"Fiskalunion" und Volksabstimmung

Kolumne | Hans Rauscher, 2. Dezember 2011, 19:47

Kanzler Faymann kann sich ein Referendum vorstellen - ob es notwendig wäre, ist höchst fraglich

Was hat Kanzler Werner Faymann von seinem Treffen mit Angela Merkel mitgebracht? Offenbar einen Preview auf Merkels Plan, gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Sarkozy die EU neu zu organisieren. Den beiden schwebt eine sogenannte Fiskalunion vor, bei der die Budgetpolitik der Euroländer viel stärker synchronisiert wird, als bisher, um die Schuldenwirtschaft auszuschalten, die mit ein Hauptgrund für die Eurokrise ist.

Fiskalunion bedeutet aber nach den Informationen, die bis jetzt durchgesickert sind, dass die Staaten ihre Budgetentwürfe in Brüssel zur Begutachtung vorlegen sollen und generell viel mehr an die finanzpolitische Leine genommen werden. Im Extremfall, so sagte vor kurzem in Wien ein hohes Mitglied der EU-Kommission, sollen Sünder-Staaten aus dem Euro hinausgeworfen werden können.

Faymann reagierte jetzt darauf mit der Ankündigung einer Volksabstimmung in Österreich, wenn es zu Durchgriffsrechten innerhalb einer Fiskalunion kommt. Fiskalunion bedeutet letztlich auch eine Angleichung der Bedingungen, unter denen ein Budget entsteht und das sind einerseits Einnahmen (Steuern) und andererseits Ausgaben (etwa für Pensionen). Vor wenigen Tagen legte sich Faymann jedoch nach einer Sitzung der europäischen Sozialdemokraten fest: "Wenn jemand vorhat das so zu gestalten, dass man die Pensionen in Österreich da mitbestimmt und die Steuern in Österreich bestimmt und alles andere in Österreich da mitbestimmt, dann bin ich erstens nicht dafür und zweitens wäre das eine Vertragsänderung, die würde ja eine umfassende jahrelange Diskussion vom Zaun brechen."

Und nun tritt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit der Fall ein, dass die Selbstverpflichtung Faymanns im berühmt-berüchtigten Leserbrief an die Krone - Volksabstimmung bei gröberen Änderungen der EU-Verträge - schlagend wird.

In der gegenwärtigen Situation, wo sich nicht nur die vollkommen verantwortungslose FPÖ, sondern auch die offensichtlich nicht regierungsfähigen Grünen etwa weigern, einer Schuldenbremse in der Verfassung zuzustimmen; wo in der Bevölkerung eine von der Krone geschürte EU-Feindlichkeit ziemliche Ausmaße angenommen hat; und wo die weder SPÖ, noch ÖVP mit ihrer Regierungspolitik großes Vertrauen genießen, würde ein solches Referendum mit großer Sicherheit schiefgehen.

Faymann hielt daher bis vor kurzem "Vertragsänderungen, welche die ganze Europäische auf den Kopf stellen" für eine "interessante Debatte in fünf bis sieben Jahren" . Aber die "fünf bis sieben Jahre" sind möglicherweise jetzt. Merkel sagte zwar nach dem Gespräch mit Faymann, die nationale Budgethoheit bleibe auch in einer Fiskalunion erhalten. Damit wäre auch kein Referendum notwendig. Aber das ist höchst fraglich.

Der Kanzler hat sich jetzt abermals festgelegt. Glaubt er mit einer Referendumsdrohung echte Durchgriffe auf unsere Hallodri-Budgetgestaltung abwehren zu können? Oder traut er sich am Ende gar zu, eine solches Referendum echt gewinnen zu können? (DER STANDARD, Printausgabe 3./4.12.2011)

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Posting 1 bis 25 von 282
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Anhänger der direkten Demokratie
00
5.12.2011, 10:23
Ein Referendum

kann man als Politiker nicht "verlieren oder gewinnen".

Aus solchen Aussagen erkennt man wie weit es mit der Demokratiefähigkeit in Österreich bestellt ist.

Politische Entscheidungen werden zum Contest?

