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Ljubljana - Zoran Jankovic gilt als Macher. Wenn der Laibacher Bürgermeister bei seinen Spaziergängen durch die Innenstadt auf einen Missstand angesprochen wird, dauert es meist nicht lange und er ist behoben. Nun will der langjährige Chef des Handelsriesen Mercator auch die slowenische Regierung "wie ein Unternehmen führen" und jene unpopulären Sozialreformen durchsetzen, an denen die Mitte-Links-Regierung des Sozialdemokraten Borut Pahor zerbrochen ist.
Mit seiner erst Anfang Oktober gegründeten Partei "Pozitivna Slovenija" ("Positives Slowenien"), auf deren Liste vor allem Sport-Stars zu finden sind, hat Jankovic überraschend die Wahlen am Sonntag gewonnen. "Ehrlich gesagt interessiert mich nur der Posten des Ministerpräsidenten", hatte der 58-Jährige schon vorher mit seinem charakteristischen breiten Lächeln proklamiert.
Mehrere Reformgesetze wurden heuer von Gewerkschaften und konservativer Opposition durch Volksabstimmungen gestoppt, darunter die als besonders dringend geltende Anhebung des Pensionsalters auf 65 Jahre.
In den 1990er Jahren machte Jankovic aus dem kriselnden Handelskonzern Mercator nicht nur den Platzhirschen im slowenischen Einzelhandel (Werbeslogan: "Der beste Nachbar"), sondern auch einen der größten Player im ex-jugoslawischen Raum. "Ich habe 14 Jahre lang das größte Unternehmen im Land geführt. Und in diesen 14 Jahren hatte ich keinen einzigen Konflikt mit den Gewerkschaften, keine einzige Streikankündigung", betont Jankovic.
Selbst seine Absetzung als Mercator-Manager im Jahr 2006, die als politisches Manöver der damaligen konservativen Regierung gewertet wurde, münzte Jankovic in einen Erfolg um. Als politischer "Märtyrer" stieg er in die Politik ein und verbuchte im Herbst 2006 einen Erdrutschsieg bei der Laibacher Gemeinderatswahl.
Seit damals hat er das Antlitz der Hauptstadt, in der jeder siebente Slowene lebt, verändert. Getreu dem Wahlkampfslogan "Von Worten zu Taten" setzte er zahlreiche Projekte um, von der Beschleunigung des öffentlichen Verkehrs über eine komplette Reorganisation der Abfallwirtschaft bis zum Bau eines neuen Fußballstadions. Fast zwei Jahrzehnte war um das Projekt gerungen worden, Jankovic realisierte es in knapp vier Jahren. Im Vorjahr wurde er mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Amt bestätigt.
Sein Wechsel in die nationale Politik kommt nicht wirklich überraschend, galt Jankovic doch seit seiner Wahl zum Bürgermeister als Personalreserve der slowenischen Linksparteien. Nach der Abwahl von Ministerpräsident Pahor im September dauerte es nur wenige Tage, bis der Handball-Fan seinen Hut in den Ring warf. Als Architekt seiner Kandidatur gilt vor allem Ex-Präsident Milan Kucan, der immer noch zu den angesehensten Politikern des Landes zählt.
Die Unbeliebtheit der atomisierten Mitte-Links-Regierung kann Jankovic überraschenderweise nicht viel anhaben. Mehr zu schaffen machen dem Bürgermeister seine beiden Söhne Jure und Damijan, denen Finanzmachenschaften vorgeworfen werden. Sie sollen sich mit Grundstücken, die von der Laibacher Stadtverwaltung umgewidmet wurden, bereichert und ihr Geld in Steueroasen verschoben haben. Jüngst geriet Jankovic auch unter Druck, weil er seinem Sohn Jure 129.000 Euro für eine Hausrenovierung überwiesen hat.
Jankovic verkörpert zudem die Vorurteile vieler konservativer Slowenen gegenüber dem post-kommunistischen Establishment: Am 1. Jänner 1953 im serbischen Saraoci bei Smeredovo als Sohn einer Slowenin und eines Serben geboren, übersiedelte er in den Kinderjahren nach Ljubljana. Karriere machte er nach der Wende als "Mercator"-Chef. Kritiker werfen ihm vor, sich damals auf unlautere Weise bereichert zu haben.
Für viele Slowenen ist Jankovic ein Kontrastprogramm zum glücklosen sozialdemokratischen Premier Pahor, dem seine Zaghaftigkeit und Nachgiebigkeit zum Verhängnis wurden. Als Führungsperson ähnelt Jankovic ironischerweise seinem Erzfeind Janez Jansa, dessen autoritärer Regierungsstil in den Jahren 2004 bis 2008 im In- und Ausland kritisiert worden war. Jankovic sollte den "slowenischen Orban" mit seinen eigenen Waffen schlagen. Das scheint ihm gelungen zu sein. (APA)
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