Zoran Jankovic mag ein Überraschungssieger sein, doch die zentrale Figur der Parlamentswahlen in Slowenien bleibt Janez Jansa, der es nicht schaffte, aus den Fehlern der Pahor-Regierung Kapital zu schlagen
Ljubljana/Graz - Das überraschende Votum der Slowenen hält für die
Rechte eine klare Botschaft bereit: So ungeschickt kann ein
Sozialdemokrat sich gar nicht anstellen, dass das Volk noch einmal
dieser Opposition ihr Vertrauen schenken würde.
Janez Jansa hat die Wahl zu Recht verloren. Gemeinsam mit der
Volkspartei, den Christdemokraten und der katholischen Kirche führt der
konvertierte Marxist-Leninist seit fast zwei Jahrzehnten einen
verbissenen und geradezu irrationalen Kulturkampf gegen "Kommunisten",
die entweder schon lange keine mehr sind oder nie welche waren.
Die große Mehrheit der Slowenen hat es aber satt, stets aufs Neue die
Rolle der Partisanen und der Heimwehrleute im Zweiten Weltkrieg und
deren Folgen für die Rückerstattung von Kirchengütern zu diskutieren.
Slowenien hat drängendere Probleme. Jeder weiß, dass es nicht um
Ideologie geht und dass in beiden Lagern die politischen Talente nicht
eben zahlreich sind. Da kam eine Liste für ein "Positives Slowenien"
gerade recht. Wenn sie wieder auf die Beine kommen will, muss die Rechte
endlich anerkennen, dass zur Nation immer rechts und links gehören und
sich auch die Linke um Slowenien bleibende Verdienste erworben hat.
Flüchtiges Charisma
Der Sieger wird es trotzdem schwer haben. Wie man ein ganzes Land
regiert, ohne eine echte Partei hinter sich zu haben, muss Zoran
Jankovic noch vormachen. Seine Liste besteht vorwiegend aus Amateuren.
Alles alleine machen kann auch der beste Chef nicht. Die Slowenen
allerdings wollen es so. Auch die Liste des viertplatzierten Gregor
Virant wurde in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft, und selbst die
etablierte SDS von Jansa lebt weit mehr von der düsteren Aura ihres
Vorsitzenden als von einer aktiven Mitgliedschaft.
Wenn es jetzt darum geht, schmerzhafte Kürzungen durchzusetzen, dürfte
das Charisma der neuen Helden jedoch bald schwinden. Irgendwann werden
die Slowenen dahinterkommen, dass es ohne Parteien nicht geht. Wenn
Jankoviæ schlau ist, übernimmt er die nun wohl bald führerlosen
Sozialdemokraten. (DER STANDARD Printausgabe, 6.12.2011)