OeBS-Affäre

Spesen der Gelddrucker im Visier

Renate Graber, 4. Dezember 2011, 17:40

Bei den unorthodoxen Spesen für Unterwäsche oder Arzneien fallen auch in Grado gekaufte Bilder und Restaurantrechnungen für nur eine Person auf

Wien - Heute, Montag, beschäftigt die Provisionsaffäre Banknotendruckerei (OeBS) das Hohe Haus: Der Finanzausschuss will in einer Sondersitzung Notenbankchef Ewald Nowotny und seinen Vize, Wolfgang Duchatczek, als Aufsichtsräte der Gelddruckerei befragen. Beide sind Beschuldigte im Strafverfahren. Die Justiz vermutet Korruption und ermittelt gegen Ex-Manager der Notenbanktochter - und den gesamten Aufsichtsrat. Die Betroffenen weisen die Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung.

Auch Spesen in Vertrieb und Marketing der OeBS spielen in der Causa eine Rolle. Von der Notenbank beauftragte Sonderprüfer haben die Abrechnungen der Ex-Vertriebschefin unter die Lupe genommen, großteils wurden sie von Ex-OeBS-Chef Michael Wolf abgezeichnet. Obwohl "die Rechnungen zum Teil nicht auf die OeBS ausgestellt waren und in vielen Fällen auch kein Zahlungsnachweis vorliegt", so die Prüfer.

Sogar eine Wohnung in Damaskus haben die Gelddrucker finanziert. Sie wurde für 2800 Euro im Monat gemietet; bezahlt hat die Managerin bar, "Mietverträge konnten keine vorgelegt werden". Die Beschuldigte dazu: Sie habe einen diskreten Ort für Besprechungen gebraucht, zudem sei sie "sicher, dass keinen Augenblick länger bezahlt wurde, als die Wohnung tatsächlich genützt wurde".

Besonders großzügig zeigte man sich bei Gastgeschenken; Vorgaben von der OeBS gab es dabei keine. Die Präsente konnten einzeln "mehrere tausend Euro" kosten und "für Einzelpersonen 5000 Euro im Jahr überschreiten", so die Prüfer. Bedacht wurden auch "Ehepartner von Geschäftspartnern, die bei Besuchen in Österreich bewirtet und beschenkt wurden. ... Delegationsleitern in Österreich wurden Kosten für Einkäufe in Drogerien oder Bekleidungsgeschäften ersetzt", heißt es im Bericht. Eine kleine Präsentauswahl: rezeptpflichtige Medikamente, Friseurbesuche, Unterwäsche und Schuhe, deren Größe laut Ex-Managerin "zuvor telefonisch übermittelt wurde". Was die Prüfer für lebensfremd halten.

Auf interessante Geschäftsgebarung lassen auch Erklärungen der Ex-Managerin für Ausgaben (4000 Euro für Bügeleisen, Bilder, Haken, Duschkabine u. Ä.) in hiesigen Baumärkten schließen. Damit seien "Mitarbeiter der rumänischen Nationalbank bedacht worden", die die OeBS bei der "Vorbereitung eines Angebots unterstützt" hätten. Für einen Auftrag in Syrien seien zwei Konkurrenzanbote erforderlich gewesen. Nachdem die Italiener ihres abgelehnt hätten, habe die rumänische Druckerei ein Angebot erstellt.

Wohnen und feiern in Grado

Apropos Italien: Auch dort ließen die Gelddrucker feiern. Bewirtungsspesen in Grado - wo die OeBS-Managerin eine Wohnung hat - und Rechnungen einer dortigen Kunstgalerie (vier Bilder) erklärte die Frau so: Man habe in Grado, mit OeBS-Chef Wolf, eine Abschiedsfeier für die syrische Botschaftsrätin gegeben und ihr drei Bilder überreicht. Eines für die Scheidende selbst, zwei für bereits "nach Syrien retournierte Mitarbeiter". Auf die Frage, warum dann vier Bilder verrechnet wurden, "teilt Frau ... mit, dass offensichtlich der Beleg falsch ist".

Für hochgezogene Brauen sorgten auch (betragsmäßig "nicht wesentliche") Belege für Bewirtungen von "nur einer Person". Wer böse denkt, da habe jemand auf OeBS-Kosten gespeist, irrt. Die ehemalige Gelddruckerin zu den Prüfern: Es komme vor, dass sie "mit einem Geschäftspartner in ein Restaurant oder Kaffeehaus geht, dabei jedoch selbst nur ein Glas Wasser trinkt". (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5.12.2011)

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00
5.12.2011, 10:35
Sofort in Untersuchungshaft diese Pappnasen !

Andreas W
21
5.12.2011, 09:55
Mit Frauen an der Spitze ist ja alles soooo viel besser!

Dank an das Frauenförderprogramm, das uns allen noch ganz böse auf den Kopf fallen wird.

Frau als alleinige Qualifikation is hält doch a bisserl wenig.