Das kommt doch nur daher dass man direkte demokratische Mittel bei uns kaum einsetzt. Dann ist halt die Gefahr groß, das ein Referendum zum Frustabbau verwendet wird.
Vielleicht sollte man das Volk zur Schuldenbremse befragen, dass wär mal ein mutiger Anfang.

gemeinwohl-ökonomie
04
4.12.2011, 19:13
@Herr Rauscher, wo haben Sie Ihren Kopf samt Inhalt gelassen?

(...) wo sich die vollkommen verantwortungslose FPÖ sondern auch die offensichtlich nicht regierungsfähigen Grünen weigern, einer Schuldenbrems in der Verfassung zuzustimmen...(...)

Warum sich die FPÖ weigert wissen wir nur allzu genau, sie wollen das staatschaos, den zusammenbruch nach vorgestrigem voprbild um dann als große retter der republik die demokratie abzuschaffen.
die Grünen lehnen ab, weil sich sich nicht erpressen lassen wollen. Eine schuldenbremse per verfassung (warum eigentlich?) bedeutet jederzeitige daumenschrauben für den sozialsstaat anlegen zu dürfen. da gibt es den geringsten widerstand, hingegen die reichste nomenklatura ihre connections zur regierung hat, siehe industriellenvereinigung, und zu verhindern weiß!

cyprian77
11
4.12.2011, 18:22
Das demokratische Prinzip der österr. Verfassung

"Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus."
Der Hass von Hans Rauscher auf den vielgeschmähten Faymann´schen Lesebrief und die Kronenzeitung im allgemeinen ändert nichts daran, dass bei grundlegenden Eingriffen in die Souveränität eines Staates das Volk zu befragen ist. Dass das schon in Griechenland putschartig verhindert wurde ist ein Riesenskandal und eine Schande für das sich demokratisch heißende Europa.

Die Wut in der Bevölkerung, dass an ihr vorbeiregiert wird, wird sich auf Dauer nur dadurch beseitigen lassen, dass wieder Gelegenheit zur Mitbestimmung geschaffen wird, dass die Meinungen die sich viele bilden auch gehört werden und zu Entscheidungen führen die von der Mehrheit getragen werden.

Anhänger der direkten Demokratie
00
5.12.2011, 10:31
"dass wieder Gelegenheit zur Mitbestimmung geschaffen wird"

Meine Worte!!

Sie haben vollkommen recht.

Die Bürger sind mündig genug und sie haben es sowas von satt, dass alles über ihren Köpfen bestimmt wird. Spätestens seit der Causa Strasser sollte jeder wissen wie groß die Gefahr ist, dass es bei Politiker Entscheidungen oft um die Bedienung von Partikularinteressen geht.
Ich sehe es auch so, dass der Frust der Bürger nur durch mehr direkte demokratische Entscheidungen abgebaut werden kann.

verleih nix
01
4.12.2011, 18:15
offensichtlich nicht regierungsfähigen Grüne

herr rauscher,

gehört es wirklich zur regierungsfähigkeit dazu, dringend nötige maßnahmen bis 2017/2020 hinauszuschieben? ich glaube mit dieser subbotschaft sind sie zu streng mit unserer regierung!

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
00
4.12.2011, 17:25
Es ist langsam traurig wie sehr unsere Verfassung für Populismus missbraucht wird.

Die Erfordernisse für eine Volksabstimmung sind genau geregelt, anscheinend versucht die Regierung aber immer wieder das Parlament mit dem "Volk" zu erpressen. Wie soll eine Demokratie funktionieren, wenn sich Souverän und Parlament gegeneinander ausspielen lassen?
Wenn es wirklich zu einem derartigen Änderungsvertrag kommt, wird hier anscheinend auch auf Zeit gespielt, um ja selber nicht die Verantwortung wahrnehmen zu müssen - logisch, dabei könnte man sich bei diversen Auflagenstärkeren unbeliebt machen. Außerdem kann man wohl auch nicht anders, wenn man auf Wörter wie "Pension" oder "Steuer" konditioniert ist. Zum Glück ist in dem Fall die Anberaumung einer Volksabstimmung immer noch Sache von UHBP, der die Demokratie noch respektiert.

</ lustig>
00
4.12.2011, 15:10
Demokratie?

Nach Aristoteles leben wir in eine Ochlokratie, bräuchten aber eine Politie.

