Was passiert, wenn wir so weiter machen wie jetzt?

6. Dezember 2011, 15:50
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Europa wird von den Auswirkungen der globalen Erwärmung nicht verschont bleiben

Hier in Durban dreht sich alles um die magische "2" - das Zweigradziel. Das bedeutet, dass wir es schaffen müssen, die globale Durchschnittstemperatur im Vergleich zur vorindustriellen Zeit nicht um mehr als zwei Grad steigen zu lassen, damit wir nicht auf eine globale Katastrophe zurasen, die wir nicht mehr beherrschen können. Das ist der wissenschaftliche Erkenntnisstand heute. In Durban sollte das Nebenorgan der UNFCCC für wissenschaftliche und technologische Beratung SABSTA die notwendigen Schritte setzen und eine Studie in Auftrag geben, was passiert, wenn die Temperatur über 1,5 Grad ansteigt. Derzeit ist die Erderwärmung durchschnittlich bereits um 0,8 Grad angestiegen. An den Polen und im Alpenraum geht die Erwärmung um Einiges schneller. Niemand weiß genau, ob wir das Zwei-Grad-Ziel überhaupt noch schaffen. Wenn wir gar nichts tun, wird sich die Atmosphäre um drei bis vier Grad erwärmen. Manche Prognosen gehen sogar davon aus, dass wir bis zum Ende des Jahrhunderts mit bis zu neun Grad Erwärmung rechnen müssen. Was dann geschieht, traut sich derzeit kaum ein Wissenschaftler vorherzusagen.

Was passiert, wenn wir die Treibhausgase nicht reduzieren? Bei zwei Grad Temperaturanstieg werden bis zu 200 Millionen Menschen mehr von Malaria betroffen sein. Bei drei Grad könnten es schon 300 Millionen sein, die daran erkranken. Außerdem müssen fünf bis sechs Milliarden Menschen mehr als heute damit rechnen an Denguefieber zu erkranken. Hungersnöte und der Kampf um die Ressourcen werden auf jeden Fall zunehmen. Europa wird davon nicht verschont bleiben. Bei drei Grad sind bis zu 120 Millionen Menschen zusätzlich von Hungersnöten bedroht. Außerdem werden die Preise für Nahrungsmittel ansteigen. Besonders dramatisch: Unser Wasser wird knapp werden. Mehr als drei Milliarden Menschen könnten von Wasserknappheit betroffen sein. In vielen Regionen der Erde kommt es zu Dürren. Südeuropa ist besonders gefährdet. Schon bei drei Grad mehr wird die Arktis im Sommer eisfrei sein. Die Permafrostböden tauen auf und das so freigesetzte Methan beschleunigt den Klimawandel zusätzlich. Grönland wird bei drei Grad komplett abschmelzen und den Meeresspiegel steigen lassen. Auch das Schmelzen des antarktischen Schelfeises wird dazu beitragen.

Besonders schlimm trifft es die Tier-und Pflanzenwelt. Schon bei zwei Grad mehr sterben 95 Prozent der Hartkorallen. Schon heute hat die Korallenbleiche die Ozeane der Welt erfasst. Was vor wenigen Jahren noch wunderschöne Taucherparadiese waren, sind heute Korallenfriedhöfe, die von Algen überwuchert werden - mit Auswirkungen auf die Lebenswelt im Meer. Die Ursache dafür sind die steigenden Meerestemperaturen und die Versauerung der Ozeane, denn das Meer bindet das CO2 der Atmosphäre und verändert die submarine Fauna und Flora. Der Kalk der Muscheln und anderer Schalentiere zersetzt sich wie die marmornen Kunstwerke der Renaissance durch Schwefeldioxid. Auch am Land wird sich die Welt, wie wir sie heute kennen, ändern. Ein Viertel der Arten sterben schon bei zwei Grad aus, bei drei Grad plus sind es schon ein Drittel.


(Video: Der Österreicher Gerald Steindlegger zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Wälder und Berge)

Diese wenigen Beispiele liefern schon ein recht eindrückliches Bild von den dramatischen Auswirkungen, mit denen wir bereits rechnen müssen, wenn sich die Staaten der Welt auf einen Minimalkompromiss in Durban einigen sollten. Wenn sich die Minister in dieser Woche in Detaildiskussionen verlieren und es zu keinem rechtlich verbindlichen zweiten Kyoto-Abkommen kommt oder die Emissionen auf andere Weise reduziert werden, dann verlieren wir wertvolle Zeit - Zeit die wir nicht mehr haben. Auf den großen Klimakonferenzen wie in Durban geht es längst nicht mehr um einen Stopp des Klimawandels sondern nur noch darum, wie wir den Schaden möglichst klein halten - und um die Finanzierung dieser globalen Hilfsaktion. 20.000 internationale Feuerwehrleute sind in Durban zusammen gekommen, um den Weltenbrand zu löschen. Das Wasser, das sie bisher verwenden, sind meistens nur Worte. Der Natur wird es ziemlich egal sein, wie viel in Durban geredet wird. Denn Klimaschutz ist nicht nur Naturschutz - in erster Linie geht es um unser eigenes Überleben.


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WWF

  • Artikelbild
    foto: franko petri
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