Nach Nicolas Sarkozy und der SPD fahren auch die EU-Väter grobes Geschütz auf
Angela Merkel gerät von allen Seiten unter Druck. Nach Nicolas Sarkozy und der SPD fahren auch die EU-Väter, teils im Rollstuhl, teils am Gehstock, grobes Geschütz auf: Die Ergänzung der EU-Verträge durch eine strikte Budgetdisziplin sei "falsch", zürnt Frankreichs Ex-Präsident Valéry Giscard d'Estaing, und Altkanzler Helmut Schmidt unterstellt der Kanzlerin sogar "deutschnationale Kraftmeierei".
Der Vorwurf zielt daneben. Natürlich schielt die deutsche Kanzlerin wie ihr Europartner Nicolas Sarkozy auf die eigenen Wähler. Aber sie denkt mindestens so europäisch wie der französische Präsident. Man stelle sich bloß vor, Merkel hätte nach ihrer letzten Europarede die Nationalhymne abspielen lassen, so wie das Sarkozy am vergangenen Donnerstag mit der Marseillaise getan hat!
Dass Berlin in Sachen Eurobonds und Europäische Zentralbank hart bleibt, ist kein Verstoß gegen die Solidarität. Nur wenn die Mitglieder der Eurogruppe ihre eigenen Budgets ins Reine bringen, verschwindet die tiefere Ursache der Eurokrise - die jahrzehntealte Politik des Schuldenmachens, des Mehrausgebens. Auch Merkels Forderung nach einer EU-Kontrolle der nationalen Budgets ist europapolitisch nur logisch: Wenn die einen schon für die Schulden der anderen haften, sollen sie beim Schuldentilgen auch ein Wörtchen mitzureden haben. Merkel macht viele Fehler - aber deutschnational ist ihr Kurs bisher nicht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.12.2011)