Deutsches Finanzministerium: Jewish Claims Conference soll Zahlen prüfen
Berlin - Die deutsche Bundesregierung ist Angaben der Jewish Claims
Conference über weitere Millionenzahlungen an Holocaust-Opfer entgegengetreten. Das deutsche
Finanzministerium teilte am Dienstag auf AFP-Anfrage mit, es könne dies "so
nicht bestätigen". Die Jewish Claims Conference in New York hatte am Montagabend
mitgeteilt, mehr als 16.000 Holocaust-Überlebende,
die bisher keine Entschädigungen aus Deutschland bekommen hatten, könnten diese
nun erwarten. Dies bedeute Zahlungen in Höhe von insgesamt rund 485 Millionen
Euro über die nächsten zehn Jahre, hieß es.
Hintergrund ist nach Angaben der Jewish Claims Conference eine Lockerung der
Bedingungen. Dazu gehört unter anderem, dass die Opfer bislang nachweisen
mussten, während der Nazi-Zeit 18 Monate lang in einem Ghetto, versteckt oder
unter falscher Identität gelebt zu haben. Zum 1. 2012 soll diese Grenze nun auf
zwölf Monate reduziert werden.
Details noch in Arbeit
Das deutsche Finanzministerium bestätigte die Herabsetzung der
Mindestverfolgungszeit, fügte aber hinzu, dass an den Details noch gearbeitet
werde. "Die in den Meldungen genannten Zahlen waren nicht
Verhandlungsgrundlage", hieß es weiter. Die Zahlen entsprächen auch nicht den
Annahmen des Ministeriums. Die Jewish Claims Conference sei um Prüfung ihrer
veröffentlichten Zahlen gebeten worden. In einer Arbeitsgruppe soll nun eine
"gemeinsame Projektion der über die nächsten zehn Jahre benötigten Finanzmittel"
erarbeitet werden.
Zugleich betonte das Ministerium, dass die Entschädigung von Überlebenden des
Holocaust für die deutsche Bundesregierung
"unverändert einen hohen politischen Stellenwert" habe. Seit Kriegsende seien
rund 68 Milliarden Euro an Entschädigungen bezahlt worden. Mehr als 100.000
Überlebende der Konzentrationslager und Ghettos erhielten monatliche Renten aus
Deutschland.
Die 1951 gegründete Jewish Claims Conference ist die wichtigste Organisation
zur Entschädigung von Juden. Sie sorgte in Verhandlungen mit den jeweiligen
deutschen Bundesregierungen dafür, dass Juden in aller Welt für das Unrecht
durch die Nazi-Verfolgung finanziell entschädigt werden. (APA)