Verhaltensforschung in Herberstein

5. Juni 2003, 11:00
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Der Tierpark wird dazu mit der Konrad-Lorenz- Forschungsstelle kooperieren

Graz - Verhaltensforschung soll künftig im steirischen Tierpark Herberstein eine größere Rolle spielen. Wie Andreas Kaufmann, der Leiter des oststeirischen Tier- und Naturparks, am Donnerstag erklärte, will man mit der in Grünau (Oberösterreich) angesiedelten Konrad-Lorenz-Forschungsstelle (KLF) für Ethologie kooperieren. Zu den kommenden Schwerpunkten zählen laut KLF-Leiter Kurt Kotrschal Verhaltensforschungsprojekte mit Wölfen, Pavianen und Pfauen. Auch soll der in der Steiermark ausgestorbene Waldrapp wieder angesiedelt werden.

"Bei uns als wissenschaftlich geführter Zoo hat es auch schon zuvor Forschung in diese Richtung gegeben. Jetzt wollen wir diesen Bereich allerdings in eine neue Dimension überführen", so Andreas Kaufmann im Gespräch. Er verwies darauf, dass in den vergangenen Jahren um die 20 Diplomarbeiten und Dissertationen - vom Sozialverhalten des Pumas bis zum Einfluss der Besucher auf das Verhalten der Kapuzineräffchen - in Kooperation mit dem Tierpark entstanden sind.

Bevorzugte Beobachtungsobjekte

"Von der Zusammenarbeit profitieren beide Seiten", so KLF-Leiter Kotrschal: "Der Tierpark bietet uns hervorragende Möglichkeiten zur Verhaltensforschung und bekommt dafür viel Know-how zur Entwicklung von Haltungs- und Managementmaßnahmen zurück", so der oberösterreichische Ethologe. Bevorzugte Beobachtungsobjekte sollen in erster Linie die Herbersteiner Timberwölfe, die Paviane und die rund 50 Pfaue sein: An den sozial sehr komplex agierenden Wölfen soll das individuelle Rollenverhalten und in Folge auch das Stressmanagement der Tiere untersucht werden. Dabei will man sich auch der nichtinvasiven Diagnostik (zur Erhebung des jeweiligen Stresspotenzials der Tiere) bedienen.

Die in Herberstein beheimateten Mandrills und Dscheladas -"zwei Pavianarten mit extrem unterschiedlicher Biologie", so Kotrschal - sollen ebenfalls zu vergleichenden Verhaltensstudien herangezogen werden. Weites will man analysieren, wie Verwandtschaft und Eigenschaften der Männchen die sexuelle Wahl der Pfauen-Weibchen beeinflussen. Nicht zuletzt denkt man daran, den in der Steiermark seit 350 Jahren ausgestorbenen - und seit 1997 in Grünau wieder nachgezüchteten Waldrapp - wieder anzusiedeln. Diese höchst gefährdete Ibisart könnte schon im nächsten Jahr auch in Herberstein zu sehen sein.

Forschungsstelle

Die Konrad-Lorenz-Forschungsstelle für Ethologie in Grünau wurde von Lorenz selbst ins Leben gerufen. Bis zum Tod des Nobelpreisträgers im Jahr 1989 war die kleine Forschungsstelle ein Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1990 wird die KLF von einem Verein der Förderer unter wissenschaftlicher Patronanz der Abteilung für Ethologie des Zoologischen Institutes der Uni Wien weitergeführt. Sie widmet sich der Grundlagenforschung zu den Mechanismen und Funktionen des Soziallebens. Die Grundfinanzierung kommt vom Land OÖ., vom Bund, von privaten Mitgliedern und Sponsoren. (APA)

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