Nik M
03
4.12.2011, 14:00
Lieber Herr Rauscher,

koennten sie vielleicht darueber berichten, wie die "Schuldenbremse" in der Verfassung ueberhaupt aussehen wuerde, und welche Hoffnungen, dass so eine Regelung auch den gewuenschten Effekt
haette, man sich machen kann?

Dann koennt man vielleicht auch ihren Zorn ueber die Bremser der Schuldenbremse nachvollziehen.

Momentan hat man naemlich den Eindruck, die "Schuldenbremse" ist eine populistische Effekt-Massnahme, die Aktivitaet vortaeuschen soll, aber in der Praxis eh nix bringt.

massimofunghi
00
4.12.2011, 17:02
ich finde es auch immer wieder lustig wie man täglich von experten über die schuldenbremse aufgeklärt wird

natürlich tut es dabei nichts zur sache, dass bisher nicht einmal irgendwas beschlossen/angedacht/vereinbart oa worden ist. das einzige was bisher feststeht, oder besser festgefahren ist, sind die üblichen, ideologisierten positionen der einzelnen hansln.
die schuldenbremse, und der gewiefte ösi weiß es natürlich auch schon länger, ist ein pr-gag, ein buzzword - wer sparen will kann das auch so.

massimofunghi
00
4.12.2011, 17:02
ich finde es auch immer wieder lustig wie man täglich von experten über die schuldenbremse aufgeklärt wird

natürlich tut es dabei nichts zur sache, dass bisher nicht einmal irgendwas beschlossen/angedacht/vereinbart oa worden ist. das einzige was bisher feststeht, oder besser festgefahren ist, sind die üblichen, ideologisierten positionen der einzelnen hansln.
die schuldenbremse, und der gewiefte ösi weiß es natürlich auch schon länger, ist ein pr-gag, ein buzzword - wer sparen will kann das auch so.

Nichtschweiger
 
00
4.12.2011, 15:04
the cato eater
03
4.12.2011, 13:47
der terminus"schuldenbremse"

hat gute chancen zum unwort des jahres erklärt zu werden. das ganze ist in erster linie eine infantile övp schnurre um ein bisserl zwischenwahlkampf zu veranstalten und ist für budgetpolitik völlig irrelevant. dass rauscher auf diesen zug aufspringt ist ja schon lustig.

Velvet Velour
00
4.12.2011, 14:46

Lies dir die restlichen Artikel des Hernn Rauscher durch, und du wirst festellen, daß er für Unsinn sehr empfänglich ist.

Velvet Velour
02
4.12.2011, 12:25
Welch Heuchelei

An anderer Stelle in diesem Blatt wird kritisiert, wie undemokratisch die Wahlen in Russland sind, und hier wird gegen die Demokratie gewettert.

Kann man diesem Blatt nicht endlich die Medienförderung streichen, z.B. wegen demokratieschädlichen Publikationen? Ich, als Steurzahler, der diesen Dreck mitfinanziert, will damit jedenfalls nichts zu tun haben.

</ lustig>
00
4.12.2011, 15:36
Sie sind das Paradebeispiel eines Linken,

der sich als moralische Instanz verkaufen will, dabei aber ganz schön unmoralisch wird.

Ihnen passt ein Kommentar in einer Zeitung nicht, deswegen wollen Sie dieser gleich die Lebensgrundlage entziehen? Sie, als Alleinentscheider gegen sehr, sehr viele, die sich durch dessen Konsum für dieses Medium entschieden haben?

Wie demokratisch ist das?

Komiker.

Anhänger der direkten Demokratie
00
5.12.2011, 12:25
Na Ja

ich hab da auch meine Zweifel und bin keine moralische Instanz.

Wenn ein Journalist und da ist Rau nicht der einzige schreibt, man könnte durch einen "Volksentscheid verlieren???" und damit ein demokratisches Mittel gegenüber dem Leser herabwürdigt, dann würde ich zumindest behaupten, er weiß nicht was er schreibt!

Velvet Velour
00
4.12.2011, 15:48

Nicht ich. Es ist doch bekannt (und wurde auch oft kritisiert, wenns nicht glaubst dann gidf.de), daß österreichische Medien ihre demokratische Pflicht nicht übernehmen können oder wollen. Genau dafür wird die Medienförderung ausbezahlt.

