Abschluss für den öffentlichen Dienst

Entsolidarisierung

Kommentar | Conrad Seidl, 5. Dezember 2011, 18:57

Meisterleistung der Bundesregierung: Dieselben Politiker, die unfähig sind, die Verwaltung von Grund auf zu reformieren, putzen sich an ihren Mitarbeitern ab

Spott, Häme, Missgunst. Man kennt die Reaktionen der österreichischen Neidgenossenschaft auf Gehaltsabschlüsse des öffentlichen Dienstes. Sie sind heuer besonders bösartig ausgefallen, weil mitten in einer Krise die Verunsicherung besonders groß ist.

Da bringt kaum jemand Sympathien dafür auf, dass den öffentlich Bediensteten auch nur die Inflationsrate abgegolten (und damit der Wert ihrer Einkommen gesichert) wird. Da werden alte Vorurteile mit neuem Nichtwissen vermischt, da wird gemurrt, dass "die, die ohnehin unkündbar sind" (stimmt nicht einmal für die Hälfte der vom Steuerzahler bezahlten Arbeitnehmer) etwas draufbekommen (stimmt nur für einen Teil der kleinen Einkommen).

Diese Entsolidarisierung ist eine Meisterleistung der Desinformation durch die Bundesregierung: Dieselben Politiker, die unfähig sind, die Verwaltung von Grund auf zu reformieren, putzen sich an ihren Mitarbeitern ab. Es stimmt ja, dass der öffentliche Dienst in vielen Bereichen ineffizient ist - aber diese Ineffizienz, das Kompetenzgewirr zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, haben nicht die Beamten zu verantworten. Die verantwortlichen Politiker haben das Glück, dass Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer den bescheidenen Kompromiss auf seine breiten Schultern nimmt und seiner Klientel auch noch als Erfolg verkauft. Ein Abschluss wie jener vom Sonntag hätte etwa unter den Metallern zu einem Aufstand geführt. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.12.2011)

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Sidlo
40
7.12.2011, 08:27
In Zeiten in denen der Staat offensichtlich an die

Grenzen der Verschuldung stößt, ist es nur natürlich, dass die Staatsdiener noch weitaus kräftiger zum Handkuss kommen als es hier passiert ist, insbesondere klarerweise auch desegen, weil die Staatsdiener allerkräftigst mitgearbeitet haben, um den Staat in diese desolate Lage zu bringen. Wenn hier mit Argumenten wie Neidgesellschaft usw. gekommen wird, dann ist das nur längstbekannte dumpe Kampfretorik der Beamtengewerkschaft, der offenbar nie etwas neues einfällt.

Timagoras
 
00
13.12.2011, 09:07
"weil die Staatsdiener allerkräftigst mitgearbeitet haben, um den Staat in diese desolate Lage zu bringen"

.
und inwieweit haben krankenpflegerInnen, müll- und feuerwehrmänner bzw. lehrerInnen den staat in diese desolate lage gebracht???

sepp schilehrer
00
13.12.2011, 08:53

Noch ein kleines aber feines Detail: Während Sie sich auf Ihrer Weihnachtsfeier auf Kosten des Chefs anfressen und sich volllaufen lassen dürfen, müssen wir uns jeden Cent von unserm Gansl selber finanzieren....

puzzled
02
7.12.2011, 09:51

Ich arbeite als Portier und Haustechniker an einer Uni.
Inwieweit habe ich daran mitgearbeitet, den Staat in eine desolate Lage zu bringen?

Und jetzt kommen'S mir bloß nicht mit Privilegien... ich bin genau so kündbar wie jeder Angestellte, genieße keine Sonderzahlungen, bei jedem Arztbesuch - zum Glück so gut wie nie - zahle ich einen Selbstbehalt, mein Gehalt ist eher bescheiden (sogar öffentlich einsehbar), ich komme auch Spätabends und an Wochenenden und Feiertagen zum Handkuss, und mein Job darf meist mit "stressig" umschrieben werden.

Warum also sollte ich mich mit einem Abschluss unter der Inflationsrate (die sowieso zu niedrig angegeben ist) zufrieden geben, können Sie mir das bitte erklären?

rari
22
6.12.2011, 19:47
Feindbilder...

suchen und finden dürfte seit Jahrzehnten ein beliebter Sport in Österreich sein. Man schimpft jetzt auf DIE Beamten. Daß zu den Beamten auch die Polizei, Feuerwehr, Krankenschwestern usw. zählen, will ganz einfach nicht behirnt werden. Man hat so viel Wut im Bauch und weiss nicht wohin damit. Da helfen bestimmte Medien mit Schmierereien wie "der Beamten-Dino...". Dann weiss man wo der Feind ist. Gleicher Lohn für gleiche Leistung ? Tausende Einsätze durch Polizei oder Feuerwehr pro Jahr werden nicht wertgeschätzt. Berufsgruppen werden aufeinander gehetzt um von den Steuerhinterziehern abzulenken. Hätten wir nämlich die nicht, hätten wir auch kein Budgetproblem.

