Eurokrise

Deutschland in Europa

Stefan Brändle , 5. Dezember 2011, 18:28

Nach Nicolas Sarkozy und der SPD fahren auch die EU-Väter grobes Geschütz auf

Angela Merkel gerät von allen Seiten unter Druck. Nach Nicolas Sarkozy und der SPD fahren auch die EU-Väter, teils im Rollstuhl, teils am Gehstock, grobes Geschütz auf: Die Ergänzung der EU-Verträge durch eine strikte Budgetdisziplin sei "falsch", zürnt Frankreichs Ex-Präsident Valéry Giscard d'Estaing, und Altkanzler Helmut Schmidt unterstellt der Kanzlerin sogar "deutschnationale Kraftmeierei".

Der Vorwurf zielt daneben. Natürlich schielt die deutsche Kanzlerin wie ihr Europartner Nicolas Sarkozy auf die eigenen Wähler. Aber sie denkt mindestens so europäisch wie der französische Präsident. Man stelle sich bloß vor, Merkel hätte nach ihrer letzten Europarede die Nationalhymne abspielen lassen, so wie das Sarkozy am vergangenen Donnerstag mit der Marseillaise getan hat!

Dass Berlin in Sachen Eurobonds und Europäische Zentralbank hart bleibt, ist kein Verstoß gegen die Solidarität. Nur wenn die Mitglieder der Eurogruppe ihre eigenen Budgets ins Reine bringen, verschwindet die tiefere Ursache der Eurokrise - die jahrzehntealte Politik des Schuldenmachens, des Mehrausgebens. Auch Merkels Forderung nach einer EU-Kontrolle der nationalen Budgets ist europapolitisch nur logisch: Wenn die einen schon für die Schulden der anderen haften, sollen sie beim Schuldentilgen auch ein Wörtchen mitzureden haben. Merkel macht viele Fehler - aber deutschnational ist ihr Kurs bisher nicht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.12.2011)

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23 Postings
R., der Hundefreund
01
11.12.2011, 12:38
Um in der gleichen Polemik des Herrn Brändle zu

... bleiben: vermutlich hat das Hühnerauge auf Schmidts kleiner Zehe mehr inhaltliches Substrat, als Brändles Zeilen. Merkel agier nicht deutsch-national, das stimmt ganz sicher. Merkel sagt aber: so muss es gehen, und verweigert jede Alternative zu ihren Vorstellungen (Eurobonds).

germ
01
11.12.2011, 10:58

Genau wegen solcher journalistisch wertloser Kommentare habe ich mein Standard-Abo gekündigt. Erinnert mich an die Zeiten des Lissabon-Vertrages, als der Standard auch rein gar nichts zu bieten hatte, als unzureichend recherchierte Meinungsmache. Peinlich.

Jake Gittes
00
10.12.2011, 10:35

Die Banalität dieses Artikels kombiniert mit versteckter Boshaftigkeit (Rollstuhl....) ist eigentlich nur ärgerlich angesichts einer solchen Rede:

http://www.youtube.com/watch?v=OYQxYuU6GwI

Disqualifiziert sich von selbst.

Ja, dürfen's denn das ?
01
10.12.2011, 20:26
ist eigentlich nur ärgerlich angesichts einer solchen Rede

Die einen schreiben Berichte über Konzerte, die gar nicht stattgefunden haben - die anderen schreiben Kommentare zu Reden, die sie offenbar gar nicht angehört haben. Das "Niveau" ist verwandt.

Schmidt redet übrigens auch im Rollstuhl sitzend noch in einer anderen Qualitäts-Liga, als ALLE unseren Politiker. Intelligenz und Sachkompetenz haben nämlich nichts mit dem Gehvermögen zu tun.

Die Anspielung auf körperliche Gebrechen ist absolut widerlich und schlichtweg stroh-dumm. Im Fußball bekäme man für so ein verbales Foul die rote Karte und einige Spiele Spielverbot.

dako4711
10
6.12.2011, 19:44

zu tode gespart ist auch tot..
in einem auf schuldgeld basierendem wirtschaftssystem ist die einzig relevante größe das wirtschaftswachstum (idealerweise entwicklung..)
die einzige möglichkeit das system am laufen zu halten..
durch sparen verdient man keine zinsen..

