Ratingagenturen

Stutzt den Bonitätswächtern die Flügel

Kommentar | Regina Bruckner, 6. Dezember 2011, 15:37

Die EU wollte die Bewertungen von Euro-Krisenländern strenger regeln – spätestens jetzt gehören die Pläne wieder auf den Tisch

Standard & Poor's holt zum Rundumschlag in Europa aus: Die Ratingagentur droht neben Österreich auch Deutschland und fast allen anderen Euro-Ländern mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. In einem beispiellosen Schritt stempelt S&P damit fast die gesamte Eurozone mit dem Signet „negativer Ausblick" ab. 

Nun ist wahr: Europa hat ein Schuldenproblem, und das nicht zu gering. Wahr ist auch: Diese Schuldenberge müssen abgebaut werden. Was nicht nur in Ökonomen-Kreisen mehr als bekannt ist: In Zeiten der Krise ist das alles nicht so einfach. Und dass sich gerade Österreich als großer Sparmeister in prosperierenden Zeiten hervortut, könnte jetzt auch niemand behaupten.
Nahezu alle Euro-Staaten mit einem negativen Ausblick zu versehen sei eine „unfaire" und „komplett exzessive" Entscheidung, sagte der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker. Nun ist diese Reaktion keine Überraschung, wer lässt sich schon gerne schelten. Dennoch hat Juncker Recht. Die Währungszone zeigt Flagge, aller Wankelmütigkeit zum Trotz. Demokratische Entscheidungen brauchen eben Zeit, das liegt am Konstrukt EU selbst.

"Länder wie Österreich, Deutschland, Dänemark oder Finnland sollten nicht ihre Super-Ratings verlieren, wenn es noch mit rechten Dingen zugeht", wettert auch Erste-Group-Analyst Friedrich Mostböck. Man könne nicht alle Euroländer in einen Topf werfen, das sei eine unprofessionelle Drohgebärde. Solch "unprofessionelle Ankündigungen" zeigten, dass dieser Sektor reguliert gehöre. „Die Rating-Agenturen sind jetzt offensichtlich vollkommen durchgeknallt."

Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Man erinnere sich nur an die „unabsichtliche" Androhung einer Herabstufung Frankreichs in der ersten November-Hälfte. Damals angeblich einem Computerfehler geschuldet. Die Meldung zog die Agentur erst nach einigen Stunden wieder zurück. Die Glaubwürdigkeit der Bonitätswächter ist aber schon lange schwer angekratzt. Den Ratingagenturen wird vorgeworfen, die Finanzkrise 2008 mit verursacht zu haben, weil sie Bestnoten für Wertpapiere vergaben, in denen faule US-Immobilienkredite gebündelt waren. Damit führten sie zahlreiche Anleger in die Irre.

In der Schuldenkrise basieren die Benotungen einzelner Länder oder Banken häufig auf ohnedies bekannten Daten. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier wollte die Bewertungen von Euro-Krisenländern deswegen unter bestimmten Umständen vorübergehend verbieten. Barnier konnte sich in diesem Punkt nicht durchsetzen. Die Pläne landeten in der Schublade. Spätestens jetzt gehören sie wieder auf den Tisch. (Regina Bruckner, derStandard.at, 6.12.2011)

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krokokater
 
00
7.12.2011, 21:30
Beim Versuch, bei Standard&Poor oder Moodys

auf deren Homepage einen Geschäftsbericht zu finden, bin ich gescheitert. Gerade Moodys gibt seine Mitarbeiterzahl mit 1500 an. Und dass Warren Buffet seinen Aktienanteil reduziert hat....

Transparenz von "Finanzwächtern" habe ich mir etwas anders vorgestellt.

Ventilator
00
7.12.2011, 19:45

Die Ratingagenturen rechnen oft schlicht falsch (Lehmann), oder aber auch zu kurzfristig. In Österreich wurde die Schuldenbremse eingeführt um die Ratingagenturen zufrieden zu stellen. Wo eingespart wird ist diesen egal.
Also: Wenn Österreich ausschließlich in Sozialen, Bildung, oder ähnlichen spart sind die Agenturen zufrieden.
Dass Österreich dann in einigen Jahren bankrott ist, ist den Agenturen egal.

Dr. Dieter Zakel MA
 
00
7.12.2011, 19:20
Unsere Regierung lädt

ja selbst Ratingagenturen ein und bezahlt deren Arbeit.