Tan S. Taafl
31
6.12.2011, 19:25
Die Bezieher öffentlicher Leistungen ...

.. sollen mit jenen solidarisch sein, die ihnen zu überhöhten Preisen mediokre Leistungen anbieten? Der Autor sollte sich einmal Gehalts- und Pensionsvergleiche zwischen dem öffentlichen und dem Wettbewerbssektor ansehen, um zu sehen wie letzterer geschröpft wird.

rari
12
6.12.2011, 21:38
ich hoffe nicht...

daß wir einmal auf eine privatisierte Feuerwehr angewiesen sein werden, die erst dann kommt wenn der Profit stimmt.

a las barricadas
20
6.12.2011, 18:44
ho-ho-ho was für ein schön-schreib

auf die steuerzahler kommen grausamkeiten zu - nema problema - hauts den beamten das gerstl nach - inklusive bienale. die rating-agenturen wollen die AAA-bonität österreichs herab stufen, weil nicht gespart wird - nema problema - hauts den beamten das gerstl nach - inklusive bienale. ps: wenn beamte kündbar sind - dann kündigt endlich die, die man nicht braucht. kann ja nicht sein, dass es während der k und k monarchie mit 50 mio einwohnern weniger beamte gab als heute in österreich mit 6 mio einwohnern.

sleepyc
00
6.12.2011, 17:48
private unternehmen pflegen sich in solchen

situationen wie folgt von seinen mitarbeiterInnen zu entsolidarisieren: sie schicken sie auf kurzarbeit oder kündigen sie gleich.

Der Busfahrer
00
6.12.2011, 17:16
Beamten - Gehaltsrunde 2011: 3%

Die Überschrift soll mir nur beim suchen im Archiv meiner Postings (die ja ewig gepeichert bleiben) helfen, um dann diesen Artikel zu finden.
Gott was werden wir in fünf Jahren darüber lachen, wie man sich anno 2011 noch die Welt vorgestellt hat.....

Bodo Steinbrech
08
6.12.2011, 15:17
Ich arbeite zwar selbst als Vertragsbediensteter im öffentlichen Dienst

wundere mich aber trotzdem täglich über so manchen Verwaltungsunsinn.

Aktueller Grund:
Zur ISO und dem dazugehörigen Audit haben wir noch die Akkreditierung und das dazugehörige Audit und bekommen jetzt ein neues "Holdingeigenes" Zertifikat auch noch dazu.
Auswirkung:
Alles muss 3 mal gesammelt und 3 mal in Akten eingtragen werden, es müssen für alles 3 Formulare ausgefüllt werden (händisch übrigens !!! grrrrr!) und alles muss 3 mal dokumentiert und archiviert weden.
Ziel: Qualitätssicherung
Überprüft wird: sind die Formulare richtig ausgefüllt und sind alle in der richtigen Reihenfolge abgeheftet.

Echte Qualitätssicherung muss nebenher auch noch gemacht werden - aber das machen wir nur für uns - interessiert sonst keinen.

clemens65
00
6.12.2011, 20:03

Naja, dieser ISO-Unfug ist aber in der Privatwirtschaft genauso; insofern vestehe ich das Posting nicht ganz ;-)

Cuchullain
00
6.12.2011, 19:03
Dieser Unfug tritt überall auf ...

... wo ein QM-System implementiert wird. Aber dieses System bietet vielen Zwangsneurotikern ein breites Betätigungsfeld und das Herumlaufen mit diversen QM-Zettel wird von den Übergebenen auch noch goutiert:
http://www.umsetzungsberatung.de/diagnose/tqm.php
www.uni-bielefeld.de/psycholog... erford.pdf

RegR Borromäus Maschitz
02
6.12.2011, 14:52
endlich einmal ein guter kommentar von CS!

und ich geh jetzt das hungertuch nagen....

peter schmidt
 
00
6.12.2011, 14:49
Was im übrigen ein wenig untergegangen ist.

Das "Jubiliäumsgeld" in Höhe von 4 Brutto Monatsgehältern wurde für diejenigen die das 35. Dienstjahr beenden abgeschafft. Es wird daher nur noch nach 25 und 40 Jahren ausbezahlt. (Auszug aus den Salzburger Nachrichten).

