WorldCom-CEO erwartet Anklage gegen Vorgänger

5. Juni 2003, 10:53
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Bilanzfälschung auf "weniger als 100 Mitarbeiter begrenzt"

In der Affäre um Bilanzfälschungen beim US-Telekomcarrier MCI, ehemals WorldCom, erwartet Unternehmenschef Michael Capellas auch eine Anklage gegen seinen Vorgänger, den legendären ehemaligen WorldCom-Chef Bernard Ebbers. "Es liegt in der Natur der Gesamtverantwortung des Vorstandes für das Unternehmen und im Ausmaß des Betruges, dass das unvermeidlich ist", sagte Capellas am Donnerstag gegenüber dem Wall Street Journal. Generell glaubt Capellas, dass sich das "Fehlverhalten" im Konzern auf weniger als 100 Beschäftigte beschränkt habe, die alle nicht mehr im Unternehmen tätig seien.

Teil des Untersuchungsberichtes bereits bekannt

Capellas machte die Aussagen im Vorfeld zweier Untersuchungsberichte über Bilanzfälschungen und Missmanagement beim zweitgrößten US-Anbieter von Ferngesprächen, die kommenden Montag veröffentlicht werden dürften. Der ehemalige HP-Chef, der im November vergangenen Jahres an die Spitze des Unternehmens berufen worden ist, sagte, er kenne Teile der Untersuchungsberichte bereits. Die Bilanzfälschung sei mittels "rauer Techniken" durchgeführt worden, die den früheren Bilanzprüfern eigentlich hätten auffallen müssen. Große Summen mit auffallend runden Zahlen seien zwischen den Büchern des Konzerns hin und her verschoben worden.

Baldiges Ende des Gläubigerschutzes ?

Die Untersuchungsberichte sind ein wichtiger Schritt im Bemühen MCIs, den Gläubigerschutz möglicherweise schon im September abzuschütteln. Das Unternehmen, das vor 14 Monaten insolvent wurde, leidet unter einem gigantischen Schuldenberg von 41 Mrd. Dollar. Die Untersuchungsberichte sollen die genaue "Geschichte" der Bilanzfälschungen dokumentieren. Diese dürften das bisher erwartete Ausmaß von elf Mrd. Dollar übersteigen. Scharfe Kritik am Unternehmenskodex sowie an den internen Kontrollen unter Ex-Chef Ebbers wird ebenfalls erwartet.(pte)

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