25-jähriger Schweizer gewinnt mit dem Super-G in Beaver Creek sein erstes Weltcup-Rennen - Reichelt Fünfter, Raich guter Achter
Beaver Creek - Einen Überraschungssieg des Schweizers Sandro Viletta
hat am Samstag der Super-G der Herren in Beaver Creek gebracht. Der 25-Jährige
fing bei dichtem Schneetreiben mit Startnummer 30 noch den lange führenden
Norweger Aksel Lund Svindal um 0,20 Sekunden ab und feierte seine ersten
Weltcupsieg. Mit Beat Feuz landete ein weiterer Eidgenosse auf Platz drei.
Hannes Reichelt verspielte mit zwei schweren Schnitzern einen Podestplatz und
wurde als bester ÖSV-Fahrer Fünfter.
Der Premierensieg Vilettas bewies einmal mehr, dass der Super-G die Disziplin
mit dem größten Überraschungspotenzial ist. Der schon mit Nummer elf gestartete
Kanada-Sieger Svindal bangte lange, fühlte sich zwischendurch sogar schon
erlöst, als auch Reichelt seine klare Zwischenbestzeit nicht ins Ziel brachte.
Erst Viletta als Letzter der Elitefahrer schaffte es, seinen gewaltigen
Vorsprung von einer Sekunde knapp ins Ziel zu retten.
Wenn, dann ganz vorne
Zwar verlor auch der Schweizer auf der anspruchsvollen Piste bei schlechter
Sicht noch viel Zeit, am Ende raste er doch
noch als Sieger über die Ziellinie. "Davon träumt man jeden Abend vor dem
Einschlafen. Aber dass es nun wirklich geht, hätte ich nicht nicht gedacht",
jubelte der Engadiner über seinen ersten Podestplatz überhaupt, der im 67.
Weltcuprennen gleich als Sieg daherkam.
Auch Reichelt - wie Viletta und Feuz Salomon-Fahrer - hätte an diesem Tag das richtige "Gerät"
unter den Beinen gehabt. Zwei schwere Schnitzer machte aber alle Hoffnungen des
Salzburgers auf den Sieg zunichte. 0,56 Sek. Rückstand reichten "nur" zu Platz
fünf.
Und das, obwohl Reichelt zwischendurch 0,55 Sekunden Vorsprung auf Svindal
hatte, ehe er exakt vor einem Flachteil fürchterlich verschnitt. "Ich bin froh,
dass ich gesund herunten bin", brachte der Vizeweltmeister das wenig Positive
auf den Punkt. "Beim zweiten Fehler habe ich ja förmlich abgekristelt", ärgerte
sich der Radstädter und ergänzte seufzend: "Zumindest weiß ich, dass ich schnell
bin."
Schweiz schneller
Während die Schweizer damit die derzeit dominierende Speed-Nation sind,
musste sich Österreichs schnelle Fraktion wie schon eine Woche davor in Lake
Louise mit Platz fünf (Klaus Kröll) zufriedengeben und ohne Super-G-Podestplatz
aus Nordamerika abziehen. Neben Reichelt hätte es am ehesten Vorjahressieger
Georg Streitberger drauf gehabt. Aber der Salzburger raste ebenfalls nach
Zwischenbestzeit und ebenfalls nach einem Verschneider in ein Tor und musste
aufgeben.
"Beide Ski haben gegriffen und vorbei war's", ärgerte sich Steitberger. "Ich
bin schon in Lake Louise ausgefallen, trat der Salzburger enttäuscht die
Heimreise an. "Die Zwischenbestzeit hilft mir gar nichts, darum kann ich mir
nichts kaufen", so Streitberger.
Raich überrascht
Weil neben Abfahrts-Vortagessieger Bode Miller auch Kröll ("Ich hab's mir
heute offenbar nicht zugetraut") nicht in die Top-20 kam, wurde Benjamin Raich
als Achter überraschend zweitbester Österreicher. Und das noch vor Speed-Assen
wie Didier Cuche (9.) und im erst vierten Rennen seit dem Kreuzbandriss im
vergangenen Februar.
"Dabei bin ich da und dort noch zu brav gefahren", freute sich Raich über
seinen ersten Top-Ten-Platz nach dem Comeback. "Ich habe schon daran geglaubt,
dass ich das schaffen kann, wenn es gut läuft", zeigte sich der 33-jährige
Pitztaler hochzufrieden.
Dass er im Riesentorlauf eine noch größeren Schritt nach vorne gemacht hat,
im Training schon wieder auf Augenhöhe mit Marcel Hirscher und Philipp
Schörghofer war, machte Hoffnung für Sonntag und Dienstag. "Zählen tut aber
alles erst im Rennen", winkte Raich schmunzelnd ab.
Romed Baumann (19.) verspielte alle Chancen mit einem Fehler an der gleichen
Stelle wie in der Abfahrt. "Gut, dass wir im Riesentorlauf unterhalb dieser
Stelle wegfahren", nahm es der Tiroler mit Humor. (APA/red)