Delogierungen

Räumungsexekutionen in Wien nehmen zu

5. Dezember 2011, 16:29
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    foto: derstandard.at

    "Nur" bei rund der Hälfte der entschiedenen Fälle kommt es laut dem Landesgericht für Zivilrechtssachen tatsächlich zu einer Räumung.

Heuer dürfte rund 7.640 mal eine Delogierungs-Erlaubnis erteilt werden, allerdings kommt es nur in 50 Prozent der Fälle tatsächlich zur Räumung

Wien - Die Wiener Richter treffen immer häufiger eine für Mieter folgenreiche Entscheidung: Sie erlauben Wohnungseigentümern immer öfter eine Räumungsexekution - also eine Delogierung. Heuer werden es insgesamt rund 7.640 Fälle sein. Das ist eine Steigerung von rund drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahlen wurden am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz des Landesgerichtes für Zivilrechtssachen präsentiert.

Vermieter klagen schneller

"Die Zahlen sind ein gewisses Spiegelbild der wirtschaftlichen Situation", zeigte sich Richter Peter Kovanyi überzeugt. Auffällig sei unter anderem, dass Wohnungseigentümer immer schneller klagen. "Es ist keineswegs so, dass Vermieter eineinhalb Jahre zuschauen, wenn jemand keine Miete zahlt." Oft würden bereits rechtliche Schritte ergriffen, wenn jemand zwei oder drei Monate im Rückstand ist.

Die Anzahl der Räumungsexekutionen sei nicht gleichzusetzen mit der Anzahl jener Personen, denen eine Räumung droht, betonte Kovanyi. Diese Zahl sei deutlich höher, da von einem Fall ja auch eine ganze Familie betroffen sein könne. Eine Einigung zwischen Mieter und Vermieter gibt es aber oft auch noch nach dem Richterspruch: Laut dem Landesgericht für Zivilrechtssachen kommt es in rund der Hälfte der entschiedenen Fälle tatsächlich zu einer Räumung.

Insgesamt betreffen rund ein Fünftel aller in Wien eingebrachten Zivilklagen Wohn- bzw. Mietangelegenheiten. Dabei zeigt sich nicht nur, dass Mieter den Zins immer häufiger nicht zahlen können. Auch die Fälle, in denen es um das Verhalten psychisch Kranker geht, werden laut den Zivilrichtern mehr. Wenn Nachbarn durch Lärm, Drohungen oder gar Attacken beeinträchtigt werden, droht nämlich ebenfalls die Delogierung.

Kaum mehr illegale Ablösen

Die anderen Mieter seien dabei oft nicht grundsätzlich intolerant, berichtete Kovanyi. Oft gebe es durchaus Verständnis für die Betroffenen. Laut Doris Obereder, Richterin am Bezirksgericht Leopoldstadt, sind immer häufiger jüngere Personen durch ihr Verhalten auffällig. Es handle sich dabei etwa um Migranten, deren Eltern nicht immer wüssten bzw. wahrhaben wollten, dass ihre Kinder ein medizinisches Problem haben - wodurch die entsprechende Behandlung unterbleibe.

Andere einst "klassische" Streitthemen sind unterdessen kaum mehr relevant. So nehmen etwa die Betriebskostenüberprüfungen ab. Laut Obereder ist in diesem Zusammenhang bereits viel ausjudiziert. Auch illegale Ablösen würden kaum mehr verlangt. Und es gebe auch immer weniger Vermieter, die ihre Mieter loswerden wollen, um die Wohnung teurer zu vermieten - was laut den Experten auch daran liegt, dass es kaum mehr extrem günstige alte Mietverträge gibt.

Mehr in den Medien als in der Realität sind offenbar die sogenannten Mietnomaden unterwegs, befanden die Richter. Und falls doch, trifft es weniger den Wohnbereich, sondern eher kleine Geschäftslokale.

Menschen, die genug Geld haben, sind übrigens nicht von Streitigkeiten rund ums Wohnen gefeit: Zivilrichter Peter Kovanyi berichtete etwa von einer Auseinandersetzung in einem Nobelbezirk, bei der es um die Frage ging, ob die Tochter eines Professors noch nach 20.00 Uhr Klavier spielen darf. "Diese Verfahren werden oft mit ungeheurem Aufwand an Geld betrieben", staunte der Jurist. Manche würden sogar bis zum Höchstgericht geführt werden. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 159
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raff1
32
7.12.2011, 00:18
irgendwie logisch die verarmung

80.000 privathaushalte in konkurs 2011
milliardengewinne bei konzernen 2011
räumungsexekutionen nehmen zu

gehts der wirtschaft gut, gehts den wirtschaftsbesitzern gut.

tock tock tock
02
14.12.2011, 00:40

80.000 privathaushalte in konkurs 2011
-> Weil ohne Selbstbeherrschung auf Teufel komm raus "geshoppt" wird! Ratenzahlung mit Zahlungsaufschub bei vielen Kaufhäusern, viel zu teure Leasing-Karre, Konto überzogen bis zum Anschlag, ein normales Handy tut es nicht - es muss das neueste iPhone sein, ....

