Schönborns "perfekte Sklavin"

Wolfgang Bergmann, 5. Dezember 2011, 09:29
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Wenn Kardinal Schönborn zur Feder greift, ist er zumeist sehr präzis. Als Redaktionssekretär des „Katechismus der Katholischen Kirche" formulierte er zum Thema Pornografie, dass es sich um eine „Quelle unerlaubten Profits" handle. „Sie ist eine schwere Verfehlung". Daher verlangt die Kirche sogar: „Die Staatsgewalt hat die Herstellung und Verbreitung pornographischer Materialien zu verhindern."

Damals war er noch nicht Erzbischof von Wien, und nicht - wie heute - mit den kirchlichen Beteiligungen Profiteur dieses Geschäftsfeldes. Beim kürzlich erschienen Jugendkatechismus Youcat legte er in der Formulierung sogar nach: „Pornografie ist eine Abart der Prostitution ... Händler sind gleichermaßen an dieser schweren Verfehlung gegen die Liebe und die Menschenwürde beteiligt." Hat sich Schönborn zwischenzeitlich nie erkundigt, wie es in seinem Verantwortungsbereich aussieht?

Letzte Woche gab DER STANDARD Nachilfe: Gibt man im Suchfeld von dombuchhandlung.at (33% im kirchlichen Eigentum) den Begriff „Porno" ein, findet sich alles, was der Katechismus verboten hat. Nicht nur in Buchform. Auch DVDs werden feilgeboten. Wird bestellt, schneidet die Kirche mit und schöpft aus der „Quelle unerlaubten Profits". Warum bleibt da der Kardinal untätig? Wo doch davon auszugehen ist, dass der umsichtige diözesane Justiziar Dr. Erich Ehn Klauseln in die Dombuchhandlungsverträge aufgenommen hat, wonach die Geschäfte dem Ansehen der Kirche nicht schaden dürfen. Das tut er nämlich immer.

Vor einer ähnlichen Situation steht die kirchliche Weltbildgruppe in Deutschland. Nach eigenen Angaben fallen dort 0,017 Prozent der verkauften Ware in die verbotene Kategorie. Freilich: Wenn man die Verfehlung so schwerwiegend sieht, dass sogar nach dem Staat gerufen wird, muss es eine Null-Toleranz gelten. Solange man nicht zu Schluss kommt, dass auch in der kirchlichen Ehevorbereitung ein wenig Kamasutra-Schulung nicht von Nachteil wäre und den Katechismus etwas entschärft, bleibt nichts anderes übrig, als klare Konsequenzen zu ziehen. 

Der Weltbild- Geschäftsführer Carel Halff hält den von den deutschen Bischöfen angestrebten Verkauf der Handelsgruppe daher für „folgerichtig". Das ist er streng genommen auch wieder nicht. Aufgabe wäre es, nimmt man Schönborns Doktrin ernst, auch diese 0,017 Prozent zu unterbinden. Durch einen anderen Betreiber ließe man nämlich das Verteufelte fortbestehen - und würdet aus dem Verkauf noch einmal einen unerlaubten Profit ziehen. Ein Verkaufsprozess kann zudem Jahre dauern. In dieser Zeit bestünde weiterhin die Mitwirkung am „schmutzigen Milliardengeschäft mit dem Sex" (Zitat Youcat). Für den neuen Aufsichtsratschef, den Münchner Generalvikar Peter Beer, herrscht so gesehen eigentlich Gefahr in Verzug - täglich.

Dabei haben die Weltbildmanager teilweise umsichtiger gehandelt und mehr Vorkehrungen getroffen, schmuddelige Bereiche auszuschließen, als Schönborns Truppe. Gibt man nämlich bei weltbild.de im Suchfeld den Begriff „Porno" ein gibt es Null Treffer. Zum Vergleich: Auch die im kirchlichen Einflussbereich stehende österreichische styriabooks.at schafft es, dieses Schlagwort auszufiltern. Die Dombuchhandlung kommt aber auf 288 Treffer. Das sind sogar um 80 Angebote mehr als das österreichische Buchhandels-Flaggschiff morawa-buch.at anpreist.

Ein ähnliches Bild ergibt der Suchbegriff „Sadomaso":
Dombuchhandlung.at: 28 Treffer,
Morawa-Buch.at: 20 Treffer,
Weltbild.de: 0Treffer
Styriabooks.at: 0 Treffer.

In dieser Kategorie bietet übrigens die Dombuchhandlung das Buch mit dem aufschlussreichen Titel „Perfekte Sklavin" an. Das Cover wird hier in Einhaltung der Verbotsrichtlinien des Weltkatechismus nicht wiedergegeben. Nur so viel: Das Werk wird u.a. noch den Schlagworten „Erniedrigung", „Geiselung" und „Sünde" zugeordnet.

