Afrika im Klimastress

Franko Petri, WWF Österreich, 3. Dezember 2011, 11:55

Mit weniger Regen, höheren Temperaturen und der Austrocknung ganzer Landstriche wird sich die Nahrungssituation der Afrikaner verschärfen

Neben dem Konferenzzentrum sind riesige Zelte aufgestellt, wo sich die Nationen und Kontinente präsentieren können. Gerade komme ich aus dem Afrika-Pavillon. Dort wurden ein Indoor-Regenwald und eine Hütte, wie man sie aus den ländlichen Gebieten in Afrika kennt, aufgebaut. Im Hintergrund hört man Urwaldgeräusche aus der Konserve und die Temperatur ist wie in einem Palmenhaus. Der künstliche Regenwald ist umgeben von Informationsständen afrikanischer Staaten, Universitäten und wissenschaftlichen Institutionen. Ich wühlte mich durch die Stapel aus den aktuellsten wissenschaftlichen Abhandlungen und wurde sehr schnell fündig. Denn heute interessieren mich die Auswirkungen des Klimawandels auf Afrika.

Die Menschen in Afrika haben Angst vor dem, was sie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erwartet. Denn Afrika ist sicherlich der ärmste und damit der verletzlichste Kontinent. Die meisten afrikanischen Länder haben Entwicklungsstatus und können die astronomischen Summen bei weitem nicht auftreiben, um sich an die Folgen der Erderwärmung anzupassen. Die empfindlichen Ökosysteme werden geradezu überfahren von den rasend schnellen Entwicklungen.

 

Martina Lippuner vom WWF Schweiz spricht über die Auswirkungen des Klimawandels auf Landwirtschaft und Artenvielfalt in Madagaskar.

In den letzten 40 Jahren ist die durchschnittliche Temperatur auf dem Kontinent um 0,6 bis 1,5 Grad gestiegen. Das hat Auswirkungen auf die Trinkwassersituation, auf die Landwirtschaft und die Versorgung der Menschen. Die Studien zeigen, dass nur ein Grad Temperaturanstieg in Afrika den Abfluss des Wassers um bis zu zehn Prozent verstärkt. Dieses Wasser wird in der Landwirtschaft fehlen, denn 95 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen werden nicht künstlich bewässert, sondern hängen vom Regen ab. Mit weniger Regen, höheren Temperaturen und der Austrocknung ganzer Landstriche wird sich die Nahrungssituation der Afrikaner verschärfen. Bis 2020 müssen manche Länder mit bis zu 50 Prozent Ernteausfällen rechnen. Auch die Trinkwassersituation für bis zu eine Viertelmilliarde Menschen wird sich in den nächsten zehn Jahren verschlimmern.

Durch den Klimawandel breiten sich Infektionskrankheiten, die durch Insekten übertragen werden, immer weiter in Afrika aus. Malaria, Denguefieber, Gehirnhautentzündung und andere Krankheiten sind stark auf dem Vormarsch. Schon jetzt sterben jedes Jahr in Afrika eine Million Menschen an Malaria. 350 Millionen müssen wegen dieser Krankheit klinisch behandelt werden.

Die Studien zeigen vor allem, dass der Niederschlag entlang der Mittelmeerküste im Sommer um bis zu einem Viertel zurückgehen wird. In Teilen des südlichen Afrika und in Ostafrika werden die Regenfälle bis 2040 um bis zu einem Drittel stärker.

Schon jetzt zeigt sich in manchen Regionen, dass die Stürme stärker und häufiger werden, auch die Überschwemmungen nehmen zu. Gerade die Südafrikaner spüren dies in den Tagen der Klimakonferenz. Viele Einheimische jammern über den fast täglichen Regen hier in Durban. Das sei nicht normal, sagen sie aus ihrer Erfahrung. Die mehr als 10.000 Konferenzteilnehmer, die das nicht so beurteilen können, mussten gestern bei heftigem Abendregen zu den Bussen laufen - und bekamen so die Wettersituation hautnah mit.

Die afrikanischen Wälder leider unter der großflächigen Entwaldung. Sie sind die Kohlenstoffsenken für den Anstieg von CO2 in der Atmosphäre. Wenn sie noch weiter gerodet werden, potenziert sich der Klimawandel weiter.

