Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel dämpfte am Samstag erneut die Erwartungen und steckt den Schwellenländern den schwarzen Peter zu
Durban/Berlin/Wien - Die Skepsis über den Ausgang des
17. UN-Klimagipfels in Durban ist gewachsen. Die deutsche Kanzlerin
Angela Merkel dämpfte am Samstag erneut die Erwartungen an die
Konferenz, zu der etwa 20.000 Delegierte, Experten und Gäste aus 191
Ländern gekommen sind. Obwohl auch Umweltorganisationen sich zur
Halbzeit der Konferenz eher pessimistisch über die zu erwartenden
Ergebnisse äußerten, kritisierten viele Merkel und die EU-Strategie
in Durban.
"Wir wissen, dass die Schwellenländer zurzeit nicht bereit sind,
bindende Reduktionsverpflichtungen im Bereich der CO2-Emission
einzugehen", sagte Merkel in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft im
Internet. Europa werde weiter bindende Verpflichtungen haben, könne
aber das Klimaproblem der Welt nicht allein lösen. Es gehe nun darum,
den Entwicklungsländern finanziell beim Klimaschutz zu helfen.
Die Umweltorganisation Greenpeace warf Merkel vor, sich nicht
entschieden genug für eine härtere Gangart Europas bei den
Konferenzverhandlungen einzusetzen. Die Kanzlerin müsse sich "gegen
die kurzsichtigen Interessen" der Industrie stellen, forderte
Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser. Merkel dürfe sich nicht hinter
der Verweigerungshaltung der USA verstecken. Greenpeace beschuldigte
die EU der "Führungsschwäche".
"Die Wirtschaft darf nicht leiden"
Der WWF forderte schärfere Emissionsreduktionsziele. "Keinesfalls
darf man hinter den Zusagen von der Vertragsstaatenkonferenz von
Cancun aus dem vergangenen Jahr zurückbleiben", betonte die
Organisation am Sonntag. "Die Industrieländer müssen sich auf eine
zweite fünfjährige Verpflichtungsperiode unter dem Dach des
Kyoto-Protokolls einigen." Parallel dazu sollte in Südafrika die
Basis für ein Klima-Nachfolgeabkommen gelegt werden. Zu den
Verhandlungen unter dem Dach der UNO sieht der WWF derzeit keine
Alternative.
Die Wirtschaftskrise und halbherzige politische Entscheidungen
erschweren nach Ansicht des Karlsruher Klimaforschers Hans Schipper
den Fortschritt im Klimaschutz. "Im Mittelpunkt der Debatte steht
zurzeit der Satz 'Die Wirtschaft darf nicht leiden'. Da ist es
schwer, die Bevölkerung für den Klimaschutz zu begeistern", sagte
Schipper vom Süddeutschen Klimabüro am Karlsruher Institut für
Technologie (KIT). Deshalb hofft er auf ein klares Signal der
Europäer in Durban für den Klimaschutz. Schipper warnte aber davor,
die Menschen mit Horrorszenarien von der Notwendigkeit des
Klimaschutzes überzeugen zu wollen.
Einige tausend Menschen protestierten am Samstag am Rande des
UN-Klimagipfels friedlich für mehr Klimaschutz und gegen Atomkraft.
Zu dem "Global Day of Action" hatten zahlreiche südafrikanische und
internationale Umweltorganisationen sowie kirchliche Gruppen
aufgerufen. (APA)