Zuerst sparen, dann kaufen dürft halt unmodern sein ...

Die Milliardengewinne bei den Konzernen gibts genau wegen dieser Kaufrausch-Leute.

raff1
00
21.12.2011, 00:43
das ist

EINER der Gründe.

Chocoholic
01
7.12.2011, 21:27
Ich habe eine Eigentumswohnung vermietet,

Wo ist mein Konzern?

Mr XY
00
12.12.2011, 01:46

in Mailand

Isegrim1
00
7.12.2011, 08:51

Und was haben Konzerne jetzt mit Immobilien zu tun?

raff1
00
9.12.2011, 19:00
kurzarbeit, einstellung nur zu mindestlöhnen,

aufkaufen von anteilen an wohnungsgesellschaften, und wohnungen prach liegen lassen, damit der mietpreis höher steigt.

die frechheit ist ja, dass ein privater, der seine wohnung nicht vermieten kann, dies von der steuer nicht absetzen darf. eine gesellschaft aber schon!

max ritz
11
9.12.2011, 19:22
wohnungen prach liegen lassen

oftmals ist es billiger Wohnungen leerstehen zu lassen - Dank an den Mieterschutz der erst die Wohnungsnot herbeigeführt hat.

Würde heute der Mieterschutz fallen, gäbe es genügend Wohnungen am Markt, allerdings nicht zu Preisen von € 0,68 - € 5/m2

raff1
00
21.12.2011, 00:42
grundsteuer erhöhen,

und das prachliegen ist erledigt. dann gibt es wohnungen zu 0,68 -5€ pro m2

Saurer Zivi
21
6.12.2011, 22:18
Kovanyi... DER Kovanyi? dessen Wohnrecht (Würth-Zingher-Kovanyi) ich mir seit Jahren regelmäßig bei Manz kaufe und in den Bücherschrank neben andere Highlights stelle?

Eines ist klar: je mehr der Gesetzgeber zulässt, dass Wohnungen dem MRG entzogen werden - die Anzahl der Wohnungen im ABGB steigt! - umso unverschämter können die Richtwerte überschritten werden. Umso eher fehlt dann den Mietern das Geld bzw bewirkt ein Unglück wie Jobverlust das nächste.

Weiß nicht, ob man ein Bezirksgericht in einem Nobelbezirk, mit dem eines Arbeiterbezirks vergleichen kann.

Das große Problem ist eben nicht das Klaviespielen der Tochter, das mit einer Heerschar von Anwälten einer Großkanzlei durchgefochten wird, sondern viel eher der Umstand, dass ein "normalsterblicher" Mieter niemals sein Recht alleine in vollem Umfang wahrnehmen kann.

Von dieser Ausweglosigkeit profitieren Vermieter leider weiterhin enorm.

Chocoholic
05
6.12.2011, 18:36
Es ist keineswegs so, dass Vermieter eineinhalb Jahre zuschauen, wenn jemand keine Miete zahlt." Oft würden bereits rechtliche Schritte ergriffen, wenn jemand zwei oder drei Monate im Rückstand ist.

Wenn der Vermieter nicht sofort klagt, wird sein Einverständnis vorausgesetzt.

Ausserdem ist jede Verzögerung beim Anmelden eine Verzögerung des nachfolgenden monate oft jahrelangen Gerichtsstreits.

Isegrim1
30
6.12.2011, 22:06

Woher haben Sie denn das Unwissen?
Der Vermieter stimmt überhaupt nichts ein, sondern wartet nur ab ob er klagt.

Chocoholic
00
7.12.2011, 21:28
Is glaub ich eher Ihr Unwissen, dass Sie mit Ihrem posting zur Schau stellen.

gogosch der Grosse
12
6.12.2011, 16:04
Jemand der den Durchblick hat und sich traut es auch auszusprechen:

"Laut Doris Obereder, Richterin am Bezirksgericht Leopoldstadt, sind immer häufiger jüngere Personen durch ihr Verhalten auffällig. Es handle sich dabei etwa um Migranten, deren Eltern nicht immer wüssten bzw. wahrhaben wollten, dass ihre Kinder ein medizinisches Problem haben - wodurch die entsprechende Behandlung unterbleibe. "

Donna Camilla
50
6.12.2011, 18:38

ja was ist daran ehrenrührig, ein Kind mit einem medizinischen Problem zu haben ? und was ist daran nicht zu verstehen, wenn Leute ihre Heimat verlassen müssen, oft unter miesesten Umständen um ihre Aufenthaltserlaubnis zittern müssen, da werden aus Kleinigkeiten, zb.ob ein Kind in der Schule eine Rauferei hat, Briefe von der Behörde in beamtendeutsch ,zu Ängsten vor einer Abschiebung ;Existenzen die am Spiel stehen können und die einem den Nachschlaf rauben, dass einer/eine ,der/die nirgends mehr hingehört, vielleicht dann psychische Probleme kriegen kann wundert Sie ?