In der Privatwirtschaft wird man fristlos gekündigt, wenn man seinen Pflichten nicht nachkommt.

Velvet Velour
00
4.12.2011, 19:49

Hmmm, auf die Antwort werd ich wohl noch länger warten können.

Naja, da bin ich lieber Komiker als denkschwach.

</ lustig>
00
4.12.2011, 15:30
Sie sind ein Paradebeispiel eines

Konfidenzintervall
01
4.12.2011, 13:18

wenn das ideal der demokratie, von nationalpolitikern zur beliebtheitssteigerung missbraucht wird, ist diese so genannte demokratie auch nicht wert - zumindest wird sie nichts zum wohl der bevoelkerung beitragen.
Wenn permanent wichtige faktoren ausgeschlossen werden und die waehlende bevoelkerung desinformiert wird, kann diese auch nicht sinnvoll waehlen.
Was ich damit sagen will: die volksabstimmung wird mit grosser wahrscheinlichkeit gegen die fiskalunion ausfallen und die schwaechelden eu laender werden in die depression fallen. unter anderem vermutlich auch die laender ostwaerts von oesterreich (in denen einiges an oesterreichischem geld steckt). die zinssatzsteigerung wird uns also im endeffekt den allerwertesten retten.

Velvet Velour
00
4.12.2011, 13:37

Deswegen bin ich auch der Meinung, daß man diesem Schundblatt (und allen anderen österreichischen Medien) die Medienförderung streichen soll, weil es nicht seine demokratischen Aufgaben übernimmt, und so einen Dreck publiziert.

Und du glaubst also, daß die Lösung dafür, daß die demokratischen Organe nicht ihren Aufgaben nachkommen können oder wollen, das Abschaffen der Demokratie ist?

Konfidenzintervall
00
4.12.2011, 14:43

nein, glaube ich nicht.
allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass eine staerkung der nationalen demokratien nicht der richtige weg ist. vielmehr waere es sinnvoller eine eu-weite volksabstimmung zu machen, auch wenn der wille der kleinen laender darin untergehen wird.

Velvet Velour
03
4.12.2011, 15:38

Solange es keine einheitlichen Lebenshaltungskosten, kein einheitliches Lohnniveau und keine einheitlichen sozialen Standards in der EU gibt, ist es Wahnsinn eine einheitliche Budgetpolitik zu machen.

Das ist ja gerade das Problem des Euro, es wurde (mit Gewalt) zusammengefügt was nicht zusammenpaßt.

Du scheinst also der Meinung zu sein, daß man ein Problem damit lösen kann, daß man dieses Problem noch größer macht. Interessante Idee, nur ich befürchte in der Praxis wird das nicht funktionieren.

Konfidenzintervall
00
4.12.2011, 16:59

naja, die frage ist, ob die "elite"-Mitglieder nicht an der erhaltung des status quos staerker leiden als an der solidarischen schwaechung des eigenen wirtschaftsraums um die Eu in ihrer gesamtheit zu staerken.
Man sollte im uebrigen nicht vergessen, dass deutschland und andere an der einheitlichen waehrung massiv verdient haben. Es ist recht praktisch, wenn man beliebig exportieren kann ohne waehrungsschwankungen auszuloesen.

Velvet Velour
01
4.12.2011, 17:09

"dass deutschland und andere an der einheitlichen waehrung massiv verdient haben"

Wer hat daran verdient, die Arbeitnehmer (der Großteil der deutschen Bevölkerung)? Eben nicht.

"Es ist recht praktisch, wenn man beliebig exportieren kann ohne waehrungsschwankungen auszuloesen."

Nur funktioniert das nicht (oder nur eine beschränkte Zeit lang), wenn es sich die Länder nicht leisten können, die das importieren (sollen). Was passiert sehen wir jetzt, die Importeure können ihre Schulden nicht mehr zahlen. Das heiß, Deutschland hätte den Ländern die Güter ebensogut schenken können. Das wiederum heißt, D hätte gar nicht davon profiert, und das heiß man hätte sich das Ganze sparen können.

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