Meisterleistung der Bundesregierung: Dieselben Politiker, die unfähig sind, die Verwaltung von Grund auf zu reformieren, putzen sich an ihren Mitarbeitern ab
Spott, Häme, Missgunst. Man kennt die Reaktionen der österreichischen Neidgenossenschaft auf Gehaltsabschlüsse des öffentlichen Dienstes. Sie sind heuer besonders bösartig ausgefallen, weil mitten in einer Krise die Verunsicherung besonders groß ist.
Da bringt kaum jemand Sympathien dafür auf, dass den öffentlich Bediensteten auch nur die Inflationsrate abgegolten (und damit der Wert ihrer Einkommen gesichert) wird. Da werden alte Vorurteile mit neuem Nichtwissen vermischt, da wird gemurrt, dass "die, die ohnehin unkündbar sind" (stimmt nicht einmal für die Hälfte der vom Steuerzahler bezahlten Arbeitnehmer) etwas draufbekommen (stimmt nur für einen Teil der kleinen Einkommen).
Diese Entsolidarisierung ist eine Meisterleistung der Desinformation durch die Bundesregierung: Dieselben Politiker, die unfähig sind, die Verwaltung von Grund auf zu reformieren, putzen sich an ihren Mitarbeitern ab. Es stimmt ja, dass der öffentliche Dienst in vielen Bereichen ineffizient ist - aber diese Ineffizienz, das Kompetenzgewirr zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, haben nicht die Beamten zu verantworten. Die verantwortlichen Politiker haben das Glück, dass Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer den bescheidenen Kompromiss auf seine breiten Schultern nimmt und seiner Klientel auch noch als Erfolg verkauft. Ein Abschluss wie jener vom Sonntag hätte etwa unter den Metallern zu einem Aufstand geführt. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.12.2011)