Christian Kern

ÖBB-Chef: Preiserhöhung wäre "Desaster"

4. Dezember 2011, 17:29
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    foto: apa/schlager

    Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) und ÖBB-Chef Kern wollen die Infrastrukturprojekte alle durchziehen.

Bahnboss sieht den Wettbewerb mit der Westbahn sportlich, verschlankte Infrastrukturprojekte hält er für konjunkturpolitisch bedenklich

Wien - Der Chef der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), Christian Kern, sieht den am 11. Dezember beginnenden Wettbewerb der Staatsbahn ÖBB mit der mehrheitlich privaten Westbahn sportlich. Der begeisterte Fan der Austria Wien betrachtet die Klagen von Westbahn-Investor Hans-Peter Haselsteiner über die zu niedrigen Preise der ÖBB eigentlich als Kompliment. Ernst wird der ÖBB-Chef allerdings bei der Vorstellung, dass sich Haselsteiner mit seinen angedrohten Wettbewerbsklagen gegen die ÖBB-Preispolitik tatsächlich durchsetzt: Wenn die ÖBB tatsächlich gezwungen würden, ihr Preisniveau anzuheben, "das wäre ein Desaster", sagte Kern.

Haselsteiner sieht die Westbahn durch die niedrigen Ticketpreise bei den ÖBB im Wettbewerb benachteiligt, das im Vergleich mit Deutschland und der Schweiz niedrige Bahnpreisniveau in Österreich sei eine Folge von Subventionen. Daher hat er eine Wettbewerbsklage angekündigt. Die ÖBB halten dem entgegen, dass sie auf der Strecke Wien-Salzburg - der einzigen Westbahnstrecke derzeit - keine Subventionen erhalten. Eine Querfinanzierung von anderen Strecken gebe es nicht, die gemeinwirtschaftlichen Leistungen müssten genau abgerechnet werden.

Westbahn sei "doppelt subventioniert"

Umgekehrt wirft Kern der Westbahn vor, sie würde ja selber vom Steuerzahler unterstützt: "Der Steuerzahler subventioniert die Westbahn gleich doppelt" - einerseits, indem sie nur ein nicht kostendeckendes Infrastrukturentgelt für die Streckenbenützung zahlen müsse, und weiters indem sie nun - nach einer Einstweiligen Verfügung des Kartellgerichts - im ÖBB-Kursbuch und im ÖBB-Fahrplaninformationssystem Scotty aufgenommen werden müsse. Die ÖBB haben dies entwickelt. Gegen die Entscheidung wollen die ÖBB den Rechtsweg beschreiten. Sollte die Westbahn wirklich eine Anhebung des Preisniveaus für Bahntickets in Österreich erreichen, "dann wäre der einzige Nutznießer die Kanzlei Böhmdorfer, die die Westbahn vertritt", meint Kern sarkastisch.

Neben Konkurrenz im Bahnbetrieb gibt es auch Partnerschaft: Westbahn-Investor Haselsteiner ist für die ÖBB in seinem bisherigen "Kerngeschäft" als Bauunternehmer mit seiner Strabag Partner im Tunnelbau. Haselsteiners Strabag habe den bisher größten ÖBB-Bauauftrag erhalten, nämlich das Baulos 2 im Koralm-Tunnel, der die Südbahnstrecke beschleunigen soll. "Wir können das beide professionell auseinanderhalten", versichert Kern.

ÖBB-Billigticket-Aktion geht weiter

Die ÖBB hätten sich für den Wettbewerb um den Kunden mit der Westbahn gut gerüstet: Die Züge wurden den Kundenwünschen entsprechend umgestaltet - so gibt es im RailJet nun Speisewägen statt Bistros. Die Call Center wurden aufgestockt, die Mitarbeiter besser geschult, in den Zügen wird schrittweise WLAN angeboten. Die ÖBB haben ein anderes Angebot als die Westbahn und richten sich mit der "Premium", der "First" und der "Economy Class" im RailJet an verschiedene Zielgruppen. Bei der Westbahn sei das Angebot in den Waggons hingegen für alle gleich.

Neue Angebote für Billigtickets sind an die Fahrzeit gekoppelt: Nur zu wenig ausgelasteten Zeiten können die Angebote genutzt werden. Die 15-Euro-Ticket-Aktion auf der gesamten Westbahnstrecke, die zur Eröffnung des Westbahnhofs angeboten wurden, wird aufgestockt: Das Ticketkontingent von 25.000 wurde nun wegen der hohen Nachfrage um 15.000 aufgestockt, die Aktion läuft bis Ende Jänner.

