Buch von Ex-Talking-Head

"Radfahren erweitert den Horizont"

Interview | Christian Lehner, 5. Dezember 2011, 17:02
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    foto: christian lehner

    Ein "Man in White": Der New Yorker Musiker David Byrne betrachtet in seiner Textsammlung "Bicycle Diaries" das Leben aus Fahrradfahrerperspektive.

David Byrne hat ein Buch über das Fahrradfahren geschrieben - Der frühere Mastermind der Talking Heads zur Kultur des Radelns, die Occupy-Wall-Street-Bewegung - und zum ewigen Thema Reunion

STANDARD: Sie haben in den 1970ern in New York City mit dem Biken begonnen. Das galt damals als uncool und gefährlich.

Byrne: Witzigerweise war Biken in SoHo oder der Lower East Side gar nicht so gefährlich, weil es dort in der Nacht wie ausgestorben war. Kein Verkehr, bloß ein paar Spelunken und Clubs. Niemand wagte sich in die von Drogendealern, Punks und Hungerkünstlern bewohnten Gegenden. Ich war mit dem Rad immer der Schnellste, wenn wir das Lokal wechselten.

STANDARD: Wie reagierten Ihre Künstlerfreunde?

Byrne: Na, cool war das sicher nicht. Aber das war mir egal. Ich war wohl ein bisschen ein Einzelgänger.

STANDARD: Wann wurde das Rad vom Gebrauchsgegenstand zur Lebensphilosophie?

Byrne: Das passierte über die Jahre. Mit dem Rad hat man Kontrolle, kann seinen Weg selbst bestimmen. Das klingt nicht nach besonders viel, ist aber großartig. Man ist flexibler und nicht vom Verkehrsnetz abhängig. Es ist ein Stück Freiheit.

STANDARD: Seit den Tagen mit den Talking Heads nehmen Sie Ihr Rad auch auf Touren mit.

Byrne: Das war wie eine Befreiung! In dem Tourtrott zwischen Flugzeug, Hotel und Tourbus wäre ich verrückt geworden. Ich wusste oft gar nicht mehr, wo ich mich eigentlich gerade befand. Mit dem Rad war plötzlich alles anders: Ich hatte zwar nur wenige Stunden Zeit, aber ich begann, die Städte zu erforschen.

STANDARD: So sind die Geschichten entstanden, die Sie in dem nun auf Deutsch erschienenen Buch "Bicycle Diaries" veröffentlichten. Wollen Sie damit Fahrradfahren propagieren?

Byrne: Ein wenig. Für mich ist die Bezeichnung "Aktivist" ja kein Schimpfwort. Es geht darum, den Leuten meine Erfahrungen und Erlebnisse mitzuteilen. Fahrradfahren in Buenos Aires oder Manila ist anders als in New York oder Berlin. Wie jeder Autor freue ich mich, wenn Leser etwas aus den Texten mitnehmen, aber ich mache niemals Vorschriften. Bicycle Diaries beinhalten keine Gebote, eher Anregungen.

STANDARD: Aber sind Sie in diversen Fahrradorganisationen?

Byrne: Ja, sogar in Südamerika bin ich in eine Gruppe involviert, die sich für die Demokratisierung des Verkehrs einsetzt. In New York bin ich ebenfalls engagiert und habe einmal lustige Fahrradständer für die Stadt entworfen.

STANDARD: Die Zahl der Radfahrer in New York ist enorm gestiegen - es ist hip, einen Drahtesel zu besitzen. Warum kommt der New Yorker Radfahrer dennoch nicht gut weg in Ihrem Buch?

Byrne: Infrastruktur allein reicht nicht. Es braucht einen kulturellen Wandel. Unter den Verkehrsteilnehmern herrscht offener Krieg. Autos, Fußgänger, Radfahrer - niemand kümmert sich um rote Ampeln. Der typische Radler ist gekleidet wie eine Kreuzung aus Spitzensportler und Straßenkämpfer.

STANDARD: Was tragen denn Sie?

Byrne: Es ist eine amerikanische Unart, für jede Aktivität ein spezielles Outfit zu tragen. Bike-Wear, Office-Wear, Zuhause-am-Sofa-Wear. All diese kleinen Schachteln, in die das Leben aufgeteilt wird. Ich habe fürs Radfahren kein bestimmtes Outfit.

STANDARD: Wie ändert sich die Perspektive auf eine Stadt, wenn Sie im Sattel sitzen?

Byrne: Ein Beispiel: Als ich heute Morgen hierher ins Büro geradelt bin, habe ich einen Freund getroffen, der die Geschäfte meines ehemaligen Labels Luaka Bop führt. Ich bin stehengeblieben, und wir haben uns eine Zeitlang unterhalten. In der U-Bahn, wo alles furchtbar eng ist, oder mit einem Auto wäre das nicht passiert. Am Rad hat man den Überblick und ist direkter ins Stadtleben involviert. Da ein neues Buchgeschäft! Dort ein neues Café! Hier ein Straßenkünstler! Radfahren erweitert den Horizont.