Die Suche nach diesem Titel ist auf Weltbild wieder vergeblich. Es liegt also nicht nur am Schlagwortfilter, sondern am Sortiment (das dort, wie erwähnt, trotz der Einschränkungen nicht frei von Sex-Sellern ist). Die intelligente Software von Weltbild gibt allerdings Alternativvorschläge. Auf Platz 1 steht anstelle der nicht vorhanden perfekten Sklavin: „Eine fast perfekte Ehe."

Bleibt die Frage: Was drängt die deutschen Bischöfe zum Verkauf von Weltbild, wenn Katechismus-Autor Schönborn gleichzeitig viel freizügiger ist? Neu in Wien ist nur: Die Lieferungen bis Weihnachten sind in der Dombuchhandlung versandkostenfrei.

PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Verantwortung der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal geklärt werden muss. Der derzeitige Papst hat bisher lediglich zur Schuld einzelner Priester und Bischöfe Stellung genommen. Zu den Vorgängen innerhalb der vatikanischen Mauern fand er kein Wort. Benedikts beharrliches Schweigen dazu macht ihn als Papst unglaubwürdig. (derStandard.at, 5.12.2011)

Autor: Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer DER STANDARD. 2010 erschien sein Romanerstling: "Die kleinere Sünde" (Czernin-Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 80
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YoungManKlaus
00
27.12.2011, 11:19
CETERUM CENSEO...

Vaticanam esse delendam ;)

Cavaliere Austriaco
00
13.12.2011, 18:47
bravo ÖVP

RisusSardonicus
 
00
13.12.2011, 15:43
Am besten noch vor Weihnachten

ein paar dieser Bücher bestellen und innerhalb von 14 Tagen versandkostenfrei zurücksenden...

Man konnte ja nicht ahnen welch Teufelswerk da publiziert wurde...

c_pes
 
01
12.12.2011, 17:04

gott is eh tot.

Wolkengedanken
02
13.12.2011, 15:45

vermutlich ist er vor Lachen gestorben ....

Animus Ashitakae
00
12.12.2011, 12:41

Das ist eine Frage von Angebot und Nachfrage und der partiellen internen Zirkulation von Kirchengeldern.

So bleibt ein Teil der Pfaffengehälter in der Familie.

Wiener Studentin
00
12.12.2011, 11:33

Es ist ja bekannt, dass Menschen, die oft in einem autoritären, strikt hierarchischen und unterdrückenden Umfeld aufwachsen oft Hang zum Sadomasochismus haben (ohne das jetzt "werten" zu wollen - was einem privat gefällt ist mir wurscht, geht mich nix an und bleibt dem/derjenigen überlassen).

Wen wundert's da, dass das vielleicht grad Menschen anspricht, die in das autoritäre, strikt hierarchische und unterdrückende System der Kirche eingebunden sind und unter "Sadomaso" grad bei der Dombuchhandlung etliches auftaucht? Kann mir schon vorstellen, warum so ein Mensch (Mann?) sich an der "perfekten Sklavin" aufgeilt ... obwohl SM auch Frauen anspricht

unabhängig von der Frage, ob man das unterbinden sollte wenn manschon dagegen wettert

Van Braun
07
7.12.2011, 00:17
Schönporn

Mostbluzza
00
19.12.2011, 15:14
ist das der nachfolger

von youporn?

steht der server auch im vatikan?

Der Große von Gegenüber
00
7.12.2011, 06:58
schön bohrn ...

relatio subsistens
71
6.12.2011, 17:12

Bergmann: 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom

Nur drei Jahre? Schlechte Arbeit geleistet?

Da ist wohl jemand auf seinem ganz persönlichen Rachefeldzug, sozusagen ein theologischer Bronson.

Dafür ist er jetzt am richtigen Platz. Dort, wo er hingehört.

Mister Magister
 
22
7.12.2011, 03:20

Wie du halt nichts von dem was du schreibst beweisen oder belegen kannst...irgendwie arm oder?

Die Ausführungen des Autors jedoch kann man ganz leicht mit einem handelsüblichen Webbrowser nachprüfen...und siehe da, es stimmt was er schreibt.

Ergo ist es vollkommen irrelevant in welcher Absicht Bergmann schreibt...er schreibt die Wahrheit, und das ist, ob dir mein Kleiner das nun gefällt oder nicht, das einzige was zählt. Die Kirche ist derselbe verlogene, unnötige und lächerliche Verein der sie seit Jahrhunderten ist.

Und jetzt husch husch, geh woanders trollen. Keiner glaubt dir.

relatio subsistens
61
7.12.2011, 08:27

SIch vermute, Sie haben Ihr Magisterlein auch mit den handelsüblichen Webbrowsern erworben.

