S&P droht auch EFSF Herabstufung an

6. Dezember 2011, 22:22
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Die Ratingagentur blickt erwartungsvoll auf den EU-Gipfel und sieht den deutsch-französischen Krisenplan vielversprechend

Paris - Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat dem Euro-Rettungsfonds EFSF mit dem Entzug seiner Topnote für die Kreditwürdigkeit gedroht. Der Fonds könnte um ein oder zwei Stufen abgewertet werden, teilte die Agentur am Dienstag mit. Dies wäre Folge der Ankündigung von Standard & Poor's von Montagabend, dass Deutschland und weitere Euro-Staaten, die für den EFSF garantieren, ihre Bestnote verlieren könnten.

Der deutsch-französische Plan zur stärkeren Zusammenarbeit in der europäischen Fiskalpolitik wird von den Analysten jedoch vielversprechend gesehen.Der EU-Gipfel könne als erfolgreich angesehen werden, wenn die Staats- und Regierungschefs "einige Hinweise auf eine Strategie liefern, die das Wachstum ankurbelt und die Budget- und Finanzrisiken aufteilt", sagte der für die Einstufung der europäischen Länder zuständige leitende Direktor der Ratingagentur, Frank Gil, am Dienstag Reuters Insider. Zumindest die Vorschläge Deutschlands und Frankreichs zu einer größeren finanzpolitischen Integration deuteten in die richtige Richtung.

Standard & Poor's hatte am Montagabend angekündigt, die Kreditwürdigkeit von 15 der 17 Euroländern zu überprüfen. Deutschland, Österreich und vier anderen Eurostaaten droht damit der Verlust der Topbewertung AAA; die Bestnote für Frankreich könnte demnach sogar um zwei Stufen abgesenkt werden. Als Begründung führte die Ratingagentur die stockende Kreditvergabe, die schlechte Konjunktur sowie die "anhaltende Uneinigkeit" über die Strategie zur Beilegung der Schuldenkrise an.

Kein Automatismus

Standard & Poor's wird die Kreditwürdigkeit der Euro-Staaten auf jeden Fall erst nach dem EU-Gipfel Ende dieser Woche neu bewerten. "Eine Herabstufung ist auf keinen Fall sicher", versicherte S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Es sei durchaus auch denkbar, dass alles beim Alten bleibe. Entscheidend sei, dass das Treffen der Staats- und Regierungschef "glaubwürdige und solide Lösungen" für die europäische Schuldenkrise bringe. Kraemer betonte: "Es ist auf politischer Ebene noch viel Arbeit zu tun zwischen heute und Freitag."

Je nachdem, wie der Gipfel ausgeht, drohen massenweise Herabstufungen. S&P gibt sich maximal 90 Tage Zeit, eine Entscheidung zu treffen. "Wir werden eher früher als später entscheiden", kündigte Kraemer an. Die "zögerliche Reaktion" der Politik habe in den vergangenen Monaten die Lage eher verschlimmert, sagte Kraemer. "Wir sind der Ansicht, dass sich die Vertrauenskrise, die Europa seit drei Jahren im Griff hält, ausgeweitet und verschärft hat."

Unverständnis in Europa nach Drohung

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker nannte die Ankündigung am Dienstag "maßlos überzogen". Großbritannien drohte mit einer Blockadehaltung bei der Änderung von EU-Verträgen, sollten keine Zugeständnisse an London gemacht werden.

Angesichts der Reformanstrengungen in vielen Euro-Staaten wirke die Drohung "wie ein Paukenschlag", sagte Juncker dem Deutschlandfunk. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gab sich gelassen und verwies auf anstehende Entscheidungen beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag. Notenbankgouverneur Ewald Nowotny äußerte sich kritisch zur S&P-Mitteilung. Der Schritt sei eine "sehr politisch motivierte Aktion" gewesen, sagte das EZB-Ratsmitglied gegenüber Reuters. Der Chefanalyst der Erste Group, Friedrich Mostböck, bezeichnete die Ratingagentur sogar als "vollkommen durchgeknallt". Solch "unprofessionelle Ankündigungen" zeigten, dass dieser Sektor reguliert gehöre, sagte Mostböck der APA. (APA)

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    Die Ratingagentur Standard & Poors zieht aus der Androhung einer Abstufung von Triple-A-Euroländern die Konsequenz: Sollte es dazu kommen, dann ist auch der Euro-Rettungsschirm EFSF seine Top-Bonität los.

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    grafik: der standard
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