Shutl will Zustellfrust beim Onlinekauf mindern

6. Dezember 2011, 10:39
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Auch Google denkt über Lieferservice für Händler nach, um Amazons Onlineexpansion zu bremsen

E-Commerce gilt als eine der großen Änderungen, die Internet hervorgebracht hat. Amazon, 1994 gegründet, begann als Buchhändler, handelt heute mit Waren aller Art und setzte im Vorjahr 34 Mrd. Dollar um. Aber Online-Handel hat eine Achillesferse: die Zustellung der Waren, für viele Kunden häufig Grund zur Frustration.

"Menschen kaufen online ein, seit es das textbasierende Yahoo-Seitenverzeichnis gibt"

"Menschen kaufen online ein, seit es das textbasierende Yahoo-Seitenverzeichnis gibt", sagt Tom Allason, Gründer und CEO des Start-ups Shutl, 70 Prozent der Briten würden inzwischen via Internet einkaufen. "Aber ein kritischer Teil des Onlineeinkaufs machte keinen Fortschritt: die Zustellung. Das ist die größte Herausforderung für E-Commerce", sagt Allason, "fehlgeschlagene Zustellversuche kosten in Großbritannien jährlich 790 Millionen bis eine Milliarde Pfund. Zwei Drittel der potenziellen Kunden, die bei der Bearbeitung ihrer Bestellung aussteigen, nennen Zustellung als Grund für den Abbruch. Und von denen, die online einkaufen, sind 90 Prozent trotzdem über den Zustellvorgang frustriert."

Ist niemand zu Hause, sind mehrere Versuche erforderlich, was Geld kostet und trotzdem oft in der Hinterlegung der Ware mündet. Hohe, womöglich bei der Bestellung nicht genau bekannte Kosten schrecken ab. Und viele sind zu ungeduldig, um auf die Zustellung zu warten und nehmen lieber gedrängte Geschäfte und lange Einkaufswege in Kauf.

Consolidator für örtliche Kurierdienste

"Shutl löst diese Probleme. Wir geben den Käufern die Alternative, ihre Ware innerhalb der nächsten 90 Minuten zu bekommen oder später in einem einstündigen Zeitfenster, das sie festlegen", sagt Allason. Dabei ist das in der Tech City London beheimatete Start-up kein Logistiker, der selbst Flugzeuge, Laster oder Fahrräder losschickt, sondern ein "Consolidator", eine Plattform, über die rund 3000 örtliche Kurierdienste gebucht werden.

Auf der anderen Seite, bei den Händlern, stehen nicht zentrale Lagerhäuser wie bei Amazon, sondern Handelsketten, die von der jeweils nächstgelegenen Filiale liefern. Das verkürzt die Wege zum Kunden und sorgt, zusammen mit dem via Datenbank optimal ausgewählten Zusteller, für die kurze Zustellzeit oder die Auswahl einer genehmen Zustellzeit. Nach Lieferung wird der Service bewertet, die Bewertung fließt in die Datenbank ein: Bessere Kurierdienste bekommen so mehr Aufträge.

"Paypal für Zustellung"

"Wir wollen das Paypal für Zustellung werden", beschreibt er die Ambition des Start-ups - in Analogie zu dem Ebay-Service, das Zahlen auf die Eingabe von Mailadresse und Passwort reduziert. "Shutl ist ein reines Datenbusiness, das macht es leicht, international zu expandieren. Der britische Onlinemarkt hat ein Volumen von 2,5 Milliarden Pfund, der weltweite ist 50 Milliarden."

Google-Pläne

Bei diesem Expansionsvorhaben wird das Start-up aber auch auf einen potenten Konkurrenten stoßen: Auch Google soll wie berichtet ein Service entwickeln, das eine Lieferung zu geringen Kosten am nächsten Tag garantieren will, berichten US-Medien. In diesem Bereich ist Amazon und sein "Prime"-Service dominant: Um 79 Dollar im Jahr erhalten US-Kunden ihre Amazon-Einkäufe express zugestellt, zusätzlich können Sie Filme, Bücher und Musik gratis ausleihen.

Google würde seine populäre Produktsuche mit den Angeboten von Händlern zu einem Einkaufsvorgang verschmelzen. Allerdings soll es noch keine konkreten Vereinbarungen geben. Google will damit der wachsenden Konkurrenz von Amazon bei vielen Onlinediensten begegnen - so wie es Facebook mit Google+ kontern soll. (Helmut Spudich aus London/ DER STANDARD Printausgabe, 6. Dezember 2011)

  • Online- käufe scheitern oft an der Zu- stellung: Shutl will das Problem lösen.
    montage: standard/beigelbeck

    Online- käufe scheitern oft an der Zu- stellung: Shutl will das Problem lösen.

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