STANDARD: Ihr Büro liegt nahe dem Zentrum der Occupy-Wall-Street- Bewegung. Waren Sie da?

Byrne: Mehrmals. Die Strategie der Besetzungen ist genial. Einzelne Manifestationen oder Demonstrationszüge machen heute kaum noch Sinn. Bei den Antiirakkriegs-Demos vor ein paar Jahren waren Hunderttausende auf den Straßen, aber nach zwei Tagen war das Thema aus den News-Circles wieder verschwunden. Nun berichten die Medien schon seit Wochen über Occupy Wall Street. Das schafft Bewusstsein. Ich bin froh, dass sich die Amerikaner endlich gegen das ungerechte Finanzsystem wehren.

STANDARD: Die Bewegung wird wegen ihrer uneinheitlichen Forderungen kritisiert. Ist das eine Schwäche oder eine Strategie?

Byrne: Es geht um Chancengleichheit und um Gleichbehandlung, um eine gerechte Gesellschaft. Das ist meiner Meinung nach mit "99 vs 1 Percent" gemeint. Und das ist doch sehr konkret. Natürlich wirken manche Forderungen seltsam. Ich habe eine Gruppe beobachtet, die sich gegen "Fracking" ausspricht. Das ist eine umstrittene Energiegewinnungsmethode, die für Mensch und Umwelt gefährlich ist. Klar, das ist auch ein Thema, aber hier geht es wohl am Kern der Sache vorbei.

STANDARD: Bürgermeister Bloomberg meinte, die Occupy-Wall-Street-Bewegung gefährde den Tourismus in New York. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Byrne: Keine Frage, es ist die neue Tourismusattraktion! Ich hatte unlängst Freunde aus Kopenhagen zu Besuch, und ich habe ihnen gesagt: "Vergesst den Central Park. Da müsst ihr hin!"

STANDARD: Am Ende eine pflichtschuldige Frage für die Fans Ihrer Musik da draußen: Warum gibt es keine Talking-Heads-Reunion?

Byrne: Ich bin kein nostalgischer Mensch. Ich kenne dieses Gefühl nicht. Ich bin stolz auf das, was die Band erreicht hat, aber damit hat es sich. Außerdem fällt mir immer noch zu viel Neues ein. Die Talking Heads sind und bleiben Vergangenheit. (Christian Lehner, DER STANDARD - Printausgabe, 6. Dezember 2011)

David Byrne (59) ist ein schottischer Musiker und Multimedia-Künstler. Er lebt in New York und war Mastermind der Band Talking Heads. Sein Buch "Bicycle Diaries. Ein Fahrrad. Neun Metropolen" ist im S.-Fischer-Verlag erschienen, in der Übersetzung von Birgit Jakobeit.

Kommentar posten
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Politisch engagierter Instalateur
81
6.12.2011, 17:21
Kinder, wisst ihr eigentlich wie oft es vorkommt,

dass eine unsachgemäß montierte Gastherme (insbesondere Durchlauferhitzer älterer Bauart) Gas VERLIERT, und dadurch Kinder sterben, Katzen vergiftet werden und ganze Stadtteile im gleißenden Licht des Todes verderben?

Und wisst ihr woran das liegt?
Weil der rettende Instalateur hinter einem langharigen Studenten herfahren muss, der unbedingt Radlfahren muss, anstatt die Fahrzeuge passieren zu lassen!

Daher: Brav sein, und immer schön auf die Seite fahren, wenn der Instalateurwagen kommt, ihr kleinen Radl- und Dreiradfahrer, gell?

rowwie
02
6.12.2011, 21:34
das ist wahrscheinlich ein fake

ich kenne zwar einige Installateure, die ihren Beruf nicht buchstabieren können; aber keinen der um 17:21h Zeit zum Posten hat...

Du bist der Teufel
00
7.12.2011, 11:17

ja, um de uhrzeit sitzens nämlich schon im gasthaus!

meinrad
02
9.12.2011, 09:29
na na

da wird noch gepfuscht

Lol Rofl
10
7.12.2011, 07:07
Vor allem gibts natürlich ur viele Installateure,

die in linksalternativen Schüler- und Jungstudentenforen posten...

Reinkarnation eines Passivopfers
00
7.12.2011, 05:55
instaLLateur....

ein Fake

armin delmenhorst
 
10
6.12.2011, 21:16
Sehr witziger Beitrag

der auch einen richtigen Kern hat. Habe auch geschmunzelt, gebe es zu. Auch mir liegt es fern, tätige Menschen aufzuhalten, aber ihre Kritik schießt genau so am Ziel vorbei wie der von Ihnen geschilderte Studiosi, den Sie am liebsten unter den Rädern als vor der Stoßstange hätten.

