Kooperation der Staatsholding mit Telekom-Aktionär könnte Pflichtangebot auslösen
Wien - Kaum hat die teilstaatliche Telekom Austria (TA) einen neuen
Großaktionär, wird um Aufsichtsratssitze gefeilscht. Das ist für den
bestimmenden TA-Aktionär ÖIAG unter Alleinvorstand Markus Beyrer
gefährlich. Denn kommt die Staatsholding Neo-Aktionär Ronny Pecik (15,1
Prozent) zu sehr entgegen, könnte sie ein Übernahmeangebot auslösen.
Rechnerisch haben ÖIAG (28,42 Prozent) und Peciks Marathon Beteiligungs
GmbH zusammen mehr als 40 Prozent und überschreiten die für ein
Pflichtangebot relevante Schwelle von 30 Prozent. Um nicht den Eindruck
eines Syndikats zu erwecken und eine Angebotspflicht auszulösen, gehen
Rechtsexperten davon aus, dass die ÖIAG Pecik maximal einen
Aufsichtsratssitz bieten kann. Dass sie eines ihrer acht Mandate abgibt,
gilt in Regierungskreisen als unwahrscheinlich. Laut Corporate
Governance ist eine Aufstockung auf zehn Kapitalvertreter möglich.
Als Kandidat gilt Boris Nemsic. Der Ex-TA-General unterhält seit dem
gescheiterten Verkauf der TA an die ägyptische Orascom guten Draht zu
deren Ex-Eigner Naguib Sawiris, der bei Pecik an Bord ist. Nemsic wollte
sich dazu nicht äußern. Mit mehr als zehn Prozent kann Pecik die für
Aufsichtsratsberufungen nötige Hauptversammlung erzwingen.
Der TA-Betriebsrat warnt vor Ausverkauf und der von Finanzministerin
Maria Fekter (ÖVP) ventilierten Totalprivatisierung. "Fekter soll nicht
von Privatisierungen träumen, sondern sicherstellen, dass die Telekom
über die ÖIAG vernünftig geführt wird", so TA-Holding-Betriebsrat
Alexander Sollak. Die ÖIAG sagt, sie habe keinen Verkaufsauftrag. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.12.2011)