W24: Sozialarbeit am Fernsehprogramm

4. Dezember 2011, 18:51
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Wien-Holding-Sender konzentriert sich auf Stadt - Neuer Programmchef

Wien - Die Nachtschiene bleibt natürlich. Fahrten mit Straßenbahn und nun auch U-Bahn durch Wien fallen den meisten ein, fragt man sie nach W24. Und die Wiener Linien, entfernte Verwandte des Wiener Kabelsenders, wird man schon noch dazu bringen, dass die Frontscheiben der Untergrundbahn etwas sauberer daherkommen. Dreck dort sorgte zuletzt für das intensivste Feedback bei W24.

Seit 1. Dezember hat der Sender der Wien Holding einen neuen Programmchef: Michael Kofler werkte zuletzt mit seiner Agentur dieloop.at an Projekten, die Beschäftigungschancen von Migranten, Jugendlichen oder älteren Menschen erhöhen sollten oder an eine jüdische Vorstadtgemeinde erinnerten. Kofler soll Schienen legen, dass den Menschen ab Frühjahr 2012 mehr zu W24 einfällt als nächtliche Bahnfahrten.

Vor seiner Agentur arbeitete Kofler für die Gemeinde Wien, davor als Sozialarbeiter. Die Erfahrung will Marcin Kotlowski nützen, um mit dem Sender "näher an die Stadt zu kommen". Kotlowski, zuvor Pressesprecher von Medienstaatssekretär Josef Ostermayer und der SPÖ, führt die Medienaktivitäten der Wien-Holding seit Juni, zu denen W24 zählt. Internationale und österreichweite Nachrichten strich er schon, um den Fokus auf die Stadt hervorzuheben. Mit Kofler und Kurt Raunjak, früher Puls 4, als Chefredakteur ab Februar, soll W24 "mit den Wienerinnen und Wienern ins Gespräch kommen". Auch Stadträte will er nicht bei Pressekonferenzen zeigen, sondern im Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern, sagt er im Gespräch mit dem STANDARD. Derzeit sehen 44.000 Menschen täglich mindestens eine Minute W24, Marktanteil im Wiener Kabel: 0,6 Prozent.

Prüller, Kuhn, Koller

Der neue Auftritt soll in kleinen Schritten, nicht größten Programmreformen ab Jänner bis März 2012 zu sehen sein. Agenturen, auch internationale, präsentierten Designideen. Beim Inhalt berät Markus Andorfer, früher bei ATV, Nick und Bavaria.

Altstars des Sportjournalismus wie Heinz Prüller und Michael Kuhn talken etwa bei W24 in Michael Knöppls Goldene Runde über die wichtigste Nebensache der Welt. Von Kotlowskis Fitnessfernsehplänen mit Dagmar Koller berichtete DER STANDARD bereits. On air ist Oliver Feichts etwas anderer Talk Beim Feicht.

Dort schafft W24 erste bezahlte Kooperationen mit Firmen, die Kotlowski forcieren will. Ein Verkaufsteam baut er auf, das sich auf regionale Wirtschaft konzentriert. Dringend war Werbung nicht: Die W24-Mutter hält fünf Prozent am Wiener Kabelriesen UPC, der 2010 62,8 Millionen Euro operatives Ergebnis und 135,4 Millionen Cashflow auswies. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 5.12.2011)

Wissen: Hört die Signale

Die SP-Engagements im TV:

  • W24 der Wien-Holding krempelt Marcin Kotlowski, Ex-Pressesprecher der SP um.
  • Echo-TV liefert etwa W24 Programm zu, das gleichnamige Medienhaus gehört dem roten Verein der Wiener Arbeiterheime.
  • Schau-TV Der SP-nahe Bohmann-Verlag plant 2012 ein Programm für die Ostregion, Der Programmchef kommt vom Pressedienst der Stadt.
  • ORF Die SPÖ setzte ihre Wunschkandidaten für Generaldirektion, Radiodirektion, Chefredaktion durch.

Nachlese
Fit mit Koller, "kein Parteifernsehen"

  • Die drei von der Funkstelle Wien: W24-Manager Marcin Kotlowski.
    foto: w24

    Die drei von der Funkstelle Wien: W24-Manager Marcin Kotlowski.

  • Chefredakteur Kurt Raunjak.
    foto: w24

    Chefredakteur Kurt Raunjak.

  • Programmchef Michael Kofler.
    foto: w24

    Programmchef Michael Kofler.

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