Beamtengehaltsrunde

Nicht alle Beamten profitieren von der Gehaltsrunde

5. Dezember 2011, 19:11

Für viele Beamte hält der Gehaltsabschluss vom Sonntagabend nicht, was er verspricht - Aber für den Wirtschaftswissenschafter Bernhard Felderer ist der Abschluss aus europäischer Perspektive zu hoch, man hätte mehr sparen müssen

Wien - 2,95 Prozent (in Summe: 300 Millionen Euro) mehr für die Beamten - aber dennoch ist keiner recht zufrieden: Der am Sonntagabend nach langem Verhandeln und beinahe ebenso langem Nachrechnen erzielte Kompromiss ist für den Vorsitzenden des Staatsschuldenausschusses, Bernhard Felderer, zu hoch. Angesichts der Schuldenkrise und dem Umfeld in Europa bringe die Einigung nicht die erwartete große Ersparnis in der staatlichen Verwaltung.

Felderer will, dass Beamte sich auf magere Abschlüsse einstellen - wie die Grafik zeigt, hat der öffentliche Dienst schon in den vergangenen Jahren immer wieder Abschlüsse unter der Inflationsrate (und damit Realeinkommensverluste) hinnehmen müssen.

Schmerzliche Verluste

Und auch bei diesem Abschluss steckt der Teufel im Detail. Berechnet wird die Erhöhung nämlich als ein Betrag, der sich aus 2,56 Prozent des bisherigen Gehalts plus 11,10 Euro darstellt. Das bedeutet bei einem Gehalt von 3007 Euro, dass exakt die Inflationsrate abgegolten wird - wer mehr verdient, zahlt drauf, wer weniger verdient, hat zumindest einen kleinen Reallohnzuwachs.

Zudem tritt die Gehaltserhöhung erst im Februar in Kraft - im Jänner erleiden alle Beamten einen Kaufkraftverlust. Für mache sind die Verluste besonders schmerzlich, weil in ihrem Bundesland neoliberale Reformen Platz greifen: Sowohl der steirische Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) als auch dessen oberösterreichischer Kollege Josef Pühringer (ÖVP) setzen den Reformstift bei den Bediensteten statt bei den Strukturen an.

Die Gemeindebediensteten in der Steiermark, denen von der Landesregierung - ebenso wie den Landesbediensteten - eine Nulllohnrunde verpasst wurde, steigen daher auf die Barrikaden. Die Steirer verlangen ein Gehaltsplus zumindest in Höhe des Abschlusses auf Bundesebene. Während die steirischen Landesbediensteten in Verhandlungen mit der Landesregierung im Gegenzug zur Nulllohnrunde einige Bonifikationen herausverhandelt hätten, sei die Nulllohrunde für die Gemeindebediensteten "einfach verordnet worden", sagte der Chef der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft Willi Kolar dem Standard.

Der Großteil der rund 16.000 Bediensteten verdiene rund 1500 Euro netto. Kolar: "Milch und Brot ist für alle teurer geworden. Es trifft jetzt die, die für das Funktionieren der Infrastruktur sorgen. Eine Ungeheuerlichkeit, dass mit uns nicht einmal verhandelt worden ist, sondern die Nulllohnrunde einfach von oben herab beschlossen worden ist. Erstmals wurde in der Steiermark die Sozialpartnerschaft ausgeschaltet." Ähnlich enttäuscht sind die Oberösterreicher: Dort gab es als Begleitmusik zum Budgetlandtag massive Proteste der öffentlich Bediensteten.

Doch Oberösterreichs Landes-Vize Franz Hiesl (ÖVP) bleibt hart: In seinem Land wird generell ein Prozentpunkt vom Abschluss abgezogen. Göd-Vorsitzender Fritz Neugebauer sieht in dem seiner Meinung nach "sehr guten Abschluss" trotz allem einen Erfolg der Sozialpartnerschaft. (Walter Müller, Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 6.12.2011)

Kommentar posten
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aiuto
30
9.12.2011, 18:56
auf dem Bild da grinsen sie,....

eigentlich wär es zum weinen... für unser Land.
IN einem Moment, wo alle von der Schuldenbremse und vom Sparen reden,... bewilligen unsere Politkasperln eine fette Gehaltserhöhung für die Beamten. Das bedeutet nicht nur neue Schulden, sondern ist sicher auch ein tolles Zeichen nach außen, wie man es mit dem Sparen. .... und der Spindi schweigt dazu und der Faymann plappert irgendeine Banalität dazu....
... und bezahlen dürfen das alles Steuerzahler.

Tirol6020
00
9.12.2011, 15:33
Wer im Glashaus sitzt, wie Herr Felderer,...