Karl Krammer
00
6.12.2011, 14:58
die Staaten sollten weit höher verschuldet sein

die Eurozone verzichtet momentan auf tausende Milliarden Euro Anlegergeld, weil man es nicht auf die Reihe bekommt, Staatsanleihen ausfallsicher zu gestalten. China investiert weiterhin seine über 3.000 Mrd. Dollar schweren Devisenreserven im Dollar, Japan ebenso und zahlreiche Firmen halten ihre Geldvorräte im Dollar. Alleine Microsoft hat über 30 Mrd. in Form von US-Staatsanleihen gebunkert. Eurobonds wären die Chance, mit dem Amerikanern auf Augenhöhe um gewaltige Anlegerbeträge zu konkurrieren. Stattdessen will man sich zu Tode sparen und den Amerikanern weiterhin die Führungsrolle auf der Welt überlassen.

santa fe
 
01
6.12.2011, 14:33

in deutschland wird gewissenhafter an der lösung der krise gearbeitet als in den meisten anderen europäischen ländern. eine bereits denkende und wachsende minderheit geht den ursachen an die wurzel und setzt sich für die einführung des

BEDINGUNGSLOSEN GRUNDEINKOMMENS für alle

ein. sie ist in fast allen politischen parteien präsent, sogar auch in der CDU mit dem (allerdings rudimentären) althaus-projekt und in der FDP. in SPD und bei den grünen rebellieren die jungen gegen die BGE-taubheit der apparatschniks. die linken haben dem BGE offiziellen diskussions-status eingeräumt. und die piraten mit aktuellem stimmenanteil von rund 10% setzen sich voll für das BGE ein.

frieden mit einer sich demokratisierenden & pazifisierten FI: BGE.

X Y
13
6.12.2011, 13:56
Und wieder einmal wird hier Falsches verbreitet.

Die Schulden sind nicht Schuld an der Eurokrise. Es läuft ganz anderes: Die Krise ist für die immer höher werdenden Zinsen verantwortlich. Staaten wie die USA oder Japan haben eine höhere prozentuelle Schuldlast als viele europ. Staaten. Trotzdem zahlen sie (fast) keine Zinsen, weil sie ihre eigene Währung haben.
Staaten sind keine Privathaushalte. Momentan sollte investiert werden, und zwar von Staaten wie D und F. Wenn die EZB für alle Schulden einzustehen beginnt, werden auch die Zinsen fallen. Beide Massnahmen zusammen sollten eine höhere Inflation ermöglichen, die helfen wird, die Schulden aufzufressen. Daneben braucht es auch strukturelle Reformen. Aber eine Schuldenbremse friert nur den Status quo ein und stoppt jede Strukturreform.

Eswa Mi
01
6.12.2011, 19:07
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Selbstverständlich sind horrende Zinsen für die alte und verfehlte Schuldenpolitik zu bezahlen. Im Moment EUR 8 Milliarden pro Jahr, die für Bildung, Gesundheit und Familie an allen Enden und Ecken fehlen. Und das war auch schon vor der Euro-Krise so ... und bald werden es 10, 12 oder noch mehr Milliarden pro Jahr sein, wenn nicht schleunigst gegengesteuert wird.

http://www.staatsschulden.at/

BigPeng
00
6.12.2011, 16:25
XY glaubt bis heute wohl immer noch an das Märchen, dass Staaten nicht bankrott gehen können.

Der "Osten" ist ja nachweislich nur deswegen zusammengebrochen, weil er eben komplett bankrott war.

Karl Krammer
02
6.12.2011, 14:47
es geht aber nicht um Ökonomie, sondern um Theologie

ökonomisch haben Sie vollkommen recht, aber den Deutschen geht es darum, (vor allem) die Griechen leiden zu sehen. Oberflächliche Journalisten haben den Deutschen eingeredet, die Griechen hätten es sich in der südlichen Sonne jahrelang gemütlich gemacht und die Deutschen zahlen lassen. Daß die Griechen in Wirklichkeit länger arbeiten - geschenkt.

Außerdem hält sich das Märchen, Inflation sei schlecht für die Arbeitnehmer, hartnäckig. Dabei wäre es genau umgekehrt: saftige Lohnsteigerungen in Deutschland würden die Südländer wieder konkurrenzfähiger machen. Aber man sorgt sich bei uns mehr um die reichen Rentiers, für die Inflation natürlich Gift wäre. Daß die Mehrheit von Lohnarbeit lebt - ebenso geschenkt.

BigPeng
01
6.12.2011, 16:31
"...aber den Deutschen geht es darum, (vor allem) die Griechen leiden zu sehen. "

In D kenne ich niemanden, der DAS will! Stimmt so also NICHT, ist eine relativ perfide Unterstellung und GENAUSO GROTTENFALSCH wie diese ganze kurzsichtige Zins- und Inflationsgerede.

BigPeng
00
6.12.2011, 12:55
derStandard und Hr. Brändle treffen den Nagel auf den KOPF.

