Ab Herbst 2012

Rektoren drohen mit autonomen Studiengebühren

Rosa Winkler-Hermaden, 6. Dezember 2011, 11:52
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    apa-foto: herbert neubauer

    "Wir brauchen so rasch als möglich eine gesetzliche Regelung, damit wir wissen, woran wir sind."

Sollte Regierung keine verfassungskonforme Neugestaltung beschließen, werden Gebühren eingehoben

Heinrich Schmidinger ist am Ende mit seiner Geduld. Der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko) habe in zahlreichen, wohlmeinenden Gesprächen mit Politikern versucht, eine Verbesserung für die Universitäten herbeizuführen. Zwei Monate nach seinem Amtsantritt kommt er jedoch zum Ergebnis: "Die Blockadesituation innerhalb der Regierung nimmt zu." Das habe fatale Konsequenzen für die Universitätspolitik. "Den Universitäten fällt die Situation immer mehr auf den Kopf", sagte er am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Ein Beispiel für die Blockadepolitik der Regierung sind für Schmidinger die Studienbeiträge. Nach wie vor ist offen, ob es in Zukunft Studiengebühren geben wird oder nicht. Der Verfassungsgerichtshof hat die derzeitige Regelung für rechtswidrig erklärt und aufgehoben. (derStandard.at berichtete) Juristen kommen zu unterschiedlichen Schlüssen, was das für die weitere Handhabe bedeutet.

Keine Gebühren im Sommersemester

Die Rektoren werden im Sommersemester jedenfalls keine Studiengebühren einheben, auf Grund von Fristen geht sich das ihrer Ansicht nach nicht mehr aus. Die Universitäten fallen damit ab März bundesweit um 35 Millionen Euro. Zwar muss der Großteil der Studierenden laut derzeitiger Regelung ohnehin keine Studiengebühren zahlen, die 35 Millionen Euro kommen aber durch zahlreiche Ausnahmeregelungen zustande. Studenten müssen zum Beispiel Gebühren zahlen, brauchen sie für das Studium länger als es die Regelstudiendauer vorsieht.

Verfassungskonforme Neugestaltung

Vor dem Hintergrund dieser Verschärfung haben die Rektoren bei einer Plenarversammlung beschlossen: "Auf die 35 Millionen Euro können wir auf keinen Fall verzichten. Wir brauchen so rasch als möglich eine gesetzliche Regelung, damit wir wissen, woran wir sind." Die Rektoren fordern eine offizielle Erklärung des Wissenschaftsministers zu den Plänen der Bundesregierung über die verfassungskonforme Neugestaltung der Studiengebührenregelung.
Für das Sommersemester verlangt Schmidinger außerdem, dass das Ministerium den Universitäten die 35 Millionen Euro ersetzt. Man solle dafür Mittel, die sich im Notfall-Budget des Ministeriums befinden, zur Hand nehmen. 

Studienbeiträge ab dem Wintersemester

Doch längerfristig ist auch das keine Lösung. Etliche Unis befinden sich in einer sehr prekären Situation, sagte Schmidinger. Aus diesem Grund kündige er an: Sollte es bis 1. Oktober 2012 keine Neuregelung geben, haben die Unis wirtschaftlich keine andere Wahl mehr, als ab dem Wintersemester 2012/2013 Studienbeiträge einzuheben. Dabei handle es sich um eine Notfallmaßnahme, betonte Schmidinger. Rund die Hälfte der Universitäten habe bereits angekündigt, die Gebühren autonom einheben zu wollen. Orientieren wolle man sich an der Regelung, wie sie derzeit gelte. Studienbeträge werden also für Betroffene 363 Euro pro Semester ausmachen. 

Geflopptes System wird weitergeführt

Eine weitere Baustelle in der Universitätspolitik ist das Voranmeldesystem zum Studium. Es wurde eingeführt, um den Universitäten rechtzeitig einen genauen Überblick über die Zahl der Studierenden gewährleisten zu können. Im Herbst kam es zum ersten Mal zur Anwendung, zeigte sich aber nicht als zielbringend, weil sich die Studierenden für mehrere Studienrichtungen an mehreren Universitäten anmeldeten. Das System floppte, das gaben Ministerium, uniko und ÖH einstimmig zu. (derStandard.at berichtete) Sie präsentierten ein neues Modell, doch auch in dieser Frage geht nichts weiter: Die genannten Partner wären dabei gewesen, so Schmidinger, aber die Regierung blockiert und deshalb kommt das gefloppte System im Sommersemester wieder zur Anwendung. "Wir müssen das als absurd eingestufte Verfahren wieder anwenden. Sie können sich vorstellen, welche Freude bei uns herrscht", klagte der uniko-Präsident. In dieser Frage ortet er eine Blockade hauptsächlich von Seiten der SPÖ, Minister Karl-Heinz Töchterle wäre bei einer Neugestaltung mit an Bord gewesen.

