Bei den unorthodoxen Spesen für Unterwäsche oder Arzneien fallen auch in Grado gekaufte Bilder und Restaurantrechnungen für nur eine Person auf
Wien - Heute, Montag, beschäftigt die Provisionsaffäre
Banknotendruckerei (OeBS) das Hohe Haus: Der Finanzausschuss will in
einer Sondersitzung Notenbankchef Ewald Nowotny und seinen Vize,
Wolfgang Duchatczek, als Aufsichtsräte der Gelddruckerei befragen. Beide
sind Beschuldigte im Strafverfahren. Die Justiz vermutet Korruption und
ermittelt gegen Ex-Manager der Notenbanktochter - und den gesamten
Aufsichtsrat. Die Betroffenen weisen die Vorwürfe zurück, es gilt die
Unschuldsvermutung.
Auch Spesen in Vertrieb und Marketing der OeBS spielen in der Causa eine
Rolle. Von der Notenbank beauftragte Sonderprüfer haben die Abrechnungen
der Ex-Vertriebschefin unter die Lupe genommen, großteils wurden sie von
Ex-OeBS-Chef Michael Wolf abgezeichnet. Obwohl "die Rechnungen zum Teil
nicht auf die OeBS ausgestellt waren und in vielen Fällen auch kein
Zahlungsnachweis vorliegt", so die Prüfer.
Sogar eine Wohnung in Damaskus haben die Gelddrucker finanziert. Sie
wurde für 2800 Euro im Monat gemietet; bezahlt hat die Managerin bar,
"Mietverträge konnten keine vorgelegt werden". Die Beschuldigte dazu:
Sie habe einen diskreten Ort für Besprechungen gebraucht, zudem sei sie
"sicher, dass keinen Augenblick länger bezahlt wurde, als die Wohnung
tatsächlich genützt wurde".
Besonders großzügig zeigte man sich bei Gastgeschenken; Vorgaben von der
OeBS gab es dabei keine. Die Präsente konnten einzeln "mehrere tausend
Euro" kosten und "für Einzelpersonen 5000 Euro im Jahr überschreiten",
so die Prüfer. Bedacht wurden auch "Ehepartner von Geschäftspartnern,
die bei Besuchen in Österreich bewirtet und beschenkt wurden. ...
Delegationsleitern in Österreich wurden Kosten für Einkäufe in Drogerien
oder Bekleidungsgeschäften ersetzt", heißt es im Bericht. Eine kleine
Präsentauswahl: rezeptpflichtige Medikamente, Friseurbesuche,
Unterwäsche und Schuhe, deren Größe laut Ex-Managerin "zuvor telefonisch
übermittelt wurde". Was die Prüfer für lebensfremd halten.
Auf interessante Geschäftsgebarung lassen auch Erklärungen der
Ex-Managerin für Ausgaben (4000 Euro für Bügeleisen, Bilder, Haken,
Duschkabine u. Ä.) in hiesigen Baumärkten schließen. Damit seien
"Mitarbeiter der rumänischen Nationalbank bedacht worden", die die OeBS
bei der "Vorbereitung eines Angebots unterstützt" hätten. Für einen
Auftrag in Syrien seien zwei Konkurrenzanbote erforderlich gewesen.
Nachdem die Italiener ihres abgelehnt hätten, habe die rumänische
Druckerei ein Angebot erstellt.
Wohnen und feiern in Grado
Apropos Italien: Auch dort ließen die Gelddrucker feiern.
Bewirtungsspesen in Grado - wo die OeBS-Managerin eine Wohnung hat - und
Rechnungen einer dortigen Kunstgalerie (vier Bilder) erklärte die Frau
so: Man habe in Grado, mit OeBS-Chef Wolf, eine Abschiedsfeier für die
syrische Botschaftsrätin gegeben und ihr drei Bilder überreicht. Eines
für die Scheidende selbst, zwei für bereits "nach Syrien retournierte
Mitarbeiter". Auf die Frage, warum dann vier Bilder verrechnet wurden,
"teilt Frau ... mit, dass offensichtlich der Beleg falsch ist".
Für hochgezogene Brauen sorgten auch (betragsmäßig "nicht wesentliche")
Belege für Bewirtungen von "nur einer Person". Wer böse denkt, da habe
jemand auf OeBS-Kosten gespeist, irrt. Die ehemalige Gelddruckerin zu
den Prüfern: Es komme vor, dass sie "mit einem Geschäftspartner in ein
Restaurant oder Kaffeehaus geht, dabei jedoch selbst nur ein Glas Wasser
trinkt". (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5.12.2011)