Amerikanerin demontiert in der Abfahrt die Konkurrenz und siegt mit knapp zwei Sekunden Vorsprung vor Tina Weirather(LIE) und Dominique Gisin(SUI). Überraschung durch Mariella Voglreiter
Lake Louise - Wie angeschlagen die Seele auch sein mag, am Renntag hat
sich Lindsey Vonn bereit gezeigt. Die US-Amerikanerin gewann am Freitag die
alpine Ski-Weltcup-Abfahrt in Lake Louise und holte ihren bereits neunten Sieg
in kanadischen Skiort. Hinter Vonn blieb im vom Wind beeinflussten Rennen kein
Stein auf dem anderen in der Damen-Speed-Welt. Die Liechtensteinerin Tina
Weirather wurde mit Respektabstand Zweite (1,95 Sekunden zurück), es folgten die
Schweizerin Dominique Gisin (2,06), die deutsche Riesentorlauf-Spezialistin
Viktoria Rebensburg (2,10) und die junge Österreicherin Mariella Voglreiter
(2,36).
Unterstützung für Vonn
Nach der Bekanntgabe ihrer Scheidung hatte Vonn am Freitag mit der Versöhnung
mit ihrer vormals besten Freundin Maria Höfl-Riesch die Schlagzeilen abseits des
Sports beansprucht - mit dem fulminanten Rennsieg zeigte sie sich aber auch
bereit für die Sport-Titelseiten. "Ich war oben am Start und habe gedacht, okay,
ich werde alles geben. Was auch immer alles passiert in meinem Leben, beim
Skifahren fühle ich mich wohl. Das war ein Traum, im Moment kann das nicht
besser sein. Es ein Traum für mich, gerade in diesem Moment einen Sieg zu
haben." Es war der 43. ihrer Karriere, der Zweite in dieser Saison nach dem
Sölden-Riesentorlauf.
Ehemann Thomas Vonn war auch der sportliche Berater der Ausnahme-Rennläuferin
und bei all ihren Erfolgen mit dabei gewesen. Am Freitag stand Höfl-Riesch neben
Vonn im Zielraum. "Unglaublich, da gibt es nicht mehr viel hinzuzufügen. Sie
kann sich jetzt einfach voll auf das Skifahren konzentrieren kann, und sie
sieht, das geht auch so", kommentierte die Gesamtweltcupsiegerin aus
Deutschland, die nur auf Platz neun gekommen war. Beide zeigten sich glücklich,
die Ungereimtheiten aus der Welt geschafft zu haben. "Ich habe die Unterstützung
von Maria, meinem Team, und von meiner Familie. Jemand von meiner Familie wird
fast bei jedem Rennen dabei sein", berichtete Vonn.
Voglreiter holt die Kohlen aus dem Feuer
Als Vonn ins Ziel gekommen war, hatte sie über zwei Sekunden Vorsprung. Da
blieb genügend Platz für junge Läuferinnen, die ihre Chance mit hohen
Startnummern nützen. So fuhr die in der Vergangenheit vom Verletzungspech
geplagte Tina Weirather, die 22-jährige Tochter von Hanni Wenzel und Harti
Weirather, mit Startnummer 40 auf 2. Eine Überraschung ist auch der vierte Platz
von Rebensburg sowie natürlich der fünfte von Voglreiter, die wenige Tage vor
ihrem 22. Geburtstag das beste Ergebnis ihrer Karriere einfuhr (Startnummer 33).
"Ich habe geglaubt, ich träume. Das hätte ich nie geträumt nach den
Trainingsläufen, da ist überhaupt nichts gegangen", sagte Voglreiter.
Die arrivierten Österreicherinnen landeten im abgeschlagenen Feld. Andrea
Fischbacher wurde 13. (+2,62), sie hatte mit dem Wind zu kämpfen. "Wenn der so
bläst, brauchst ein bisserl Glück. Vom Fahrerischen her war es ganz okay, ein
paar Kleinigkeiten gibt es immer zu verbessern. Ich werde heute Video schauen,
und das auf morgen besser machen."
Elisabeth Görgl und Anna Fenninger wurden ex aequo 20. (je 2,85). "Ich habe
schon meine Probleme gehabt, ich habe mich aber zusammengerissen und alles
probiert", erklärte Weltmeisterin Görgl, die im Abschlusstraining gestürzt war.
Fenninger hatte bereits im oberen Teil großen Rückstand aufgerissen. "Ich habe
den Wind gespürt und versucht, mich ganz klein zu machen. Aber der obere Teil
ist mir im Training auch nicht so gelegen", meinte die Salzburgerin. (APA)