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs
00
5.12.2011, 09:37

"Es komme vor, dass sie "mit einem Geschäftspartner in ein Restaurant oder Kaffeehaus geht, dabei jedoch selbst nur ein Glas Wasser trinkt"."

Danke für die Argumentationshilfe bei der nächsten Steuererklärung, Frau von der OeBS!

-O ||||||| O-
01
5.12.2011, 09:10

wenn ich als firmeninhaber ein paar solcher belege in meine eigene buchhaltung hineinschummle, dann hauen die mich bei der betriebsprüfung mit nassen fetzen aus meinem eigenen büro. und ich riskier ein strafverfahren, weil ich abgaben zu verkürzen versuche

wenn das im grossen stil in einem staats(nahen) betrieb läuft, dann passiert eher wenig bis gar nichts. und das, obwohl nicht nur abgaben beträchtlich verkürzt werden, sondern auch der eigentümer der firma bestohlen wird

4311503
02
5.12.2011, 09:48

Das die ganze Geschichte im Zuge einer Betriebsprüfung aufgeflogen ist, ist ihnen aber schon klar, oder?

-O ||||||| O-
02
5.12.2011, 09:55

ist bekannt.

viel mehr wird da allerdings nicht passieren. in der bb einigt man sich, die beteiligten werden ein bissl was zurückzahlen und sich einen neuen job suchen. ich verwette den ar5ch meines nachbarn, dass kein finanzstrafverfahren in dieser sache eröffnet wird

wenn dem so wäre, müssten sich bei allen staats(nahen) betrieben bei prüfungen gleiche konsequenzen ergeben und das traut sich keiner

GRohnePunkte
00
5.12.2011, 11:52
Die werden doch niemals rausgeschmissen!

Sind doch alle verdiente Mitarbeiter und einer deckt den Anderen. Und glauben's denn wirklich, die würden so freiwillig auf ihre monatlich 5-stellige Pension verzichten? Die sitzen das aus, weil auch die Vorgesetzten nicht wollen dass die auspacken und sie damit am Ende selbst belastet werden. Also müssen wir diese obskuren Gschichterln aus 1001 Nacht glauben. Die Nationalbank hat genug (eigentlich ewig genug) Geld von uns Steuerzahlern, um diese lächerliche Finanzgeldstrafe zu bezahlen.

Ich sehe jetzt schon den Faymann der Frau Merkel beim nächsten Staatsbesuch als Begrüssungsgeschenk ein Paar Schuhe vom Zalando und eine Duschkabine vom Baumax überreichen.

ElQueNoEntiende
00
5.12.2011, 10:21
glauben sie mir...

...die wandern allesamt in den häfn. ok, vl bewährung wenn sie glück haben. aber da kennt inzwischen auch der staat österreich keinen spass mehr. und das ist gut so.

Fantastic Fox
10
5.12.2011, 00:28
Die Frau sollte man ohne Prozess einsperren.

Zur Abschreckung.

Wenn man schon das eine oder andere Mal "verdächtige" Ausgaben tätigen "muss", so sollte man diese in jedem Fall zeitnah umfassend schriftlich seinem Compliance-Beauftragten erklären und nicht erst im Zuge einer allfälligen Prüfung rechtfertigen.

pardon!
00
5.12.2011, 00:10
Was die Prüfer für lebensfremd halten.

lebensfremd? schönes wort! bedeutet zwar nichts, klingt aber hervorragend.

der elch mit dem kelch
14
4.12.2011, 22:59
Na dann schauts halt auch einmal die Spesen

der ÖNB selbst an - was da so alles läuft.

Bzw: Was die ÖNB überhaupt so tut. Das wäre einmal eine interessante Reportage im Standard.

Startsendung:
Ich bin der Ewald und das ist meine Bank.

Dagegen sind wahrscheinlich die Wiener Magistratsabteilungen ein Musterbeispiel an Effizienz.

Zivilgeselle
01
5.12.2011, 10:28
Pfründe trocken legen

Sie wollen doch nicht die höchstbezahlte Leistung unserer Notenbanker anzweifeln.

Wos woar die Leistung ?

Seit die EZB den Euro - mehr oder weniger gut - steuert, sind viele Notenbanker zu weißen Elefanten mutiert.
Die Großparteien haben es bis heute nicht geschafft die Strukturen "entpsrechend" zu reduzieren oder den Verdienst den verlorenen Zuständigkeiten anzupassen.

Schwarz und rot teilen sich diese luxuriösen und oft nutzlosen Posten "proporzmäßig" auf.

