Simbabwe: Oppositionsführer Tsvangirai vor Gericht

7. Juni 2003, 17:23
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Regierung wirft ihm Hochverrat vor - Nach einwöchigen Protesten gegen Präsident Mugabe

Harare - Einen Tag nach seiner Festnahme ist der simbabwesische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai am Samstag wegen Hochverrats vor Gericht gestellt worden. Ihm wird vorgeworfen, wiederholt zum Sturz von Präsident Robert Mugabe aufgerufen zu haben. Die Anhörung vor dem Bezirksgericht in Harare wurde auf Montag verschoben, da das Aufnahmegerät im Gerichtssaal nicht funktionierte, wie Tsvangirais Verteidiger Innocent Chagonda mitteilte.

Chagonda kündigte an, er werde eine Einstellung der Verfahrens aus Mangel an Beweisen fordern. Tsvangirai wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zum Gericht gebracht und muss bis mindestens Montag in Haft bleiben. Im Falle eines Schuldspruchs droht ihm die Todesstrafe. Der Oppositionsführer war am Freitag am letzten Tag der Streikwoche festgenommen worden, die das öffentliche Leben in Simbabwe lahm gelegt hatte. Bereits zu deren Beginn am Montag war Tsvangirai vorübergehend in Gewahrsam genommen worden.

Internationale Besorgnis

Die US-Regierung verurteilte Tsvangirais Festnahme scharf. Außenamtssprecher Richard Boucher sagte, das anhaltende gewaltsame Vorgehen der Regierung gegen friedliche Demonstranten erschwere die Wiederaufnahme des Dialogs. Washington rief Mugabe zu Verhandlungen mit der Opposition auf.

Auch die Europäische Union äußerte sich besorgt über die Festnahme. Diese sei ein Zeichen für die zunehmenden Versuche Mugabes, die Opposition einzuschüchtern, hieß es in einer am Freitagabend in Athen veröffentlichten Erklärung der EU.

Unabhängige Beobachter hatten in den vergangenen Tagen von schweren Menschenrechtsverletzungen der simbabwesischen Sicherheitskräfte während der Protestaktionen berichtet. Dutzende Menschen seien bei Razzien verletzt und mindestens 300 festgenommen worden.

Simbabwe steckt derzeit in der schwersten politischen und wirtschaftliche Krise seit der Unabhängigkeit im Jahr 1980 und der gleichzeitigen Machtübernahme durch Mugabe. Nach der Enteignung weißer Landbesitzer und einer umstrittenen Präsidentenwahl im vergangenen Jahr kamen Investitionen und Finanzhilfen aus dem Ausland zum Erliegen. Die Inflationsrate liegt bei fast 270 Prozent. Bei Nahrungsmitteln, Medikamenten und Benzin herrschen Engpässe.(APA/AP)

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    Zunehmend in Bedrängnis: Präsident Mugabe.

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    Demonstrantinnen auf den Straßen von Harare

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    Morgan Tsvangirai auf dem Weg zu seiner Verhandlung

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