Portrait

Abgewählte Ministerpräsidentin Jadranka Kosor

4. Dezember 2011, 20:26
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    foto: ap/bandic

Ministerpräsidentin erlitt trotz erfolgreicher EU-Beitrittsverhandlungen herbe Schlappe

Zagreb - Sie kämpfte tapfer gegen die Korruption, musste am Sonntag aber dennoch eine für Kroatien historische Niederlage einfahren: Jadranka Kosor (58), kroatische Ministerpräsidentin und Vorsitzende der HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) muss das Zepter wohl an den Chef der Sozialdemokraten (SDP), Zoran Milanovic, abgeben. Damit erlitt eine steile Karriere einen herben Knick.

Kosor wat 1995 in die Politik eingestiegen und sofort zur Vizepräsidentin der stärksten Partei gewählt worden. Wenige Monate später wurde sie Parlamentsabgeordnete und sofort Vize-Parlamentspräsidentin. Zur Stellvertreterin des Parteivorsitzenden wurde sie 2002, als Ivo Sanader im Amt des HDZ-Vorsitzenden bestätigt wurde. Nach dem Wahlsieg bei den Parlamentswahlen 2003 wurde sie Vize-Ministerpräsidentin.

Die Krönung ihrer politischen Karriere erfolgte 2009, als sie Sanader als Ministerpräsidentin und Parteichefin nachfolgte. Sanader hatte nach dem monatelangen Veto Sloweniens gegen die EU-Beitrittsverhandlungen Kroatiens entnervt das Handtuch geworfen, seiner Nachfolgerin gelang dann innerhalb weniger Monate eine Verständigung im Grenzstreit mit dem nördlichen Nachbarland.

Juristin und Journalistin

Kosor ist studierte Juristin, die lange Zeit als Journalistin gearbeitet hatte. Seit 1972 war sie für die Tageszeitung "Vecernji list" und den kroatischen Rundfunk tätig, bekannt wurde sie mit ihrer Sendung über Opfer des Bürgerkriegs in Ex-Jugoslawien (1991 bis 1995) im kroatischen Radio. Sendungen, die sich mit menschlichen Schicksalen befassten und nur am Rande mit Politik, hatten viele Zuhörer.

Deswegen, so berichteten Medien, schlug der damalige Präsident Franjo Tudjman höchstpersönlich Kosor vor, HDZ-Mitglied zu werden. Die Partei brauchte ein neues Gesicht, um zu zeigen, dass ihr an den Kriegsopfern gelegen war. Sofort nach ihrem Parteibeitritt begann Kosor die Karriereleiter steil nach oben zu klettern, sie war zuständig für die Veteranen und die Kriegsgeschädigten. Der Schlüsselmoment für ihre Karriere war Sanaders Übernahme der Parteiführung, die Kosor zur rechten Hand Sanaders machte. Sie wurde seine Stellvertreterin und Veteranenministerin. Wie gut sie zusammenarbeiteten, bezeugt am besten ihre Aussage aus dieser Zeit: "Wohin Ivo geht, da gehe auch ich hin."

Nach Sanaders überraschendem Rückzug 2009 schlug er selbst Kosor als seine Nachfolgerin vor. Damals wurde spekuliert, dass Sanader als "graue Eminenz" hinter Kosor weiterhin die Partei und die Regierung lenken wolle, doch hier irrte er sich. Nach dem Debakel der HDZ bei den Präsidentschaftswahlen 2009, als ihr Kandidat nicht in die zweite Runde kam, versuchte Sanader wieder zurück in die Partei zu kommen, doch Kosor warf ihn hochkant hinaus. Mittlerweile steht er - nach längerer Untersuchungshaft in Salzburg - in Zagreb wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht.

In Kosors Zeit als Regierungschefin kam es zu einer überraschend hohen Anzahl an Prozessen gegen ehemals hoch positionierte Partei- und Regierungsmitglieder: Den Anfang machte Ex-Wirtschaftsminister Damir Polancec, doch als der wohl größte "Fisch" ging der kroatischen Justiz Ex-Premier Sanader ins Netz. Kosor betonte stets, dass die Korruption, nach Ansicht der kroatischen Bürger, das größte Problem im Staat sei und dass der Kampf gegen die Korruption ihre Priorität sei. Doch in der Öffentlichkeit wurde getuschelt, dass die Flut der Anzeigen eher Folge eines gestörten Gleichgewichts der Macht innerhalb der HDZ sei, denn intensiver Bemühungen.

Trotz ihrer Entschlossenheit erlitt Kosor eine schwere Wahlniederlage. Das vom Sozialdemokraten Zoran Milanovic geführte Mitte-Links-Koalition "Kukuriku" fuhr am Sonntag laut "Exit Polls" den prognostizierten Sieg ein und verbannte die HDZ für die kommende Legislaturperiode auf die Oppositionsbank. (APA)

DrSigmundFreud
 
01
5.12.2011, 11:15

tatsächlich kämpfte kosor nur gegen ihre persönlichen feinde in der partei, nach außen hat sie das als kampf gegen die korruption verkauft...
jetz kommt die zeit wo ihre parteilfreunde auch vors gericht schreiten müßen; milinovic, kalmeta, karamarko, šeks... und natürlich auch sie, denn von den schwarzgeldern hat sie gewußt und auch profitiert

Warentester
00
4.12.2011, 23:08

"..., doch Kosor warf ihn hochkant hinaus."

Das ist so nicht korrekt. Kosor war viel zu Schwach dazu. Sie war nur das Gesicht für einige alte Parteigranden, die mit Sanader noch eine Rechnung offen hatten. Wird interessant wie diese jetzt mit Kosor verfahren. Mein Tipp: Sie muss weg.

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