Starker Rückgang der Infektionen in den vergangenen Jahren - Campylobacter in Lebensmitteln deutlich schlechter in den Griff zu bekommen
Parma/Wien - In der EU ist die Zahl der Salmonellen-Infektionen in den vergangenen Jahren - bedingt durch Maßnahmen zur Kontrolle von Geflügelbeständen, Lebensmittelindustrie, Handel und Transport - deutlich zurückgegangen. Das belegen die Zahlen der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority - EFSA) in Parma. Bei einer anderen Zoonose, bei Campylobacter-Ansteckungen, ist das allerdings schwieriger. Und: Zumindest im Jahr 2009 schaffte Österreich ihm gestellte "Latte" von weniger als zwei Prozent mit Salmonellen infizierten Geflügelzuchtbeständen nicht.
"Zoonosen sind von Tier auf Mensch übertragbare Erkrankungen, die Übertragung erfolgt zumeist über Nahrungsmittel. Die Keime kommen sehr oft in gesunden Tieren vor. Bei Schlachtung, Verarbeitung oder erst in der Küche kann es zu ihrer Vermehrung kommen. Pro Jahr werden in der Bevölkerung der EU rund 380.000 mit Lebensmitteln in Verbindung zu bringende Erkrankungen registriert", sagte der stellvertretende Leiter der Bio-Risiken-Abteilung (BIOHAZ) der EFSA, Ernesto Liebana, bei einem Besuch europäischer Journalisten vor einigen Tagen am Sitz der Institution.
Deutlicher Rückgang an Salmonelleninfektionen
Was die EU-Mitgliedsländer, EFSA und EU-Behörden in den vergangenen Jahren eindeutig geschafft haben: Das Zurückdrängen der Salmonelleninfektionen. Liebana: "Das ist eine echte Erfolgsstory. Im Jahr 2007 gab es 151.995 gemeldete Erkrankungsfälle. 2008 waren es 131.468 und im Jahr 2009 dann 108.614." Experten für Lebensmittelsicherheit und Fachleute für Tierzucht und Tiergesundheit arbeiten zusammen, um einerseits Daten aus allen Mitgliedsländern zu sammeln, andererseits Leitlinien für das Management und erreichbare Ziele für einzelnen Mitgliedsländer zu formulieren. Ging man - wegen der dort bestehenden Dringlichkeit - in Sachen Salmonellen vor allem vom Geflügel und von Geflügel-Produkten aus, ist man mittlerweile bei Salmonellen in Schweinefleisch und -Produkten angekommen.
Laut der Statistik des österreichischen Gesundheitsministeriums wurden im Jahr 2010 exakt 2.135 Erkrankungen registriert, 2004 waren es hingegen 6.700, im Jahr 2003 sogar 7.582. Laut den EFSA-Unterlagen überschritt die Agrarwirtschaft des "Feinkostlands Österreich" die Zielvorgabe, dass höchstens zwei Prozent der Geflügelbestände mit Salmonellen infiziert sein sollen, knapp. Vergleichbare Staaten wie Schweden, Irland, Finnland und Großbritannien lagen deutlich darunter.
Doch die weitgehende Kontrolle eines Problems in der Lebensmittelsicherheit ist immer nur ein Teilerfolg. Liebana: "Bei einem ebenfalls oft bei Geflügel und anderen Fleischprodukten vorkommenden Keim, Campylobacter, haben wir weniger Erfolg. Gegen die Salmonellen wirken Impfaktionen (in der Tierhaltung, Anm.). Die selben Maßnahmen, die gegen Salmonellen wirken, sind bei Campylobacter weniger effektiv."
Der beste Ratschlag für Konsumenten auf jeden Fall: Speisen ausreichend erhitzen (z. B. zumindest 15 Sekunden über 70 Grad Celsius). Dann bleibt von einer allfälligen Gefahr nichts übrig. Im Jahr 2010 wurden in Österreich nach vorläufigen Zahlen 5.237 Campylobacter-Erkrankungen gemeldet. Im Jahr 2009 waren es 5.593, 2007 noch 6.132. (APA)