichts über Peter Plogojeviz.

Das hat mit Arnont Pavle nichts zu tun - dessen Fall wird im Hofkammerarchiv aufbewahrt.

Drago+
00
9.12.2011, 21:12

Im Serbischen Arnaut Pavle, dt. Albaner Paul. Als solcher wurde er angeblich bezeichnet, weil er als Christ zuerst im osmanischen Heer diente (Christen konnten niedere Dienste im türkischen Heer ausüben), u.a. in Griechenland wo ihn dieser eine Vampir aufsuchte und ich glaube bis nach Serbien verfolgte. Er tötete den Vampir, wurde aber nach seinem Unfalltod selbst zum Vampir. So die Vampirgeschichte. Mir ist die Geschichte romantischer, weil er hat geliebt, er hat geheiratet, soll aber immer diese böse Vorahnung gehabt haben..

Mormoloc
00
10.12.2011, 12:08
Die ganzen Vampirberichte sind tatsächlich viel schöner als die ganzen Romane.

Gerade das Hofkammerarchiv ist da eine wahre Fundgrube.

Ulrike Reiter
11
7.12.2011, 19:08
Geschäftsidee

Lieber Herr Professor Deretic,

weltweit würden Nationen ihre historischen Unholde gerne einer anderen Nation zuschanzen. Wären Sie bereit auch einen wie Himmler, Idi Amin oder Pol Pot – unter streng wissenschaftlichen Kriterien versteht sich – den Serben unterzujubeln? Einen entsprechenden Service wüssten sicher einige zu schätzen wissen und wahrlich keine kostenlosen Gefälligkeiten erwarten.

Bitte, halten Sie mich in dieser Sache auf dem Laufenden.

Mormoloc
02
7.12.2011, 13:53
Liebe STANDARD-Redaktion,

es heißt nicht "Walachai", sondern "Walachei".

Er war keine Geisel.

Nicht Hof eines türkischen Sultans. Es war ein osmanischer Sultan.

In Transsilvanien wohl kaum, wenn, dann nur in Siebenbürgen. Und auch da nur rund um das Gebiet von Fogarasch, wo die Walachei einige Gebiete besaß.

Die Zusammenfassung der Stoker-Plots ist vollendeter Käse.

Nick Tameer
00
8.12.2011, 23:10

Es kommt darauf an, wie man "Geisel" versteht. Ursprünglich hatte es das Wort kaum die Konnotation von "erpresserisch", sondern Geiseln dienten sozusagen eher der Völkerverständigung, indem junge Leute der jeweiligen Eliten mit der Kultur eines verbündeten Volkes vertraut gemacht werden sollten (gewiss nicht ohne gewisse Rückversicherungsabsichten, insbesondere für Fälle nicht ganz freiwilliger Bündnisse, woraus sich die heutige Bedeutung herleitet). Es klappte nicht immer, wie etwa das Beispiel des Arminius zeigt, der als Geisel in diesem Sinne nach Rom kam und auch beim jungen Vlad mag das Kalkül nicht aufgegangen sein. Die Germanen betrachteten den Geiselstatus keineswegs als schmachvoll (vgl. Namen wie Gisela und Giselher).

Mormoloc
00
9.12.2011, 11:19
Ja, das stimmt, wie Sie es ausführen.

Deswegen sollte man den Begriff nicht einfach so in die Runde werfen, wie es im Artikel geschieht.

Der durch den Tunnel blickt
116
7.12.2011, 13:43

Hätten die Römer Jesus gepfählt statt ans Kreuz genagelt, dann hinge in jedem Herrgottswinkel so eine Art Steckerlfisch.

pox vobiscum
01
9.12.2011, 19:23

Die diversen Passionsspiele täten sich aber doch etwas schwerer beim Darstellen des Todes Jesu.
Und erst die Wundmale einiger Heiligen ...
nein - pfählen geht gar nicht!

green man
21
7.12.2011, 13:11
Jeder der das Land kennt (Rumänien)...

weiß, daß Dracula nur von dort stammen kann.

green man
00
7.12.2011, 13:10
Jeder der das Land kennt (Rumänien)...

