Durban-Konferenz

Klima: "Die Wirtschaft darf nicht leiden"

4. Dezember 2011, 20:07

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel dämpfte am Samstag erneut die Erwartungen und steckt den Schwellenländern den schwarzen Peter zu

Durban/Berlin/Wien - Die Skepsis über den Ausgang des 17. UN-Klimagipfels in Durban ist gewachsen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel dämpfte am Samstag erneut die Erwartungen an die Konferenz, zu der etwa 20.000 Delegierte, Experten und Gäste aus 191 Ländern gekommen sind. Obwohl auch Umweltorganisationen sich zur Halbzeit der Konferenz eher pessimistisch über die zu erwartenden Ergebnisse äußerten, kritisierten viele Merkel und die EU-Strategie in Durban.

"Wir wissen, dass die Schwellenländer zurzeit nicht bereit sind, bindende Reduktionsverpflichtungen im Bereich der CO2-Emission einzugehen", sagte Merkel in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft im Internet. Europa werde weiter bindende Verpflichtungen haben, könne aber das Klimaproblem der Welt nicht allein lösen. Es gehe nun darum, den Entwicklungsländern finanziell beim Klimaschutz zu helfen.

Die Umweltorganisation Greenpeace warf Merkel vor, sich nicht entschieden genug für eine härtere Gangart Europas bei den Konferenzverhandlungen einzusetzen. Die Kanzlerin müsse sich "gegen die kurzsichtigen Interessen" der Industrie stellen, forderte Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser. Merkel dürfe sich nicht hinter der Verweigerungshaltung der USA verstecken. Greenpeace beschuldigte die EU der "Führungsschwäche".

"Die Wirtschaft darf nicht leiden"

Der WWF forderte schärfere Emissionsreduktionsziele. "Keinesfalls darf man hinter den Zusagen von der Vertragsstaatenkonferenz von Cancun aus dem vergangenen Jahr zurückbleiben", betonte die Organisation am Sonntag. "Die Industrieländer müssen sich auf eine zweite fünfjährige Verpflichtungsperiode unter dem Dach des Kyoto-Protokolls einigen." Parallel dazu sollte in Südafrika die Basis für ein Klima-Nachfolgeabkommen gelegt werden. Zu den Verhandlungen unter dem Dach der UNO sieht der WWF derzeit keine Alternative.

Die Wirtschaftskrise und halbherzige politische Entscheidungen erschweren nach Ansicht des Karlsruher Klimaforschers Hans Schipper den Fortschritt im Klimaschutz. "Im Mittelpunkt der Debatte steht zurzeit der Satz 'Die Wirtschaft darf nicht leiden'. Da ist es schwer, die Bevölkerung für den Klimaschutz zu begeistern", sagte Schipper vom Süddeutschen Klimabüro am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Deshalb hofft er auf ein klares Signal der Europäer in Durban für den Klimaschutz. Schipper warnte aber davor, die Menschen mit Horrorszenarien von der Notwendigkeit des Klimaschutzes überzeugen zu wollen.

Einige tausend Menschen protestierten am Samstag am Rande des UN-Klimagipfels friedlich für mehr Klimaschutz und gegen Atomkraft. Zu dem "Global Day of Action" hatten zahlreiche südafrikanische und internationale Umweltorganisationen sowie kirchliche Gruppen aufgerufen. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2
john lebovski
00
8.12.2011, 22:26

kann nur hoffen, dass die kommentare hier im forum nicht repräsentativ für die gesellschaftliche intelligenz sind. "die wirtschaft darf nicht leiden" bedeutet doch nichts anderes als "wir menschen dürfen nicht leiden unter den zu beschließenden maßnahmen". liebe kinderlein! die wirtschaft sind nicht irgendwelche anderen, die sich bereichern, sondern "die wirtschaft" das sind wir alle, die mit großem einsatz täglich dafür sorgen, dass wir genug zu essen haben, dass wir uns teure medizin leisten können, dass wir nicht über andere herfallen müssen, um zu überleben, dass wir uns umweltschutz leisten können, dass wir uns wissenschafter und umweltaktivisten leisten können, die uns dann leider sagen, dass wir uns nicht so viel leisten sollen ...