Vera Rschung
 
01
7.12.2011, 18:59
Standard & Poor's droht nur, derweilen

die chinesische Ratingagentur Dagong Global Credit Rating es schon getan hat. In der Eurozone gebührt aus Sicht der strengen Chinesen nur noch Finnland und Luxemburg ein Tripple-A.

Seria
02
7.12.2011, 18:54

JA, verbietet ihnen die Wahrheit zu sagen, die man nicht hören will oder verbietet diese Agenturen übehaupt, dann wird sich die Krise in Wohlgefallen auflösen.
Auf der anderen Seite der Welt, in China, gibt es Menschen mit eine Sparquote von 60%, die mittlerweile Milliarden nach Europa schicken um hier auszuhelfen. Die Gehälter sind dabei so nieder, daß in der EU dafür niemand aufstehen würde

Reinhold Loecker
00
9.12.2011, 17:41
Was ist Wahrheit?

Wahrheit ist das Ding an sich und liegt außerhalb der menschlichen Erkenntnis. Mitgeteilte Wahrheiten sind daher immer mit dem Makel der Unschärfe des Erkennens und der Subjektivität behaftet.

Grundsätzlich läßt sich sagen, daß die mitgeteilte Wahrheit umso zutreffender ist, je weniger finanzielle Interessen im Spiel sind.

Bei Immobilienmaklern, Gebrauchtwagenhändlern, Politikern, Ratingagenturen und Wertpapierverkäufern sollte man schon etwas vorsichtiger sein, ob das, was sie einem auftischen nicht auf unlauteren Hintergerdanken basiert.

Carlito336
00
7.12.2011, 18:46
Demokratie ade!

Ein paar Unternehmen (Rating-Agenturen, die mit Banken verzahnt sind) lassen sog. Republiken tanzen.

Aber sie sind nicht mehr souverän. Daher hören wir auf uns ständig als Demokratie gegenüber anderen hervor zu heben.
Wir sind Knechte der FI.

PMM
00
7.12.2011, 18:07
Randnotiz

Dänemark hat die dänische Krone.....

Warpsignatur
00
7.12.2011, 16:09

cui bono?
wem nutzt es, jede woche erneut öl ins feuer zu gießen? wem nutzt es, eine finanzkrise in europa zu forcieren? angesichts der tatsache, dass alle rating-agenturen aus den usa kommen, darf man schon dezente verschwörungsideen entwickeln. die vormachtstellung von dollar und pfund sind ja vielleicht das ziel...

pike bishop
25
7.12.2011, 15:43

Ich bin kein Ökonom, aber mein Hausverstand sagt mir. Wenn ein Land herabgestuft wird und die Zinsen steigen, dann gibt es jeman der diese Zinsen kassiert. Aus diesem Grund muss ein Land wie Griechenland, solnage es seinen Verpflichtungen nachkommt, ein wahnsinniges geschäft für irgendwem sein. Wenn dann igrendeinmla die Schulden halbiert werden, schaut das finster aus, aber bis dahin, und für den Rest zahlen die Griechen Unsummen. Das Spiel ist als Europa so lange auszupressen, bis es gerade nicht zusammenbricht, und gewaltige Kapitaltransfairs werden in Gang gesetzt. Und da muss es Gewinner geben.

Vera Rschung
 
01
7.12.2011, 19:04

Der Gewinner waren zB Sie, wenn Sie ein gut verzinstes Sparbuch bei irgendeiner Bank hatten. Was denken Sie, woher das kam, dass einige Banken recht stattliche Zinsen für täglich fälliges Geld bezahlten?

Genau genommen wird man mit Veranlagungen in Staatspapiere nicht reich. Das ist nichts für Spekulanten. Nämlich ziemlich lange Laufzeiten bei gleichzeitig eher niedrigen Zinsen. Was für Pensionsfonds und Mündelpapiere.

gelernter Österreicher 3
01
7.12.2011, 17:56

Soviel ich gehört habe, sind die Nutznießer vor allem europäische Banken, deshalb ja auch diese Anstrengungen, den Griechen Geld zukommen zu lassen, damit die die Kredite bedienen können, damit die im restlichen Europa heimischen Banken keine Verluste haben und das auf ihre Sparer bzw. Aktionäre überwälzen. Demnach sind es unsere eigenen Banken, die ein anderes EU-Land auspressen, damit sich die heimischen Sparer über schöne Zinsen freuen können.

worry1
00
7.12.2011, 18:54
Im Prinzip ja, aber

wenn ich auf mein Sparbuch schaue, kann ich nichts von hohen Zinsen erkennen - da müssen scheinbar ein paar andere ordentlich abzocken.