Mormoloc
00
7.12.2011, 12:58
Die Webseite des angeblichen serbischen Professors:

http://fhos.yolasite.com/bla.php

Ciena Consulting
01
7.12.2011, 11:41
Die Geschichte kommt nicht von ungefähr...

...die Grabinschrift ist zwar in Serbischer Sprache verfasst - aber, "Dracul" war weder Serbe noch Rumäne, sondern Wallache. Die Wallachen stellen am Westbalkan (bis Istrien), auf der Hellenischen Halbinsel, in Rumänien und Bulgarien, sowie Teilen Albaniens eine nicht zusammenhängende, fleckerlartige Entität dar - die unter verschiedenen Namen bekannt ist: Vlachos, Vlakkos, Vlasi, Aromani etc. Die an der Zahl grösste Bevölkerungsgruppe lässt sich in Ostserbien und in der Vojvodina finden, sowie in Westrumänien und Westbulgarien - in Griechenland werden sie von den Hellenen jedoch als Griechen bezeichnet - es folgen Mazedonien (Ohrid) und Albanien, Istrien. Am Rande: "Vlk" - abgeleitet aus "Vlak" bzw. "Vlach" bezeichnet einen Werwolf

K-GL
00
9.12.2011, 10:16
werwolf,wolf,hund,katze...

...oder was auch immer,Italien heißt auf polnisch Wlochi!
ob die Italiener auch die "aus Lammfell gefertigten Kopfbedeckungen und den meist aus dunklem Schafsfell angefertigten Umhängen" trugen???
oder hat es womöglich doch etwas mit der sammelbezeichnung für völker mit romanischen/romaniesierten sprachen zu tun??? ;-)

Ciena Consulting
00
9.12.2011, 10:53
by the way...

Vlah ist keine Sammelbezeichnung für romanische Sprach- und Bevölkerungsgruppen, sondern für die nicht-slawische Bevölkerung i.A. am Balkan.

K-GL
00
9.12.2011, 11:50
hmm

wußte gar nicht dass wallis(schweiz) und italien teil des balkans sind...
und btw, noch nie gehört dass ungarn, albaner oder griechen als walachen/vlah/vlas oder wie auch immer bezeichnet wurden...

Ciena Consulting
00
9.12.2011, 12:27
bevor wir weiter diskutieren...

...empfehle ich Ihnen Linguistic minorities in Central and Eastern Europe von Christina Bratt Paulston,Donald Peckham und Encyclopedia of European peoples, Band 1 von Carl Waldman,Catherine Mason. Sie vregleichen Äpfel mit Birnen - denn, das Siedlungsgebiet der Walachen umfasste (nachweislich) die gesammte Provinz Illyricum, Moesia und Teile von Dacia - in der Zeit 9-776 c.e. (Illyricum), 6-378 e.c. (Moesia). Zum genannten Zeitpunkt erstreckte sich die Provinz Illyricum bis zum Epirus hinunter.

K-GL
00
9.12.2011, 13:33
danke für die empfehlung...

in der zeit in der ich mich mit dem buch beschäftige, erklären sie mir bitte folgendes: wurden nun alle nicht-slawischen völker auf dem balkan als vlah/vlasi/olah/walachen genannt, inklusive der ungarn,albaner und griechen? oder nur die nicht-slawischen, aber mit romanischen sprachen/sprachwurzeln????

mit anderen worten, vlah,wallach,welsch,olah usw hat nicht mit ihrem wolf zu tun, sondern eher mit dem germanisch/keltischen begriff für römer/romaniesierte/romanisch-sprechende usw.
ps:weit abseits der slawen, gibt es noch das kleine volk der wallonen(frz. sprechende belgier) ;-)

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