Natürlich hapert es an der nötigen Infrastruktur. Und die paar Idioten unter den Radfahrern, die es tatsächlich gibt, gehören runtergeknüppelt. Diese Subjekte, das sollten Sie bedenken, verhalten sich im Auto auch nicht anders.

Also, je mehr Radfaher, desto früher und nicht später sind Sie bei Ihrem Durchlauferhitzer. Übrigens, wenn kein Pfuscher ihn jährlich wartet, verliert er auch kein Gas - nur so nebenbei. :-)

bloody-nine
 
11
6.12.2011, 18:52
wenn man das trollen

so unlustig und holprig-plump beherrscht sollte man es sich sparen

Rote Lagune
10
6.12.2011, 18:57
was seine Meinung zum Friseurgewerbe betrifft,

hat er recht find ich

Laiseka
00
6.12.2011, 18:42
Wie wenig Physikverständnis muss

man eigentlich haben, um solch einen Schwachsinn zu posten...?

Lol Rofl
10
7.12.2011, 08:35
Absolut, das schlimmste an diesem Post ist das Physikverständnis

Sie snd nicht zufällig ein Deutscher, oder?

Kasperltheater
00
6.12.2011, 18:04
naja

falls ironisch gemeint, ziemlich unlustig, falls ernst, erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

Leiderkeinmilliardär
12
6.12.2011, 16:58
hmm, kommt mir alles schon bekannt vor

http://fm4.orf.at/stories/1690503/

1116er
03
6.12.2011, 16:57
Ich habe fürs Radfahren kein bestimmtes Outfit.

so ists richtig.
radfahren ist eine fortbewegungsart.

lächerlich die 'sportler' in ihren tour-de-france-outfits mit superleichten + superteuren rädern, denen links und rechts vom sattel jeweils 10 kilo fett runterhängen.

Reinkarnation eines Passivopfers
00
7.12.2011, 05:56
und bei jeder Ampel den falschen Gang drinhaben...

bloody-nine
 
00
6.12.2011, 18:06
jein

wenn ich mit meinem rennrad auf eine mittelseriöse trainingsfahrt geh werf ich mich wohl in die entsprechende dress.

im alltag auf meinem alltagsradl auf den alltagswegen selbstverständlich alltagskleidung.

1116er
11
6.12.2011, 16:54
Fahrradfahren in Buenos Aires oder Manila ist anders als in New York oder Berlin.

respekt herr byrne, und meine verwunderung, dass sie noch leben!
ohne ortskenntnisse in einer stadt wie manila, wo die ps und die stärke des karosserieblechs über vorrang und wartepflicht an der ampelgeregelten kreuzung entscheiden, mit dem radl zu fahren... wow.
(ist sicher auch eine besondere herausforderung für die lunge eines sängers!)

ich habe es einmal versucht.
und dann die unterhose gewechselt!

Reinkarnation eines Passivopfers
00
10.12.2011, 16:58
Dann fahr mal nach Indien oder Türkei oder Ägypten...

Ich hab mir dort öfters Fahräder ausgeborgt, ohne mir in die Pampers zu malen...

spiehsbürger
00
6.12.2011, 16:01

ja, aber i-net surfen erweitert auch den horizont ;-)

Illicit Trafficking Database
03
6.12.2011, 15:20
Danke David für dein Engagement für die Radfahrer und die wunderbare Musik!

http://www.youtube.com/watch?v=T... re=related
Radfahren ist nicht nur eine gesunde alternative, sonder DER richtige Weg, weg von der Gängelung der Ölmafia. Zeigt denen die rote Karte!

ElKulte
 
12
6.12.2011, 15:15

Unvergessen, die Talking Heads Klassiker "Radweg to Nowhere", "Bikes in Motion" und "Bicy Killer"!

Radlerwahn68
015
6.12.2011, 14:46

polarisiert ja ganz schön das thema "fahradfahren in der stadt"! trotzdem danke an alle autofahrern hier im forum,dass sie so rücksichtsvoll gegenüber unserer umwelt und kindern handeln!ist den hundebesitzern in wien nicht unähnlich:jede menge dreck hinterlassen und dann aufregen wenn der verursacher=herrl/frauerl zur kassa gebeten wird!radfahren erweitert den horizont,autofahren begrenzt ihn!

matthias_87
02
6.12.2011, 16:22
Fahrradfahren in der Stadt wird so lange

polarisieren. Bis der Letzte einsieht das Autofahren purer Luxus ist. Die Autofundamentalisten sehen es nämlich als Grundrecht.
Danke Autoindustrie für die Manipulation der Mitmenschen, man kann nämlich keine Diskussion über Mobilität führen, wenn ein Teil der Menschen so verblendet ist.

1116er
10
6.12.2011, 17:00
versuche ja nicht,

mir mein auto wegzunehmen!

da geb ich dir eher eine niere.

Mode Biller
01
6.12.2011, 17:15

Hoffentlich hast keinen Zweitwagen...

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