Verurteilt

Hoffmann ist sich keiner Schuld bewusst

6. Dezember 2011, 12:31
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    foto: apa/ helmut fohringer

    Christian Hoffmann (li) und Anwalt Hans-Moritz Pott.

Skilanglauf-Olympiasieger wurde für sechs Jahre gesperrt, will aber 23 Jahre lang sauberen Sport betrieben haben

Wien - Der Besuch der hinlänglich bekannten Plasmapheresestation Humanplasma und der Mitbesitz einer Blutzentrifuge haben zu der sechsjährigen Dopingsperre gegen Skilanglauf-Olympiasieger Christian Hoffmann geführt. Das teilte NADA-Chef Andreas Schwab am Dienstag mit. Hoffmanns Rechtsanwalt Hans-Moritz Pott bezeichnete das am Montag gefällte Urteil als "reinen Akt der Willkür", gegen den er auch auf dem Zivilrechtsweg Einspruch erheben werde.

Schwab betonte, dass das Urteil auf Basis der geltenden Anti-Doping-Gesetze ausgesprochen worden sei. "Die Rechtskommission der NADA hat es als erwiesen angesehen, dass Christian Hoffmann bei Humanplasma gewesen ist und ebenso, dass er Mitbesitzer einer Blutzentrifuge gewesen ist", sagte der Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) zum Urteil gegen den 36-jährigen Staffelweltmeister von 1999, der für eine Stellungnahme vorerst nicht erreichbar war.

Kohl als Zeuge

Die Rechtskommission sei vorliegenden Beweismitteln der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft sowie der Zeugenaussage von Ex-Radprofi Bernhard Kohl gefolgt, erläuterte Schwab. Pott bemängelte hingegen, dass der Schuldspruch ohne die Vorlage von Beweisen erfolgt sei. "Es wurde nicht ein Verstoß unter Beweis gestellt. Das Urteil ist jenseits von Gut und Böse", echauffierte sich der Rechtsanwalt.

Er werde die Urteil bei der zuständigen Schiedskommission und falls nötig später auch beim Internationalen Sportgerichtshof anfechten, kündigte Pott an. Auch auf dem Zivilrechtsweg will er weiter gegen die NADA vorgehen. "Wir nützen alles aus, auch wenn die Kosten gigantisch sind", bekräftigte er. Bereits jetzt habe Hoffmann 14.000 Euro an Verfahrenskosten aufgewendet, so Pott.

Zwei Jahre + vier Jahre

Für die Anwesenheit bei Humanplasma, wo sich in den Jahren 2003 bis 2006 rund 30 Sportler Blutabnahmen zum Zweck des späteren, mutmaßlichen Dopings unterzogen haben, erhielt Hoffmann zwei Jahre. Die Miteigentümerschaft der Zentrifuge brachte ihm vier Jahre ein. Die Sperre wurde rückwirkend ab Dezember 2009, als die NADA das Verfahren gegen Hoffmann aufgenommen und eine seither aufrechte Suspendierung ausgesprochen hatte, festgelegt.

Im Detail bemängelte Pott, dass sich die Rechtskommission bei beiden Verstößen lediglich auf Vernehmungen der Soko-Doping und Protokolle aus den Verhandlungen gegen Hoffmanns ehemaligen Trainer Walter Mayer und den Sportmanager Stefan Matschiner gestützt habe. Eine eigentliche Befragung der Zeugen sei nie erfolgt.

"Die Aussagen wurden nur verlesen"

"Es gibt keine Zeugenaussage von Herrn Kohl, er ist nie erschienen. Die Aussagen wurden nur verlesen und gegen meinen Widerstand herangezogen. Ich habe niemanden befragen können, das sind Zustände wie in Russland. Das Urteil stützt sich auf reine Vermutungen, das ist rechtsstaatlich wie in Dschibuti", ärgerte sich Pott. Außerdem habe Matschiner eine Aussage von Kohl über die Anschaffung der Blutzentrifuge durch seine Person, Hoffmann und den Radprofi Michael Rasmussen (DEN) mittlerweile eidesstattlich in Abrede gestellt, führte der Anwalt weiter aus.

Laut Schwab habe Hoffmann durch den Mitbesitz der Zentrifuge anderen Sportlern ermöglicht, sich ebenfalls eines Dopingvergehens schuldig zu machen. Die Rechtskommission beließ es diesbezüglich aber bei der Mindeststrafe von vier Jahren, das Strafmaß reicht bis lebenslänglich. Der NADA-Chef bekräftigte, dass Hoffmann bei der Anhörung am Montag keine entlastenden Beweise vorlegen konnte.

Nutzung laut Anwalt nicht nachgewiesen

Pott betonte hingegen, dass es keinerlei Beweise wie Zahlungsbelege oder Aussagen von anderen Sportlern hinsichtlich der angeblichen Nutzung und Anschaffung der Zentrifuge gegeben habe. Auch die Nutzung des Gerätes durch Hoffmann sei nur behauptet worden, erläuterte der Rechtsanwalt.