Bahn sei Konjunkturmotor

Zu den von ÖVP-Seite geforderten Kürzungen bei Infrastrukturprojekten ist Kern skeptisch. "Wir halten unsere Verpflichtungen ein. Das Problem ist ein politischer Zick-Zack-Kurs." Während einerseits in den Ländern die Politiker quer über Parteigrenzen hinweg mit Nachdruck Infrastrukturprojekte wie die großen Bahntunnels einfordern, komme andererseits immer wieder Kritik an den Kosten aus der Politik. Man solle ihm daher konkret sagen, wo die Bahn kürzen solle, aber nicht nach dem Motto "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass". Einröhrige Tunnelbauten seien etwa schon aus Sicherheitsgründen keine Option.

Die Bahn-Infrastrukturprojekte hätten auch eine konjunkturpolitische Komponente, die Schere würde weniger die ÖBB als die Bau-, Technologie- und Stahlunternehmen direkt treffen, gibt er zu bedenken. Die Bahn selber halte ihre Verpflichtungen ein, wenn die Bundesregierung einsparen wolle, müsse sie konkrete Vorgaben machen, wo eingespart werden sollte. "Die ÖBB sollten kein ideologisches Schlachtfeld sein", appelliert Kern. Wer konkrete Einsparungen bei Bahn-Infrastrukturprojekten fordere, solle diese dann auch selber den betroffenen Landeshauptleuten erklären. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 33
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veronika pelikan
12
14.12.2011, 07:32
Die ÖBB hat in alter Monopolistenmanier die Preise nur zu dem einzigen Zweck gesenkt,

nämlich um die Privaten kaputt zu machen. Sie wird sofort wieder teurer werden, wenn die Konkurrenz entnervt aufgibt. Weil ständig eine solche Strategie eines marktbeherrschenden Anbieters droht, wurden beispielsweise auch der Telekom zu Recht vom Regulator Mindesttarife vorgeschrieben.
Und es sind die ÖBB-Billigtickets auch solange unakzeptabel, solange die Staatsbahn alljährlich Milliarden vom Steuerzahler erhält.

Mineral
00
5.12.2011, 16:04
Gemeinwirtschaftliche Leistungen?

Herr Kern sagt, gemeinwirtschaftliche Leistungen würden für alle Strecken außer Wien-Salzburg streckenbezogen vergeben, während Wien-Salzburg nicht subventioniert würde. Heißt das, die ÖBB erwirtschaften mit Wien-Salzburg einen Gewinn und lassen sich gleichzeitig die anderen Verluste voll erstatten ohne das miteinander zu verrechnen? Ich finde, es müssen erst alle Gewinne von den Verlusten abgezogen werden, bevor der Steuerzahler den Rest zuschießt!

Landbus Bregenzerwald
00
5.12.2011, 21:47

Da die ÖBB eh dem Steuerzahler gehört ist das ziemlich egal wie da gerechnet wird.

revisor69
 
00
7.12.2011, 14:20
Gewinnmaximierung

Du hast schon recht, doch ist zu bedenken, es geht um die betriebliche Gewinnmaximierung, die als Basis für die Boni-Zahlung dient.

la ardilla diablo
16
5.12.2011, 11:32
man kann von der ÖBB halten was man will, aber die Westbahn ist erbärmlich.

Das meiner Meinung nach einzige Argument, das das Loslassen von Privaten auf den öffentlichen Verkehr rechtfertigen kann, ist die Möglichkeit, dass durch den Wettbewerb ein günstigeres Produktangebot entsteht, oder ein besseres zum alten Preis (-> Parteigehabe und Postenschacherei für den Staatsbetrieb nicht mehr leistbar). Dann aber nur dann ist imho akzeptierbar, dass ein Unternehmer von der aus Steuergeldern gebauten Infrastruktur profitiert (auf dem Telefonnetz hat das ja funktioniert, das Angebot heute ist super im Vergleich zu früher).
Aber wenn das Privatunternehmen gleich als erstes Wettbewerbsklagen wegen zu niedrigen(!) Tiketpreisen anstrebt, dann hat eben dieses bei mir kräftig ausge***issen.