har har
00
9.12.2011, 03:31

Gib dem Dude seinen Namen zurück, Oberlehrer.

system1
00
5.12.2011, 11:24
in zeiten wie diesen sind solche selbst auferlegten,

sinnlosen regelungen eben obsolet. was in zeiten des überflusses beschlossen wurde, kann in notzeiten eben nicht gelten. ist ja logisch. die eu reglementiert sich zu tode während andere länder sich ins fäustchen lachen.

imir
00
5.12.2011, 11:18

Die Wirtschaft darf nicht leiden, nur der Mensch!

fritz1004
03
5.12.2011, 11:06

"Die Wirtschaft"
Ist "die Wirtschaft" so eine Art ausserirdische diktatorische, allmächtige Kolonialmacht, etwas, das mit uns nichts zu tun hat; oder vielleicht etwas naturgegebenes, das nach von uns nicht beeinflussbaren Naturgesetzen funktioniert? Und wenn wir etwas falsch machen, das dieser "Wirtschaft" schadet, gehen wir alle unter?

Oder sind es nicht am Ende doch wir, die Wirtschaft machen, und deren Rahmenbedingungen bestimmen könnten?

Was für eine verrückte freiwillige Selbstentmachtung, welch Opferideologie, liegt doch auch in einer Aussage wie: "die Wirtschaft darf nicht leiden".

Die Stimme des Marktes
00
5.12.2011, 11:04
China..

...ist der größte CO2-Emittent, USA der 2.größte. Die beiden sollen sagen, was sie einzusparen gedenken und Europa soll diesen Wert "matchen", wobei die größten Emittenten eigentlich ein höheres Reduktionstempo an den Tag legen sollten.
Ausserdem, auch wenn es total un-sexy ist: Die Welt wird (Überraschung, Überraschung!) auch durch den Klimawandel weder untergehen noch unbewohnbar werden...

bulrul
01
5.12.2011, 10:44

Lieber als

Klima: "Die Wirtschaft darf nicht leiden"

wäre mir

Wirtschaft: "Das Klima darf nicht leiden"

Gobi Todic
00
5.12.2011, 10:20
Schmidt sagt: Runter vom Gas

Merkel sagt: Die Gewinne der Konzerne müssen weiter wachsen.

Schade dass der eine über 90 und nicht mehr Kanzler ist ...

fizcaraldo
01
5.12.2011, 10:18

Wir leben in einer Diktatur unter "der Wirtschaft" und "dem Markt". Die Diktatur der Großkonzerne wie sie in unzähligen Science Fiction Büchern prophezeit wurde ist schon auf dem Weg. Mittlerweile lassen wir uns ja schon von Ratingargenturen das Budget diktieren und fragen vor jeder politischen Entscheidung "Wie werden die Märkte darauf reagieren?".

gas karl
00
5.12.2011, 10:40
naja deutlich mehr leiden wir unter unseren nichtsnutzigen Politikern

www.banken-volksbegehren.at
06
5.12.2011, 09:59
"Die Wirtschaft darf nicht leiden."

Ja genau! Denn die Wirtschaft ist absolut lebensnotwendig! Ob wir einen Planeten zum Leben brauchen, ist wissenschaftlich ja überhaupt nicht bewiesen...

fizcaraldo
01
5.12.2011, 10:12

Die Wirtschaft wird schon irgendeine Lösung für das Problem finden. Ich verlasse mich da ganz auf den freien Markt. Das wird sich alles regeln.

jah fathead
00
5.12.2011, 09:19

Die Schwellenländer produzieren u.a. (abgesehen von den extremst niedrigen Löhne) dadurch so billig, weil sie keine Umweltauflagen haben. Wir Westler können dann sagen, wir sparen brav unser CO2 ein, aber ihr bösen Schwellenländer, "du böses China", ihr erzeugt so viel CO2 und wollts auch nix einsparen.

Wir exportieren das CO2 in diese Länder, und schieben ihnen dann noch den schwarzen Peter zu.