Was da so an Grundgehältern verglichen wird sind ja nur Spiegelfechtereien. Die Wühlarbeit seitens des GÖD ist täglich ein bisschen erfolgreich.

byron sully
00
6.12.2011, 14:37

ich denke nicht, daß es um berufsgruppen geht, sondern um besser und schlechter verdienende. im niedriglohbereich wären noch höhere abschlüsse meiner meinung nach unbedingt notwendig gewesen. aber bei einkommen von über 5000 euro hätte ich - unabhängig von den berufsgruppen (aber natürlich innerhalb der jeweiligen KV-verhandlungen und nicht per bundesgesetz) - nulllohnrunden als durchaus gerechtfertigt empfunden.

Cuchullain
00
6.12.2011, 19:05
Ich würde überhaupt keine prozentuellen Steigerungen anpeilen, ...

... sondern fixe Geldbeträge!!

byron sully
00
7.12.2011, 15:24

dafür wäre ich sehr zu haben, ja. find ich sinnvoll.

zuschön
41
6.12.2011, 12:51
Das nennt man Zielgruppenjournalismus. Bravo Herr Seidl.

Bekka
 
87
6.12.2011, 12:36
entsolidarisierung

lohnsteigerungen 1999-2009 im handel und gewerbe 2,3% - in der beamtenschaft 26%.

so etwas nennt man wirklich "entsolidarisierung" - aber in die andere richtung als vom autor gemeint.

und ja? die unkündbarkeit betrifft eh nur die hälfte? super. wieviel prozent haben dieses privileg noch einmal in der freien wirtschaft?

hell like hell
19
6.12.2011, 14:44
Irrtum

Ist ja wunderbar, dann haben zb die Metaller ja allein für 2012 mehr herausgeholt als in den 10 Jahren davor :)
Im Ernst, Sie unterliegen einem (auch in sog. Qualitätsmedien) weit verbreitetem bzw. bewusst transportiertem Irrtum.
Die von Ihnen genannten Prozentwerte beziehen bestenfalls sich auf den Durchschnittsverdienst eines Beamten/Angestellten/Arbeiters im Vergleich 1999/2009.
Die Gruppe der Beamten ist in diesem Zeitraum wg. Aufnahmestopp kleiner und im Durchschnitt älter geworden, deswegen diese (vermeintliche) Steigerung, die mit der Entwicklung des (Real-) Lohns eines einzelnen Beamten in diesem Zeitraum gar nix zu tun hat.
Verständlich genug ausgedrückt?

RegR Borromäus Maschitz
01
6.12.2011, 19:03

das aber begreifen die wenigstens! schließlich schießt der boulevard scharf gegen die beamten und was dort steht stimmt, wie wir wissen!

flotter denker
43
6.12.2011, 16:25
Ja ja das stimmt schon.

Nur die Lohnsteigerung bleibt halt trotzdem uebrig. Weil Beamte auch das Privileg haben, bis zur Pension immer jedes 2. Jahr ein bisserl mehr zu bekommen - dank Vorrueckungen. Und 2-3 mal im Beamtenleben klingelts kraeftig im Geldbeutel, denn da ist so ein Quantensprung faellig.

clemens65
01
6.12.2011, 21:17
Ich möchte jetzt aus dem Handels-KV zitieren:

"Fu¨r langja¨hrige Dienste1) werden dem Angestellten nach einer Bescha¨ftigung im gleichen Betrieb von
20 Jahrenmindestens.. 1 Brutto-Monatsgehalt,
25 Jahren mindestens .. 1,5 Brutto-Monatsgeha¨lter,
35 Jahren mindestens .. 2,5 Brutto-Monatsgeha¨lter,
40 Jahren mindestens .. 3,5 Brutto-Monatsgeha¨lter
als einmalige Anerkennungszahlung gewa¨hrt.
2) Der Angestellte wird im Zusammenhang mit seinem Jubila¨um an zwei Arbeitstagen unter Fortzahlung sei-nes Entgeltes vom Dienst befreit."

Soviel zu den zwei (und es sind nicht mehr!) Jubiläumsgeldern bei den Beamten.
Des weiteren kann ein Privatangestellter jederzeit um eine Gehaltserhöhung vorstellig werden, ein Beamter nicht.

hell like hell
00
6.12.2011, 19:06
ja eh

stimmt auch, inkl. der anmerkung der kollegin (?) barbarutta :)
ich kenn das system und find´s gar nicht mal so gut. schwach anfangen und am ende gut dastehen, das führt irgendwie zur versklavung der "betroffenen", die sich an ihr irgendwann recht anständiges einkommen gewöhnen und nur (!) deswegen noch dort sind (ohne bedauern).
quereinsteiger werden durch der bescheuerten vordienstzeitenanrechnungsmechnismen benachteiligt, gute/erfolgreiche leute aus der sogenannten privatwirtschaft sagen ab ca. 40 oft lächelnd ab, wenn sie hören, was das gehaltsschema für sie hergibt...
aber eigentlich wollte ich mit obigem posting (pardon für die schrecklichen fehler!) nur eins sagen: differenzierte darstellung ist cool!

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