Schwerer Sommer für den Tourismus

5. Juni 2003, 19:27
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Wegen der schwachen Konjunktur rechnet das Wifo mit Umsatzrückgängen - Rekordergebnis im Winter

Wien -Trotz strahlenden Wetters runzeln Touristiker die Stirn. Weil die Konjunktur lahmt und die Pensionsdiskussion in halb Europa die Leute verunsichert, könnte die Sommersaison schlechter ausfallen als gedacht.

"Ein Halten der Ergebnisse des Vorjahres wäre bereits ein Erfolg", sagte der Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Egon Smeral, in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Es sei bestenfalls mit einer Stagnation der nominellen Umsätze und der Nächtigungen zu rechnen. Berücksichtige man die Inflation, sei ein ein Minus von zwei bis 2,5 Prozent wahrscheinlich.

Auf den Sommertourismus wirke sich vor allem die Wirtschaftsstagnation in Nord-und Westeuropa negativ aus. Insbesondere die schlechte Wirtschaftssituation und das rückläufige Realeinkommen in Deutschland bereite Sorgen. Deutschland ist mit knapp 50 Prozent der Nächtigungen der wichtigste Herkunftsmarkt der Urlaubsgäste.

Rekord im Winter

"In rezessiven Zeiten setzt ein Sparverhalten ein, die Leute geben weniger aus", sagte Smeral. Wird der Urlaub aus dem Sparstrumpf finanziert, werde zunächst am Urlaubsort gespart, in einem weiteren Schritt die Aufenthaltsdauer verkürzt, dann im Nahbereich und schließlich in "Balkonien" geurlaubt. Da Österreich aber als sicheres Urlaubsland gelte, könne die Alpenrepublik im Wettbewerb mit anderen Ländern wie Spanien, Griechenland und Türkei, die ebenfalls mit Rückgängen in diesem Sommer rechnen müssten, einiges wettmachen und Marktanteile dazugewinnen, glaubt Smeral.

Über Zuwächse konnte sich die österreichische Tourismuswirtschaft im vergangenen Winter freuen. Laut nun vorliegenden offiziellen Zahlen der Statistik Austria gab es trotz Konjunkturflaute, Irakkrieg und Reisekrise ein Nächtigungsplus von 0,9 Prozent auf 56,79 Millionen. Die Umsätze kletterten um 3,2 Prozent auf 9,03 Mrd. Euro - ein neues Rekordergebnis.

Zuwächse wurden vor allem bei Gästen aus den Niederlanden, Großbritannien, Schweiz und Belgien verzeichnet. ((DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2003, APA, stro)

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    Österreich hatte auch im heurigen Winter wieder Saison.

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