Daselbe wird mMn auch mit der Atomkraft passieren. Ukraine plant mehr als 10 neue Atomkraftwerke zu bauen, damit sie diesen Strom dann zb nach Deutschland exportieren können, wenn die aus der Atomkraft aussteigen.

Loggo
00
5.12.2011, 09:27
Kolonialismus 2.0

Ernährunshelfer
00
5.12.2011, 09:13

Auf unserer Fahrt gegen die Wand legen wir also noch einen Gang zu. Bravo!

FAIL
00
7.12.2011, 08:25

wahnsinnige geschwindigkeit!!!

Fritz Meyer
12
5.12.2011, 08:40
Das goldene Kalb wird weiter umtanzt.

Aber was will man von den Marionetten der Lobby auch anderes erwarten.

Nutze den Tag
01
5.12.2011, 08:01
Es dauert noch etwas

bis sich die Erkenntnis in der Politik durchsetzt, dass die Nichtökologie die wirtschaftliche Wachstumsbremse ist. Wirtschaftlich sind ökologisch ausgerichtete Firmen erfolgreich.

gilipollas
03
5.12.2011, 07:18
gehts noch?

"Die Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Deckung des menschlichen Bedarfs dienen." (u.a. http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft)

Die Wirtschaft ist Diener des menschlichen Bedarfs, nicht Herr. Eine lebenswerte Umgebung zu erhalten scheint mir der grundlegendste menschliche Bedarf überhaupt zu sein.

->---
113
5.12.2011, 06:22
Das 4. Reich (Oligopolopolys)

Da "die Wirtschaft" langfristig eine faschistische Diktatur anstrebt (http://www.heise.de/tp/artike... 4/1.html), sollten wir endlich über Alternativen nachdenken.

Ich hab kein Interesse daran ein System am Leben zu erhalten das die Zukunft meiner Kinder dem Reichtum einer dekadenten Manager- und einer visions- und mutlosen Politikerklasse opfert. Nicht nur im Hinblick auf eine intakte Umwelt, sondern auch im Sinne der Freiheit.

Die Frage sollte nicht sein, wieviel demokratische Freiheit darf man Bürgern im Verhältnis zum Markt geben. Die Frage sollte sein, wieviel freien Markt benötigt ein Land organisatorisch um sich selbst erhalten und einen bescheidenen Wohlstand behalten zu können, im Zeitalter der Vollautomatisierung?

Ferdinand Lachinger
05
5.12.2011, 06:14

"Die Wirtschaft darf nicht leiden",
damit ist schon alles gesagt. Uns ist die Wirtschaft wichtiger als Wir Uns selbst. Der gelebte Wahnsinn!

nix fir unguad
01
5.12.2011, 00:26
Da redet aber eine - Die Merkel sollte lieber schweigen

Die verlangt von den Schwellen- & Entwicklungsländer verbindliche Ziele abzugeben. Sie selber hat dieses Jahr ihre eigenen Ziele über Bord geworfen. Seit März dieses Jahr wird Deutschlands CO2-Ausstoss erheblich ansteigen. Man kann nicht Wasser predigen und Wein drinken.

Adam Markus
01
5.12.2011, 00:16

Die Menschen dieses Planeten sind selbst schuld dass sie ein Gesellschaftssystem am Leben lassen, welches diesen Planten mit Vollgas in den Abgrund treibt. Für Dummheit muss man halt büßen und irgendwann aussterben.

Das Gute daran? Geld kann man weder essen noch einatmen, sodass Langfristig auch die "Leistungsträger" dieses super-Systems ins Gras beißen werden.

nomad13
00
5.12.2011, 03:37
nein

cop17
"Geo - engineering the planet’s climate needs further research, said the Solar Radiation Management Governance Initiative, a coalition formed in 2010 of the Royal Society, Italian – based academy of science for the developing world Twas, and US non – profit, the Environmental Defence Fund."
LOL
...das gute ist - dass sie Schlaumeier wie dich auch "klimaschützen"...doch meine Grundstücke sind gut gewählt - auf dieser Erde :-)

gaisbock
03
5.12.2011, 00:13
Bitte, WER ist die Wirtschaft?????

Ich glaub´, die spinnen, die PolitikerInnen

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.