Besonders schlimm ist die Situation in Madagaskar. Die großen Regenwaldflächen wurden zu einem Großteil gerodet - mit tragischen Auswirkungen auf die ganze Insel. Die Regenzeit hat sich verkürzt und der erste Regen kommt jetzt im Jänner, nicht wie früher schon im November. Die Dorfältesten können ihr Wissen über Wetter und Landwirtschaft nicht mehr weitergeben, weil sich gerade alles ändert, wie Martina Lippuner berichtet. Martina stammt aus der Schweiz und arbeitet seit mehr als zwei Jahren für den WWF in Madagaskar. Sie ist Expertin für Waldschutz (REDD+). Die Bauern auf der Insel klagen immer mehr über Missernten und viele Familien müssen an die Küste ziehen, weil der Boden nicht mehr genug abwirft. So sind die Bauern gezwungen Fischer zu werden. Immer wieder kommt es deshalb zu großen sozialen Konflikten mit den Fischern, die schon länger an den Küsten wohnen.

Doch auch die Küstengebiete kommen immer mehr unter Klimastress. Denn die Stürme häufen sich und werden auch hier stärker. "Früher wehten die starken Winde nur fünf Tage, heute sind es fast drei Wochen", klagt Martina. Der Anstieg des Meeresspiegels an den Küsten des Schwarzen Kontinents wird ebenfalls ein Problem für die Küstenregionen. Die optimistischsten Schätzungen gehen von einem zusätzlichen halben Meter in diesem Jahrhundert aus.

Zurück zum Afrika-Pavillon auf der Klimakonferenz. Im Gespräch mit den Vertretern einiger afrikanischer Länder kommt immer wieder der Ruf für die Langzeit-Finanzierung der Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel auf, die Afrika nicht allein finanzieren kann. Denn es sind die reichen Industrienationen - und darunter viele ehemalige Kolonialmächte - die die Klimakrise produziert haben. Die Afrikaner hingegen müssen in den kommenden Jahrzehnten die Klimasuppe auslöffeln.


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13 Postings
Kowosch
 
13
3.12.2011, 21:29
Ein ganz wichtiger Aspekt scheint dabei aber - aus falsch verstandener political correctness? - ausgeblendet worden zu sein:

Der verheerenden Effekt einer weiterhin massiv ansteigenden Bevölkerungszahl.

Lokal dürfte dieser Anstieg selbst direkt oder indirekt (z.B. Abholzungen u. Wandlung des Mikroklimas) auch klimaverändernd wirken; und die Flexibilität, um auf Klimaveränderungen (auch natürliche!) zu reagieren nimmt dann in einem (für Afrika fiktiven...) nur unter optimaler Bedingungen ausblancierten Wirtschaftssystem auch ab.

Letzteres trifft natürlich auch Asien - und Europa, das halt seine Bevölkerungsexplosion so 100 bis 200 Jahre früher hingelegt hat.

Zur Klimapolitik gehört ganz klar auch Familienplanung - und zwar weltweit! Jedes europäische oder nordamerikanische Kind hat auch einen gigantischen ökologischen Fußabdruck - schon im Kleinkindesalter!.

john lebovski
00
7.12.2011, 23:40

psst, nicht so laut. glauben sie mir, in ihrer völligen naivität, geben sie hier einblicke in die schwarze seele ihres klimaglaubens, für die sie ihre glaubensbrüder nicht lieben werden. soll doch keiner wissen, worauf das ganze hinausläuft! also künftig etwas zurückhalten!

aleph null
10
4.12.2011, 05:51
Keine Frage, Familienplanung ist wichtig,

allerdings nur dort aussichtsreich, wo ein Minimum an Wohlstand herrscht und das ist in weiten Teilen Afrikas eben nicht der Fall.
Trockenlegung des Korruptionssumpfes, stabile politische Verhältnisse und billiger Zugang zu Energie wären wesentliche Voraussetzungen zur Schaffung von Wohlstand, der automatisch mit der Zeit zum Bevölkerungsrückgang führt. Auch wäre Wohlstand eine Voraussetzung dafür, um Umweltschutz zu betreiben.

Kowosch
 
01
4.12.2011, 08:57
Ja und nein,

natürlich sind (relativer) Wohlstand und Familienplanung miteinander verknüpft (und eben auch wechselseitig, was aber der traditionellen Wahrnehmung z.B. in Afrika häufig widerspricht), andererseits ist es auch eine Frage des Zugangs und der Aufklärung zu Mitteln der Familienplanung.

Hatte selbst erst kürzlich einem promovierten Biologen aus dem nordafrikanischem Raum aus gegebenen Anlaß mal etwas hinsichtlich "Pearl-Index" erzählt, das war neu für ihn...