Auch beim Hochschulplan machen die Rektoren Druck, sie drängen auf einen baldigen Beschluss. Der Hochschulplan wurde in der Öffentlichkeit noch nicht präsentiert, deswegen könne man keine Stellungnahme zu konkreten Inhalten abgeben. Die uniko ortet auch hier eine Verzögerungstaktik: "Eine baldige Beschlussfassung des Hochschulplans steht in Frage, wesentliche Weiterentwicklungen des tertiären Bildungsbereichs werden verzögert oder unterbleiben zur Gänze." (rwh, derStandard.at, 6.12.2011)

Kommentar posten
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Karl-heinz Grill
00
12.12.2011, 19:58
und ich drohe mit rektorengebühren.

videoopa
00
7.12.2011, 11:22
brennt die UNI schon wieder?

http://www.youtube.com/watch?v=bcc8ugmh1tU

Auch lustig
51
7.12.2011, 10:57
Ausbildung kostet Geld.

Jede Fortbildung kostet Geld - die selben Vortragenden wie auf der Uni kann man auch privat kaufen - um 500, 600, 700 Euro PRO TAG am Wifi, am IIR, bei BusinessCircle.

Warum weigern sich Studenten, ihren Beitrag zu leisten?

Flann O'Brien.
21
7.12.2011, 12:14

Fünf Jahre auf ein Gehalt zu verzichten, Pensionsjahre zu verlieren, aber nicht geringe Ausgaben für Lehrmittel zu haben, ist auch ein Beitrag.

Auch lustig
22
7.12.2011, 12:37

Wenn ich privat eine Fortbildung mache, nehme ich auch Urlaub und verdiene nichts. So what? Ist meine Entscheidung.

Niemand zwingt die Studenten zum Studium.

ArtGenosse
 
00
8.12.2011, 17:25
Niemand zwingt Sie nicht zu studieren.

Auch lustig
00
9.12.2011, 10:28

mei lustig. Sie haben sicher studiert, gelle. Da verstehe ich, dass Sie dafür kein Geld zahlen wollten.

ArtGenosse
 
00
10.12.2011, 12:16
Das ist doch für diese Diskussion irrelevant. Relevant ist, dass Akademiker netto mehr für den Staat herausbringen. Selbiges gilt auch für diese Bildung, die man selbst zahlen muss.

Aber schon mal draufgekommen, dass es vielleicht besser wäre wenn diese Zusatzbildung auch kostenlos werden würde?

Aber da haben wir wieder diese Neiddebatte, die gegen die Studierenden geführt wird. ;-)

Auch lustig
00
10.12.2011, 15:24
Akademiker bringen mehr für den Staat...

das ist eine Illusion. Falls Sie sich auf diese OECD Studie beziehen: da kommt raus, dass effektiv ein Akademiker im Schnitt um ein paar hunderter mehr verdient. Das ist steuerlich irrelevant und wird durch die Studienabbrecher, die zwar Leistungen bezogen haben, aber deswegen kein höheres Einkommen haben, völlig aufgefressen.

Da geht’s um keine Neiddebatte, da geht’s um die Grundsatzfrage, ob die Empfänger von Leistungen auch einen Beitrag dazu leisten sollen. Wir reden von 4.000-5.000 für ein Studium mit um ein vielfaches höheren Kosten.

jane.doe
00
16.12.2011, 13:00
...nur wenn sie im Land bleiben!

Wurde in dem tollen OECD Schnitt auch die Abwanderung von Akademikern eingerechnet, die in den letzten Jahren massiv gestiegen ist?

Auch lustig
00
16.12.2011, 14:10
bitte belegen Sie

die behauptetet _gestiegene_ Abwanderung. Die Statisitken zeigen etwas anderes.

jane.doe
00
16.12.2011, 17:28

Ich bezweifle, dass es dazu "öffentliche Zahlen" gibt. Jedoch hab ich in einigen FHs Zahlen für die einzelne Studiengänge gesehen und auch bei dem Studiengang, den ich besuchte, sind 40% ins Ausland ausgewandert und nicht mehr zurückgekommen (8% mehr haben ein Doktorat im Ausland absolviert und sind zurückgekommen). Auf den gesamten Studiengang (den es nun schon einige Jahre gibt) bezogen waren es 43% aller Studenten, die Österreich verliessen und bis jetzt nicht wieder zurückkamen. Die Zahlen in anderen FHs im selben Bereich sehen ähnlich aus.

Auch lustig
00
17.12.2011, 09:08
Also existiert diese Abwanderung nur in Ihrer Vorstellung?

Sie haben also keinen Beleg dafür, dass Akademiker massiv ins Ausland gehen?