Vera Rschung
 
00
7.12.2011, 19:10

Heute natürlich nicht mehr, aber bis 2008 konnte man für täglich fälliges Geld bis zu 3% Zinsen bekommen. Zufällig jene Bank, die besonders schöne Zinsen abgeboten hat (Brancheninsider wissen, wovon die Rede ist), und damit geworben und geprahlt hat, hatte auch besonders viele griechische Staatsanleihen im Portefeuille.

koyaanisqatsi
32
7.12.2011, 13:22
rating argenturen....

sind amerikanische firmen, letztlich finanziert und geführt von den amerikanischen banken.
ein schelm der böses denk ;-)
die frage ist immer - wer gewinnt - oder
folge der spur des geldes.
besonders interessant ist in die diesem zusammenhang der schuldenstand der usa, der weiterhin mit AAA bewertet wird.

Vera Rschung
 
00
7.12.2011, 19:13

Und was sagen Sie zur chinesischen Ratingagentur Dagong Global Credit Rating?

Dagong hat Österreich und Deutschland bereits auf AA herabgestuft.

alpenmilch
02
7.12.2011, 15:07

Puuh, was da so alles behauptet wird....

ALSO:
Ratingagenturen finanzieren sich über Gebühren, die sie bei den zu ratenden Firmen/Staaten einnehmen.

Die USA hat bei Standard & Poors kein AAA Rating mehr.

Unglaublich was da für Behauptungen gepostet werden....

koyaanisqatsi
00
7.12.2011, 13:28
ups, heißt natürlich ...

rating AGENTUREN

grosser laaschatza
11
7.12.2011, 13:28

AAA ikst durchaus gerechtfertigt, da die US Zentralbank nach belieben Dollars drucken kann (zumindest theoretisch). Die EZB kann das aber nicht, was wiederum die niedrigeren Ratings begruendet.

Warpsignatur
00
7.12.2011, 16:12

äh, geld zu drucken bedeutet doch letztlich inflation, oder? und diese aussicht begründet das triple-A?

koyaanisqatsi
01
7.12.2011, 14:00
krieg ich für mich auch ein AAA ....

wenn ich anfang geld zu drucken ? und wenn nein (weil ich es eher nicht darf) was ist der unterschied ?

hat die USA dann ein theoretisches AAA rating wenn sie theoretisch beliebig viel geld drucken kann ?

weil wenn die luftdollars keiner mehr will, können sie das empire state building damit tapezieren.

praktisch ist die amerikanische wirtschaft jedenfalls ziemlich im eimer.

gott sei dank ist geld nur eine illusion ;-)

mika33
01
7.12.2011, 13:15
Und wie stellen sich die Damen und Herren vor eine "Bewertung zu verbieten"?

Ist es dann ab diesem Zeitpunkt verboten, über die Bonität von Ländern zu sprechen?

buff flyer
11
7.12.2011, 15:39
da gibts ja reichhaltige erfahrungen und vorbilder

zb war eis einmal verboten, "feindsender abzuhören".

Alpha Centaurus
34
7.12.2011, 13:04

Die Ratingagenturen (vor allem die drei Großen) sind nichts anderes als ein politisches Instrument der USA. Vor diesem Hintergrund ist die Schaffung einer EU-Ratingagentur schon lange überfällig.

Ein Vergleich, der zwar etwas weiter hergeholt ist aber trotzdem passt... vor 10-15 Jahren gab es nur einen Browser, nämlich den IE von Microsoft. Erst nachdem Firefox gekommen war, konnten sich HTML-Standards einigermaßen duchsetzen (zumindest weit mehr als vorher).

Zuviel Machtkonzentration (noch dazu rein amerikanisch) kann nicht gut sein.

grosser laaschatza
28
7.12.2011, 13:02
Wieder einmal "Shoot the messenger"

Die EU Staaten bezahlen dafuer, dass sie geratet werden. Sie koennen die Ratings ganz einfach abstellen, indem sie nicht mehr zahlen. Dann kiregen sie auf den Finanzmaerkten aber auch kein Geld mehr...

Ansonsten sagen die Ratingagenturen, was ohnehhin jeder weiss.

Wieso daher diese Aufregung?

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