Trotz der zu erwartenden enormen Kosten werde Hoffmann die Entscheidung anfechten. "Er sagt, er hat 23 Jahre lang sauberen Sport betrieben und kann sich das nicht gefallen lassen", erzählte Pott. Mit dem Urteil habe man einfach nur verhindern wollen, dass Hoffmann 2014 bei den Olympischen Spielen antreten kann, mutmaßte der Anwalt. Gegenüber den "Oberösterreichischen Nachrichten" hatte Hoffmann am Montagabend erklärt, dass man ihn für immer aus dem Verkehr habe ziehen wollen. "Man wollte sichergehen, dass ich nie wieder Rennen absolviere", wurde Hoffmann zitiert. Das kolportierte Comeback stellte er aber in Abrede.

Auf dem Zivilrechtsweg wartet Pott noch auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes über die von ihm eingebrachte Klage wegen der Nichtzuständigkeit der NADA. Danach werde er weitere rechtliche Schritte einleiten, auch ein Vorgehen "ad personam" gegen die Mitglieder der Schiedskommission schloss er nicht aus. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 113
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steppenking
00
10.12.2011, 18:51
Profis-Dopen-Sport

Als Spitzenathlet würde ich sicher nicht für Österreich starten. Ich würde mir ein Land suchen, welches seine Profis unterstützt und achtet. Aber nicht verfolgt. Spanien etwa. Schließlich wäre ich Profi und kein Sportler. Ich übe also ganz normal einen Beruf aus: auf dem Fussballplatz, auf Ski, dem Rad oder in einem Büro, Baustelle etc. Was zählt ist das Ergebnis, das Topergebnis oder Topeinkommen. Sonst nichts.

Trash-Flegel
10
"Was zählt ist das Ergebnis, das Topergebnis oder Topeinkommen. Sonst nichts."

Na, Regeln gibt es auch. Regelverstoß wird geahndet - part of the game.

Captain Smoker
11
6.12.2011, 17:57

Also sechs Jahre sind schon heftig. Selbst erwischte Wiederholungstäter kommen öfters billiger davon.

zol ex
00
7.12.2011, 10:47

Die meisten Wiederholungstäter werden lebenslang gesperrt (oder 20 Jahre -> Pfannberger), und für das Doping selbst hat Hoffmann die für Ersttäter üblichen zwei Jahre bekommen.

1116er
10
6.12.2011, 16:41
alles hat seine grenzen, nur ein anwalt kann sich grenzenlos blöd stellen!

hat jemand von euch einen bekannten, den er nicht leiden kann?

dann empfehle ihm einen job bei der nada. er darf sich dann täglich mit so völlig unschuldigen gfrastern samt ihren anwälten herumschlagen.
jeder zeitschriftenkeiler, jeder jehova vor der tür ist mir da lieber!

Mirabeau
11
6.12.2011, 14:41
Eigentlich, Herr Rat, war das so:

Ich bin Hobbyimker und habe sie gekauft um damit Honig zu schleudern, aber dann bin ich draufgekommen, daß 3500 U/min für Bienenwaben doch ein bisserl zu hoch ist.

Strange Attractor
07
6.12.2011, 14:38
Ist mir spontan dazu eingefallen....

http://www.youtube.com/watch?v=3WCvULMRUq8

V995
00
6.12.2011, 14:34
genau

warum sollte er sich schuldig fühlen machen ja alle anderen auch
nur die sind halt nicht erwischt worden

Der Mann
30
6.12.2011, 14:58
sehe

ich auch so.

zumal sauerstoff im blut ja nix aussergewöhnliches ist.

ein amstrong - der hingegen echte chemie gedopt hab kommt frei weg!

das ist einfach eine frechheit !!!

purecynicism
22
6.12.2011, 14:06

wie kann man dem kohl irgendwas glauben? wahrscheinlich hat er gscheid geweint bei da aussage.

zol ex
32
6.12.2011, 15:59

Seltsam, dass keiner der Unschuldigen sich an Kohl schadlos hält (Verleumdung, Rufmord, üble Nachrede, ...)

Gordon_Gecko
23
6.12.2011, 15:53

Als Zeuge hat Kohl einen riesigen Vorteil, er hat nichts mehr zu verlieren, also wieso sollte er jetzt lügen?Der Zug um seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen ist abgefahren, Spitzensport ebenso, Ansehen hat er auch keines mehr. Deshalb ist er der perfekte Zeuge, alle die genügend Einblick hätten, hängen ja noch immer mit drin und wollen nicht, dass irgendwas aufgedeckt wird.

COR
20
6.12.2011, 19:53
Wieso sollte Matschiner lügen

und behaupten Hoffmann hätte nichts damit zu tun?

