Apps machen Fernseher multifunktional

6. Dezember 2011, 17:00
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In neuen Smart-TV-Geräten wachsen Fernseher und Computer zusammen

Nachdem das Fernsehen mehr und mehr Gefahr lief, vom Internet verdrängt zu werden, schickt es sich nun an, ihren angestammten Platz als Mittelpunkt des Wohnzimmers zurückzuerobern. Neue Geräte adaptieren einfach die Vorteile der Konkurrenz aus dem WWW. Der Fernseher entwickelt sich zu einem Multifunktionsgerät, die TV-Programme werden um persönliche Kommunikation, Spiele, Videotheken, Beratung und andere Annehmlichkeiten des Internets erweitert.

Bei den Handys hat es angefangen: Als sie "smart" wurden, bekamen sie Apps. Und in Apps ist auch die neue Multifunktionalität der Fernsehgeräte gegliedert. Für Andreas Regner, Spezialist für Apps am TV beim Produzenten Samsung, ist die Priorität der Internetdienste am TV in den letzten Jahren wesentlich weiter nach vorne gerückt. Bei Samsung sind etwa bereits 80 Prozent der Serien mit Internet-Funktionen aufgerüstet, ebensoviele sind 3D-fähig.

Spitzenreiter Youtube

Spitzenreiter bei den Apps am TV-Gerät sei unangefochten Youtube, sagt Regner, während er eines der Spitzenmodelle von Samsung, den UE55D8080, vorführt. Der hochauflösende 3D-LED-Fernseher im schlanken Design kostet in der 55 Zoll-Variante ca. 2.700 Euro. Ein WLan-Modul ist bereits im Gerät integriert. "Auspacken, Aufstellen, Internet installieren", so sollte laut Regner die Vorgangsweise nach dem Kauf des Geräts sein. Aber noch aktivieren nicht alle Käufer die Internet-Funktionen. In Österreich würden das nur 60 Prozent machen, in der Schweiz dagegen 100 Prozent. Wer aktiviert, nutzt sie aber auch, so Regner.

Die Möglichkeiten, die die Apps am Fernseher bieten, werden stetig mehr. Neben Youtube, dessen 3D-Services in Verbindung mit dem TV-Gerät für viele brauchbarer werden, tummeln sich diverse Standardanwendungen am Fernsehschirm: Fotos mit Picasa ansehen, Videotelefonie per Skype, Neuigkeiten aus dem Freundeskreis per Facebook - elementare, einfach zugängliche Errungenschaften des Internets sollen mit den Sprung auf den Fernseher zu universiellen Werkzeugen für eine noch breitere Anwenderschaft werden.

Wenn Social-Media-Statusmeldungen neben den Fernsehbild eingeblendet werden, kommt entgültig zusammen, was bisher mit TV-Gerät und Handy ohnehin koexistiert hat. Wenn Ruhe herrschen soll, kann das Fernsehbild auf ein Smartphone oder Tablet gestreamt werden. Video-on-Demand-Dienste werden mit Filmdatenbanken verknüpft und mit Social-Meida-Komponenten ergänzt. Eine App ermöglicht es etwa, Live- und Archiv-Konzerte der Berliner Philharmoniker anzusehen. 48 Stunden Fernsehzeit schlagen mit 9,90 Euro zu Buche.

"World Beer Tour" am TV

Spielereien vom "Yoga Helper" bis zur "World Beer Tour", vom Quiz-Game über Sudoku bis zu Information über "Food Poisoning Prevention" geben genug Gelegenheit zum Entdecken und Zeittotschlagen. In Italien ist etwa eine App extrem beliebt, die vorzeigt, wei man Krawattenknöpfe bindet. "How to tie" war eine der ersten Apps für das Gerät.

Die Kooperation mit Zeitungen, bestehenden Internetportalen und Informationsanbietern soll eine große Rolle spielen und ist etwa in Deutschland auch schon viel ausgeprägter. "Lokale Sachen haben viel mehr Effekt", sagt Regner und verweist darauf, dass die App der heimischen Presseagentur APA eine der beliebtesten in Österreich ist. Momentan hat man noch das Problem, das viele Apps, auch Lern- und Spielanwendungen für Kinder nur auf Englisch erhältlich sind. Verfügbare Apps kann man bei Samsung momentan gratis herunterladen, gegebenenfalls gibt es aber kostenpflichtige Inhalte innerhalb der Apps. Bald soll es aber auch am Fernseher, wie bei Android oder Apple, kostenpflichtige Apps gehen. Wann es bei Samsung in Österreich soweit ist, ist noch nicht fix.

Spätestens bei der Bedienung des Web-Browsers am Fernsehen wird klar, wo bei all der Multifunktionalität nach wie vor die Schwächen liegen. Auf einer normalen Fernbedienung, selbst mit Trackball, bleiben komplexere Eingaben relativ mühsam. Ein Keyboard wie bei einem PC will man den Couch Potatoes vor der Mattscheibe nicht zumuten. Es gibt bemühte Lösungen wie eine Wendefernbedienung mit Tastatur auf der Rückseite. Zukunftsreicher mögen die Touch-Fernbedienungen und Apps für Tablets sein, mit denen das TV-Gerät leichter bedienbar wird. Momentane Lösungen schöpfen aber ihr Potenzial noch nicht aus. Das sei "eine Problematik, der wir uns bewusst sind", sagt Regner. Die verschiedenen Geräte sollen in Zukunft noch stärker zusammenarbeiten, die Eingabe soll noch viel intuitiver werden. (Alois Pumhösel, derStandard.at, 6.12.2011)

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    foto: samsung
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