... sollte seine Steine nicht allzu weit werfen, zumindest nicht bis Deutschland, wo er von 1968 bis zu seiner Pesnionierung im öffentlichen Dienst arbeitete:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bern... d_Felderer
In Österreich hat er dafür seine Ausbildung konsumiert.
Wann kommentiert er die deutschen (seine!) Beamtengehälter?

sternderl1
00
9.12.2011, 11:41
Nullohnrunde -?

Warum die Gehälter in manchen Bundesländern gekürzt werden liegt am Unvermögen der Landespolitik. Eine wirkliche Strukturreform würde für die Landesbediensteten genügend Geld einsparen um den hart arbeitenden " Beamten" einen vernünftigen Reallohnzuwachs zu ermöglichen. Eine Nullohnrunde bedeutet nur dass die wirklichen Problemlösungen verschoben werden. Den Schaden haben alle Beamte die wirklich hart arbeiten.

aiuto
10
8.12.2011, 09:35
ich bin schon gespannt, was jetzt die Gewerkschaft bezüglich der Landesbediensteten

und der Gemeindebediensteten unternehmen wird...
und Spindi und Faymann schweigen dazu.... oder plappern einfach unnützes Zeug.

sledgehammer44
11
8.12.2011, 08:10
landesregierungen und hr felderer einsparen

das sollte der weg sein. geld gibt es offenbar noch immer genug, nur eintreiben muss man es. siehe dieselpantschpartie, die mineralölsteuer - auch ein eigenes thema aber immerhin, im grossen stil hinterzogen hat.

master_of_disaster1
11
8.12.2011, 07:09
Wann wird man...

endlich diesen sich immer ungefragt und unqualifiziert zu Wort meldenden Herrn Felderer EINSPAREN?

Denn dessen Wortmeldungen könnten wir uns alle nur zu leicht ERSPAREN...

aiuto
11
8.12.2011, 09:33
... weil er so etwas wie das Gewissen der Republik darstellt?

ich finde shcon ganz gut, was er zu sagen hat.

Tirol6020
01
9.12.2011, 15:37
Wenn es beim Staat in Österreich so tolle Gagen gibt,

frage ich mich, warum der Herr Felderer nach seiner Ausbildung hier sein gesamtes Berufsleben für den deutschen Staat gearbeitet hat:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bern... d_Felderer
Zahlen vielleicht doch besser, die Deutschen?

aiuto
10
9.12.2011, 18:27
aus seinem CV sieht man nur, dass er neben dem Wissen

immens viel Erfahrung ge sammelt haben muß.
Aber solche Leute, die uns den Spiegel vorhalten und ohne Umschweife Faktur reden, die werden auf gut österreichisch natürlich sofort verunglimpft. Denn es ist nicht des Österreichers Sache, wenn jemand die Wahrheit ins Gesicht sagt.

master_of_disaster1
13
8.12.2011, 10:08
Felderer hat ebenso...

wie Marin zwei große persönliche Feindbilder: Den öffentlichen Dienst (die "Beamten") und die Pensionisten. Diese beiden Personengruppen sind nach deren Ansicht die Schuldigen an der gegenwärtigen Misere der Staatsgebahrungen.

Nicht schuld sin jedoch ihrer Meinung nach die höchst unfähige Politik, die unregulierten Finanzmärkte, die Spekulanten, zockende Bangster und willkürlich beurteilende Ratingagenturen.

Somit erübrigt sich jede Frage nach der Objektivität dieser beiden Herren "Experten", die nur ihre subjektive Vorurteile medial gekonnt verbreiten.

MAXIMA
00
7.12.2011, 11:09
... den ASVGlern wird die Abfertigung vorgeworfen ...

... bei den Beamten nennt man sie Jubiläumszuwendung, wieviele Privilegien werden noch verschwiegen? Der Großteil der 16.000 Bediensteten, wieviele sind es wirklich 15.000 oder 10.000, verdienen 1500 netto, in der Privatwirtschaft sind es zigTausende. Nichts als Geschwafel, denn das Zulagenparadies gibt es nach wie vor.

Taschmahal
00
7.12.2011, 14:21

Nein genau anders rum Maxima ;-)

Den Beamten werden die Jubiläumszuwendungen vorgeworfen, obwohl es in der Privatwirtschaft ein ähnliches Prinzip in der Regel aber wohl höher + niedriger versteuert gibt.

WO gibt es 16.000 Bedienstete?

