Archimandrit Arsenios Kardamakis ist seit Sonntag neuer Metropolit von Austria
Der Administrator war nur wenige Wochen nötig: Am Sonntag wurde der Nachfolger des im Oktober verstorbenen Metropoliten Michael Staikos inthronisiert. Archimandrit Arsenios Kardamakis ist der neue "Metropolit von Austria".
Im Oktober 1973 geboren, ist der aus Heraklion stammende Grieche überraschend jung für einen Kirchenoberen. Bis zur Ernennung war er Generalvikar der Metropolie von Frankreich.
Dass Kardamakis als Mann der Ökumene gilt, hat ihm schon Vorschusslorbeeren seitens der österreichischen römisch-katholischen Kirche eingebracht. Deren Lehre kennt der Grieche mindestens genauso gut wie die der Orthodoxie. Denn neben dem Studium der orthodoxen Theologie in Athen und Thessaloniki studierte er an der Marc-Bloch-Universität in Straßburg auch katholische Theologie. In Frankreich hat er ab 2005 als Kosekretär des Ökumenischen Rates zusätzlich praktisches Know-how gesammelt. "Es ist mein Wille, auf diesem Weg weiterzuarbeiten", bekannte er bei seiner Bischofsweihe Ende November. In der orthodoxen "Göttlichen Liturgie" bete man für die Einheit der Christen: "Ich wünsche mir, dass Gott mir die Möglichkeit gibt, alle Kirchen vereint zu sehen."
Hirte auch für Ungarn
Im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich wird er als "kirchlichen Amtsträger auf der Höhe der Zeit" beschrieben. Als "Metropolit von Austria" ist Kardamakis nicht nur oberster Repräsentant der orthodoxen Kirche im Land, als Exarch von Ungarn ist er auch für die dortigen Gläubigen zuständig. In Österreich besteht die griechisch-orthodoxe Kirche seit dem 18. Jahrhundert. Die damals gegründeten zwei Wiener Kirchengemeinden "Zum Heiligen Georg" und "Zur Heiligen Dreifaltigkeit" sind bis heute für die Gläubigen da. 18.000 soll es in Österreich geben - die Zahlen schwanken allerdings. Insgesamt dürften mehr als 400.000 Orthodoxe im Bundesgebiet leben.
Die Seelsorge wird der 38-Jährige, der außer Griechisch auch Englisch, Französisch und Deutsch spricht, trotz seiner Jugend ohne Anlaufschwierigkeiten angehen. Da kann er auf seine Erfahrungen als Generalvikar verweisen - oder auch auf die Arbeit am Beginn seiner Priesterkarriere im Jahr 2002 in der Gemeinde in Karlsruhe in Deutschland. Zu seinen ersten Pflichten im neuen Amt wird allerdings die Betreuung eines Ehrengastes gehören: Diese Woche kommt der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. nach Wien. (Peter Mayr, DER STANDARD, Printausgabe 5.12.2011)