Isegrim1
13
6.12.2011, 22:07

Jeder Mensch hat Ängste und wird deswegen nicht auffällig.

a wiener kind
013
6.12.2011, 14:58
...ich verstehe das problem nicht...

...ich habe mit den mietern einen vertrag, namens mietvertrag. in diesem sind rechte und pflichten definiert und wenn nicht stehen diese im MRG oder ABGB. halte ich mich nicht an diese pflichten, dann sehe ich mich bei der schlichtungsstelle wieder. hält sich der mieter nicht an die pflichten, so sieht er die kündigung (nach ablauf des schutzes für den mieter von einem jahr) eingeschrieben in sein mietobjekt einfliegen. sicher sagen einige, dass ist jezt typisch unmenschlich hausbesitzer, ich habe aber auch angestellte die etwas verdienen wollen und betreibe hier ein unternehmen, keine caritas und sicher kein wiener wohnen mit einem sozialen auftrag.

Urban Loritz
 
00
10.12.2011, 09:17
Praxistipp

Sie müssen nicht ein Jahr zu warten, um einem säumigen Mieter zu kündigen.

Mr XY
30
7.12.2011, 04:16

Naja es gibt da einige Probleme.

1) Wer zahlt dem Delogierten eine neue Wohnung
nach Verlust, oder wollen sie Wien in ein Obdachlosen Heim umwandeln.

2) Was tun mit Kindern die nichts dafür können.

naja Grundrechte usw

Hotblack_Desiato
00
8.12.2011, 09:18
dann brauch ich doch auch keine miete mehr zahlen, genauso wenig wie sie

ich zahle keine miete
dann kommt (nach vielen mahnungen) die räumung daher.
der vermieter muss mir eine neue wohnung suchen
der vermieter muss mir die wohnung zahlen.
--> ich zahle legal keine miete.

der einzige mir bekannte fall, wo sowas ähnliches geht:
der mieter hat einen günstigen vertrag und der vermieter will ihn raus haben. dann kann der vermieter eine ersatzwohnung suchen (gleiche größe), und ihm diese zu den selben mietkosten zur verfügung stellen. die differenz zum echten mietpreis zahlt der alte vermieter an den neuen.

aber das wird man nicht machen, wenn man nicht absolut unbedingt an die wohnung will.

ein wenig leichter ist eine kündigung mit begründung eigenbedarf.

a wiener kind
00
7.12.2011, 09:44
...der delogierte wird selber für eine...

...neue wohnung aufkommen müssen, wer denn sonst. wenn der steuerzahler dazu bereit ist, dann soll er es machen, ich als privater kann mir das nicht leisten, habe ja schließlich einen mietentgang gehabt, den ich aus eigener tasche in das haus gesteckt habe! wollen sie, dass der vermieter einen doppelten schaden davon trägt!? für die kinder tut es mir leid, wenn sie schon mal delogiert haben, wissen sie aber, dass richter bei kinder noch mieterfreundlicher sind (ist auch gut so)!!! grundrecht auf wohnen gibt es nicht, wird es auch nicht geben! da bin ich schon eher für ein grundrecht auf gratis essen auf dieser welt....

Mr XY
01
12.12.2011, 01:41

Artikel 11.1 Recht auf Wohnen,
delogieren sie ruhig weiter. Es ist nicht so, dass ich Ihren
Standpunkt "ich will Geld verdienen" nicht verstehe, aber
die billigste Wohnung ist immer noch die mit Geld von der Bank gekaufte. Deshalb haben wir die größte Krise aller Zeiten, weil dort nämlich jeder zahlt was er will.

Der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights, ICESCR), kurz UN-Sozialpakt oder IPwskR, in der Schweiz auch UNO-Pakt I genannt, ist ein multilateraler völkerrechtlicher Vertrag.

Aber da gibts nix zu verdienen, drum is natürlich Ihr Mietvertrag viel bindender.

tock tock tock
02
12.12.2011, 12:07

Wenn der STAAT will, dass die Leute nicht auf der Straße stehen, dann muss halt der Staat für die Mietkosten aufkommen! Aber die soziale Absicherung einem Vermieter umzuhängen ist Schwachsinn!

3 Monatsmieten nicht bezahlt (=Kaution "aufgebraucht") -> Delogierung. Fertig. Wenn der Staat das nicht will, muss er halt die Mietkosten übernehmen.

Mr XY
00
14.12.2011, 00:33

Sie sind der Staat, aber das ist eine andere Geschichte.

tock tock tock
00
14.12.2011, 00:35

Ja - und?

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