MAXIMA
00
5.12.2011, 11:20
... erinnert mich an AUA - LaudaAir ...

franz der freie
 
32
5.12.2011, 09:50
die öbb braucht keine preise erhöhen:

der jährliche abgang wird, egal wie hoch, vom steuerzahler abgedseckt. wirtschaftliche kostenrechnung ist keine notwendigkeit in diesem schwarzen loch, wo bald 10% der steuerleistungen jährlich verschwinden. hauptsache man spart bei den behinderten und pflegebedürftigen. da kennt man keine gnade.

Lalai Dama
15
5.12.2011, 09:45
Klagt den Wehinger!

Der Troll ist übrigens für den Railschreck mitsamt seinen gefloppten Bistros und den 170.000 EUR Schmäh mit dem Hochegger verantwortlich und jetzt will er alles besser wissen.

Die ÖBB sollte das Geld für Hocheggers "Railjet" ebenso wie die Umbaukosten für die Bistros bei dem superschlauen Allemannen einklagen.

revisor69
 
10
5.12.2011, 09:00
Artikel-Headline

Aus der Formulierung "verschlankte Infrastrukturprojekte hält er für konjunkturpolitisch bedenklich" geht eindeutig hervor, daß die Steuerzahler jeden überzogenen Neubau oder infrastrukturellen Schwachsinn teuer zu bezahlen haben.

Ein Ausbau ist sinnvoll, doch sollte dieser den Kunden (Fahrgästen, Spediteure, etc.) dienen und nicht unbedingt der Bauwirtschaft. Mit dieser Einstellung wird die ÖBB nie ein positives Medien-Echo erreichen.

Max Kahlenberg
410
4.12.2011, 23:07
Ist eh klar, dass der Wehinger als Gorbach-Günstling zum Böhmdorfer rennt. Adäquat wäre auch Ainedter für so eine Truppe...

Die Rahmenbedingungen für die Westbahn waren von Anfang weg klar: Miete der Trasse, Kauf der Züge, etc., etc., etc.
Uund JETZT, eine Woche vor Spielbeginn, kommen diese elenden Wappler und wollen sich die ÖBB nach ihrem Gusto herrichten?
Bahn-, Öffiversorgung ist ein wenig komplexer, wie uns diese Idioten weismachen wollen. Natürlich soll die ÖBB auf der Westbahn verdienen. Denn sie, im Gegensatz zu diesen Absahnern, muss ja auch die Versorgung der Fläche garantieren.
Die Westbahn muss ganz genau gar nichts davon. Ausser abzocken, abzocken, abzocken. Da werden Äpfel mit Weintrauben verglichen.
Und die Politik? Ist NATÜRLICH wiedermal viel zu blöd, um all das zu durchschauen !

01052004
12
5.12.2011, 11:09

no, da ist wer mit dem falschen fuß aufgestanden...

1) eu verlangt trennung von gleisanlagen und darauf fahrenden zügen.
jeder zug, der gleise benützt, muß vorgeschriebenes entgelt zahlen
2) öbb sparen kaputt - alles was nicht zwischen wien und salzburg liegt, wird durch "fahrplanoptimierungen" so zugrundegeritten, daß ein oder zwei jahre später die strecke wegen "mangelnder annahme" geschlossen wird.
öbb bieten dann ersatz mit autobussen an (öbb spart sich dadurch die schienenerhalte - strassenerhalte ist sache der asfinag) - die haben teilweise ebefnalls abenteuerliche fahrzeiten, wesehalb sie nicht angenommen und eingestellt werden

was also macht öbb anders als westbahn??? entabel=gut, rest zusperren...

Mob Barley
25
4.12.2011, 22:45
Da sie gänzlich rauchfrei sind, haben die ÖBB die Nase sowieso vorne.

...wer will schon mit einer rückschrittlichen Dino-Raucherlock fahren?
Is ja peinlich.

Apocalypse
12
4.12.2011, 22:12

Ein ÖBB Tagesticket für 20 Euro für Vorteilscardbesitzer wäre nett, sozusagen die Obergrenze, sonst fahr ich mein Leben nie nach Vorarlberg ;-)
Infrastruktur...statt Semering mit dem ICE über Burgenland fahren und Koralm stornieren. Die Löcher könnens auch woanders sinnvoller graben.