Ravenspower
11
4.12.2011, 22:12
Brennan tats guat

"wo is des geld des was überall fehlt ja hat denn koana an genierer wieso kemman allweil de viara de liagn, de die wahrheit verbieg'n und wanns nit kriagn was woll'n dann wird's g'stohln, de falotten soll der teufel hol'n"
text: hubert von goisern

sehr passend!

sledgehammer44
00
4.12.2011, 20:02
ich bin wegen dem hund hier

viel erfolg bei den ermittlungen, die beschuldigten sind hoffentlich unschuldig, oder haben zumindest nicht so viele einflussreiche freunde wie andere

sir abdulah salaam
01
4.12.2011, 19:52

bin schon auf weiteres gespannt !
:-)
da gibt´s noch vieles aufzudecken ...

kkritisch
83
4.12.2011, 18:18
Ich verstehe das Aufsehen nicht

Ich arbeite selber in verschiedenen Kulturkreisen; Es ist in Syrien Pflicht Gastgeschenke an die Ehepartner zu übrerreichen. Ich selber kaufe auch ständig rezeptpflichtige Medikamente fr Geschäftskunden in Kuba. Was würden sie sagen wenn Ihr Geschäftspartner Sie bittet Medikamente für die kranke Schwiegermutter zu besorgen? Nein, das darf ich icht! Bitte etwas Respekt vor anderen Geschäftskulturen!!! Uns geht es in Österreich so unendlich gut, dass wir offenbar verlernt haben zu erkennen, dass es andere Kulturen mit anderen Bedürfnissen gibt. Und zu den Mittagessen mit dem Glas wasser! Ich selber habe teilweise auch 3 Mittagstermine an einem Tag... und esse nicht 3x! Die die hart arbeiten werden hier immer nur bestraft.. ALLES NEIDER!!!!!!!

MARKUS HOCHSTAFFL1
 
21
5.12.2011, 05:09

DA SIE ZU FEIGE SIND MIT IHREM RICHTIGEN NAMEN ZU POSTEN SOLTEN SIE IHREN NIK VON KKRITISCH AUF1A HOSENSCHEISSER ÄNDERN

IN kUBA GIBT ES ALLE MEDIKAMENTE UND DAS SPOT BILLIG

Mäxwel
 
11
5.12.2011, 04:49

DU BIST EINER DIESER NOTENBÄNKER!

Buzz Lightyear
11
5.12.2011, 04:43
Das kann nur ironisch gemeint sein, hoffentlich!

Übrigens, ich verbringe auch viel Zeit beruflich in anderen Kulturkreisen und bin selbst als Geschäftsführer tätig.

Para Dox
01
5.12.2011, 02:12

Hier geht's aber nicht um eine Würstelbude, sondern um die Banknotendruckerei der Österr. Nationalbank. Und die haben sich (so wie du auch) an die Gesetze zu halten. Man kann nicht zuerst gegen geltendes Recht verstoßen und dann sudern, dass man das Aufsehen nicht versteht. Und wer anfängt mit Neid zu argumentieren, dem sind wohl die Argumente ausgegangen (Worauf überhaupt? auf korrupten 3. Welt Geschäftsleuten in den A... zu kriechen?).

shaki1
02
5.12.2011, 00:19
kkritisch gefragt

Wo kaufen Sie die rezeptpflichtigen Medikamente, bzw. wer verschreibt sie?

C’est la vie
 
10
4.12.2011, 20:27
ist schon klar - andere Länder - andere Sitten

ABER - haben sie auch eine Wohnung um 2800 Euro in Damaskus gehabt ? Montlich ? Auf Geschäftskosten ?

MARKUS HOCHSTAFFL1
 
00
5.12.2011, 07:50

JA

kkritisch
00
4.12.2011, 23:32
...so günstig leider nicht

Ein Hotelzimmer in Damaskus kostet rund USD 560,00 / Nacht wenn man nicht mit Magen-Darm Virus und ohne Kreditkarten zurückkommen will. Ich halte EUR 2.800 für eine Dienstwohnung für günstig. Ich musste in Beirut das Doppelte zahlen. Denn bitte beachten sie dass man solche Wohnungen nicht mit standard Mietwohnungen vergleichen kann, sondern das sind sog. furnished apartments, also mit allen Möbeln, Geschirr und sogar Bettwäsche. Versuchen Sie einmal in Wien eine Wohnung für 8 Monate anzumieten! Geht nicht, wegen MRG. Wie gesagt: Wir Österreicher sind wohlstandsverwahrlost! Uns geht es zu gut! Daher halten wir diese Ausgaben auch für extrem hoch! Vielleicht lernen wir nun den österreichsichen Sozialstaat endlich mehr schätzen! Wäre Zeit!

C’est la vie
 
00
5.12.2011, 02:31
Verzeihen Sie ..

aber 560 $/ Nacht hab ich noch in keinem Hotel der Welt gezahlt - und ich bin schon sehr viel rumgekommen - lt. Tripadvisor bewegt sich die Summe eher zwischen 100 und 200 $ - im 5 Stern bereich ... und warum brauch ich ne sauteure Wohnung in Damaskus wenn ich das ganze in einigen Tagen in ner Hotellobby aushandeln kann ?

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