"Frauen können alles sein": Valie Export und Ina Wagner geehrt

6. Dezember 2011, 12:19
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Künstlerin und Forscherin reihen sich in namhafte Trägerinnenliste ein - Frauenpreis existiert bereits seit zehn Jahren

Wien - Zum zehnten Mal wurde am Montag Abend der Wiener Frauenpreis samt Bronzeskulptur der Künstlerin Verena Kranebitter verliehen. Die Jubiläums-Preisträgerinnen sind die Künstlerin Valie Export in der Kategorie "Bildende Kunst" und die Wissenschafterin Ina Wagner in der Kategorie "Informations- und Kommunikationstechnologie". Sie wurden von einer Dreier-Jury bestehend aus den Journalistinnen Brigitte Handlos (ORF), Eva Linsinger (profil) und Tessa Prager (NEWS) vorgeschlagen.

Frauenstadträtin Sandra Frauenberger betonte bei der feierlichen Überreichung den Zweck des mit je 3.000 Euro dotierten Preises: "Seit Vizebürgermeisterin Renate Brauner 2002 das erste Mal den Frauenpreis vergeben hat, wurden jährlich Frauen für ihr herausragendes Leistungen im emanzipatorischen Sinn ausgezeichnet." Die Preisträgerinnen hätten aber auch eine wichtige gesellschaftliche Vorbildfunktion, "denn sie machen Frauen Mut althergebrachte Rollenbilder zu durchbrechen. Sie zeigen, Frauen können alles sein."

Marke Export

Export ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes. Ihr Schaffen umfasst Performance, Aktionen, Fotografie, Video, Film, Expanded Cinema, Medieninstallationen, Skulptur, Text. Sie war Pionierin der Medien-, Performance- und Filmkunst, mit der sie oft provozierte. Ihre Arbeiten machen auf soziale, gesellschaftliche und politische Wirklichkeit aufmerksam, auf Zwänge, Gewalt und Schmerz.

Ihre feministische Haltung und ihr Kampf für gleichberechtigte und geschlechtsneutrale Beurteilung medialer Arbeiten stießen auf heftige Abwehr. Der selbst gewählte Name, in Abgrenzung zu ihrem Geburtsnamen und zum Namen ihres geschiedenen Mannes, war ein Akt der Selbstbestimmung: Anspruch auf Präsenz in der von Männern dominierten Welt der Kunst; künstlerisches Konzept und Logo. Für die Künstlerin beginnt Selbstbestimmung mit der Wahrnehmung der eigenen Abhängigkeiten. Sie setzt Kunst als politischen Motor ein und bestimmt so zum Beispiel in ihren Arbeiten über ihren eigenen Körper.

Export ist nicht auf "feministische Kunst" zu verkürzen. Aber die Künstlerin und Feministin hatte in mehr als vier Jahrzehnten ihrer Arbeit große Wirkung auf Frauen, auf Künstlerinnen, auf Männer und die Kunst.

Feministische Perspektive in Naturwissenschaft

Wagner ist Universitätsprofessorin für Multidisziplinäres System Design und leitet das Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung an der Fakultät für Informatik der Universität Wien. Sie eine der profiliertesten Naturwissenschafterinnen des Landes. Sie war Mitglied der Ethikgruppe der Europäischen Kommission und sitzt nun in der österreichischen Bioethik-Kommission.

Wagners Institut ist an der Schnittstelle zwischen Informatik und Sozialwissenschaften angesiedelt. Kern ihrer Arbeit ist die Verbindung von ethnographischen Untersuchungen von Arbeitspraxis mit Technikentwicklung, beispielsweise im Krankenhaus, im Architekturbüro, in der Automobilindustrie. Mit ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit will sie verhindern, dass Computersoftware an den Menschen vorbei entwickelt wird. Ihren besonderen Schwerpunkt bilden Fragen der Arbeitsorganisation, der Ethik und vor allem frauenspezifische Gesichtspunkte.

Das Thema "Frauen in Technik und Wissenschaft" war immer ein zentraler Punkt ihrer Arbeit, sei es als Mitglied im Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen, sei es als Mentorin, sei es als Autorin über Fragen der feministischen Perspektive in Naturwissenschaft und Technik. An Wagners Institut studieren überproportional viele junge Frauen und es werden viele Projekte mit hohem Frauenanteil gefördert.

Bisherige Preisträgerinnen

Seit Bestehen des Preises wurden die Publizistin Elfriede Hammerl, die Anwältin Andrea Wukovits, Gleichbehandlungsanwältin Ingrid Nikolay-Leitner, die Direktorin der Nationalbibliothek Johanna Rachinger, Rechtsanwältin Helene Klaar, Ex-Direktorin des Wiener Volkstheaters Emmy Werner, Politikwissenschafterin Sieglinde Rosenberger, die Direktorin Gymnasium Rahlgasse Heidi Schrodt, Generaldirektorin Siemens Österreich Brigitte Ederer, die Sprachforscherin Ruth Wodak, die Vorsitzende des Vereins Orient Express Tamar Citak, die Biochemikerin Renée Schröder, die Schriftstellerin Ruth Klüger, die Direktorin Islamische Fachschule für Soziale Bildung Zeynep Elibol, Bundesministerin a.D. Johanna Dohnal, AUF-Herausgeberin Eva Geber, die Sozial- und Wirtschaftswissenschafterin Margit Schratzenstaller, Autorn Marlene Streeruwitz und AK-Frauenabteilungsleiterin Ingrid Moritz ausgezeichnet. (red)

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    "Unser Blick und unsere Aufmerksamkeit wären anders, ärmer, ohne VALIE EXPORTS Schaffen", lautet die Jurybegründung.

  • "Wagner ist überzeugt, dass rein 
männerdominierte Institutionen Frauen abschrecken - und will das 
ändern", so die Jurorinnen.
    foto: standard/heribert corn

    "Wagner ist überzeugt, dass rein männerdominierte Institutionen Frauen abschrecken - und will das ändern", so die Jurorinnen.

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