Kopf: Vladimir Antonov

Ein Oligarch, der Länder in Bedrängnis bringt

András Szigetvari, 2. Dezember 2011, 19:11

Litauen und Lettland orten beim sportbegeisterten Investor Unterschlagung im großen Stil

Fußball, Auto, Flugzeug: Alles, wovon Buben träumen, hat Wladimir Antonow genutzt, um Geld zu machen. Er war Miteigentümer des Fußballklubs FC Portsmouth und der lettischen Fluggesellschaft Air Baltic. Er besaß einen Sportwagenhersteller und Banken. Derzeit ist Antonow Hauptdarsteller in einem Betrugsskandal, der Behörden in vier Staaten beschäftigt und der zahllose Unternehmen und vielleicht sogar ganze Länder in den Abgrund reißen könnte.

Geboren wurde Antonow 1975 in Usbekistan. Sein Großvater Juri war als Mitentwickler der sowjetischen Atombombe eine Berühmtheit. Antonow studierte in Moskau Betriebswirtschaft, begann als Berater bei einer Bank. Seine große Stunde schlug 1998 in der Russlandkrise: Während Rubel und Aktienkurse fielen, erwarb er die Akademchimbank, "zu einem Spottpreis", wie er heute sagt. "Investieren, wenn die Welt ringsum zusammenbricht" wird zu seinem Geschäftsmotto. Nach und nach kaufte er sich mithilfe seines Vaters ein Imperium zusammen. Im Zentrum des Konglomerats stehen Bankbeteiligungen in Russland und im Baltikum.

Antonow ist ein passionierter Hobby-Rallyefahrer und überhaupt sportbegeistert. Privates und geschäftliches lassen sich nirgends so gut vereinbaren wie im Sport, und so baut er sich ein zweites Standbein auf, erwirbt Großevents (Golfturniere, Motorradrennen) und Sportklubs. Antonow wird kaufmännischer Direktor der Rallyeweltmeisterschaften.

Erste Gerüchte über seine Nähe zur Unterwelt tauchen auf, als er 2010 versucht, Anteile am maroden Autobauer Saab zu erwerben. Die schwedische Regierung lehnt ihn als Investor ab. Antonow geht in die Offensive und beklagt in einem Gastbeitrag in der "New York Times" die Diskriminierung russischer Investoren. Zu den Gerüchten rund um seine Person trug auch ein Mordanschlag auf den Vater bei.

Mitte November folgt die Wende im Leben des Russen: Die litauischen Behörden müssen eine seiner Banken, Snoras, notverstaatlichen. Antonow soll gemeinsam mit einem Partner 470 Millionen Euro unterschlagen haben.

Auch im finanziell schwachen Lettland fällt eine Antonow-Bank um, Air Baltic wird verstaatlicht und Antonow in London verhaftet. In Lettland werden zwölf seiner Autos und eines seiner Häuser konfisziert. Sorgen muss man sich nicht um ihn, er zählt nach wie vor zu den 200 reichsten Russen. Antonow ist verheiratet und hat zwei Kinder. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe; 3./4.12.2011)

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11 Postings
Shodes
00
15.12.2011, 13:56
oder wie man in Russland sagt

"Du darfst mich über alles fragen, außer über meine erste Million..."

Andreas W
01
3.12.2011, 12:02
Russischer Oligarch ein Verbrecher???

Das kann doch nicht sein, wo doch alle mit voellig unbedenklichen Machenschaften zu ihren Vermoegen gekommen sind.
Kein einziger von denen ist mit ehrlicher Arbeit auch nur zu einem Cent oder Rubel gekommen, deshalb wollen sich ja alle im Westen einnisten, vorzugsweise mit westlicher Staatsbuergerschaft.

wolfshaut
00
3.12.2011, 06:14

Hm, ich vermisse die Erwähnung von Antonovs/Antonows Verhaftung am 24.11. ... die Verhaftung dürfte doch der Anlass für den Artikel sein?

Tschikist
00
14.12.2011, 22:56
Ich verstehe Ihre Entrüstung

aber lesen Sie doch den Artikel zu Ende.

AlliGator
42
2.12.2011, 23:07

Unsere 23jährigen demonstrieren gegen Studiengebühren, saufen sich jeden Samstag ins Koma und träumen von Beamtenjob und Frühpension.

In Russland kauft man in dem Alter eine Bank und macht sich selbständig.

Marlon62
00
4.12.2011, 13:52
Unsere 23jährigen demonstrieren gegen Studiengebühren, saufen sich jeden Samstag ins Koma und träumen von Beamtenjob und Frühpension

Sie vergaßen: mit 38 wird man Finanzminster und wirtschaftet bei Privatisierungen in die eigene Tasche.

NONE
00
3.12.2011, 09:26

Jaja, das Märchen der russischen Oligarchen...

Apocalypse
01
3.12.2011, 03:58

Wennst ohne Ethik großgezogen wirst, sucht man eine Gelegenheit billig zuzuschlagen oder sauft sich eben an. In Ö ist zumindest ein Teil dermassen naiv großgezogen worden das wir garkeine Chance hätten gegen derartige Geschäftsleute.

AlliGator
00
3.12.2011, 11:42

Naja - daß der Mann nicht anständig zu sein scheint, ist ja nur ein Aspekt der Geschichte.

Bei uns hat ein 23jähriger nicht das Ziel, sich selbständig zu machen und sich etwas aufzubauen. Das kommt einfach nicht vor. Da haben Rußland, USA, Asien und sogar der Rest der "3ten Welt" uns sehr viel voraus.

Andreas W
11
3.12.2011, 12:00
Ja, vor allem das Selbstaendigmachen mit Hilfe von Verbrechergeld!

Oder wie glauben's denn, dass sich alle Mafiaorganisationen weltweit immer weiter in die Wirtschaft reingaunern.
In osterreich kannst noch so a super Idee haben, wenn nicht eine reiche Familie dahintersteht, die buergt, bekommst von einer Bank genau 0 Euro! und wer sich nicht mit Verbrechern einlassen will (und in OE zum Glueck auch nicht so einfach kann) wirds nur bleiben lassen koennen.
Russland und Asien, insb China, sind ja Paradebeispiele, wo sich die ruecksichtslosesten Verbrecher auf menschenverachtendste Weise bereichert haben und auch sie werden eines Tages scheitern wie Sklaventreiber und Monarchen in frueheren Jahrhunderten.

AlliGator
11
3.12.2011, 13:29

Vielen Dank für die Erklärung. Und ich dachte immer, Arbeit und Fortschritt wären die Domäne der Anständigen und Fleißigen - und bei denen die scheitern läge es an Dummheit oder Faulheit.

Nur zur Info - außer über Banken und Verbrechersyndikate kann man auch durch Arbeit zu Geld kommen. Oder über Venture Fonds, die Kapital für gute Geschäftsideen bereitstellen. Oder viele andere Kanäle.

Da muß man sich nur leider ein bisserl mehr anstrengen als die anderen. Und zum raunzen bleibt gar keine Zeit.

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