Bringt das Christkind den Diabetes?

14. Dezember 2011, 16:28
  • Manche Menschen erleben bei raschem, hohem Zuckerkonsum einen "Kick": 
Sie werden putzmunter. Um kurze Zeit später todmüde ins Bett zu fallen.
 Bild: Michael Franke/pixelio.de
    foto: michael franke/pixelio.de

    Manche Menschen erleben bei raschem, hohem Zuckerkonsum einen "Kick": Sie werden putzmunter. Um kurze Zeit später todmüde ins Bett zu fallen.

    Bild: Michael Franke/pixelio.de

  • Bernhard Ludvik ist Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechsel am Wiener AKH.
    foto: bernhard ludvik

    Bernhard Ludvik ist Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechsel am Wiener AKH.

Kann der exzessive Genuss von Vanillekipferln und Kokosbusserln zu Diabetes führen? Stoffwechselexperte Bernhard Ludvik steht Rede und Antwort

Einst waren Vanillekipferln in vielen Familien ebenso wertvolles wie heiß ersehntes Objekt der Begierde. Sie wurden sorgfältig, in niedriger Dosis abgezählt, verteilt, bevor sie von einem vertrauenswürdigen Familienmitglied wieder ins Geheimversteck zurückgestellt wurden. Dieser Genusskontrolle entwachsen, gilt heute die Devise: Auf sie mit Gebrüll. Doch abgesehen vom Fett: Wenn 20 Vanillekipferln auf einen Sitz verzehrt werden, was macht die hohe Dosis Zucker mit dem menschlichen Organismus? Bekommt er eine "Überdosis", oder gar einen "Zuckerschock"?

"Haushaltszucker geht sehr rasch ins Blut und der Zuckerspiegel steigt an. Es kommt zu einer Insulinausschüttung", erklärt Bernhard Ludvik, Leiter der Stoffwechsel- und Diabetesambulanz an der Universitätsklinik für Innere Medizin III am Wiener AKH. Wenn nun viel Insulin ausgeschüttet wird, kann es paradoxerweise zu einer Unterzuckerung kommen. "Der Zucker im Blut fällt zu tief hinunter, dann können Symptome wie Heißhunger, Zittern oder leichtes Schwitzen auftreten." Das äußere sich allerdings vorwiegend bei Menschen, die von einer Regulationsstörung - dem Vorstadium von Diabetes - betroffen sind. "Da liegen bereits kleine, disktrete Störungen vor", berichtet der Stoffwechselexperte.

Aus dem Kick in den Tiefschlaf

Manche Menschen erleben bei raschem, hohem Zuckerkonsum einen "Kick": Sie werden putzmunter. Kurze Zeit später fallen sie todmüde ins Bett. Manchmal fällt dieser Energieschub überhaupt weg und umgehend macht sich Müdigkeit breit. "Da man den Zucker ja meistens in Kombination mit Fett isst, wird nicht nur Insulin ausgeschüttet, sondern darüber hinaus auch viel Blut für die Arbeit des Verdauungstraktes benötigt", erklärt Ludvik letzteres Phänomen. "Das fehlt dann woanders. Also fühlt man sich müde."

Generell folgt dem Kick meist der rasche Abfall des Zuckers mit erwähnten Symptomen, weiß der Stoffwechselexperte und rät nicht zuletzt deshalb von Traubenzucker bei Sport oder schwerer körperlicher Tätigkeit ab - es sei denn, man ist Diabetiker und erleidet eine Unterzuckerung. "Nehmen Sie für die langfristige und nachhaltige Produktion von Zucker lieber komplexe Kohlehydrate zu sich", setzt Ludvik auf Bananen, Vollkornprodukte oder Müsliriegel. In der Weihnachtszeit ist auch Früchtebrot erlaubt.

Aggressionen und Zuckerkonsum

Dass erhöhter Zuckerkonsum Kinder und Jugendliche aggressiv machen soll, hält Ludvik für eine Mär. "Ich glaube, dass unruhige Kinder mehr Zucker zu sich nehmen und Zucker deshalb die Folge und nicht die Ursache für aggressiveres Verhalten ist." Eine wesentliche Rolle dabei spielt das Glückshormon Serotonin, das durch den Zuckerkonsum angekurbelt wird. Dieses Wissen macht man sich auch in der Behandlung von Depressionen zunutze.

