Voestalpine will Privatisierung über die Wiener Börse

5. Juni 2003, 17:39
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Mindestens neun Prozent des ÖIAG-Paketes könnten verkauft werden - Ein strategischer Partner wird abgelehnt

Wien - Der Linzer Stahl- und Stahlverarbeitungskonzern Voestalpine hat 2002/03 in einem extrem schwierigen konjunkturellen Umfeld deutlich zweistellige Wachstumsraten in allen wesentlichen Erfolgskennzahlen hingelegt und will auch heuer beim Ergebnis und Umsatz "leicht" zulegen.

Sorge bereitet die Währungsseite des schwachen Dollar und britischen Pfund sowie die Konjunkturflaute auf dem Hauptmarkt Deutschland. Im Vordergrund stehen derzeit aber das Verdauen der vielen Firmenzukäufe in den letzten zwei bis drei Jahren, die Umsetzung der großen Investitionsprojekte in Linz und Donawitz (neues Walzwerk um 66 Mio. Euro) sowie die Privatisierung des Konzerns.

Vorstand wünscht Verkauf

Das Voest-Management rund um Vorstandschef Franz Struzl wünscht sich einen Verkauf des Staatsanteils von 34,7 Prozent über die Wiener Börse. Es gebe keinerlei Notwendigkeit, einen strategischen Partner ins Unternehmen zu holen, noch dazu gebe es keinen geeigneten.

Vom Aktienpaket, dass die Republik über die Staatsholding ÖIAG an der Voestalpine hält, könnten nach Meinung Struzls neun Prozent "jederzeit" auf dem Wiener Markt untergebracht werden, um aus Sicht der ÖIAG in einem ersten Schritt auf die Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie runterzugehen.

2006: New York

Außerdem würden mit einer Privatisierung über die Börse die Ziele des schwarz- blauen Regierungsprogrammes, nämlich der Erhalt der Konzernzentralen im Inland sowie die Stärkung der Börse selbst, am ehesten umgesetzt. Ein früher angedachte Zusatznotiz an der Wall Street in New York sei erst ab 2006 ein Thema, sagte Voest-Vizechef Wolfgang Eder. Eine US-Börsennotiz mache erst ab einer Börsenkapitalisierung von zwei Mrd. Euro Sinn. Derzeit beträgt die Börsenkapitalisierung rund 1,2 Mrd. Euro.

Das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm bei der Voest soll in nächster Zeit nochmals kräftig ausgebaut werden. Zur- zeit hält die Belegschaft in Summe 6,5 Prozent der Unternehmensaktien, der Anteil soll auf zehn Prozent steigen. Darüber hinaus sind rund 30 Prozent der Firmenanteile in Besitz österreichischer Banken und Versicherungen, weil zuletzt rund acht bis neuen Prozent von US-Investoren verkauft wurden.

Interesse an Assembling-Firma

An Zukäufen steht bei der Voest derzeit eine Assembling-Firma in Westeuropa auf dem Plan, um die Kompetenzen Richtung Komplettangebot einer Rohkarosserie in der Automobilsparte des Konzerns abzurunden. Es werde allerdings keine "Jumbo-Akquisition", sagte Eder, also ein Zukauf unter 100 Mio. Euro. Die Automobilsparte ("Motion") ist in nur zwei Jahren von null auf einen Umsatz von 750 Mio. Euro gewachsen. (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2003)

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