DENN weitermachen so wie bisher ist der totale finanzielle und wirtschaftliche Selbstmord sowie der völliger Vertrauensverlust.
Im Sinne aller kann man nur noch hoffen, dass alle Beteiligten noch die Kurve kriegen.
Glauben tun ja viele schon lange nichts mehr - sie sind eher froh, wenn sie nicht noch dran glauben müssen.

Allah
01
6.12.2011, 12:11
Was ist nur aus Helmut Schmidt geworden.

Früher der Revision seiner eigenen Haltung und Meinung fähig, jetzt ein Fähnlein, oda bessa gsog a tschigg im Wind.
Er sollte seiner Expertise enthoben und entsakralisiert werden.

Reich sein muss sich lohnen!
53
5.12.2011, 21:40
Der wandel der Blattlinie ist interessant

Da gab es doch mal eine Zeit, in der der Finanzsektor in die Mangel genommen wurde.

Jetzt erfährt man hier wieder täglich aufs neue, dass die pösen Staaten mit ihren pösen Sozialsystemen und vor allem die pösen, pösen Pensionisten schuld sind.

alpentiger
00
6.12.2011, 11:38
Doch, die pösen Bensionisten sind schuld, wetten?

Perry Rhodan1
10
6.12.2011, 11:15

unfinanzierbare pensionen auf kosten der kinder und enkel haben mit sozialismus aber auch gar nichts zu tun. es ist nicht die schuld des kapitals, dass es (vielen) pensionisten zu gut geht auf kosten der naechsten generationen. die pensionslast ist das bei weitem groesste problem, dass die schuldenkrise verursacht hat. alles andere sind peanuts. und die pensionskrise hat erst begonnen - da werden noch sehr viele anpassungen erfolgen muessen, bis leute in meinem alter dann in 35 jahren mit 75 in pension gehen duerfen und kleine volkspensionen bekommen. da hilft nur selbst vorsorgen, auch unkonventionell (das haengt von der jeweiligen situation ab, wie die private vorsorge genau aussehen wird).

Karl85
 
00
6.12.2011, 09:57

Richtig beobachtet, auch die Forumsmeinung schwwenkt brav mit...

Schnapphahn
01
6.12.2011, 08:41
A Schmarrn

/. nerd
 
01
5.12.2011, 19:22
"die tiefere Ursache der Eurokrise - die jahrzehntealte Politik des Schuldenmachens" - haha tiefschürfende Analyse

Warum, lieber Herr Brändle, gibts dann keine Dollar-, Yen-, Pfund-, etc., -Krise?

Ihre beschränkte Analysefähigkeit und die Ihrer Journalistenkollegen wäre ja noch wurscht, aber die neoliberale Verblendung von Merkel und ihren "Wirtschaftsweisen" hat das Potential zum ganz großen Desaster.

Warum ist Gelddrucken als Krisenmittel, so wie es die USA und alle anderen praktizieren, ein Mittel, mit dem alle leben können?

Weil Staatsanleihen nur sicher sein müssen, sie sollen keinen Ertrag liefern, sondern nur den Wert halten.

Daher ist eine reale Nullverzinsung, wie sie bei hoher Inflation auftritt, kein Problem. Ganz im Gegensatz zu einem Ausfallsrisiko, dass bei jeder vernünftigen Nationalbank undenkbar wäre.

abalada
01
5.12.2011, 20:21

Vor 2 Jahren gab es auch noch keine Euro-Krise.
Die Märkte sind da inkonsequent. Erst wird jegliches Risiko ausgeblendet und dann jedes überbewertet.
Mit dem Gelddrucken als Krisenmittel ist es genauso wie mit dem Schuldenmachen als Krisenmittel (Keynes). Das funktioniert eine Weile ganz gut. Das Problem ist dass es seltsamer Weise nach solchen "Krisen-Zeiten" nie mehr "Nicht-Krisen-Zeiten" gibt wo man dann damit aufhört.
Nur weil irgendetwas lange funktioniert, heißt noch nicht dass es dauerhaft funktioniert. Lehman Brothers, Nordwolle, Bernard Madoff ...
Ein Haushaltsdefizit wie das der USA und - noch die noch viel gravierenderen - in den Bundesstaaten der USA kann auf Dauer nicht funktionieren.

Poldi Fesch
13
5.12.2011, 19:28
nix verstanden,

vom Problem, gell
Der Oesterreicher liebt seine Neutralitaet, der US Amerikaner sein Recht auf Bewaffnung u. der Dt, eben die "harte Waehrung". Vernuenftig betrachtet sind alle 3 Dinge ein Bloedsinn, aber um Vernunft geht es nur bedingt

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