Gordon_Gecko
02
6.12.2011, 14:05

Na gott sei Dank war er nur von 2003 bis 2006 Kunde von Humanplasma und nicht davor, als er Olympiasieger wurde. Mühlegg hat die Goldene ja wegen Dopings verloren, wenn man die gesamte Starterliste mal genauer unter die Lupe nimmt, alle Doper aus der Wertung nimmt, bleibt wohl nur dieser Herr übrig:

http://www.youtube.com/watch?v=19zlBk1WksQ

maxx 77
00
6.12.2011, 19:21

Gold über 30 km wäre sich 2002 für Boit trotzdem nicht ausgegangen - dafür hätte er nämlich zumindest antreten müssen...

Cellabe
01
6.12.2011, 13:43
Ist die NADA auch so schwarz, wie der restliche

Rechtsstaat bei uns?

Andreas W
45
6.12.2011, 13:13
Einmal mehr zeigt sich die Ignoranz und Präpotenz der NADA-Rechtskommission!

Nicht dass ich den Hoffmann freigesprochen hätte, gedopt hat er auch sicher (jedenfalls im Sinne der Dopingbestimmungen), aber 6 Jahre sind überzogen! Insbesondere in Anbetracht des Freispruchs eines bestimmten Schwimmers vor kurzem, wo es bewiesene Fakten gab, nämlich die Verweigerung der Harn- bzw Blutabgabe! Bei Hoffmann gibt's nur Indizien, kein Fakt, kein Beweis!
Und außerdem müssten 90% aller Spitzensportler in Spanien gesperrt werden, weil kaum einer nicht mit Fuentes verkehrt hat.

Blick Winkel
00
6.12.2011, 13:37

Bei der Dopingprobe im Schwimmbad ist den Kontrollorganen ein kleiner fast nebensächlicher Fehler unterlaufen der aber jeden Schuldspruch anfechtbar gemacht hätte.

Sollte die Geschichte stimmern, dass der Sportler die Probe aufgrund der schlechten sanitären Einrichtungen nicht abgeben wollte, dann war es obendrein sehr "ungünstig", dass man dem Schwimmer nicht eine Alternative ("Fahren wir halt mit dem Auto nach ...") angeboten hatte. Dann wäre seine Ausrede hinfällig gewesen. Dazu muss es ja eindeutige Regeln geben.

Will sagen: Der Freispruch war notwendig.

brandyard
00
6.12.2011, 17:13

schwachsinn. dann hätte herr jukic eben nicht die trainingszeit im schwimmbad als möglichen kontrollzeitpunkt angeben dürfen!

noracismonearth
04
6.12.2011, 13:25

hoffmann hat jegliche aussage verweigert zu der blutzentrifuge - im sinne, ich belaste mich doch nicht selbst. keine kooperation mit der NADA, nichts gar nichts also braucht er sich nicht wundern, wenn ihn nun der hammer der nada trifft.

einen vergleich mit jukic zu ziehen ist lächerlich, was jetzt nicht heisst, dass ich den freispruch vom jukic gut heisse, im gegenteil, aber der jukic hat keine zentrifuge besessen.

COR
00
8.12.2011, 18:27
"hoffmann hat jegliche aussage verweigert zu der blutzentrifuge - im sinne, ich belaste mich doch nicht selbst. keine kooperation mit der NADA, nichts gar nichts also braucht er sich nicht wundern, wenn ihn nun der hammer der nada trifft."

Also jeder Angeklagte (Mörder, Dieb,...), der "jegliche Aussage" verweigert, soll automatisch in allen Punkten schuldig gesprochen werden?

erich1963
25
6.12.2011, 13:09
Die Blutzentrifuge wurde selbstverständlich..

..nur als Ziergegenstand angeschafft, weil sie im Wohnzimmer einfach was hermacht. Man könnte glatt meinen, einen echten Beuss zu besitzen. Eine andere Verwendung als die eines Kunstsammlers würdig, ist eine bodenlose Unterstellung....;-)

wurm83
 
41
6.12.2011, 13:07
...

"NADA hat es als erwiesen angesehen, dass Christian Hoffmann bei Humanplasma gewesen ist und ebenso, dass er Mitbesitzer einer Blutzentrifuge gewesen ist"

ich wusste gar nicht, dass das verboten ist?

wird jetzt jeder sportler der in eine apotheke geht als dopingsünder bestraft..immerhin könnte er sich in der apotheke auch etwas zum dopen holen, genauso wie er eine blutzentrifuge zum dopen mißbrauchen könnte...

ist es nicht eher so, dass man dem doping fast machtlos gegenübersteht und man deshalb gerne auf "im zweifel für den angeklagten" verzichtet?

Karl Joda
00
7.12.2011, 06:37
auf "im zweifel für den angeklagten" verzichtet?

Bei Juckic war es ganz anders....

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