Erstmals MR-Untersuchung für Herzpatienten möglich

Implantation von weltweit erstem MR-tauglichen ICD-System an Uniklinik Graz - Keine Beeinträchtigung durch Magnetfelder

Graz - Ein Meilenstein für eine verbesserte diagnostische Versorgung von Herzpatienten mit einem implantierbaren Defibrillator (ICD) wurde dieser Tage in Österreich gesetzt. Am LKH-Uniklinikum in Graz wurde einer der weltweit ersten Implantationen eines ICD durchgeführt, mit dem Patienten sich auch einer Magnetresonanztomografie (MR) unterziehen können. "Aufgrund der starken Magnetfelder war eine solche Untersuchung diesen Patienten bisher verwehrt", so Peter Lercher von der Grazer Klinischen Abteilung für Kardiologie.

Die Magnetresonanztomographie (MR) wird für die detaillierte Darstellung innerer Körperorgane und -strukturen herangezogen. Mit mehr als 200.000 Untersuchungen pro Jahr in Österreich zählt sie zu einer der häufigsten diagnostischen Anwendungen im Spitalsbereich und wird speziell zur Abklärung von neurologischen und orthopädischen Erkrankungen sowie Tumoren eingesetzt. Die bei der Untersuchung auftretenden magnetischen und elektromagnetischen Felder können jedoch die Funktion der elektrisch aktiven Implantate und den mit ihnen verbundenen Sondern stören. Es kann zu Verschiebungen des Implantats unter der Haut kommen, eine starke Überhitzung der Sonden könnte zur Schädigung des Herzmuskels führen. "Für Patienten mit ICD stand bisher nur die Computertomografie als Ersatz zur Verfügung", so der Kardiologe vom Grazer Herzzentrum.

Optimale Positionierung im Herzen

"Durch die flexiblen Eigenschaften der neuen Sonde haben wir erstmals ein System, das eine optimale und stabile Positionierung im Herzen ermöglicht und das aufgrund seiner Wärmeeigenschaften gleichzeitig auch eine MR-Untersuchung gefahrlos sicherstellt", so der Grazer Chirurg Günther Prenner. Er hat den Eingriff auf der Uniklinik für Chirurgie durchgeführt. Um die bisherigen ICD-Systeme MR-tauglich zu machen, wurden vom Berliner Medizinproduktehersteller Biotronik die magnetisch reagierenden Metallanteile sowohl in der Sonde als auch im Aggregat stark reduziert und die Schaltkreise modifiziert. Im November hat das System die europäische Zulassung erhalten. Im Herzschrittmacherbereich wurde der neue Standard - aufgrund der einfacheren Systeme - bereits vor drei Jahren eingeführt.

In Österreich werden jährlich rund 2.000 Patienten mit schweren Herzrhythmusstörungen bzw. überlebtem plötzlichen Herzversagen mit einem ICD versorgt. Die Zahl der ICD-Patienten steigt weltweit jährlich um zehn bis 15 Prozent, jene der Magnetresonanz-Scans um etwa zehn Prozent. Europäische Schätzungen gehen davon aus, dass bei jedem zweiten Defibrillator-Patienten im Laufe seines Lebens eine Magnetresonanztomographie notwendig werde, so Lercher. (APA)

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