Wer im Winter Heißhungerattacken hat und Süßes braucht, um über diese dunkle kalte Zeit hinwegzukommen, leidet möglicherweise an einer saisonalen Depression. "Manche Menschen sprechen durchaus auf Lichttherapie an", weiß der Stoffwechselexperte, "aber falls das nichts hilft, empfehle ich auf jeden Fall eher die medikamentöse Behandlung einer Winterdepression als eine erhöhte Zuckerzufuhr."

Zuckerkrank durch zu viel Zucker?

Doch was spricht eigentlich gegen eine zuckerreiche Ernährung? Kann man durch zu viel Zucker gar zuckerkrank werden? Dafür hat Ludvik zwar keine Belege, "aber Statistiken aus den USA beweisen, dass Übergewicht ganz klar mit dem Konsum von raffiniertem Zucker zusammenhängt. Vor allem weil man den Zucker ja nicht alleine sondern zumeist in Kombination mit Fett isst. Und Übergewicht kann bei entsprechender Veranlagung zu Diabetes führen."

Von der Alternative, die Kekse mit Honig zu backen, hält Ludvik wenig: "Honig enthält viel Fructose und die geht ebenfalls schnell ins Blut." Bei hohem Konsum kann die Fructose, die auch im Haushaltszucker vermischt mit Glucose enthalten ist, gar zu einer Fettleber führen.

Für einen einigermaßen bekömmlichen Zuckerkonsum in der Weihnachtszeit empfiehlt Ludvik Schokolade statt Kekse. Je dunkler umso besser. Hochprozentige Bitterschokolade hat eine günstigere Fettzusammensetzung und enthält gar keinen Zusatz von Zucker. (Eva Tinsobin, derStandard.at, 14.12.2011)

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Der Arzt weiß nicht alles!

Rohrzucker geht nicht schnell, sondern langsam ins Blut - Im Gegensatz zu Traubenzucker, der sofort ins Blut geht.
Zucker ohne Fett zu essen, ist schlecht, weil das Fett dafür sorgt, dass nicht zu viel Insulin benötigt wird.
Auch Diabetiker dürfen z.B. einen Eisbecher essen, aber sie sollten immer eine grosse Portion Sahne dazu essen, damit nicht so ein "Insulinschock" passiert.
Rohrzucker ist ein Kohlehydrat, deshalb können auch Diabetiker ohne Bedenken Rohrzucker oder damit gesüßte Speisen oder Getränke zu sich nehmen, in Verbindung mit Fett bzw. z.B. Schlagobers muß man dann weniger Insulin spritzen (wenn man die intensivierte Therapie macht).

Ich bin Diabetiker Typ I, festgestellt wurde Diabetes vor über 20 Jahren, jetzt bin ich 70...

da hat jemand überhaupt keine ahnung

vom wirklichen leben. wenn ich (43 jahre, 83 kg bei 189 cm) 20 vanillekipferln esse, passiert nämlich überhaupt nichts. außerdem mache ich das ja nicht jeden tag und auch nicht jede woche, sondern höchstens dann, wenn mir ein guter bekannter selbstgemachte vanillekipferln mitbringt. die werden dann im kreise meiner lieben umgehend vertilgt. jeder, der nicht völlig "angrennt" ist, wird nicht gleich ein "komafressen" mit dem weihnachtsgebäck veranstalten. da brauche ich auch keine krampenbittere schokolade, damit mir gleich alles vergeht.

'Wenn nun viel Insulin ausgeschüttet wird, kann es paradoxerweise zu einer Unterzuckerung kommen'

*Wenn* zu viel Insulin ausgeschüttet wird - und wovon hängt das ab? - denn dies ist wohl eine Schlüsselfrage.