Und welches Zulagenparadies? (kann mich nach an die Ferialzeiten erinnern, ein Freund war jeden Sommer bei der Fernwärme weil da gibts noch Schmutzzulage, Schwerarbeit und was der Teufel noch alles, im Prinzip sind sie nur von Wohnung zu Wohnung gegangn vl. mal in einen Keller, achja das war kein Beamter der da mit ihm unterwegs war - gibts also wohl auch in der Privatwirtschaft)

kuonrad
03
7.12.2011, 16:52
Mein Rauchfangkehrer

arbeitet für € 70.- bei mir genau 1 Minute und 30 Sekunden im Jahr.

MAXIMA
00
7.12.2011, 15:36
... im Artikel bitte sind die 16.000 nachzulesen!!!!

... nein konnte man nicht vorwerfen, hat man bis dato gar nicht gewußt, sondern es hieß immer, die Beamten gehen mit annähernd 80% Letztgehalt in Pension, dafür haben die ASVG eine Abfertigung, Zuverdienstgrenze bei ASVG 357,- Euro bei Beamten keine.
Der gesamt Energiebereich war ohnehin verstaatlicht oder ist heute noch staatsnah, daß dort noch Vetternwirtschaft und Zuckerlverteilung stattfindet ist wohl klar.

kuonrad
00
7.12.2011, 16:50
Die Relation

Abfertigung : Jubiläumszuwendung
ist mindestens 20:1.

Aus, die Maus
64
6.12.2011, 13:40

warum nicht einmal:
"Steuerzahler gehen auf die Barrikaden":
wegen der unsäglichen Gepflogenheit, kurz vor Pensionsantritt noch befördert zu werden (Usus bei Beamten, um eine höhere Pension zu lukrieren)

Tirol6020
01
6.12.2011, 18:38
Wer seinen Kollektivvertrag lesen kann, ...

... stellt fest, dass auch in der Privatwirtschaft alle zwei Jahre Vorrückungen stattfinden.
Der kleine Unterschied ist vielleicht, dass im öffentlichen Dienst niemand mehr als den "KV", in dem Fall die gesetzliche Regelung für den jeweiligen Job erhält (abhängig von Stellenbewertung, Ausbildung...).

sonne-licht
 
20
7.12.2011, 08:41
typischer beamter?

in der privatwirtschaft bekommst auch nur den kv egal wie lange du schon in der branche aktiv warst.

es gibt nur den unterschied,
das bei beamten großteils keine leistungsbereitschaft aufscheint fürs volk - nur verwaltet wird das nötigste getan wird

unkündbar sind

mehr zuwendungen/unter der hand ausgezahlte zuwendungen da besseren zugang zu den informationen usw.

gespaart wird bei den jungen, weils als vb angestellt werden

und so bald als möglich in pension gehen und dementsprechend auch die staatsarbeiten abliefern!

alle beamten haben jahrzehnte lang missgewirtschaftet und es zugelassen auf kosten des volkes um sich zu bereichern! weil solange es mir gut geht, gehts ja "allen" gut (traummännlein).

Taschmahal
00
7.12.2011, 14:23

also ich kenn schon mal 2 einfach Angestellte in der Privatwirtschaft die übern KV bezahlt werden und das ist nur die nähere Verwandtschaft.

chistyle .at
00
7.12.2011, 12:06

Welchen Beamten meinst du jetzt genau
Kindergärtnerin,, Polizei, Rettung, feuerwehr oder die Maturantin im büro mit 1100 Euro netto??
Nicht überall wo beamter steht ist Beamter drin?

Knox le Ville
11
6.12.2011, 13:22

Der Lacher vom Neugebauer sagt schon alles.

Tan S. Taafl
11
6.12.2011, 10:33
Sehr spassig ...

... was bei Standard-Redakteuren als 'neo-liberale Reformen' gilt. Offenbar ist für die Herren Müller und Seidl jeder Euro, den der Staat irgendwo einspart und der zuerst dem Wettbewerbssektor abgeknöpft wurde, eine Rückfall in Manchester-Liberalismus.

karl65
24
6.12.2011, 10:23

Der Artikel gehört unter Meinung. "neoliberale Reformen"? Wie kommen die Autoren darauf. Weil neoliberal immer böse klingt? Selten so einen unseriösen Artikel im Standard gelesen.

Und 300 Mio sind 2 Jahre Studiengebühren, nur so zum Vergleich, damit allen klar ist, wie die Prioritäten im Land liegen.

Andreas W
00
6.12.2011, 10:04
Teilweise zuzustimmen,

dass man in bestimmten Bereichen hättebsparen können und zwar im Hochlohnsektor.
Bei Gehältern von über 5tEuro brutto wäre eine Nullprozenterhöhung angezeigt gewesen, vor allem als Signalwirkung: Sparwille, aber nicht bei den untersten, wie sonst üblich!

rosali1
00
6.12.2011, 09:51
ha

demonstrieren die in der dienstzeit ?

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