Die FSA führt einen aktiven Krieg gegen den Staat, gegen das Regime, mit dem Ziel, es zu stürzen
Die Free Syrian Army (FSA) - bestehend aus Deserteuren der syrischen Armee - ist eine Folge des brutalen Vorgehens der syrischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten, die ihre legitimen Rechte einforderten. Und mit der Milizenbildung hat das Assad-Regime selbst angefangen, als es bereits in einer frühen Phase des Aufstands die gefürchteten alawitischen Banden, die Shabiha, gegen Regimegegner, besonders Sunniten, losschickte.
Der Aufstand hat sich seitdem "konfessionalisiert", gegen den Willen der meisten in der Opposition engagierten Kräfte. Längst hat auch die FSA ihre zuerst als "Verteidigung" beschriebene Rolle hinter sich gelassen: Heute führt sie einen aktiven Krieg gegen den Staat, gegen das Regime, mit dem Ziel, es zu stürzen. Und sie erhält Unterstützung von außen - laut türkischen Medienberichten auch durch Frankreich, das Ausbildner in die Türkei und in den Libanon geschickt habe, um die FSA zu trainieren.
An dieser Behauptung muss nichts wahr sein, aber sie zeigt, in welche Richtung sich der Syrien-Konflikt entwickelt: in die libysche. In der Opposition, die sich anfangs gegen Einmischung von außen aussprach, rufen immer mehr Stimmen unter der Chiffre "Flugverbotszone" - in Syrien, wo die Armee auf dem Boden agiert, völlig sinnlos - nach einer militärischen Intervention. Aber man sollte auch wissen, dass in Syrien die Bevölkerung noch viel gespaltener ist, als sie es in Libyen war. Und das bedeutet: Bürgerkrieg. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2011)