Jörn Ehlers/Franko Petri, WWF Österreich, 4. Dezember 2011, 14:01
Bewegung findet momentan vor allem auf der Straße statt - im Kongresszentrum treten die Verhandler noch immer auf der Stelle
Bewegung findet in Durban momentan vor allem auf der Straße statt. Im Kongresszentrum treten die Verhandler nach der ersten Woche des Feilschens um unsere Klimazukunft noch immer auf der Stelle. Schon fast traditionell stand zur Halbzeit der Konferenz gestern eine große Demo auf dem Programm. Vor fünf Jahren im kanadischen Montreal waren die WWF-Kollegen bei Temperaturen von minus zehn Grad Celsius in Eisbärkostüm gekommen, um den eiskalten Winden zu trotzen. Unter der Sonne Afrikas waren eher Bikinis angesagt. Kein Wunder, dass einige barbusige Aktivistinnen mit ihren politisch korrekt bemalten Körpern den anderen Demonstranten die Show gestohlen haben.
Es war ein ausgelassener Klimakarneval, der in krassem Kontrast stand zu den öden Verhandlungen im Tagungszentrum. Daran änderte auch die deutliche Polizeipräsenz nichts. Im Vorfeld der Demo war es offenbar zu kleineren Zwischenfällen mit der Jugendorganisation des ANC gekommen. Davon war auf der Demo nichts zu spüren. Viele Tausend waren gekommen, um für Klimagerechtigkeit einzutreten. Neben Umwelt-NGOs wie Greenpeace, WWF und Friends of the Earth (in Österreich GLOBAL 2000, in Deutschland BUND) hatten zahlreiche soziale Organisationen und Gewerkschaften zum Protestmarsch für das Weltklima aufgerufen.
Immer wieder riefen die Demonstranten "Amandla", den Ruf der Anti-Apartheid-Bewegung. Unterstützt von afrikanischen Trommeln und Vuvuzelas versuchten sie den Delegierten im Kongresszentrum von draußen klar zu machen, dass die Zeit für taktische Spielchen vorbei ist und endlich verbindliche Vereinbarungen getroffen werden müssen. Mitten drin im Getümmel ging die WWF-Delegation mit ihren Unterstützern und beteiligte sich kräftig und Toy-Toy tanzend am Protest gegen die fest gefahrenen Verhandlungen. Vor allem die südafrikanischen Kollegen erwiesen sich als engagierte Einheizer, die sich mit ihrem Weckruf "Food-Water-Energy for all forever" lautstark in Szene setzten.
Der Protestzug startete in der Innenstadt von Durban. Es entbehrt nicht einer gewissen Symbolik, dass je näher die Demonstranten dem Kongresszentrum kamen, desto mehr dunkle Wolken aufzogen. Am Ziel angekommen, fielen die ersten Regentropfen, die die ausgelassene Stimmung ein wenig abkühlten.
Inzwischen sitzen unsere Experten wieder an ihren Computern, reden in den verschiedenen Gremien und versuchen in Lobbygesprächen den Prozess in die richtige Richtung zu beeinflussen. Zwischenzeitlich erreichten uns die ersten Meldungen aus Europa, wo unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht, die Erwartungen an einen erfolgreichen Gipfel zu dämpfen. Nicht unbedingt eine Haltung, die geeignet ist, die festgefahrenen Verhandlungen wieder flott zu bekommen. Wie es aussieht, hat der Marsch für das Klima noch eine sehr viel weiteren Weg vor sich als der Marsch von Durban, der nach drei Kilometern am Kongresszentrum endete. Die Trommeln und Vuvuzelas müssen noch viel lauter werden, damit sie auch jeder Delegierte bis in den letzten Verhandlungssaal hören kann.
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