Neue Studie zeigt: Unflexible Kindergarten- und Arbeitszeiten hindern Frauen an Berufstätigkeit
Feldkirch - Fehlende Kinderbetreuungsangebote machen Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf schwer. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie von Arbeiterkammer und Arbeitsmarktservice Vorarlberg, die am Montag präsentiert wurde. 43 Prozent der befragten Frauen sagten, dass sie unpassende Betreuungsangebote am Wiedereinstieg hindern, zweithäufigster Hinderungsgrund sind unflexible Arbeitszeiten.
In den Vorarlberger Gemeinden wird die Kinderbetreuung nach Bedarf organisiert. Den Bedarf bestimme die ÖVP, kritisieren Frauen seit Jahrzehnten. Die Strategie der bedarfs- und nachfrageorientierten Kinderbetreuung sei kontraproduktiv, sagte Studienautorin Eva Häfele. Die Sozialwissenschafterin hat Wiedereinsteigerinnen nach ihrer beruflichen Situation und den Bedingungen für den Wiedereinstieg befragt. Häfele: "Fast die Hälfte der Frauen macht die fehlende oder nicht passende Kinderbetreuung für das Scheitern ihres Wiedereinstiegs verantwortlich."
Es bestehe dringender Handlungsbedarf, appelliert AK-Präsident Hubert Hämmerle (VP) an seine Parteikollegen. Denn nur 9,3 Prozent der institutionellen Kleinkinderbetreuungseinrichtungen und nur sechs Prozent der Kindergärten entsprächen dem "Vereinbarungsindikator Beruf und Familie". Faktoren des Indikators: Höchstens 25 Schließtage pro Jahr, Öffnungsdauer mindestens 45 Stunden pro Woche von Montag bis Freitag, an vier Tagen mindestens 9,5 Stunden, Mittagstisch. Hämmerle: "Bund und Land müssen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Man darf diese Aufgabe nicht den Gemeinden allein überlassen."
Arbeiterkammer und AMS wollen die individuelle Beratung für Wiedereinsteigerinnen ausbauen. Ein wesentlicher Aspekt wird dabei die Teilzeitarbeit betreffen. Denn der Großteil der Frauen ist atypisch beschäftigt.
80 Prozent der Wiedereinsteigerinnen arbeiten Teilzeit bis maximal 25 Stunden pro Woche.Dass sich Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung negativ auf die spätere Pension auswirken, sei nur den wenigsten Frauen bewusst, sagt Häfele. Die Folgen: Frauen erreichen nur 76 Prozent des Männereinkommens. "Die ärmsten Pensionistinnen Österreichs leben in Vorarlberg, ihre Pensionen liegen satte 52 Prozent unter jenen der Männer", so Häfele.
Die Verbesserung der Rahmenbedingungen sei, sagt Häfele, "eine wesentliche Voraussetzung für eigenständige Existenzsicherung und damit Chancengleichheit der Frauen, aber auch der Kinder". Das müsste der Politik aber erst klar werden. (jub, DER STANDARD, Printausgabe, 6.12.2011)