Landbus Bregenzerwald
00
5.12.2011, 21:48

Momentan kann man um 15€ nach Vorarlberg fahren. Sogar ohne Vorteilscard.

JosyH1
54
4.12.2011, 21:44
NA da sieht man doch dass der Wettbewerb etwas bringt

Seit JAhren schon könnte die ÖBB WLAN anbieten - stattdessen hat man einen Exklisivvertrag mit A1 abgeschlossen - die Staatsmonopolisten packelten gegen Wettbewerb und Kundennutzen.

Da können die Roten und Grünen jaulen so laut sie wollen - der Wettbewerb hilft dem Kern auch intern als Arguement dringend nötige und überfällige Serviceverbesserungen gegen den Willen der Betonschädlgewerkschaft durchzusetzen.

Helmut Hromadnik21
 
01
4.12.2011, 20:49
Modewort : W E T T B E W E R B T F Ä H I G K E I T

konrad lorenz:

DER WETTLAUF DER MENSCHHEIT MIT SICH SELBST.

Nutze den Tag
22
4.12.2011, 20:11
Infrastruktur statt Superpensionen über € 3.000.-/M!!!

Beamte sofort auf ASVG, Bundesrat und Landesregierungen streichen,... und wir haben eine tolle, bequeme, schnelle Bahn mit Semmering und Brennertunnel,...

Dilbert
03
4.12.2011, 22:44

Blöderweise gibt es bei der Bahn keine Beamten.

Nutze den Tag
00
5.12.2011, 17:39

Habe nichts von Beamten bei der Bahn geäußert.

Mazzesinsulaner
 
20
5.12.2011, 08:53

und die Bediensteten und Pensionäre vor der Ausgliederung (beginnend ab 1996)?

Sind die keine Beamten des Verkehrsministeriums mehr?

Michael B
01
5.12.2011, 11:10
Nein.

Die Bahn hat schon seit gut 30 Jahren Privatdienstverträge mit jedem einzelnen Bediensteten abgeschlossen. WÄREN es Bundesbeamte, könnte der Staat nämlich VIEL EINFACHER per Gesetz in das Dienstrecht eingreifen.

zoe20
165
4.12.2011, 19:25
Der Rechtsstaat ist ein zu hohes Gut für billige Polemik, Herr Kern!

Den Rechtsweg lächerlich zumachen mit sarkastischen Bemerkungen über die bösen Rechtsanwälte die dann verdienen wenn jemand sein Recht einmahnt ist letztklassig!!! Zumal die westbahn im konkreten Fall gerade vor Gericht Recht bekommen hat. Ist das auch lächerlich Herr Kern? Sind Gerichtsentscheide lächerlich? Sagen sie es uns doch, dass Sie unseren Rechtsstaat nur dann akzeptieren, wenn es ihnen zupass kommt. Was ist in dieser Republik eigentlich los? Zwischen ÖAAB-Sicherheitspolizeigesetz und SPÖ-ÖBB-Planwirtschaftsenklave ist Rechtsstaatlichkeit eine lästige Bodenwelle auf der rasenden Fahrt zur absoluten Macht im Staat geworden. Herr Kern erweist sich mit diesen Aussagen als absolut würdiger Nachfolger von Herrn Faymann.

angehender Medientechniker
 
04
5.12.2011, 08:49
Nana...

Ich empfinde es tatsächlich als eine Verhöhnung, wenn ein Unternehmen auf seiner Seite dazu gezwungen wird für den Konkurrenten zu werben. Wär ja grad soll als würd der REWE-Konzern gegen Spar vor Gericht zeihen, weil sein Sortiment auf deren Webseite nicht aufscheint....

lächerlich das ganze...
Und ich empfinde es als eine Verhöhnung des Steuerzahlers, wenn für den Druck neuer Fahrpläne(die grad fertig geworden sind) wieder Geld in die Hände genommen wird.

kerihuelo
02
5.12.2011, 08:03

kern ist erfrischend unpolemisch im vergleich mit seinen vorgängern.

was es mit dieser ticketpreiserhöhungsklage auf sich hat verstehe ich auch aus der sicht von hr. haselsteiner nicht

Landbus Bregenzerwald
04
4.12.2011, 20:56

Die Westbahn kennt die Tarife der ÖBB schon lange. Schon ein bisschen eigenartig, dass sie jetzt kurz vor Start draufkommen, dass sie angeblich zu niedrig sind.

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