Nordafrika

Agadire: Einzigartige "Speicherburgen" für Getreide

10. Dezember 2011, 17:57
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    foto: herbert popp, universität bayreuth

    Der Agadir-n-Tiddas im Süden Marokkos.

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    foto: herbert popp, universität bayreuth

    Der Agadir Imhaïlen: Links und rechts befinden sich auf drei Stockwerken die Eingänge zu den Speicherkammern.

Deutsche Forscher präsentieren Bestandsaufnahme einer nur in Nordafrika existierenden Bauweise

Bayreuth - Forscher der Universität Bayreuth berichten von ihrer Bestandsaufnahme einer einzigartigen Bauweise, die noch darauf wartet, in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen zu werden: den Agadiren Nordafrikas. Dabei handelt es sich um historische "Speicherburgen" am Nordrand der Sahara, in denen Getreide aufbewahrt wurde - die aber im Krisenfall auch Menschen Zuflucht boten.

In den nördlichen Regionen der Sahara gehen verschiedene Klimazonen ineinander über. Nach Norden hin ist Ackerbau ohne künstliche Bewässerung gerade noch möglich, die Steppenvegetation im Süden lässt jedoch nur Weidewirtschaft zu. In diesem Grenzbereich zwischen Regenfeldbau und Weidewirtschaft sind die Getreidespeicherburgen angesiedelt. Sie verteilen sich auf einen Landstreifen, der sich vom Südwesten Marokkos über Südtunesien bis nach Libyen erstreckt. Seit 2009 stehen sie im Mittelpunkt eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts.

Daran ist ein internationales Team unter der Leitung von Herbert Popp von der Universität Bayreuth beteiligt, das die Entstehung, Geschichte und Funktion dieser Bauwerke erforscht, die vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert von verschiedenen Berberstämmen errichtet wurden. Die Forschungsgruppe konnte zeigen, dass die Speicherburgen eine doppelte Funktion erfüllten: Zum einen ließen sich dort größere Getreidemengen über eine längere Zeit hinweg lagern. Da die Niederschlagsmengen in der Nordsahara von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich ausfallen, konnten geringe Ernteerträge in regenarmen Jahren durch gespeicherte Vorräte ausgeglichen werden. Zum anderen dienten die Getreidespeicherburgen auch als Festungen. Sie ermöglichten Zuflucht und Sicherheit in Konflikten mit rivalisierenden Stämmen.

Wiedererwachtes Interesse

Heute sind die Speicherburgen in Südtunesien funktionslos; in Südmarokko wird hingegen noch etwa ein Drittel der Speicherburgen als Depots genutzt. Dennoch wächst auch in der Region selbst das öffentliche Interesse, die Getreidespeicherburgen als Zeugen der eigenen Vergangenheit zu erhalten. "Mittlerweile stellen die Regierungen auch finanzielle Mittel für die Restaurierung und die bauliche Sicherung der Speicherburgen zur Verfügung. Zudem haben sich Initiativen gebildet, die darauf abzielen, dass sie in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen werden - und dies völlig zu Recht. Denn wir haben es mit fotogenen Zeugen einer kulturhistorischen Meisterleistung zu tun, durch die sich eine ländliche, in Stämmen organisierte Gesellschaft wirksam gegen existenzielle Risiken geschützt hat", sagt Popp.

Diese Initiativen will das deutsch-maghrebinische Forschungsteam mit einem illustrierten Atlas unterstützen, der unter dem Titel "Les agadirs de l'Anti-Atlas occidental" erschienen ist. Er ergänzt den im vorigen Jahr veröffentlichten Band "Les ksour du Sud tunisien" ("Ksour" ist die in Tunesien übliche Bezeichnung für "Agadir"). Im weiteren Verlauf des Projektes wollen die Forscher ihre bisher erarbeiteten Ergebnisse insbesondere für touristische Projekte nutzbar machen. (red)

Martin Müller10
 
01
12.12.2011, 05:46
Da gibt es ein wunderschönes Teil in Nalut (Libyen) wenn es denn

noch steht.

hugolino
 
00
12.12.2011, 00:32

größere versionen der bilder sind außerhalb des machbaren?

Heinz Anderle
 
30
11.12.2011, 17:47
Zur Aufnahme vom Boden aus:

Die harten Kontraste gehen zweifellos an die Grenzen der Aufnahmetechnik, aber etwas mehr Durchzeichnung in der Schattenpartie des Bildes könnte nicht schaden.

Sach- und Architekturfotografie sollte ein selbstverständliches Fachgebiet für Archäologen, Historiker und Ethnologen darstellen, in der wissenschaftlichen Ausbildung so wie in der Praxis.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

major grubert
00
14.12.2011, 11:35
vielleicht gefaellt

es dem dr. in einer groesseren ausgabe besser?
http://www.archaeologie-online.de/magazin/n... ara-19450/

B.M.2
00
11.12.2011, 14:21
Nein, bitte nicht verwerten

Schickt ein paar Kamerateams dort hin, lasst sie ein paar schöne Bilder für alle machen. Das reicht. Vom Stephansdom werden auch das ganze Jahr hindurch immer wieder die gleichen Bilder gemacht. Welch Unsinn. Nicht nur die Höhlenmalereien von Lascaux – Périgord wurden durch Tourismus zerstört.

Michel Reisinger
00
11.12.2011, 11:44
Anfang der sechziger gabs ja ein verheerendes Erdbeben;

wie sich das wohl ausgewirkt haben mag? das veröffentlichte Interesse galt ja eher den modernen bauten…

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