Mister Magister
 
30
7.12.2011, 18:32

Oh ist das süss. Wenn den armen geschundenen Kirchenkindern die Argumente ausgehen (nicht dass du je welche gehabt hättest, alles was du je in dieser Diskussion vorgebracht hast waren haltlose Anschuldigungen, und unbewiesene Vermutungen) kriegen sie Pipi ins Auge und werden persönlich.

Ein Tipp für dein weiteres Online-Leben (ich weiss ja, man muss euch helfen, so versiert in der Technik dieses furchtbar komplizierten Jahrtausends seid ihr ja noch nicht): Wenn du jemanden zu flamen versuchst, und der Flame an sich ist schon grottig...versuch wenigstens, nicht gleich im ersten Wort einen Typo reinzuschludern :-)

relatio subsistens
22
8.12.2011, 14:05

Da habe ich wohl einen für Sie unangenehmen Punkt berührt.

Von "Pipi im Auge" kann übrigens nicht die Rede sein. Ich amüsiere mich eher über Ihren akademischen Minderwertigkeitskomplex, "Mister Magister".

Mister Magister
 
31
8.12.2011, 17:44

Ach warum unangenehm?

Studium geht gut, Noten sind hervorragend, lang kanns nciht dauern. Worüber ich mich amüsiere ist der Schwachsinn den du schreibst, bzw. deine Argumentationslose Beleidigung.

Aber versteh ich schon, Gläubige sind halt dämlich.

relatio subsistens
22
8.12.2011, 17:57

"Studium geht gut, Noten sind hervorragend, lang kanns nicht dauern."

LOL!

oranje
11
6.12.2011, 16:07

Die katholische Kirche ist einfach nur verlogen und Geldgierig!!
Da hilft auch kein Rosenkranz beten.

Wolkengedanken
08
6.12.2011, 16:01
SM in der Dombuchhandlung

Was erstaunt Sie daran ? Beim Opus Dei wird gegeiselt, was das Zeug hält, Dornengürtel getragen, im Winter stundenlang auf eiskalten Steinböden liegend gebetet. So lange ist es auch noch nicht her, dass der gläubige Christ angewiesen war, seinen Penis auf die grauslichsten Arten "in Zaum zu halten".

Na und was ist mit der Verherrlichung der Kreuzigung und des Leidens in allen Variationen ? Wenns eine Religion gibt bei dem jedem Masochisten das Herz lachen muss, so ist das doch wohl das Christentum !!

kra3
50
5.12.2011, 22:20

Hr. Bergmann hat offensichtlich in seiner Zeit bei kirchennahen Organisationen massiv negative Erfahrungen gemacht, die ihn zu einem starken Kritiker jener Organisationen werden haben lassen, und diese Erfahrungen und Kritik möchte er seinen Lesern mitteilen.

Mich würde auch interessieren, welche - wenn überhaupt - positiven Aspekte der Autor an seinem Theologiestudium und den in seiner Biografie genannten kirchennahen Organisationen sieht. Das würde mir ein vollständigeres Bild liefern, aus dem ich dann Schlüsse für meine eigene Einstellung zu ihnen ziehen könnte.

sawi48
04
6.12.2011, 12:27
@kre

Er hat schon Recht: je mehr dieser doppelbödigen Moral aufgedeckt wird, desto besser !

Und das hat überhaupt nichts mit kirchennahen Organisationen bzw. Theologiestudium zu tun - zwischen Kirche und Christentum gibt es fast keine Berührungspunkte.

darkblue2
02
6.12.2011, 12:17

um die doppelmoral der kirche zu erkennen, bedarf es keiner negativen erfahrungen, keines kontaktes zu kirchlichen organisationen oder eines theologiestudiums.

auch ein gourmet muss nicht koch gelernt haben, um das salz in der suppe zu schmecken.

yano
02
6.12.2011, 11:57
?

Da brauchts keine negativen Erfahrungen, die Doppelmoral des Vereins Kirche ist wohl offensichtlich !!

CL
01
5.12.2011, 19:11

Zitat: "Solange man nicht zu Schluss kommt, dass auch in der kirchlichen Ehevorbereitung ein wenig Kamasutra-Schulung nicht von Nachteil wäre und den Katechismus etwas entschärft."

:-))))
Die Franzosen haben's diesbezüglich etwas leichter - zumindest könnte man deren Wortwahl so deuten:
"faire l'amour avec qn" - "mit jmd Liebe machen" als Ausdruck für das kalte Wort Geschlechtsverkehr

Glaube, Hoffnung, Liebe - die 3 göttlichen Tugenden - und unter ihnen die größte: die Liebe

Na bitte, hier haben wir's: das Ganze ist doch tugendhaft!! ;-)

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