Ich kenne leute die geben zu jedem heissen Getränk 4 Löffel aufwärts weissen Zucker, verzichten sonst auch nicht auf süss, und bei diesen ist das Phenomen der danach einsetzenden Müdigkeit völlig unbekannt, auch kein Übergewicht. Anderen trifft es aber anscheinend.

Gene? psychosomatische Komponente?

Vielleicht nehmen die ihnen bekannten Leute ständig Kohlenhydrate zu sich, so dass es nur schwer zu einer Unterzuckerung kommen kann. Damit kennen sie klarerweise keine "danach einsetzende Müdigkeit", da es kein wirkliches danach gibt.

Heissgetränk mit Zucker und Müsli in der Früh
Limonaden und Brote/Gebäck am Vormittag
Pasta/Reis oder Erdäpfel als Beilage zu mittag
Kaffeepause und etwas Süßes am Nachmittag

Man nehme bei Süßigkeiten auch "Chrom Piccolinat"

das dafür sorgt, dass Insulin nicht überproduziert wird:

picolinate form of chromium supplementation aids in reducing insulin resistance, particularly in diabetics

keine gefahr durch diabetes!
wenn ich mir überleg, wieviele anläufe ich für ein paar vanillekipferln gebraucht hab bis die essbar waren? grmpf!

gewichtszunahme, diabetes-gefahr und SÄMTLICHE Ernährunssünden überhaupt

schlagen zu nicht zwischen weihnachtsabend und heilig-drei-könig,
sondern
zwischen
heilig-drei-könig und weihnachtsabend!

Jupp.

Das erinnert ein bisschen an eine Kampagne vor ein paar Jahren, den Müllberg über das Einsparen von Geschenkpapier bei Weihnachtsgeschenken anzugehen...

er hat zwar keine Daten

aber Übergewicht korreliert ganz klar mit weißem Zucker, weil dessen Konsum ja meist mit dem von Fett verbunden ist.....
Bestechend.

Doch was spricht eigentlich gegen eine zuckerreiche Ernährung?

Also, ich muß euch ehrlich sagen: Wer heute noch solche Fragen stellt, ist ein Idiot. Zucker ist das Gesündeste überhaupt. Wer daran zweifelt, ist Terrorist.

Unseren wöchentliches Diabetes-Geschafel gebe und heute!
Amen.

vanillekipferl kann man ohne bedenken konsumieren (sofern man nicht übergewichtig ist), bei wurst, leberkäse usw. sollte man schon eher aufpassen:
pro 50g täglich steigt das risiko um 25-40% (andere faktoren herausgerechnet): http://www.spiegel.de/wissensch... 74,00.html

ich hab noch keine schokolade unter 90% kakaogehalt gesehen, der nicht viel zucker zugesetzt wird.
bei 70%iger schokolade sind zB meist 29% zucker dabei.

(aber ich ess sowieso lieber milchschokolade)

milchschokolade ist praktisch, die besteht zu 50% aus zucker und zu 50% aus fett...

ich will ja nicht pingelig sein, aber... ;)

milchschoki: 535 kcal
56g Kohlenhydrate, 31g Fett, 9g Eiweiß

rittersport 71%: 560 kcal
30g Kohlenhydrate, 47g Fett, 7g Eiweiß

70%ige von lindt: 535 kcal
34g Kohlenhydrate, 9g Eiweiß, 41g Fett

passt eh recht gut. was könnten bloß kohlehydrate sein ? ;-)) hmmm... ?

Liebes Qualitätsmedium,...

Die Headline ist peinlich und der Inhalt nichtssagend. :-/

Sensationelle Meldung aus der Meterologie

In der Nacht ist mit Dunkelheit zu rechnen.

Meteor :: Meter.

> Meteorologie.

der Diabetes?

ich empfehle Haschplätzen

damit sind die Weihnachten auch nicht mehr so stressig

und mit der Menge Zucker wird das THC besser im Blut aufgenommen

pff - ist mir heiß

meinen sie die eier von satan?

[vgl. tool]

Also THC senkt den Blutzuckerspiegel, daher der bekannte Heißhunger auf Süßes nach dem Genuss. Der vorausschauende Bäcker fügt daher gleich viel Zucker zu.

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