Dann bleibt da auch noch das Problem von Frauenrechten und religiösen Vorbehalten gegenüber bestimmten Methoden der Familienplanung (bezieht sich nicht nur auf die gerne dafür gescholtene katholische Religion).

Und Umweltschutz ist auch eine Frage der Einstellung und des Wissens.

aleph null
00
13.12.2011, 02:47
Umweltschutz ist erst dann eine Frage der Einstellung,

wenn man über ausreichende Mittel verfügt.

Um das zu erkennen, braucht man nur einen Blick in Schwellen- und Entwicklungsländer werfen. Die schaffen es nicht einmal, eine funktionierende Abwasser- und Trinkwasserversorgung zu etablieren, was eine höhere Priorität als der Umweltschutz hat.

Aus ihren Geschreibe klingt der Zynismus des Wohlstandsbürgers, der sich nicht vorstellen kann, dass es wichtigere Dinge als den Umweltschutz geben kann.

Zuckerlilly Zuckerlilly
31
3.12.2011, 21:36
Mörderischer Schwachsinn.

Kowosch
 
00
4.12.2011, 12:14

Mögen Sie das auch etwas argumentativ unterlegen?

Vor allem, wo Sie das "Mörderische" sehen?

Zuckerlilly Zuckerlilly
21
4.12.2011, 15:24
Wer (westlichen) Kindern vorwirft sie hätten einen zu großen CO2 footprint

und es müßte deshalb Vorsorge getroffen werden, dass es weniger Kinder gäbe hat sowohl von der Materie keine Ahnung sondern ist auch einer mörderischen Ideologie (nämlich der der Überpopulation) verfallen.

Kowosch
 
01
4.12.2011, 20:20
Nachtrag:

Es geht übrigens nicht alleine um den CO2-Fußabdruck.

Öl z.B. ist halt auch kein zeitgerecht nachwachsender Rohstoff (obwohl ich mir bei Ihnen vorstellen könnte, daß Sie da mit diesen kruden Thesen vom "anorganischen, ständig neu entstehenden Erdöl" kommen).

Zuckerlilly Zuckerlilly
21
4.12.2011, 22:25
Was Sie sich vorstellen und dann mir unterstellen ist eine Frechheit. Behalten Sie in Zukunft Ihre Fantasien was ich denken könnte bei sich.

Nachwachsende Rohstoffe jedenfalls sind vielleicht im kleinen örtlich gebundenen Rahmen unter bestimmten Voraussetzungen eine Lösung, für eine großflächige Abdeckung von Energie jedoch nicht. Ganz zu schweigen davon, dass sie die Umwelt zerstören, Armut auslösen und im Falle von Solar-bzw. Windenergie (so man diese zu "nachwachsend" zählt) hochgiftigen Abfall erzeugen und unzuverlässig sind.

Kowosch
 
02
4.12.2011, 23:11

Nun seien Sie mal nicht so eine Mimose, wo Sie selbst unqualifiziert mit großen Beleidigungen ("mörderischer Schwachsinn") umherwerfen.

Im übrigen scheinen Sie meine Beiträge inhaltlich - und die zugrundeliegende Problematik auch, das ist ja in Ihrem obigen Beitrag evident - eh nicht wirklich verstanden zu haben. Was, wie ich denke, nicht an meinen Beiträgen lag...

Schönen Abend noch! Entspannen Sie sich mal. Dann wird das schon wieder...

Kowosch
 
02
4.12.2011, 20:16

1) Das "mörderisch" bleibt eine infame Unterstellung - es sei denn, Sie wären so extremistisch drauf, Empfängnisverhütung als Mord zu bezeichnen.

2) Ist das kein Vorwurf an die Kinder, sondern die Feststellung einer Tatsache. Ob Sie dann die Bedeutung von Ressourcenverbrauch anders bewerten, ist ein gesonderter Punkt.

3) Waren Sie überhaupt schon mal irgendwo in sogenannten Entwicklungsländern? Die gebildeteren Leute dort erkennen dieses Problem auch mehr und mehr. Es ist auch kaum zu übersehen.

4) Woher haben Sie z.B. Ihr unten hingestelltes Gerücht der bereits wieder blühenden Sahara? (Daß das infolge von Klimaveränderungen geschehen kann, ist mir klar)

Zuckerlilly Zuckerlilly
42
3.12.2011, 19:31
Dafür begrünt sich die Sahara von den Rändern her.

Dort, wo vor einigen wenige Jahrzehnten noch absolut nichts gewachsen ist, werdne heute, ohne künstliche Bewässerung, zwei Ernten eingefahren.

Der WWF braucht wohl wieder Spenden.

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