Dass FH Absolventen Auslandspraktika machen, ist in einigen FHs (z.B. IMC Krems) sogar vorgeschrieben. Zeigen Sie mir doch bitte im Gegenzug die _gestiegene- Abwanderung von FH Studenten z.B. des Fachs für Maschinenbau, Immobilienmanagement oder Facility Management.

jane.doe
00
18.12.2011, 13:56

Ein Auslandspraktikum machen oder auswandern und nicht mehr zurückkommen sind zwei Paar Schuhe. Ich spreche hier nicht von den Leuten, die vielleicht 8 Monate ins Ausland zu gehen oder auch für 1-2 Jahre um einen Master zu machen, sondern von Leuten die Österreich für 5 Jahre und mehr verlassen haben und die nicht mehr zurückgekommen sind. Schön, dass es das in ihrer Vorstellung nicht gibt! (Der Grund wieso FHs diese Zahlen teilweise sehr wohl haben, wenn auch nicht veröffentlichen, weil die meisten mit ihren Absolventen noch in Kontakt sind.) Auch in meinem Freundeskreis, sind viele nach dem Studium ausgewandert darunter Aerzte, Forscher, Elektrotechniker, Designer, Architekten... Sie haben also vollkommen Recht - Es gibt keine Auswanderer

Auch lustig
00
20.12.2011, 14:17

wo ist der Beleg über die gestiegenen Abwanderer?

jane.doe
00
16.12.2011, 17:31

Ob diese Zahlen auch auf Unis erhoben werden wage ich zu bezweifeln. Aber wenn auch nur ein Viertel aller Studenten die ein Studium abschliessen und Österreich dauerhaft verlässt, so ist das eine nicht zu vernachlässigende Summe, die dem Österreichischen Staat an "Mehrwert" verloren geht mit dem hier viele argumentieren!

jane.doe
00
16.12.2011, 18:39

Aja und bzgl. Einwanderung, dass internationale Forscher nach Österreich kommen... Aus dem EU-Ausland nach Österreich zu kommen um hier in der Forschung zu arbeiten ist ein ziemlich schwieriger und eher langwieriger Prozess (Freunde haben es versucht, aber sind dann in England gelandet, da es zwar nicht viel, aber doch einfacher war). Da könnte man definitiv auch einiges tun!

ArtGenosse
 
00
10.12.2011, 23:21
Wieso ist das eine Illusion? Welche Quellen haben Sie? Wieso ist die OECD-Studie nicht relevant?

Auch lustig
00
11.12.2011, 09:48
Weil sich die OECD Studie auf den Durchschnitt aller OECD Länder bezog...

also sowohl auf die USA wie auch auf Portugal.

Auf diesen Durchschnitt bezogen bringen Akademiker dem Staat mehr Steuereinnahmen. In den U.S., wo ein abgeschlossenes Studium nach 10 Jahren schnell +60% Einkommen heißt, stimmt das sicher. In Österreich konstatiert diese Studie Mehreinkünfte - auf die Lebenszeit gerechnet - von um die 50k, also ein paar hunderter im Monat.

jetboy
00
9.12.2011, 15:28

hihi, und ich weiss wer sicher nicht studiert hat ^^

Auch lustig
00
9.12.2011, 16:08

oh, ich kenne auch viele die nicht studiert haben - auch viele KollegInnen, die abgebrochen haben.

Und?

obibiber
10
7.12.2011, 10:36

taktik töchterle: so lange keine regelung aufsetzen, bis alle rektoren schrein: studiengebühren.
damit hat er seine einzige forderung und idee, die je von ihm kam, durchgesetzt: studiengebühren, soziale stratifikation.
sogar für einen vp-ler ist das schwach und das, obwohl die latte nach gehrer und hahn nun wirklich mehr als niedrig hängt.

Got Your Nose!
00
7.12.2011, 12:35

da ist ausnahmsweise einmal ein jugendwort angebracht: nämlich der "niveau-limbo"

obibiber
00
7.12.2011, 12:40

da ist dann töchterle wohl eher schon maulwurf-technisch unterwegs...

dreyfusard
02
7.12.2011, 09:21

die regierung sollte sich ihrer verantwortung bewußt sein. das vom steuerzahler - nicht von fr. fekter erstellte budget nicht in den rachen der banketrüger stecken, sondern in ein gutes bildungssystem investieren.

das hier stimmung gemacht wird für studiengebühren, vorallem von der rektorenseite, ist ein armutszeugnis für den bidungsauftrag. von dem verknöcherten altphilologen, dessen einziges ziel es scheint, studiengebühren wieder einzuführen, dem sei gesagt, dass er erstmal das marode unisystem auf vordermann bringen sollte.
aber es scheint schwarzblau hat unter den politikern eine immense gier aufs geld des volkes entstehen lassen.

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